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  Namenlose Heldinnen
 

von Rudolf Granichstaedten-Czerva

Im August 1809 trug eine Wildpret-Händlerin aus Telfs, namens Maidl, im Oberinntal besonders zur Erstürmung einer Brücke bei; sie nahm auch mit eigener Hand einen bayerischen Offizier gefangen und schützte ihn hierauf gegen die Misshandlungen ihrer Landsleute.

Bei Sauers (bei Imsterberg) stiegen im August 1809 Weiber und Mädchen auf Leitern ins tiefe Wasser hinab, kletterten am anderen Ufer empor auf die Felsen, um mit Steinen die unten vorüberziehenden Feinde zu zerschmettern; die übrigen flohen nach Imst.

An der Pontlatzer Brücke bei Prutz stellten sich am 8. August 1809 die Weiber hinter abgerissene Felsenstücke und warfen schwere Steinblöcke auf die Feinde hinab; ebenso am 4. August 1809 in der Sachsenklemme.

In der zweiten Berg-Isel-Schlacht am 25. Mai 1809 wurde der Meierhof des Rainer-Bauern besonders stark beschossen. Die junge Rainerhof-Tochter trug auf ihrem Kopfe den Kämpfenden ein Fässchen Wein zur Stärkung in her Kampfeshitze zu. Da führen feindliche Kugeln in das Fässchen hinein, sie nahm es ruhig vom Kopf, verstopfte die Löcher mit beiden Händen und mit der Schürze, munterte die Schützen zur Eile an, da noch eine zweite Kugel kommen könnte und sie nicht mehr als — zwei Hände habe. Sie rief: „Fürchtet Euch nicht vor den bayerischen Dampsnudeln!"

Am 11. Mai 1809 stellte sich Anna Feichtinger aus St. Johann in Tirol an die Spitze von 40 mit Heugabeln bewaffneten Weibern, um Kirchdorf zu verteidigen.

Am 9. August 1809 kam es an der Innbrücke bei Telfs zu einem furchtbaren Kampf gegen die andringenden Bayern. Nebst den Männern stellten sich auch die Telfser Weiber mit Zipin, Gabeln, Heumessern und Kröllen entgegen und nur wenige feindliche Soldaten betraten den Telfser Boden unverletzt. Die verwegenste unter den Weibern war Anna Sauer, vulgo „Froscher Annele". Mit dem Kröll in der einen und einem Stein in der anderen Hand ging sie auf die Feinde los. Sie soll dann später eine Zeitlang Lehrerin gewesen sein.

Am 24. November 1809 wurden auf den Anhöhen der Töll im Untervintschgau die Weiber von einer derartigen Wut gegen die Feinde ergriffen, dass sie in Nauders aus ihrer Mitte eine Kompagnie Mägde aufstellten und Offiziere wählten. Eine Färberstochter wurde zur Hauptmännin, eine andere, je nach Kampfesmut, zur Leutnantin gewählt. Die bayerischen Grenadiere sollen vor diesen Nauderer Amazonen in großen Schrecken versetzt worden sein.

Für alle diese uns dem Namen nach bekannten oder ungenannten Tiroler Heldinnen aus dem Jahre 1809 gelten die schönen Worte, die der Tiroler Dichter Bruder William auf das Grab der Sandwirtin in St. Leonhard im Passeier schrieb: „Ein starkmütig Weib, wer findet es? Ihr Wert ist Dingen gleich, die weither, aus fernsten Fernen stammen!"

   
  Quelle: Granichstaedten-Czerva Rudolf, Andreas Hofers alte Garde, Innsbruck 1932, S. 434 - 435.
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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