DIE SCHELMENHÖHLE-SAGE

Als der Erbfeind Anno 1683 das letztemal im Lande war und auch den Sooßern alle Qual und Drangsal gebracht, da hat der Türk' auch einen aus diesem Ort auf einen Hirschen gesetzt und ihm die Fuß' unterm Leib des Hirschen zusamm'gebunden. Dem Hirschen habens auch noch die Augen ausgestochen und haben ihn so davongejagt. Der Hirsch rennt übern Berg, rennt und springt, bis er an den Steinfelsen da hoch ober'm Eingang zum Schelmenloch kommt. Das arme Tier machte einen Satz und stürzte hinunter. Der elend Angebundene aber fangt sich in der Todesangst oben noch geschwind an einem Föhrenast und streift sich vom Hirschenleib. Und das hat der durch diese wunderbare Rettung am Leben Gebliebene nachher alles erzählt.


Quelle: Carl Calliano, Niederösterreichischer Sagenschatz, Wien 1924, Band I, S. 19