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  Erinnerungen an Andreas Hofer
 


Fräulein Ida v. Malfer-Auerheim, eine Schwester meiner Großmutter, weilte im Sommer 1900 einige Zeit in St. Leonhard in Passeier. Aus dieser Zeit stammen nachstehende unzusammenhängende Aufzeichnungen von ihrer Hand:

„Erinnerungen an A. Hofer.

Am 10. Jänner 1810 wurde er auf der Pfandlalm von seinem Pathenkind Raffl um 500 fl. verraten. Seine Frau, die Kinder und sein Schreiber waren da und alle wurden weggeführt. Einer rettete sich, indem er rückwärts aus der Hütte hinabsprang. Am 20. Februar 1810 wurde er in Mantua erschossen. Der Sohn von Andreas Hofer wurde in Wien erzogen, der Hof vom Kaiser für den Sohn gekauft und den vier Töchtern je 7000 fl., der ältesten 8000 fl. ausbezahlt. Die Töchter haben geheiratet, eine, die Gertraud, den Mesner hier. Sie war nur 4 Jahre verheiratet. Die Sandwirtin war Taufpatin bei den 3 Kindern.
Eines lebt hier als Postmeister.

Von den Verwandten leben noch der Enkel, Postmeister Haller, und dessen 5 Kinder. Einer ist Priester, eine Klosterfrau, einer Bauer, genannt der Schlosshofbauer, weil er den Hof unter der Ruine Jaufenburg und diese selbst besitzt, und 2 Schwestern, die auf diesem Hofe leben.

Der Postmeister in St. Leonhard, Georg Haller, 66 Jahre alt, ein Enkel des Andreas Hofer, zeigte mir ein schönes geschliffenes Glas, mit eingepresst einen A. Thaler. Als anno 1838 Kaiser Ferdinand in Meran war, wollte er alle Enkel des Andreas Hofer sehen, und so brachte der Vater den vierjährigen Buben nach Meran. Jeder Enkel
bekam ein so schönes Glas, das die Familie heilig hält, besonders weil Kaiser Franz Josef daraus schon zweimal Wein getrunken. Das letzte Mal am 21. September 1899, wo ihm die Urenkelin des Andreas Hofer, die Tochter des Postmeisters, den Wein kredenzte.

In Saltaus, ¾ Stunden von hier, war es, wo die Bauern den Andreas Hofer zwangen, noch einmal zu kämpfen anzufangen, damit nicht, wie sie sagten, die Protestanten ins Land kämen. Er wollte nicht, aber sie drohten, ihn zu erschießen, und so versprach er, wieder ihr Commandant zu werden.

Der alte Bauer Aigner, hier, 83 Jahre alt, erzählte mir heute, seine Mutter habe oft erzählt, wie im nahen St. Martin, als der fremde Pfarrer (nicht katholisch?) angestellt wurde, der alte Pfarrer die Leute an einem Morgen kommunizierte und ihnen auch mehrere hl. Hostien gab, damit nichts mehr da sei. Dann wurde das ewige Licht ausgelöscht und da weinte und schluchzte die ganze Gemeinde. In die Kirche gingen sie nicht mehr und wenn jemand begraben wurde, geschah es ohne Gebete, mit dem Hut auf dem Kopf.

Die Sandwirtin, die Frau des Andreas Hofer, Anna Ladurner, starb am 6. Dezember 1836. Geboren war sie zu Algund 1765, erreichte also 71 Jahre. Sie war eine Frau, ernst und traurig aussehend. Besonders nach dem Tode ihres Mannas war sie oft ganz unzugänglich und man bekam dann kein Wort von ihr.

Mit der Pächterin am Sandhof lange gesprochen. Sie erzählte mir mit Ärger, daß die Frau des Andreas Hofer wohl in St. Leonhard begraben sei, aber nicht ein Stein oder Kreuz zeigt ihnen Platz, was eine Schande für die Tiroler sei. Als der Hof verkauft wurde, ließ der Enkel Haller alles versteigern und die Sachen gingen um einen Spottpreis ab: Ganze Mengen von Zinntellern, mit A. H. graviert, und viele prächtige Kessel von Glockspeis, wie sie früher in jedem Hause üblich waren."

Dies die Aufzeichnungen meiner Großtante. Dabei befindet sich noch folgende Randbemerkung: „Tante Ida sorgte dafür, daß in St. Leonhard am Friedhof ein eisernes Kreuz mit folgender Inschrift aufgestellt wurde:

Anna Ladurner
Sandwirtin
geb. am 27. Juli 1765
verehelicht am 21. 7. 1789 mit A. Hofer
gest. am 6. Dezember 1836."

V. Malfèr

   
  Quelle: Viktor Malfér, Erinnerungen an Andreas Hofer, in: Der Schlern, Zeitschrift für Heimat- und Volkskunde, 21. Jahrgang, 1947, S. 55.
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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