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Andreas Hofer – Nachkommen wie Sand am Meer

Winfried Hofinger

 


Wenn man einen Tiroler fragt, ob es denn nach Andreas Hofer noch heute Nachkommen gäbe, dann wird er einem etwas erzählen von einer Klosterfrau, die, uralt, erst nach dem 2. Weltkrieg verstorben ist. Es war das die Mater Maria Josefa Hofer, Urenkelin des Sandwirts, und sie starb am 28. Jänner 1959 im Alter von 96 Jahren in Wien. Leopold von Hofer, Beamter des Gaswerkes in Wien, starb 1921 kinderlos. „Mit dem Tod dieses letzten Urenkels ist das Geschlecht des Andreas Hofers im männlichen Stamme erloschen.“ So zu lesen in Karl Paulins Lesebuch zu „Andreas Hofer und der Tiroler Freiheitskampf 1809“, durchgesehen und ergänzt 1996 von Dr. Franz Heinz Hye. Das mit dem männlichen Stamm hat seine Richtigkeit.

Aber im Weiberstamm gibt es Nachkommen des Sandwirts wie Sand am Meer: Im „Passeirer Blatt“ vom Juli 2005 etwa entschuldigt sich das Museum Passeier dafür, dass es bei einer Einladung von Nachkommen Andreas Hofers im September 2004 zwar von 300 erforschten Nachfahren die 180 davon noch lebenden eingeladen habe – dass man aber die 173 Hofer-Nachkommen nach Franziska Haller (verehelichte Pichler) und die 18 Hofer-Nachfahren nach Anton Haller dabei glatt übersehen habe. Worauf seitenweise diese beiden Stämme nach Gertraud Haller, 1805 geborene Hofer-Tochter, aufgelistet und beschrieben werden. Sie haben teilweise aus dem Passeier hinausgeheiratet; es sind auch einige Priester und Nonnen und andere ohne eigene Familie darunter – typische Tiroler Großfamilien des 19. und des 20. Jahrhunderts.

In Zeiten, in denen die Erbhofwürde über Frauen begründet werden kann, wird es wohl richtig sein, auch die weibliche Form der Weitergabe von Genen des Andreas Hofer gelten zu lassen.

Aber zunächst zur männlichen Linie: Andreas Hofers einziger Sohn Johann (Hans), geboren 1794, litt noch als Erwachsener an gefrorenen Zehen, weil er im kalten Winter 1810 gezwungen worden war, gemeinsam mit seinen Eltern barfuß von der Pfandleralm ins Tal zu gehen. 1819 heiratete er Clara Weickmann, und sie hatten 14 Kinder. „…sie starben allerdings schon im frühen Kindesalter“ steht irriger Weise im „Paulin“. Einige dieser Hoferenkel wuchsen nämlich heran, sie hatten Kinder, also Urenkel des Andreas Hofer. Aber richtig ist, dass alle Zweige nach Hans, dass also der Mannesstamm Hofer ausgestorben ist. Hans starb 1855 an einer Lungenkrankheit.

Die Töchter

Andreas Hofer hatte sechs Töchter; zwei davon starben als Kleinkinder; alle starben sie vor ihrer Mutter Anna geborene Ladurner, also vor dem 6. Dezember 1836. Besonders tragisch ist das Ende der Mutter Anna und ihrer letzten Tochter Anna: Die Tochter kam nach Hause, um ihrer schwerkranken Mutter beizustehen – und sie selbst starb in den Armen ihrer Mutter, die eine Woche später verschied.
Beispielhaft seien hier Andreas Hofers Tochter Rosa (von) Hofer, geboren 1798, und ihre Kufsteiner Nachkommen angeführt. Rosa heiratete 1830 einen gewissen Josef Andreas Holzknecht, geboren 1800 als Sohn des Josef Holzknecht (geboren 1775, Brühwirt) und Neffe des Johann Holzknecht, also des „Finanzministers“ Hofers in seinem Innsbrucker Regiment, (siehe dazu im Bauernkalender 2009). Rosa gebar kurz hintereinander drei Kinder, worauf diese Sandwirtstochter im September 1832, zwei Wochen nach der Geburt ihres dritten Sohnes, verstarb.

Was wurde aus Rosas Kindern Kindern? Adelgott Schatz (1857 – 1943) hoch gelehrter Benediktiner, gebürtig aus Tarrenz im Oberinntal, schrieb: „Sie (Rosa) schenkte ihrem Gemahl in kurzer Ehe drei Söhne, die aber bald ins Grab sanken: Josef 1830, Johann 1831, und Andreas 1832. Dieser starb 1894 in Meran und war mit Klara Peer, Pfauenwirtstochter in Bozen vermählt.“ Entweder-oder: Wurde Andreas nun 62 Jahre alt oder ist er auch bald „ins Grab gesunken“? Er überlebte!

Nach dem Ahnenpass des 1904 in Bozen geborenen Fritz Holzknecht hat dieser Andreas Holzknecht, anno 1857 die 1830 in Bozen als Gastwirtstochter geborene Klara Peer geheiratet. Ihr am 1. Februar 1862 geborener Sohn Franz Karl heiratete 1901 die 1881 in Westendorf geborene Ursula Maria Sillaber, und sie bekamen 1904 eben diesen Sohn Fritz. Maria geb. Sillaber starb mit 36 Jahren. Fritz kam im Alter von 4 Jahren nach Kufstein zu seiner Tante Anna Pirchmoser geb. Sillaber. Fritz hatte vier Kinder, 9 Enkelkinder und 15 Urenkel.

Heinz Holzknecht, in Kufstein lebender Sohn des Fritz, geboren 1939, ist inzwischen selbst achtfacher Großvater. Seine Enkel sind Andreas Hofers Ur-Ur-Ur-Ur-Urenkel…

Der Ahnenpass

Jüngere Leser werden gar nicht mehr wissen, was ein Ahnenpass ist. In der Nazizeit hatte man damit zu beweisen, dass man nicht etwa jüdische Vorfahren besitze. Waren die jeweiligen Taufbücher verbrannt oder verschollen, dann hatte der Betreffende (vor allem dann, wenn er politisch nicht auf der Parteilinie war) mit mancherlei Schwierigkeit zu rechnen. Mein Großvater mütterlicherseits Josef Greiter, geboren 1866 in Schlanders, konnte beispielsweise die Taufe seines 1779 geborenen Großvaters nicht belegen. Großzügig gestattete es ihm das Landesgericht, dass er die diesbezüglichen Nachforschungen nach dem „Endsieg“ fortsetzen dürfe. (Aus der Liste der Anwälte wurde er aus anderen Gründen, die hier nicht unser Thema sind, gestrichen).

Mancher vorher begeisterte Parteigenosse kam erst im Zuge dieser Ahnenforschung darauf, dass er eine „jüdische Großmutter“ hatte…

So absurd und schrecklich die Folgen für jemanden, der keine komplette „arische“ Ahnenreihe ausweisen konnte, auch waren: Das, was heute in den USA eine Massenbewegung ist, die Suche nach den Wurzeln, den „roots“, hatte und hat auch seinen Reiz.

Aus dem Ahnenpass meiner Mutter geht hervor, dass Johann Holzknecht mein Ur-Ur-Urgroßvater ist. Dessen Neffe Josef heiratete, wie oben dargelegt, die Rosa Hofer, eine der Ahnfrauen der vielen hundert weitgehend unbekannten Nachkommen Andreas Hofers. Aber auch nach ihrer Schwester Gertrud, siehe oben, gibt es in Tirol und anderswo zahlreiche Nachkommen – grob geschätzt sind es mehr als fünfhundert.

In Kufstein hat man gewusst, wer die Holzknechts sind. Als dort 1926 das große Hoferdenkmal eingeweiht wurde, hat man den 1904 in Bozen geborenen Fritz Holzknecht, später vielseitiger Techniker und zur Zeit der Erstellung des Ahnenpasses von Beruf Kinooperateur, als Hofer-Ur-Urenkel freudig begrüßt.

   
  Quelle: Andreas Hofer – Nachkommen wie Sand am Meer, Winfried Hofinger, veröffentlicht in der Tiroler Bauernzeitung vom 20. Februar 2009 und vom Autor am 23. Februar 2009 für SAGEN.at zur Verfügung gestellt.
 

© Winfried Hofinger 2009.