St. Blasiens Reichthum.

Zu einem Mann, welcher im Kloster St. Blasien Stroh schnitt, kam eines Nachmittags der Fürstabt mit den zwei Vornehmsten seiner Mönche. Bei Erblickung des vielen geschnittenen Strohes sprach der Fürst: "So viel Stroh dies auch ist, so haben wir doch noch mehr Gold und Silber." Der Mann erlaubte sich, dies zu bezweifeln, worauf die drei sagten, sie wollten ihm die Schätze zeigen, seine Augen verbanden und ihn, wie er merkte, durch einen unterirdischen Gang führten, der unter einem rauschenden Wasser hinwegging. Als ihm die Binde abgenommen wurde, befand er sich in einem Gewölbe, welches unter dem dreifachen Verschlusse seiner Begleiter stand, und worin Gold und Silber, gemünzt und in Stangen, klafterweis aufgesetzt war. Die Geistlichen vergönnten ihm, sich so viel Silber zu nehmen, als er in beide Hände fassen konnte, verbanden ihm dann wieder die Augen und führten ihn ins Kloster zurück.

St. Blasien hatte so viele Besitzungen, daß seine Mönche, wenn sie nach Rom reis'ten, jede Nacht in ihrem Eigenthum einkehren konnten.

Quelle: Bernhard Baader, Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden Gegenden. Karlsruhe 1851, Nr. 13.