Nach andern hat nicht der Jäger, sondern eines Jungherrn Pferd Rammel geheißen, das man einmal an dem Berge anband, wo es so rammelte und stampfte, daß seine wohlgeschärften Hufeisennägel eine Goldader bloßmachten.
Noch sieht man auf dem Rammelsberge einen Brunnen, der Kinderbrunnen genannt, worauf zwei steingehauene Kinder stehen; daher, weil unter Heinrich II. eine schwangere Frau bei diesem Brunnen zweier Söhnlein entbunden wurde. Kaiser Otto soll auf dem Berg oben an dem Platz namens Werl ein Schloß oder einen Saal gehabt haben, vor dem er einst einem gefangenen König das Haupt abschlagen ließ. Späterhin schlug das Bergwerk einmal ein und verdarb so viel Arbeiter, daß vierthalbhundert Witwen vor dem Berge standen und ihre Männer klagten; darauf lagen die Gruben hundert Jahr still, und Goslar wurde so einsam, daß in allen Straßen hohes Gras wuchs.
*) In den Rammelsberg soll mehr Holz verbaut sein als
in die Städte Braunschweig und Goslar. Man hatte ein altes Lied,
das so anfängt:
De Ramelsburgk hefft enen gulden Foet,
drumb tragen wi en stolten Moet.
Kommentar:
Happel: Rel. cur., I, 753. Behrens a. a. O., S. 145, 146.
Melissantes u. d. W. Bange: Thür. Chron., 33 b.
Fischarts Gargantua, cap. 15, fol. 133a.
Quelle: Deutsche Sagen, Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Brüder Grimm),
Kassel 1816/18, Nr. 469