Es war einmal ein Hirt und der wollte ein Hirtenmädchen besitzen, das noch eine Jungfrau war und überaus an den Vorschriften ihrer Religion hing. Und weil jenes Mädchen sehr religiös war, so ließ es niemals auch nur eine einzige Brotkrume verloren gehn, sondern es pflegte die Brosamen aufzulesen und sie an einem Platze zu lassen, wo die Leute sie nicht zertraten. Und da also der Hirt es merkte, dass dieses Madchen überaus religiös war, so ließ er sich eines Tages unter dem Schatten eines Baumes nieder, um zusammen mit ihr Brot zu essen, und während sie aßen, sagt er zu jenem Mädchen: „Ein Brösel ist dir zwischen die Brüste gefallen!“ Und unser Mädchen machte sich eifrig daran, das Brösel zu suchen. Aber auch unser Knabe suchte mit ihr und während er dem Mädchen suchen half, steckte er ihr seine Hand in den Busen, und indem er ihr die Brüste ein wenig drückte, suchten sie das Brösel. Und sowohl jenem Knaben wie auch diesem Mädchen gefiel das sehr, wie er die Brüste des Mädchens berührte. Und schließlich sagt der Bursch zum Mädchen: „Das Brösel muss hier unten in das Löchlein gerutscht sein. Und darum muss man das Brösel herausziehn, denn es dort drin zu lassen, das wäre eine Sünde, ein Verbrechen, und auf die Art könntest du krumm und bucklig werden, weil dich dann die Feen und die Kobolde und die schönen Waldfrauen versehren würden. Darum also“, sagt er, „will ich es dir herausziehn, denn ich hab' dafür einen Löffel!“ „Nun gut!“ sagt ihm das Mädchen. Und der Knabe steckt also seinen Löffel, das heißt seinen Schwanz, hinein, und zog die Brotkrume heraus, das heißt er vögelte das Mädchen gut und gut. Und dem Mädchen, dem gefiel diese Sache nun überaus — denn sie war noch eine Jungfrau und kannte jenes Werk nicht —, und darum sagt sie zum Burschen: „Ich glaube, das Brösel ist noch immer drin! Zieh mir's noch einmal heraus!“ Und der Knabe bestieg sie noch einmal und zog ihr noch einmal die Brotkrume heraus. Hernach kehrte das Mädchen nach Hause zurück und erzählt ihrer Mutter „Heut' ist mir das und das widerfahren!“ Die Mutter aber antwortet ihrer Tochter: „O du mein armes Hascherl! Der hat dich ja gevögelt und kein Brösel hat er dir herausgezogen!“ Wie das Mädchen dies Wort von ihrer Mutter hörte, da geriet sie in Staunen, in Zorn, in große Wut, und weil sie nun die Sachlage zu verstehen begann, dass nämlich die Blume ihrer Jungfräulichkeit geknickt worden war, wurde sie sehr erbittert und sie begab sich im eiligsten Laufschritt zu jenem Hirten, um sich an ihm ihr Mütchen zu kühlen, und sagt zu ihm: „Du hast mich ja gevögelt und darum will ich dir jetzt dasselbe tun. Leg dich also nieder!“ Und es bestieg das Mädchen den Burschen und auf die Weise zahlte jeder dem anderen seine Schuldigkeit.
Der Schwank, der in Skutari im Volksmunde ist, erinnert an Boccacios Novelle (3. Tag, 10. Geschichte des Decamerone), wo erzählt, wird, wie der Mönch Rustico und das Mädchen Alibek in der Wüste den „Teufel in die Hölle schicken“.
54. Prala dromtses, ose Nuk di me kerkue dromtse! (Shkodra).
Quelle: Maximillian Lambertz, Albanische Märchen und andere Texte zur albanischen Volkskunde, Schriften der Balkankommission, Linguistische Abteilung, Wien 1922, Nr. 54, S. 236 - 238.