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  Andreas Hofers Kuriere
 

von Rudolf Granichstaedten-Czerva

Der 4. Oktober 1809, Kaiser Franzens Namenstag, war in Innsbruck National-Festtag. Natürlich mit Theater. Man gab August Wilhelm Ifflands (1759 — 1814) „Liebe dem besten Fürsten"; viele Anspielungen auf Kaiser Franz gaben Anlass zu enthusiastischem Beifall. Hofer erschien in einer nagelneuen Passeirertracht und mit einem durch ein Marienbild geschmückten neuen Hut, dessen breites Band die Nonnen des Innsbrucker Ursulinen-KIosters gestickt hatten. Alles, auch Hofer, in dessen Loge auch die kaiserlichen Offiziere, Hauptmann Simonis und Freiherr von Lochau in großer Uniform saßen, war freudig gestimmt. Da trat ein bäuerlicher Bote in Hofers Loge und überreichte dem Sandwirt ein Schriftstück. Hofer stand auf und entfernte sich eilig aus dem Theater. Es war eine schlechte Nachricht (die Preisgabe Halleins). Von Neugierigen nach dem Grunde seiner Besorgnis befragt, sprach Hofer die lakonischen Worte: „Neues woaß i nix. I han woll drei Kurier auf'm Weg, 'n Watschenhiasl, 'n Sixtnseppele und 'n Memelefranz; und der Schwanz kant scho' lang da sein, i derwart den Loter alle Stund'." Diese rätselhafte Auskunft mag wohl dem Eingeweihten verständlich gewesen sein, die Geschichtswerke registrieren sie nur als Ausdruck der Abgeneigtheit Hofers gegen alle Interviews. Wer waren nun die Träger dieser drei Pseudonyma? Wir werden nicht fehl gehen, wenn wir diese Kosenamen drei Männern beilegen, die als Kuriere Hofers sich besondere Verdienste erwarben, die sie schließlich mit ihrem Tode besiegelten; Matthias Frenner, Josef Markreich und Franz Burger.

Matthias Frenner, auch Gravetscher Hiasl, oder — in einer Verballhornung der Herkunftsbezeichnung — Watschenhiasl genannt, war in St. Martin-Abtei (bei Bruneck) im Jahre 1780 geboren, arbeitete als Schmied in Gravetsch bei Villanders, Bezirk Klausen, und zuletzt als Gehilfe des Schmiedmeisters Urban Kofler in Pardell bei Villnöß. Josef Markreich (geb. 1771), angeblich ein Ausländer (vulgo Maschell aus Ungarn), und Franz Burger, ehemals k. k. österreichischer Kanonier des 2. Artillerie-Regimentes, geb. 1773, dann Sandwirtskanonier, waren die drei Leib-Kuriere Andreas Hofers; Frenner und Markreich waren Sandwirtsdragoner. Diese Kuriere erwartete Hofer an jenem 4. Oktober, der wohl sein höchster Ehrentag, wenn auch durch schlimme Botschaften aus Südtirol und dem Salzburgischen getrübt war.

In der Folgezeit machten die drei treuen Boten alle kriegerischen Ereignisse in Tirol mit, zuletzt auch die unsinnigen Kämpfe unter dem verrückten Johann von Kolb gegen Brixen. Am 5. Dezember 1809 fand ein Gefecht bei Klausen statt, bei dem die Franzosen zwar siegten, aber große Verluste erlitten. Aus Wut hierüber ließ der französische Divisions-General Severoli alle Teilnehmer an dem Kampfe aufspüren und so wurden auch unsere drei Helden verhaftet und nach Bozen eskortiert. Nach kurzer Haft wurde der Befehl zur Erschießung gegeben. Die Militärbehörde verlangte um 8 Uhr früh am 21. Dezember 1809 von der Munizipalität einen Priester für die Delinquenten; um die Mittagsstunde wurden sie auf der Tuchbleiche außerhalb der Stadt Bozen (in der Nähe stand später der Sockel des projektierten Kaiserjäger-Denkmales) mit Pulver und Blei hingerichtet. Sie wurden stehend füsiliert und dabei einer ganz gefehlt, so dass nochmals auf ihn geschossen werden musste.

An dem am 30. September 1900 in Bozen enthüllten Denkmal Peter Mayrs, rechts vom Eingang in die Propsteikirche, sind an der linken Seite des Denkmales die Namen von Peter Mayrs Kampfgenossen: Frenner, Burger und Markreich, eingemeißelt. Dem Watschenhiasl setzte man am 18. September 1910 zusammen mit Georg Ganeider (Anführer der Villnößer, geb. 28. Dezember 1743, erschossen am 17. Dezember 1809 in Bozen) in seinem Heimatsort Villnöß ein Denkmal, das mit einem hübschen Relief geschmückt ist und die Form eines Bildstöckls hat.

   
  Quelle: Granichstaedten-Czerva Rudolf, Andreas Hofers alte Garde, Innsbruck 1932, S. 198 - 199.
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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