282. Kaisersmahd bei Betzigau.
Wenn man von Betzigau die Straße nach Görisried geht, kommt man zum Weiler Götzen und dann alsbald nahe der Stelle, wo der große Kemptner Wald anhebt, zu der Einöde Kaisersmahd. Das ist ein wunderlicher Name, dem folgendes Vorkommnis zugrunde liegen soll.
Vor hundert und noch viel mehr Jahren sei ein hoher Herr, einige möchten gern sagen, es sei ein Kaiser gewesen, in unsere Gegend gekommen und habe mit großem Gefolg im Kemptner Wald, wo damals grausam viel Wild vorhanden war, eine Jagd gehalten. Nach Beendigung derselben, es war im "Heubat" (Heuernte), habe sich die ganze Gesellschaft am Waldrande gelagert, um beim fröhlichen Jägermahl zu rasten. In der Nähe waren eben Landleute mit Mähen beschäftigt, was einige Herren veranlaßte, dies scherzweise auch einmal zu probieren. Es gelang aber schlecht zum großen Ergötzen der Jagdgesellschaft. Da trat der Allerfürnehmste unter derselben - man ist beglaubt, es sei der Kaiser Max gewesen - heran, nahm die Sense zur Hand und legte mit kraftvollen Hieben, als hätte er's von Jugend auf gelernt, eine regelrechte schwere Mahd zum Staunen aller Anwesenden auf das Feld, und deswegen heiße seitdem jene Waldstelle "Kaisersmahd".
Quelle: Allgäuer Sagen, Aus K. A. Reisers
"Sagen, Gebräuche und Sprichwörter des Allgäus"
ausgewählt von Hulda Eggart, Kempten und München 1914, Nr. 282,
S. 288f.
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Franziska Meister, Februar 2005.