Der Band gibt eine Einführung in einen Wissenschaftsbereich, der,
begründet von den Brüdern Grimm, zunächst - vorwiegend
philologisch arbeitete, der sich aber zunehmend kulturanthropologischen
und sozialrelevanten Themen zuwandte und sich interdisziplinärer
Methoden bedient. Anliegen dieser Einführung ist die Darstellung
der Geschichte und Entwicklung der Sagenforschung im deutschsprachigen
Raum von den Anfängen in der Romantik bis zur Gegenwart. Dabei geht
der Autor im europäischen Rahmen vergleichend auf die wesentlichen
theoretischen und methodischen Ansätze zur Erforschung der Volkssage
ein und arbeitet ihren kulturgeschichtlichen Hintergrund heraus. Wesentliche
Probleme der Gattungstypologie, der sogenannten Einfachen Formen, der
Performanz- und Kontextforschung, des Verhältnisses von Schriftlichkeit
und Mündlichkeit werden in ihrer Relevanz für die Sagenforschung
behandelt. Ein wichtiges Kapitel beschäftigt sich mit den inhaltlich
bestimmten Sagenkategorien und geht im Zusammenhang mit dämonologischen
und historischen Sagen auf die Motivik der Sagenüberlieferung ein.
Leander Petzoldt ist em. Professor an der Universität Innsbruck und
ehemaliger Vorstand des Instituts für Europäische Ethnologie.
Sein Spezialgebiet ist die vergleichende Erzählforschung.