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BRUDERSBRUNN

Es waren einmal drei Grafensöhne, die mußten fort in den Krieg. Viele Jahre waren verflossen, seit sie ihre lieben Eltern und die teure Heimat verlassen hatten. Da kam ein Wanderer müde, hungrig und durstig durch einen Wald gepilgert. Sein Angesicht war sonnverbrannt, die Kleidung schlecht, zerrissen. Eifrig suchte er nach Beeren, seinen Hunger zu stillen und nach einer Quelle, seinen Durst zu löschen. Er fand auch, was er suchte. Hinter dichtem Gestrüppe, da murmelte und sprudelte es und ringsherum lachten purpurne Erdbeeren. Der Wanderer labte sich und streckte dann die müden Glieder im Schatten einer Eiche aus, um von den Strapazen der Wanderschaft auszuruhen. Nicht lange aber und es kam wieder ein Wanderer des Weges und noch einer, müde, hungrig und durstig wie er. Auch ihre Gesichter hatte die Sonne gebräunt und ihre Kleider waren nicht besser als die seinen. Als sich auch diese an der Quelle gestärkt, ging es an ein Erzählen: Woher, wohin und was erlebt? Welch' wunderbare Fügung! Die drei Wanderer waren jene Grafensöhne, welche vor Jahren in den Krieg gezogen waren. Als sie sich erkannt hatten, fielen sie einander um den Hals und weinten Freudentränen. Ehe sie sich nun aufmachten, um gemeinsam heimwärts zu ziehen, gelobten sie, hier an der Quelle, wo Gott sie so unerwartet zusammengeführt, eine Kapelle zu erbauen und sie hielten Wort. Diese Kapelle, welche den Namen "Brudersbrunn" führt und der Hl. Dreifaltigkeit geweiht ist, liegt ungefähr eine halbe Stunde von Grafenau entfernt und ist ein vielbesuchter Wallfahrtsort.

Michael Waltinger, Niederbayerische Sagen