
Von der Schattenburg herab führten in alter Zeit, so berichtet die Sage, drei unterirdische Gänge in die Stadt, einer zur Pfarrkirche, ein anderer zum Katzenturm, der dritte zur Johanniterkirche. Die Montforter hatten dieselben graben lassen, um bei Belagerungen entfliehen zu können.
Später aber saßen grausame, gewalttätige Vögte auf der Burg. Diese vermauerten an den unterirdischen Gängen jeden Ausweg und benützten sie zu furchtbaren Verließen. Sie stürzten ihre Opfer in dieselben hinab, daß sie dort in der Grabesnacht und im Hungerelend verkamen; auf nackte Gerippe stießen sie und verwesende Leichen und entsetzten sich zutode [sic] und blieben daneben liegen. Noch dringt dumpfer Modergeruch aus den Gängen empor und hört man in ihrer Tiefe zu mitternächtiger Stunde Röcheln und wehes, schauerliches Geheul.
Wer mit einem Lichte dort eindringt, dem verlöscht es ohne Zugluft in der Hand.
Quelle: H. Hensler-Watzenegge, in: Rund um Vorarlberger Gotteshäuser, Heimatbilder aus Geschichte, Legende, Kunst und Brauchtum, Bregenz 1936, S. 5