Aber sie starb nicht gleich, sondern mußte in unbeschreiblichen
Schmerzen etliche Tage am Kreuze schmachten. Da kam in dieser Zeit aus
sonderlichem Mitleiden ein Spielmann, der ihr die Schmerzen lindern und
die Todesnot versüßen wollte. Der hub an und spielte auf seiner
Geige, so gut er vermochte, und als er nicht mehr stehen konnte vor Müdigkeit,
da kniete er nieder und ließ seine tröstliche Musik ohn Unterlaß
erschallen. Der heiligen Jungfrau aber gefiel das so gut, daß sie
ihm zum Lohn und Angedenken einen köstlichen, mit Gold und Edelstein
gestickten Pantoffel von dem einen Fuß herabfallen ließ.
Kommentar: Prätor.: Wünschelruthe,
S. 152 - 153, aus mündl. Erzählung.
Vgl. Kinder-
und Hausmärchen, II, 66.
Quelle: Deutsche Sagen, Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Brüder Grimm),
Kassel 1816/18, Nr. 329