Herr Hans von Rechenberg sagte auch, der Knecht wäre zuletzt weggekommen, niemand wüßte wohin, nachdem man ihn erkannt hätte.
Kirchhof, welcher von einem andern Edelmann, der sich aus dem Stegreif ernährt, die Sage erzählt, hat noch folgende Züge: Einmal ritt sein Herr fort und befahl ihm ein Pferd, das ihm sehr lieb war; er sollte dessen fleißig warten. Als der Junker weg war, führte der Knecht das Pferd auf einen hohen Turm, höher denn zehn Stufen; wie aber der Herr wiederkam, vernahm und kannte es ihn im Hineintreten, steckte den Kopf oben im Turm zum Fenster hinaus und fing an zu schreien, daß er sich gar sehr verwunderte und es mit Stricken und Seilen mußte vom Turm herablassen.
Auf eine andere Zeit lag der Edelmann um eines
Totschlags willen gefangen und rief den Knecht an, daß er ihm hülfe.
Sprach der Knecht: »Obschon es schwer ist, will ich's doch tun,
doch müßt Ihr nicht viel mit den Händen vor mir flattern
und Schirmstreich brauchen.« Damit meinte er ein Kreuz vor sich
machen, und sich segnen. Der Edelmann sprach, er sollte fortfahren, er
wollte sich damit recht halten. Was geschah? Er nahm ihn mit Ketten und
Fesseln, führte ihn in der Luft daher; wie sich aber der Edelmann
in der Höhe fürchtet und schwindelt und rief: »Hilf Gott,
hilf! Wo bin ich!« ließ er ihn herunter in einen Pfuhl fallen,
kam heim und zeigte es der Frau an, daß sie ihn holen und heilen
ließ, wie sie tat.
Kommentar:
Agricola in Sprichwort, 301, Bl. 172. Kirchhofs Wendunmuth, V, Nr. 247
bis 249, S. 304, 305.
Luthers Tischreden, 106.
Quelle: Deutsche Sagen, Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Brüder Grimm),
Kassel 1816/18, Nr. 174.