Als im Jahre 1683 die Türken durch das Dorf zogen, flüchteten insbesondere die Frauen, deren Männer in das nah gelegene Schloß Forchtenstein um Waffen geeilt waren, hieher. Die Frauen sahen von hier, wie die türkischen Janitscharen in die Häuser drangen, das Hab und Gut raubten, und befürchteten auch, daß die wilden Scharen der Mohammedaner den Ort in Brand stecken könnten. Da erhoben die hier versammelten Frauen auf das Geheiß des unter ihnen weilenden Ortsrichters einen mächtigen Lärm, sie schlugen die mitgebrachten Geräte aneinander, bedeckten ihre Häupter mit Hüten, um aus der Ferne Männern zu gleichen, und machten sich bereit, bei einem etwaigen Angriff sich hier zu verteidigen. Sie schleppten von allen Seiten Steine herbei, begaben sich auf die umliegenden Felsen und machten Bewegungen, als würden sie eine Verteidigungslinie schaffen. Der Ortsrichter kommandierte mit einer Stimme, als gelte es einer Brigade gut geschulter Soldaten. Die im Ort plündernden Türken waren von dem von der Höhe kommenden Lärm und von den dort vorgenommenen Maßnahmen so erschrocken, daß sie eilends die Flucht ergriffen und das Dorf verließen.
So hatten sich der Hohe Stein und die unter ihm emporragenden Felsen als Retter in der Not bewährt. Der greise Ortsrichter und die mutigen Ortsfrauen aber hatten sich für ihre Tapferkeit für alle Zeiten die Dankbarkeit der Ortsinsassen gesichert.
Quelle: Dorfsagen aus Wiesen, in: Volk und Heimat, 2. Jg (1949), Nr. 11, S. 10, zit. nach Sagen aus dem Burgenland, Hrsg. Leander Petzoldt, München 1994, S. 163f.