Ein Krieg in Dornbüschen
(Sage über die Gründung der Stadt Trnava)
Anfang des 12. Jahrhunderts, nach dem Tod des Königs Stephan II., beanspruchten den ungarischen Thron sein Sohn Belo und einer seiner Vettern. Dieser Vetter vereinigte sich mit dem polnischen König und einigen tschechischen Adeligen gegen Belo. Die Heere beider Seiten trafen sich endlich an der Kreuzung der uralten Handelswege: des Tschechischen Wegs und des Bernsteinwegs.
Auf der breiten Ebene befand sich dort damals weder eine Siedlung noch eine Kirche, nur ein kleiner, fauler Fluss durchquerte sie, und hinter dem Fluss wuchsen dichte, undurchdringliche Dornbüsche. Und gerade sie bemerkte König Belo vor dem militärischen Treffen mit seinen Feinden.
,Eigentlich brauche ich nichts mehr, als meine Feinde zwischen den Fluss und die Dornbüsche zu holen. Wenn sie zurückziehen, werden die Dornen sie anhalten und Pferdehufe der Restlichen im Flussschlamm versinken. Diese Schlacht sollte ich nicht verlieren! ´ überlegte sich Belo.
Und gleich rief er seine Heeresführer zu sich und erklärte ihnen seinen Plan. Die stimmten Belo zu und vereinbarten gleich, wie sie die feindliche Armee in die für Belos Armee günstige Lage zu bringen: einfach zu dem Fluss und hinter der Dornenmauer werden schon Belos Kämpfer bereit stehen.
Und so geschah es auch, obwohl Belos Feinde dreimal mehr Soldaten hatten als er. König Belo gewann die Schlacht.
Am Abend dachte er nach, wie er seinen Sieg verewigen sollte. Er fühlte, dass er nicht nur für ihn selber sondern auch für das Land von Bedeutung war. Aber es fiel ihm nichts ein.
Im tiefen Schlaf erschien ihm ein Engel.
„Ich weiß, worüber du so lange nachgedachtest, König Belo,“ sprach der Engel. „Etwas hast du dabei aber vergessen. Du hast den Einen vergessen, der dir zum Sieg verholfen hat. Nämlich den Allmächtigen. Wenn du wirklich eine Erinnerung an deinen Sieg für ewig hinterlassen willst, bau hier an der Kreuzung dieser Handelswege eine Kirche. Es wird nicht viel Wasser in dem Fluss, an dem jetzt dein Lager liegt, fließen, und bei der Kirche wird eine Stadt wachsen, die einen großen Ruhm deinem Königreich bringt!“
König Belo dachte nicht lange nach und ergab Gebote, gleich auszuführen, was der Engel ihm im Traum empfahl. Innerhalb eines Jahres wurde eine Kirche an der Kreuzung der alten Handelswege aufgebaut. Bald siedelten sich Handwerker und Händler rund um sie an. Der König beabsichtigte, der Stadt seine königlichen Privilegien zu erteilen, damit sich die Stadt noch besser entwickeln konnte. Und da stellte er fest, dass diese Stadt noch keinen Namen hat. Aber seine Urkunde muss doch den Namen der Stadt beinhalten, sonst wird sie ungültig sein. Aber was für einen Namen soll er der Stelle geben, wo er einst seine Schlacht gewann?
König Belo vergaß schon die Einzelheiten seines siegreichen Kampfes. Aus der alten Geschichte blieben ihm nur die Dornbüsche im Kopf stecken. Da fiel ihm ein: Trnava soll die Stadt heißen! (etwa: eine Dornenstadt; vom slowakischen Wort: „tŕň =ein Dorn abgeleitet)
Und so heißt seit jener Zeit eine der ältesten und bedeutendsten Städte der Slowakei.
E-Mail Zusendung von Jana Judinyová, August 2025.