Dieselbe alte Frau, die diese Geschichte erzählte, fügte hinzu: Auch zu Coburg haben einmal einige Edeljungfrauen von neunerlei Essen etwas aufgehoben und um Mitternacht aufgestellt und sich dabei zu Tische gesetzt. Darauf kamen ihre Liebsten alle, jeder brachte ein Messer mit, und wollten sich zu ihnen niederlassen. Darüber entsetzten sich die Jungfrauen und flohen; einer aber nahm das Messer und warf hinterher; sie schaute um, blickte ihn an und hob das Messer auf. Ein andermal soll statt des eingeladenen Buhlen der leibhaftige Tod in die Stube gekommen sein und sein Stundenglas bei einer niedergesetzt haben, die denn auch das Jahr über verstarb.
In Schlesien haben sich drei Hoffräulein in einer heiligen Nacht
an einen gedeckten Tisch gesetzt und ihre zukünftigen Liebhaber erwartet,
deren jedem ein Teller hingestellt war. Sie sind auch auf diese Einladung
erschienen, aber nur zweie, die sich zu zwei Jungfrauen gesetzt; der dritte
ist ausgeblieben. Als nun die Verlassene darüber traurig und ungeduldig
geworden, endlich nach langem vergeblichen Warten aufgestanden und sich
ans Fenster gestellt, hat sie gegenüber einen Sarg erblickt, darin
eine Jungfrau gelegen, ihr ganz gleich gestaltet, worüber sie erkrankte
und bald darauf starb. Nach einer mündlichen Erzählung kommt
die Totenlade in die Stube, sie geht darauf zu, die Bretter tun sich auf,
und sie fällt tot hinein.
Kommentar: Prätor.:
Weihnachtsfratzen, prop. 53. Bräuners Curiosit., 97.
Valvassor: Ehre von Crain, II, 479.
Quelle: Deutsche Sagen, Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Brüder Grimm),
Kassel 1816/18, Nr. 115