Das Mädchen aus der Albrechtsmühle

Nach der Schlacht bei Mohacs 1526 überfluteten die siegreichen Türken auch das Gebiet unserer Heimat. Schon in dieser Zeit klapperte in Deutschjahrndorf, eingebettet am Leithafiüßchen, eine Mühle. Im Haushalt des wohlhabenden Müllers schaltete ein holdes Mädchen, die Müllerstochter. Sie war fleißig und sittsam. Das Geschäft ging gut, so daß der Müller ein zufriedener Mensch war und in der Umgebung der glückliche Müller hieß.

Da das Glück rund wie eine Kugel ist und selten beständig, so dauerte es auch hier nicht lange. Der Müller vermeinte sein Töchterlein seinem ersten Gesellen, der brav mit ihm arbeitete, als Ehefrau. Anders dachte das Mädchen, welches sich in mondhellen Nächten im Garten der Mühle mit einem Junker der Ovarer Herrschaft (Ung. Altenburg) traf. Beide gelobten sich ewige Treue. Dem Müller blieb die heimliche Liebe nicht verborgen und machte ihm große Sorgen. Das Mädchen hielt treu zum Junker.

Da kamen die ersten Nachrichten über die heranziehenden türkischen Horden. Die Bevölkerung von Deutschjahrndorf flüchtete und suchte Schutz in Schluchten und Wäldern. Ratlos war der Müller. In dieser verzweifelten Zeit erschien der Junker aus Ovar, um sein Liebstes zu retten, nahm auch den Vater in die Ovarer Festung mit.

Ein Ort nach dem ändern fiel in die Hände der Türken. Sie mordeten, raubten und verwüsteten, was ihnen unterkam.

Auch die Festung Ovar wurde belagert. Heldenmütig kämpften die Verteidiger, unter ihnen der Junker. Sie unterlagen der Übermacht.

Das Müllerstöchterlein ließ den Junker schwören, daß er es nicht lebendig in die Hände der Türken fallen lassen werde. Als die Türken die Festung erstürmten, wollte der Janitschare das Siegeszeichen der Türken, einen Roßschweif, auf dem Burgturm hissen. Da entdeckte er das Paar auf dem Turm. In einem kurzen Zweikampf wurde der Türke vom Junker getötet. Es stürmten aber andere Türken heran. Nun galt es, den Schwur zu halten. Der Junker nahm das Müllerstöchterlein in seine Arme, küßte es zum letzten Mal und stürzte sich fest umschlungen mit ihm von des Turmes Höhe in die Tiefe.

 

Quelle: Adalbert Riedl, in: Volk und Heimat, 3. Jg (1950), Nr. 13, S. 15, zit. nach Sagen aus dem Burgenland, Hrsg. Leander Petzoldt, München 1994, S. 164f.