Als der Fürst heimgekommen war, sandte er Diener aus, die mußten
diesen Köhler holen. Der Köhler kam und brachte den geschenkten
Steigbügel mit; der Fürst hieß ihn willkommen und zu Tische
sitzen, auch getrost sein: es sollt ihm kein Leid widerfahren. Unter dem
Essen fragte der Fürst: »Mann, es ist diese Tage ein Herr bei
dir gewesen; sieh herum, ist derselbe hier mit über der Tafel?«
Der Köhler antwortete: »Mi ducht, ji sünd et wol sülvest«,
zog damit den Steigbügel hervor und sprach weiter: »Will ji
düt Ding wedderhebben?« - »Nein«, antwortete der
Fürst, »das soll dir geschenkt sein, laß dir's nur schmecken
und sei lustig.« Wie die Mahlzeit geschehen und man aufgestanden
war, ging der Fürst zu dem Köhler, schlug ihn auf die Schulter
und sprach: »Nun, Mann, nimm so vorlieb, es ist nicht viel zum besten
gewesen.« Da zitterte der Köhler; der Fürst fragte ihn,
warum; er antwortete, er dürfte es nicht sagen. Als aber der Fürst
darauf bestand, sprach er: »Och Herre! Ase ji säden, et wäre
nig väle tom besten west, do stund de Düfel achte ju!«
- »Ist das wahr«, sagte der Fürst, »so will ich
dir auch sagen, was ich gesehen. Als ich vor deine Hütte kam und
dich fragte, was du zum besten hättest, und du antwortetest: Gott
und all genug! da sah ich einen Engel Gottes hinter dir stehen.
Darum aß ich von dem Brot und Salz und war zufrieden; will auch
nun künftig hier nicht mehr sagen, daß nicht viel zum besten
gewesen.«
Kommentar: Prätorius: Wünschelruthe
S. 7 - 9.
Quelle: Deutsche Sagen, Jacob Grimm, Wilhelm Grimm
(Brüder Grimm), Kassel 1816/18, Nr. 566