Von der Teufelsmühle in Landsee wurde schon mehrmals verschiedenes erzählt. Ich erzähle die nachfolgende Sage, wie ich sie gehört habe. Einige Mauerreste eines einstigen Gebäudes, vielleicht sind es nur aufgelagerte Steinmassen, sind noch am Fuß des Heideriegels sichtbar. Übrigens ist am Heideriegel selbst eine Art Ringwall aus aufgelagerten Steinen. Ob hier früher eine Burganlage war, ist noch unerforscht. Die erwähnten Mauern sollen die Reste einer Mühle sein, die hier hätte erbaut werden sollen. Die Landseer hatten nämlich keine Mühle und mußten mit ihrem Getreide zur Lindgrabener Mühle fahren. Der Weg war schwer und hart und weit.
Da fuhr einmal der Bauer Caspar Filz nach Lindgraben zur Mühle. Ein arger Regen erschwerte diese Fahrt ganz besonders. In seiner Verbitterung ging er zum Schloßherrn und bat um die Erlaubnis, in Landsee eine Mühle erbauen zu dürfen. Der Schloßherr stimmte zu, und man begann am Fuß des Heideriegels die Mühle zu bauen. Bald war man bei der "Gleiche" [Richtfest], als man eines Morgens feststellen mußte, daß das aufgebaute Mauerwerk des Nachts zerstört worden war. Unverdrossen baute man das Zerstörte wieder auf. Was jedoch bei Tag aufgebaut wurde, wurde während der Nacht wieder zerstört. Man verdächtigte die deutschen Arbeiter, sie wurden durch kroatische ersetzt. Auch der Baumeister wurde ausgewechselt. Trotz alldem blieb es bei der nächtlichen Zerstörung.
Da wachte Caspar Filz selbst des Nachts, um zu sehen, was eigentlich los sei. Als die Mitternacht kam, begann ein Sausen und Brausen. Filz erschrak und rannte, bis er das Schloßtor erreichte.
Der Mühlenbau wurde nicht mehr fortgesetzt. Es verbreitete sich die Sage, die heute noch erzählt wird, daß des Teufels Leute den Aufbau der Mühle verhinderten.
Das Volk aber findet noch eine Erklärung hierfür, nämlich:
Der Lindgrabener Müller fürchtete, seine Kundschaften zu verlieren, wenn in Landsee eine Mühle erbaut wird. Er ließ daher durch seine Leute das Bauwerk nachts zerstören. a)
*
An der Straße von Neudorf nach Landsee im Schloßgraben unterhalb der Ruine Landsee stehen die Mauerreste einer Mühle, bei deren Bau der Teufel störend seine Hand im Spiel hatte, weil er den Bau an dieser Stelle nicht dulden wollte.
Vor vielen, vielen Jahren beschloß ein reicher Müller aus der Umgebung, im Schloßgraben eine Mühle zu errichten. Holz, Steine, Kalk wurden herbeigeschafft, die Arbeiter gedungen, und der Bau hatte bald eine ansehnliche Höhe erreicht. Aber als der Müller eines Tages frühmorgens zur Baustelle kam, fand er die Mauern zerstört und das Baumaterial ringsherum verstreut. Ratlos und betroffen betrachteten der Bauherr und die Maurer den Trümmerhaufen und konnten sich die Ursache der Zerstörung nicht erklären. Aber man begann mit frischem Mut den Bau von neuem und kam rasch vorwärts. Doch nach einigen Tagen bot sich ihnen am frühen Morgen das gleiche Bild: Wieder waren die Mauern bis auf den Grund eingerissen.
"Hier kann nur der Teufel sein Spiel treiben!" rief der Müller zornig.
"Was soll ich tun, um dem Bösen dieses unheimliche Spiel zu verderben?"
Da trat ein alter Arbeiter an den Herrn heran und sagte:
"Haltet in der nächsten Nacht Wache auf der Baustelle und tretet dem Satan mit einem Kreuz in der Hand entgegen; das wird ihn von seinem boshaften Tun abschrecken."
Die Maurer begannen ihre Arbeit aufs neue, der Müller aber befolgte den Rat des Alten und begab sich bei Einbruch der Nacht mit einem Kreuz in der Hand zur Baustelle. Es wurde dunkler und dunkler, ein schauriger Wind brauste durch die Wipfel der Bäume, seltsame Geräusche erklangen: Bald polterte es auf der Straße, bald knarrte es im Wald, dann wieder erschollen dumpfe Rufe vom Bach her. Dem Wartenden wurde immer unheimlicher zumut. Das Getöse steigerte sich und schien dem Müller das Nahen des Teufels anzuzeigen. Da packte den Mann ein entsetzlicher Schrecken, das Kreuz entfiel seiner Hand, und wie gejagt flüchtete er von diesem Ort des Grauens.
Als die Arbeiter am nächsten Morgen ihr Werk fortsetzen wollten, fanden sie die Mauern wieder zerstört. Doch soll dem Teufel der Anblick des liegengebliebenen Kreuzes das Wiederkommen verleidet haben. Trotzdem wollte der Müller, abgeschreckt durch sein schauerliches Erlebnis, die Mühle nicht fertigbauen lassen, und so blieb der Bau unvollendet bis zum heutigen Tag. Die Stätte aber wurde von den Bewohnern gemieden und heißt noch heute die Teufelsmühle. b)
Quelle: a)Burgenländische Sagen, Adolf Harmuth,
S. 15, in: Volk und Heimat II (1949), S. 7f, Nr. 6), zit. nach Sagen aus
dem Burgenland, Hrsg. Leander Petzoldt, München 1994, S. 79ff,
b) Sagen aus Österreich, Hildegard Pezolt, Wien 1948 (2. Auflage
Wien 1950), S. 79, zit. nach ebenda