O weh, wie ist der Pflug so heiß

Ein Bauer ließ allemal beim Umackern den Pflug ein paar Furchen im Grund des Nachbarn machen; auf diese Weise stahl er ihm mit der Zeit einen Strich Bodens ab. Zur Strafe mußte er nach seinem Tode mit einem feurigen Pflug über das gestohlene Ackerlein auf- und abfahren.
Dabei hörte man ihn oft jämmerlich schreien:

"O weh, wie ist der Pflug so heiß,
Und niemand mir zu helfen weiß!"

Endlich pflanzte einer seiner Nachfolger am Gut die Marksteine auf den Platz hin, wo sie ursprünglich gestanden. Da rief in der folgenden Nacht der Geist mit freudiger Stimme:

"Erlöst, Gott sei Dank, bin ich jetzt,
Der Markstein ist auch recht gesetzt!"

    I. V. Zingerle

Quelle: Der Sagenkranz der Wildschönau, in: Heimat Wildschönau, Ein Heimatbuch, Dr. Paul Weitlaner, Schlern-Schriften Nr. 218, Innsbruck 1962, S. 125 - 155.