Der Kellerstein

Vor langer, langer Zeit war die Wemeteigenalm über Waidring unter der Sonnwendkette eine wunderschöne, große Alm. Das Gras und die guten Kräuter wuchsen im Überfluss und das Vieh war gesund und wohlgenährt. Die Kühe gaben traumhaft gute Milch, woraus köstliche Butter gemacht wurde und über das ganze Tal hinaus bekannt war. Man konnte gar nicht genug Butter herstellen, um der Nachfrage gerecht zu werden. Auf der Wemeteigenalm waren zu dieser Zeit vier Senner und eine Sennerin die das Vieh betreuten und die wunderbare Butter machten. Zur Sonnenwende kamen dann die Bauern auf die Alm um zu feiern und zu schauen, wie gut es ihrem Vieh ging. Während sie so zechten und soffen, kam einer auf die Idee, wir könnten doch Kegelscheiben. Die anderen lachten und sagten: "Wo sollen wir die Kegel und Kugeln hernehmen?" Ein Bauer meinte, wir haben doch genug Butter um daraus Kegel und Kugeln zu machen. Gesagt – getan und sie holten aus den Almhütten die Butter und formten daraus Kegel und Kugeln. Alle Senner wurden eingeladen beim Kegelscheiben mitzumachen, was diese auch taten. Nur die Sennerin machte bei diesem fruchtbaren Frevel nicht mit und ging in ihre Almhütte und zündete eine Kerze an und flehte zu Gott: „Lass doch diesen Frevel nicht zu, ich bitte dich!“ Es dauerte nicht lange und es zog ein schreckliches Gewitter auf. Es regnete in Strömen, die Erde erbebte und auf einmal brach die halbe Alm mit den Hütten und den Frevlern ab, stürzte als Mure in das Tal hinab und hinterließ eine Spur der Verwüstung. Hinter der Almhütte der Sennerin aber, die bei dem Frevel nicht mitgemacht hatte, blieb ein großer Felsblock stehen und schützte die Almhütte vor den Wassermassen und der Mure. Und so steht heute noch der Kellerstein und in seinem Schutz die Almhütte!

Quelle: Die Sammlung der Waidringer Sagen wurde im August 2007 von Herrn Viktor Olivier und dem Tourismusverband PillerseeTal zur Verfügung gestellt.