In der Umgebung der Ortschaft Stubenberg, im Bezirke Pöllau, befinden sich mehrere Höhlen, welche vom Volke "Frauenhöhlen" genannt werden, weil in dieselben zur Zeit eines Krieges die Frauen und Kinder der Bewohner sich geflüchtet und sich darin vor den Feinden verborgen gehalten hatten. Auch beim vulgo Großheider, kurzweg "Heider" genannt, befinden sich zwei solche Höhlen, in deren einer aber, der größeren, vor undenklichen Zeiten ein Riese mit seiner Tochter gehaust haben soll.
Einst ging das Riesenfräulein in den Wald und fand zu ihrem Erstaunen sieben Menschen, welche das von den Bäumen auf den Boden gefallene dürre Laub zusammenrechten. Es waren allerliebste Geschöpfe, Männlein und Weiblein, und da das Riesenfräulein an diesen Streurechern Gefallen fand, so packte sie selbe zusammen, tat sie in ihre Schürze und trug sie heim in ihre Höhle. Freudestrahlend trat sie vor ihren Vater und zeigte ihm den seltsamen Fund. Der aber wurde sehr böse und befahl seiner Tochter, die kleinen Leutchen alsogleich wieder auf den Platz zurückzutragen, wo sie selbe gefunden hatte. Das Riesenfräulein tat dies, und als es wieder heimkam, sagte der Vater: "Diese Leute gehören einem neuen Menschengeschlechte an. Wenn sich dieses wird vermehrt haben, wird auch unsere Zeit zu Ende sein, und alle Riesen werden von der Erde verschwinden."
An diese Riesen oder Heiden mag auch der Name "Großheider" oder "Heider" erinnern. Noch zeigt man die Höhle, welche das Riesenfräulein mit ihrem Vater bewohnt hatte; doch "fragst du nach den Riesen, du findest sie nicht mehr!"
Sagen aus der grünen Mark, Hans von der Sann, Graz 1911