172. Die Drexelhöhle bei Ebnit

Als die Franzosen ins Land kamen, ließ die Herrschaft von Ems ein goldenes Kegelspiel nach Ebnit in Sicherheit bringen; unter dem Küchenboden des Pfarrhauses wurde es dort verwahrt. Doch die französischen Soldaten hatten davon Kunde erhalten und streiften schon dem einsamen Bergdorfe zu. Nur mit Not konnte sich der Pfarrer noch auf den Bocksberg flüchten und mußte auch von dort bald weiter über die „Ebene" der Ach entlang bis in eine Höhle über dem Hackwald draußen. Dort verbarg er sich, und die Weiber dieses Weilers brachten ihm durch sechs Wochen das Essen, denn seine Köchin wurde überwacht. Noch heutigentags ist sein Versteck unter dem Namen Drexelhöhle allgemein bekannt.

Auch Bauersleute flohen in dieser Zeit der Gefahr, was jedoch die Feinde so erzürnte, daß sie deren verlassene Häuser arg beschädigten; gegen jene, die nicht geflohen waren, benahmen sie sich nicht unfreundlich.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 172, S. 109