Im "Thole" - so heißt in der Gegend Brunecks das Ahrnthal
- erzählt man Folgendes:
,,Endern" [Hinterm] Gebirge, auf Zillerthaler [Zillertaler] Boden,
ist eine Almhütte, welche ,,Kuinzenhütte" genannt wird.
In dieser Hütte hatten sich die Knechte öfters den Scherz gemacht,
einer hölzernen Poppe (Spielpuppe) Mus einzustreichen. Da ist aber
auf einmal die Puppe lebendig geworden. Jetzt haben sich freilich alle
vor dem unheimlichen Ding gefürchtet. Den Fütterer hat der "Kuinzen"
- so hieß die lebende Puppe - geschunden und seine Haut auf dem
Hüttendach ausgespannt. Niemand wusste sich mehr zu helfen. Als letztes
Mittel wurde ein schwarzes Stierkalb sieben Jahre lang mit Milch gezügelt
(aufgezogen). Da war es groß und über die Maßen stark:
der wüthende [wütende] Stier ist's nun dem Kuinzen wohl "giwessen"
(d. h. hat ihn überwunden).
Quelle: Volkssagen, Bräuche
und Meinungen aus Tirol, gesammelt und herausgegeben von Johann Adolf
Heyl, Brixen 1897,
Nr. 39, S. 76