Die „Tidin“ von Johannisberg

In Johannisberg lebte eine alte Frau, die im Dorf nur „die Tidin“ genannt wurde. Der Name wird als Dialektform von Titin verstanden, einer Bezeichnung für eine alte Tante oder eine Frau mit hexenhaften Fähigkeiten. Die Tidin besuchte regelmäßig den Markt in der Nachbarstadt, um Butter zu verkaufen. Obwohl sie nur wenige Kühe besaß, brachte sie stets deutlich mehr Butter mit als die anderen Frauen. Wenn die Frauen auf dem Weg zum Markt waren und sich nach Johannisberg umdrehten, sahen sie das Haus der Tidin stets in Flammen stehen. Dennoch geschah der alten Frau nie etwas, und das Haus war später immer unversehrt. An Tagen, an denen sie butterte, war der Bereich vor ihrem Haus am Bachsteg voller weißem Schaum. Die Dorfbewohner deuteten dies als Zeichen ihrer besonderen Kräfte, akzeptierten sie jedoch als Teil des Dorflebens.

ANMERKUNG: Die Sage gehört zu den klassischen Hexen- und Buttertraditionen des Hauerlandes.
ORT: Johannisberg / Piargy, Region Hauerland, Mittelslowakei
ERZÄHLERIN: aus der mündlichen Überlieferung von Klotilda Weyerstrass (geb. Tielesch), geb. 1936 in Kremnica (ČSR), zweisprachig aufgewachsen (Deutsch/Slowakisch), aufgewachsen in Piargy / Johannisberg. Die Sagen wurden von ihr in den 1940er Jahren gehört und bis heute erinnert. Die Quellenlage ist eindeutig und persönlich belegt.

E-Mail Zusendung von Lars Weyerstraß, Mai 2026.