An der Zillerbrücke war eine verliebte Dirne, die nichts lieber
that [sic], als mit den jungen Burschen tanzen. Einmal war sie sehr traurig,
weil sie nicht zu den Spielleuten gehen konnte, denn sie hatte keinen
"Zahler". Schon war die Dämmerung eingebrochen, und das
Mägdlein stand betrübt da, und es wollte sich noch immer keiner
einfinden. Da auf einmal klopfte es an die Thür [Tür], und ein
junger, bildschöner Kerl lud sie ein, mit ihm zu den Spielleuten
zu gehen. Also doch noch einer und wahrscheinlich, dass keiner an Nettigkeit
den Ihrigen ausstach. War das eine Lust! Nun giengen sie selbander [sic]
zum Tanze. Keiner war so frisch und aufgeräumt auf dem Tanzboden,
wie ihr Geselle; sie wurde viel beneidet. Wie nun der Tanz aus war, schieden
sie, und der Lustige fragte sie zum Abschied, ob sie ihm wohl erlaube,
des nächsten Abends an ihr Fenster zu kommen. Die Dirne sagte nicht
nein, sondern ja, und als der nächste Abend kam, erschien auch der
Teufel bei ihrem Fenster, wo sie schon gewartet hatte, und holte sie.
Weil sie aber wanstig [dock] war und wohlbeleibt, schloff [schlüpfte]
sie nicht leicht durch die Eisenstangen des Fensters und musste mit Gewalt
durchgepresst werden, also dass die Blutstropfen davon an das Wandgetäfel
ihrer Kammer spritzten, wo sie noch jedermann sehen kann. Sie sind nimmer
wegzubringen.
Quelle: Volkssagen, Bräuche
und Meinungen aus Tirol, gesammelt und herausgegeben von Johann Adolf
Heyl, Brixen 1897,
Nr. 65, S. 102