"in einer siedlung trug es sich zu, dass der
hund der frau meier den toten hasen der nachbarn daher brachte.
gott sei dank waren die nicht zu hause.
aufgrund der indizien sah sie in ihrem vierbeiner den hasenmörder.
um keinen verdruß mit den netten nachbarn, den hubers, zu bekommen,
überwand sie sich, wusch den schmutzigen und immer noch toten hasen,
fönte ihn und brachte ihn heimlich in den stall im nachbargarten
- es sollte nach einem natürlichen tod ausschauen.
nächsten tag jedoch, trafen sich frau huber und frau meier und die
huber erzählt der meier: "stellen sie sich vor, vorgestern ist
unser hase gestorben und da haben wir ihn im garten vergraben und gestern
abend lag er
plötzlich wie neu wieder im stall? na da versteh einer die welt?"
Quelle: E-Mail-Zusendung von Susanne aus Oberösterreich, 5. März 2005
Variante - Das tote Häschen
Eine Familie (Ein Ehepaar, zwei Kinder, ein Hund -
was für den weiteren Handlungsverlauf nicht unbedeutend ist) hatte
sich für den Umzug nach Osttirol entschieden. Doch schon am ersten
Tag in der neuen Behausung
tauchte der Hund plötzlich nach einem Ausflug ins Nachbargrundstück
mit einem wild mitgenommen aussehenden und natürlich toten Hasen
im Maul auf.
Die Nachforschungen der Familie ergaben, dass ein
verwaister Hasenkäfig im Garten der Nachbarn nur die Behausung des
Beutestückes des Hundes gewesen sein kann. Um nicht gleich einen
Nachbarstreit vom Zaum zu brechen ("Guten Tag, wir sind die neuen
Nachbarn - ach ja, das mit Ihrem Hasen tut uns seeeehr leid!") entschloss
man sich, so zu tun als ob nichts passiert wäre, schlimmer noch:
Man entschloss sich dafür, den komplett verdreckten Hasen zu waschen;
Als der Hase wieder als ein solcher erkennbar war, legte man ihn
einfach vor Nachbars Haustüre - sollten die doch denken, das Tier
wäre an einem Herzinfarkt gestorben.
Am nächsten Tag kamen die Nachbarn zu Kaffee
und Kuchen bei der zugezogenen Familie vorbei. Man redete über dies
und jenes, bis der Familienvater der Nachbarn auf ein besonderes Thema
zu sprechen kam - ihren Hasen. Und zwar:
"Stellt euch das einmal vor: Vorgestern haben wir unseren Hasen begraben
- und gestern liegt er geschniegelt und gestriegelt vor unserer Haustür!"
Quelle: Die Geschichte vom Osttiroler Häschen wurde von Peter Lindner aus Osttirol am 11. August 2005 per E-Mail zugesandt.
Hinweis:
Herr Alfred Koch weist uns am 12. März 2007 darauf hin, dass die Sage vom gefönten Kaninchen ein literarisches Vorbild habe: Aus dem Tagebuch einer Killerkatze, Anne Fine, 1996 und 2001.
Die Sage ist jedoch wesentlich älter, bei Rolf Wilhelm Brednich, Die Spinne in der Yucca-Palme, finden sich mehrere Belege aus Göttingen, Deutschland, aus dem Jahr 1989.
Hinweis:
Herr Marc Gerhards uns am 19. November 2007 per E-Mail darauf hin, dass diese Sage 1996 in dem deutschen Spielfilm NACH FÜNF IM URWALD mit Franka Potente eine wesentliche Rolle spielt.