Der Ritter
Her rytter ir seyt angeschreiben
das ir nw ryttirschaft must treiben
Mit deme tode und seynen knechten
Euch hilft wedir schympf noch fechten
Ich habe als eyn strenger rytter gut
der werlt gedynet an hoem mut
Nu byn ich wedir ryttersorden
An dezen tancz getwungen worden
Der Jurist
Das ortil yst alzo gegeben
Das ir lenger nicht sullet leben
Her iurist dis tut des todis craft
Mogit ir zo beweist ewr meistörschaft
kein appellieren czu desir czeit
Hilft vor todis harten streyth
Her obirwint myt seynem geslecht
das geistliche und das weltliche recht
Chorherr
Her korpfaffe habit ir gesungen vor
Süßen gesang yn ewrem kor
So merkt off meyner pfeyfen schal
die vorkundit euch des todis val
Ich habe als eyn korhirre frey
Gesungen manche lipliche melodey
des todis pfeyfe stet deme nicht
gleich. Sy hat zo zere dirschreckt mich
Der Akademiker
Der Arzt
Her arczt thut euch selbir rat
mit ewir meisterlichen tat
Ich für euch czu des todis gesellen
Dy mit euch hie tanczen wellen
Ich habe myt meynem harnschawen
Gesund gemacht man und frawen
Wer wil nw machen mich gesund
Ich byn czu deme tode wund
Der Edelmann
Komet her ir edler man
Ir mußt der Sterke pflegen an
mit deme tode der nymandis schont
legit ir nw oben euch wirt gelont
Ich habe manchen man dirschreckit
Der wol was mit harnisch bedeckit
Nu irschreckit mich hie der tod
Und brengit yn die engistliche not
Die Edelfrau
Edilfrawe tanczt nach ewrem synne
das dy pfeyfe rechte don gewynne
Sy hat der frawen vor vil betrogen
die allir der tod hot hyngeczogen
Ich solde treiben iuchczens vil
Sehe ich vor mir der freuden spil
Des todis pfeyfe mich betreuget
Der tanczgesang hie felschlichen leuget
Der Kaufmann
Her kawfman was hilft euch ewir irwerben
Dy czeyt ist hie das ir mußt sterben
der tot nympt wedir gut noch goben
Tanczt mir noch her wil euch haben.
Ich hette mich czu leben vorsorgit wol
daß schrein und kasten weren vol
Nu hot der tot meyne gobe vorsmacht
und mich umb leib und gut gebrocht
Die Nonne
Fraw nonne ir dunkt euch subtil
Dezen reyen ich mit euch tanczen will
Werft von euch den sarpular
Ir mußt hie mit den toten farn
Ich habe yn dem closter meyn
Gote gedynet alz eyn geweytis noneleyn
was hilft mich nw meyn beten
Ich muß des todis reyen treten
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Herr Ritter, es steht auf meinem Schreiben,
dass ihr nun Ritterschaft müsst treiben
mit dem Tod und seinen Knechten.
Euch hilft weder Streit noch fechten.
- Ich habe als ein strenger Ritter gut
der Welt gedient mit hohem Mut.
Ich bin gegen den Rittersorden
zu diesem Tanz gezwungen worden.
Der Urteilspruch ist nun gegeben,
dass ihr sollt nicht länger leben.
Herr Jurist, dies tut des Todes Kraft,
beweist nun eure Meisterschaft!
- Keine Berufung zu dieser Zeit
hilft vor des Todes harten Streit.
Er überwindet mit seinem Geschlecht
das geistliche und das weltliche Recht.
Herr Chorherr, habt ihr auch gesungen vor
schönen Gesang in eurem Chor,
so hört auf meiner Pfeife Schall,
die euch verkündet den Todesfall.
- Ich habe als Chorherr gesungen frei
so manche liebliche Melodei.
Des Todes Pfeife ist damit nicht zu vergleichen,
Sie erschreckt so sehr mich und meinesgleichen.
- kein Text -
Herr Arzt tut euch nun selber Rat
mit eurer meisterlichen Tat.
Ich führ euch zu des Todes Gefolgen,
die mit euch hier tanzen wollen.
- Ich habe mit meinem Harnschauen
gesund gemacht Männer und Frauen.
Wer will nun lassen mich gesunden?
Ich trage schon des Todes Wunden.
Edelmann, kommt her zum Reigen,
Ihr müsst jetzt eure Stärke zeigen
mit dem Tod, der niemanden schont.
Überwindet ihn, euch wird’s gelohnt.
- Ich habe manchen Mann erschreckt,
der gut mit Harnisch war bedeckt,
nun erschreckt mich hier der Tod,
bringt mich in Angst und große Not.
Edelfrau, tanzt nach eurem Sinne,
dass der Pfeife rechter Ton gewinne.
Sie hat viele Frauen bereits betrogen,
die hier der Tod schon hat hingezogen.
- Ich sollte treiben des Jauchzens viel,
sehe ich vor mir der Freuden Spiel.
Des Todes Pfeife mich betrüget,
der Tanzgesang hier fälschlich lüget!
Herr Kaufmann, was hilft euch euer Erwerben?
Die Zeit ist da, dass ihr müsst sterben.
Der Tod nimmt weder Gut noch Gaben,
tanzt mir nach, ich will euch haben.
- Zu Lebzeiten hatte ich vorgesorgt wohl,
dass Truhe und Kasten waren voll.
Nun hat der Tod verschmäht mein weltlich Gut
und mich gebracht um Leib und Gut.
Frau Nonne ihr dünkt euch allzu fein.
Nun will ich mit euch tanzen den Reigen.
Werft von euch des Schleiers Garn,
ihr müsst jetzt zu den Toten fahren.
- Ich habe in dem Kloster mein
Gott gedient als geweihtes Nönnlein.
Was hilft mir nun mein beten;
Ich muss in des Todes Reihen treten.
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