Das steinerne Geld

Johann Corvin (ein außerehelicher Sohn des berühmten ungarischen Königs Matthäus Corvin), Herzog von Liptov (Liptau, eine Region in der Slowakei) setzte auf sein Schloss Bojnice (Bajmotz) Johann Peter Poky, einen gefürchteten Kriegsmann, dass er ihm dieses Kleinod wahre. Das Schloss stand auf einem steilen Berg. Dem Fuß seiner Felsen entsprang eine heilende Quelle, zu der schon seit grauen Zeiten von Ferne die Kranken wallten, um Heilung zu finden.

Poky war ein rauher Mann, im Herzen wohnte ihm verzehrender Golddurst. Gold beherrschte ihn so stark, dass jegliches Flehen und Klagen vor seinem Ohr ungehört verhallte. Er begann das Volk zu unterdrücken und mehrte alltäglich von dessen Schweiß seinen funkelnden Mammon. Das Volk erhob laute Klagen, die ihm allerdings nichts halfen. Diejenigen, die weiter Abhilfe suchten, ließ Poky in dumpfen Kerkern büßen. Ihr Gut erklärte er für verfallen.

Da schloss er endlich auch den Heilbrunnen ein. Nur derjenige, der eine hohe Steuer bezahlte, konnte die heilende Quelle genießen, die früher aus der königlichen Hand frei und unbeschwert zu genießen war. Der friedliche Ort erschallte jetzt von Klagen und tausendfachen Flüchen, die alle gegen Poky gerichtet waren.
Pokys Durst nach Gold war groß, allmählich wuchs in seinem Inneren auch die Sehnsucht nach den Burgen und den Dörfern, den Bergen und Tälern, die sich vor seinen Blicken dehnten. Einst schaute er aus dem Fenster hinaus in die reiche Landschaft, die sich zu seinen Füßen dehnte, da wankte auf Krücken ein Greis heran und hob flehend die Stimme, der Gebieter möge ihm die Steuer erlassen. Arm sei er und von fern hergewandert, den mit Wunden bedeckten Körper mit dem heilenden Wasser zu tränken. Er könne nicht heim, wenn ihm Poky nicht Gnade erwiese. Mit rauhen Worten wies Poky den Unglücklichen ab, da erhob dieser nochmals seine Stimme und flehte um Erbarmen. Unter grässlichen Flüchen donnerte ihm Poky zu, er wolle kein Erbarmen vom Himmel und keines mit ihm zu haben. Zugleich gebot er, gegen den Greis seine wilden großen Hunde loszulassen.

Da warf der Unglückliche plötzlich die Krücken von sich, Schimmer umstrahlte seine Gestalt, zum rollenden Donner wurde seine Stimme und er begann: „Du stehst am Ziel. Versiegen soll die Quelle deiner Schätze, nutzlos sollen sie dir sein, bald wird die Rache dich ereilen, und kein Erbarmen wirst du finden, wie du selber kein Erbarmen hast.“ Und danach verschwand der Greis.

Da kamen schon Boten gelaufen und teilten Poky mit, dass die Heilquelle unter Donner und gewaltigem Brausen und Zischen sich in einem mächtigen Strahle gen Himmel gehoben habe und dann plötzlich zurück in den Abgrund gefallen sei. Keine Spur war von ihr übrig geblieben.

Pokys Seele bemächtigte sich schnell nagender Wurm, wie es jetzt mit seinem gesammelten Schatz stand. Zugleich bekam er eine Nachricht, dass sein Komplott gegen seinen Herrn, den Herzog, schiefgelaufen war. Er wollte mit den ihm anvertrauten Söldnern sein Werk ausüben, doch als er seinen Schatz öffnete, sah er alle gehäuften Münzen in Stein verwandelt!

In der Glut seines Zornes gebot er mit den Steinen den Schlund, der nun statt der Quelle gähnte, zu füllen. Allein hatte seine Stunde geschlagen… An das Tor vom Schloss Bojnice pochten schon die Diener der Gerechtigkeit und wollten ihn vor das Gericht des Königs wegen des Verrats seines Herrn bringen. Poky wehrte sich aber seine eigenen Söldner lieferten ihn gebunden den Gerichtsboten aus.

Unter lautem Frohlocken des Volkes wurde er abgeführt. Das Gericht sprach: Poky solle lebend von vier Pferden zerrissen, sein Körper zu Asche verbrannt, und diese in alle vier Ecken zerstreut werden. Vergeblich flehte Poky den König Wladislav um Milde und Erbarmen, er fand keines.

Wo sonst die Quelle gewesen, da senkt sich jetzt ein unergründlicher Sumpf in die Tiefe. An seinen Ufern liegen in großer Menge runde, flache Steine umher. Das Landvolk meint, das seien die verwandelten Münzen von Poky.

Jahrelang blieb die Quelle verborgen, bis sie sich endlich einen neuen Ausgang, unfern des alten, sprengte, aus dem sie noch fortwährend zum Heil der Kranken quillt.

Bearbeitet nach der Sage:  Das steinerne Geld von Jana Judinyová. Quelle: Erzählungen, Sagen und Legenden aus Ungarns Vorzeit von Alois Freiherrn von Mednyánzsky. Pesth, herausgegeben bei Konrad Adolph Hartleben, 1828, S. 170 -178.

Mit dem Schloss Bojnice ist noch eine Sage verbunden. Im Schlosspark wächst die sogenannte König-Matthäus-Linde oder die Bojnice-Linde. Es geht um eine Sommerlinde (Tilia platyphyllos), die mehr als 700 Jahre alt ist, der Stammumfang beträgt 11 Meter, die Baumhöhe 9 Meter und der Kronendurchmesser 5 Meter.
Der historischen Legende zufolge wurde die Linde 1301 vom Herzog Matúš Čák von Trenčín gepflanzt, nachdem Ondrej III., der letzte König der Arpáden-Dynastie, gestorben war. Während seines Aufenthalts auf Schloss Bojnice soll König Matthäus Corwin unter dieser Linde königliche Versammlungen abgehalten haben.
Die König-Matthäus-Linde ist ein seltenes botanisches Denkmal und steht seit 1962 unter dem staatlichen Naturschutz.
Bearbeitet nach der Internetquelle: https://sk.wikipedia.org/wiki/Lipa_kr%C3%A1%C4%BEa_Mateja von Jana Judinyová

E-Mail Zusendung von Jana Judinyová, August 2025.