"Die Straße zieht am Kloster Wilten, das der Riese Heimo geründet, vorüber und stiegt dann den Berg Isel hinan, den Zeugen und Träger der Befreiungsschlachten. Von seinen Höhen herunter lassen die Innsbrucker ihre Stadt am liebsten betrachten, denn sie bietet da wahrhaftig einen wunderbaren Anblick. Alsdann geht der Heerweg an der Schupfen vorbei, wo einst der Etschmann gewirthet und der Sandwirth commandirt hat, und tritt endlich in die grausen, aber im Mondlicht zauberhaft dämmernden Schluchten des Schönbergs. Dort drüben über dem fürchterlichen Abgrund, in dem sich die Sill dahinwälzt, zeichnet sich an der Halde eine lange gerade Linie ein, mit mannichfachen Lichtchen geziert, deren einige wandelbar sind, die anderen aber feststehen. Diese Linie ist die Eisenbahn von Innsbruck nach Bozen, welche bald Germanien und Italien verbinden soll, und die feststehenden Lichtchen, zumal wenn deren mehrere zusammen sind, bedeuten, daß da ein kleines Kneipchen aufgeschlagen ist, wo die wälschen Arbeiter von des Tages Mühen ausruhen und sich gütlich thun."
(Aus: STEUB Ludwig, Herbsttage in Tirol, München 1867.)