War mal im Oberlande ein Mann und eine Frau. Die Frau war
eine Hexe und fuhr viele Nächte immer fort. Ihr Mann merkte, daß
sie nicht selten nachts gar nicht daheim im Bette sei, wußte aber
nicht recht wessen Geschäftes wegen. Einmal schlich er ihr nach und
schaute von der Stube zum kleinen Küchenfensterle hinein. Gerade
langte die Frau einen Besenstiel, nahm ein Sälblein vom Kamin herab,
bestrich ihn, setzte sich darauf und fuhr durch den Rauch hinauf. Der
Mann hörte rufen: "Hopp, hopp auf und nene na!" Der Mann,
nicht faul, machte es auch so und fuhr wie's Wetter durch's Kamin. Er
kam nach langer Luftfahrt in einen ungeheuren Saal, wo großer Hexentanz
war. Über die Maßen ging's lustig her, von Mitternacht bis
gegen Morgen. Auf einmal hörte er ein Munkeln im großen Gewühle:
Jetzt läutet man's Bet! Husch! Alles zerstob und war wie weggeblasen.
Der gute Mann wußte nicht, was dies zu bedeuten hatte, er hörte
eine ferne Frühglocke lauten. Gut, er hatte sich verspätet.
Auf einmal saß er jämmerlich auf weitem, ödem Felde, wo
nichts als Gräber und Totengerippe zu sehen waren, in landfremder
Gegend. Zwei Jahre brauchte er, bis er wieder in seine Heimat kam.
Quelle: Allgäuer
Sagen, Aus K. A. Reisers "Sagen, Gebräuche und Sprichwörter
des Allgäus" ausgewählt von Hulda Eggart, Kempten und München
1914, Nr. 98, S. 103 - 105.
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Franziska Meister, März 2005.