Die wilde Fangga

Ihr Büblein bleibet fein im Haus,
Es hat schon "bethgeläutet,"
Vom Wald zieht "d' wildö Fangga" aus,
Und schleicht um's Dorf und beutet,
Gott schütz euch vor dem Riesenweib,
Sie schnupft-"mei Seal" zum Zeitvertreib,
Oft einen ganzen Haufen
Von Buben, die verlaufen.

Hernach nimmt sie ein' alten Baum
Voll dürrer Aest [Äst] und Spitzen,
Und krallt [kratzt] in ihren Nasenraum,
Und thut [tut] sie "z' Toad" fast ritzen,
Wohl schrein die Buben ach! und weh!
Da nützt kein "Herr dein Will'n gescheh';"
Sie stoßt und dreht und rackelt,
Und lacht dazu daß's nackelt [vibriert].

Sie stammt nach solcher Höllenqual
In d' Seiten beide Hände,
Und niest die Buben übers Thal [Tal],
Gleich patsch! an d' Felsenwände.
Dort kleppt wie Mörtel Bein und Fleisch
Mit Haut und Haar ein rother [roter] Meisch
Von Knödl, Kraut und Ruben -
Kein Mensch kennt mehr die Buben!

Quelle: Die Alpenzither aus Tirol, Gedichte und Erinnerungsblätter aus den Jahren 1848 und 1849, Johann Nepomuk Ritter von Alpenburg, Innsbruck 1855, S. 153