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ERNSTBRUNN

Ernstbrunn, Niederösterreich

schon in einem Kaufbrief von 1432, der sich in der Bürgerlade von Ernstbrunn befindet, heißt es: "7tens sieben Joch Ackers an dem Gereuth bey dem heiligen Brunn, davon man dient sieben Pfennig." 1701 stellte der Marktarzt eine hölzerne Kreuzsäule mit einem Mariahilfbild bei dem Brunnen auf, die bald mit Votiven behangen war. Seit 1703 hölzerne Kapelle, 1710 Beginn des Kirchenbaues, der 1715 fertig war, andere Daten sind falsch. Am 26. August 1715 fand die feierliche Übertragung des Mariahilfbildes in die Kirche statt. Die Weihe der Kirche erfolgte erst 1724. Sie mußte 1783 geschlossen werden und wurde 1823 abgetragen. 1832 wurde die Heilquelle mit einem Schutzdach versehen und 1837 neuerlich eine Mariabründlkapelle zum Gedächtnis errichtet. 1759 bis 1783 Wurde die Kirche von Einsiedlern betreut.
Mariahilfbild, Kopie nach Lukas Cranach auf Holz gemalt (um 1701), jetzt in der Pfarrkirche Ernstbrunn betreut auf Seitenaltar, in der neuen Kapelle Kopie davon.


Legende:

Der 1701 erkrankte Wundarzt Hartmann in E. heilte sich mit dem Wasser des Bründls, worauf er das Bründl fassen ließ und das Mariahilfbild in einer Kapelle daneben anbrachte.


Hintergrundinformation aus volkskundlicher Sicht:

Heilbrunnen. Nach dem Mirakelbuch besonders von Augenkranken und Kontrakten aufgesucht. Ursprünglich gemeinsames Bad. 1763 wurde dies eingestellt und man stellte zwei nach Geschlechtern getrennte Badehütten auf, in die das Wasser geleitet wurde. Meist wurde die Heilung mit Bädern und Waschungen unternommen (im Mirakelbuch 17 Fälle), doch wurde das Wasser auch getrunken (13 Fälle), so bei Blutgang, Erbrechen, Fieber, Fraisen, Kindsnöte und Geschwulst. Das Wasser wurde auch mitgenommen. Die Heilwirkung wurde sogar gegen Mariazell und Maria-Taferl ausgespielt, welche Wallfahrt in einem Falle nicht helfen konnten (Mirakelbuch, 32). Als eine Person Wasser aus ihrem Brunnen trinkt, mit der Bitte, es als Heilwasser zu segnen, wird dies gewährt (Mirakelbuch, 132). In den meisten Fällen scheint aber auf das Wasser kein Gewicht gelegt zu werden.

Bei 213 Gebetserhörungen werden 65 Votivbilder gemeldet, ferner 47 Krücken. Silbervotive wenige, aber zwei interessante, eine Halsröhre und ein Nabel bei Erkrankung an Sand und Stein. Für die Votive war zuerst sogar eine "Nebenhütte" errichtet worden. 11 Silbervotive werden noch im Pfarrhof aufbewahrt. 6 Votivbilder, davon aus den Jahren 1853 und 1860, sind noch heute in der Kapelle. Befunde und Gutachten über die Heilwirkungen worden 1709 und 1739 abgegeben. Zwei Ablässe wurden 1772 für die Wallfahrt erworben. Im Jahre 1760 werden jährlich 33 Prozessionen gemeldet. Zur 50. Jahrfeier im Jahre 1774 fanden sich zwischen dem 1. und 14. August etwa 50.000 Kommunikanten ein. Noch vor dem Wellkrieg erschienen 15 bis 20 Prozessionen, jetzt angeblich nur mehr zwei von Gaubitsch und Unterolberndorf. - Allfälliges: Versehen einer schwangeren Frau (Mirakelbuch, 100).

Andachtsbilder: Schon 1750 mit Gebet als Anhang erwähnt (Mirakelbuch, 63), 18. Jahrhundert. 2 Typen unbezeichnet; 19. Jahrhundert, verschiedene unbezeichnete Verlage.

Mirakelbuch: (Ferd. Unterweger), Kurtz und gründliche Beschreibung des ausser dem hochgräfl. Sintzendorffischen Markt Ernstbrunn befindl. Heyl-Brunns, allwo die allers. Mutter Gottes in ihrer Maria-Hülf-Bildnuss . .. andächtigst verehret wird ... 2. Aufl. Krems 1751, 8°. Die 1. Aufl. erschien Krems 1740 (s. Mirakelbuch, 129), sie ist verschollen. In der 2. Aufl. 213 Gebeterhörungen 1701 bis 1750. Als Handschrift existiert: Aigentliche Beschreibung derienigen merckswürdigen Geschichten, welche beym Heyl-Brunnen mit hiernach Benannthen armseeligen mit unterschidlichen leibs gebrechlichkeiten behaffteten brösshafften menschen von anno 1702 bis unden stehenden dato vnd jähr Vermitels gebrauchten Wassers sich zuegetragen haben. - Im Pfarrarchiv außerdem Aufzeichnungen von 385 Gebeterhörungen bis 1783, ebenso eine Handschrift im Minoritenkloster Asparn a. d. Zaya mit 234 Gebeterhörungen von 1701 bis 1732 unter dem Titel: "Aigentliche Nachricht und Beschreibung von dem Ursprung u. Aufnamb des Heylljgen Bruns .. ."

Quelle: Gustav Gugitz, Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch, Wien 1955, Bd 2, S. 21 - 23.

Das Heilbründl in Ernstbrunn
© Johanna Graf, aus "Ernstbrunn und Naturpark Leiser Berge, Johanna Graf, 1999"

Schotterböden nehmen in der Gegend um Ernstbrunn alles Wasser auf, das sich auf wasserundurchlässigen Tegelschichten sammelt. So bildet sich Grundwasser. Dieses tritt als starke Quelle hervor, immer dort, wo die Talbildung von den wasserundurchlässigen Schichten erreicht wird. Das geschieht in Enzersdorf im Thale, in Dörfles, im Fasanenwald und im heutigen Bründl, dessen frühere Bezeichnung „In der Geißweid“ lautete. Dem Wasser im Bründl sprachen die Menschen Heilkraft zu, schon seit damals als dort noch Heilige Männer und Einsiedler hausten. Der Ortname Ernstbrunn (Brunnen des Ernst) dürfte wohl auf die Bründlquelle zurückzuführen sein.

Nach einer anderen Sage weist der Name darauf hin, dass sich hier in grauer Vorzeit ein Brunnen befand, welcher der Göttin Era geweiht war. Zu diesem Brunnen pilgerten Jahrhundertelang hilfsbedürftige Menschen, um in seinem heilkräftigen Wasser Genesung zu finden. Einst wölbte sich über der Quelle eine große zweitürmige Wallfahrtskirche. Jetzt steht bei dem Heilbrunnen eine liebliche Kapelle, den Ruhebedürftigen und Kranken zu Rast und Erfrischung ladend.

Am südwestlichen Ortsende von Ernstbrunn zweigt bei der so genannten „Verabschiedung“ eine Birkenallee nach Westen ab. Zur Blütezeit der Wallfahrten war es eine schattige Lindenallee, später eine Pappelallee. Die Bründlallee, ehemals „Via Sacra“ genannt, führt zu einer Quelle, dem so genannten „Bründl“, welches in früheren Zeiten ein viel besuchter Ort wegen seines heilbringenden Wassers war. Die Quelle bezeichnete man auch als „Brunnen der Ehre“ (Ehresbrunn), wovon ebenfalls der Ortname herrühren soll. Schon 1432 fand dieses Heilbründl in einem Kaufbrief urkundlich Erwähnung.

Über eine Heilung aus dem Jahr 1701 wird berichtet: Im Oktober befiel den Wundarzt Johann Hartmann ein hitziges Nervenfieber, welches sich bald so gefahrdrohend zeigte, dass man den schlimmsten Ausgang befürchtete. Selbst die geschicktesten Ärzte gaben jede Hoffnung auf Genesung auf. Der Kranke, der nun alle menschliche Hilfe vergeblich sah, nahm seine Zuflucht zu jenem Arzt, der nicht allein das Leben geben, sondern der auch das verlorene wiedergeben kann.

Er erinnerte sich, von Jugend an gehört zu haben, das Wasser des bekannten Brunnen habe vielen geholfen. Deshalb fasste er neuen Mut, ließ gleich aus dem benannten Brunnen Wasser holen und nachdem er es mit festem Vertrauen auf Gott und die Fürbitte der Heiligsten Jungfrau Maria getrunken, ging es ihm augenblicklich besser und er gesundete bald darauf vollkommen. (Aus „Das Heil-Bründl zu Ernstbrunn seinen Ernstbrunnern gewidmet“ von F. Zenner.)

Aus Dankbarkeit ließ nun der „Chyrurg“ Johann Hartmann eine gemauerte Säule setzen und den Brunnen ausmauern. Im Jahr 1702 gab er den Auftrag, eine Holzkapelle zu bauen und in derselben ein Mariahilf-Bildnis aufzustellen. Nach der wunderbaren Heilung des Arztes aus Ernstbrunn bereitete sich die Verehrung des Marienbildes in der Kapelle immer mehr aus.

Am 25.5.1710 war die Grundsteinlegung zum Bau einer doppeltürmigen Kirche im Barockstil. Dechant Johann Moritz Otzenatzekh, Dechant und Pfarrer in Stockerau hielt die Zeremonie. Anwesend waren Johann Baptist Mayr Edler von Mayerfeldt, als Stellvertreter des Grafen Sinzendorf, der bei Kaiser Karl VI. in Spanien weilte; der Pfarrprovisor zu Ernstbrunn Matthäus Schicur, nebst einigen anderen Priestern aus der Umgebung, Herr Michael Tichtel von Tutzingen, gräflicher Sinzendorfscher Regent und eine große Volksmenge.
1715 fand die erste Messe im Beisein von Graf Sigmund Rudolf von Sinzendorf, als dieser zum zweiten Mal von Spanien heimkehrte, statt. Als beliebter Wallfahrtsort lockte die Bründlkirche zwischen dem Markt und der herrschaftlichen Schäferei viele Pilger an.

Die Quelle, ein gemauerter Brunnen, befand sich in der Kirche. Auf dem steinernen Kranz des Brunnens stand die Jahreszahl 1710 und dazwischen die Buchstaben M B. Das Wasser kam vom hinteren „Weingebirge“, lief unter der Erde in die Sakristei, dann in die Kirche, wo das Becken mit zwei kupfernen Löffeln zum Trinken war. Außerdem gab es gegen das Wäldchen hin noch zwei Badestuben - eine für Herren, eine für Frauen, wo sich die Leute ihre Füße badeten - sowie Andenkenstände. Die Zahl der „Danktafeln“ wuchs an, so dass ein kleines Nebengebäude errichtet werden musste, um die Tafeln aufzubewahren.

An der Bründlkirche waren rückwärts die Sakristei und die Wohnung der Einsiedler, die auch Schule hielten; seitwärts stand das Haus für die Geistlichkeit und der Geistliche hatte hinter der Kirche einen Obst- und Küchengarten.

1724 fand die Einweihung des Gotteshauses durch den Bischof und Heiligen Römischen Reichsfürsten zu Passau, Josef Dominik Graf von Lamberg als Ordinarius, im Beisein von vielen tausenden Menschen statt. Von da an feierte Ernstbrunn ein jährliches Kirchweihfest jeweils am nächst folgenden Sonntag. Das Heilbründl war der geistlichen Gewalt nach dem Bistum Passau unterworfen, gehörte aber in weltlichen Belangen zur Herrschaft Ernstbrunn.

Die Kirche, ein hoher Bau über einem kreuzförmigen Grundriss, mit einer Zweiturmfassade, enthielt vier Altäre. Der Hochaltar trug das Mariahilfbild aus der alten Holzkapelle unter einem goldbestickten Baldachin in einem reichverzierten Rokokorahmen. 1760 vermerkte der Pfarradministrator 33 Prozessionen.

Ferdinand Unterweger, ein Pfarradministrator, war ein großer Förderer der Bründl-Kirche. Er gab 1751 ein Büchlein über 177 wunderbare Heilungen heraus und stiftete selbst ein Benefizium von fünftausend Gulden, damit immer ein Geistlicher und zwei Eremiten, welche Mesnerdienste versahen, im Bründl zur Verfügung standen. Zum Fünfzig-Jahr-Jubiläum im Jahr 1774 zählte er in den ersten zwei Wochen des Monats August an die fünfzigtausend Kommunikanten.

Franz Ludwig, ein anderer Pfarradministrator weiß zu berichten:
„1715 als dero hochgräfliche Gnaden Herr Sigmund Rudolf Sinzendorf von Spanien zurückgekehrt und der Andrang der Leuthe wegen des wunderthätigen Wassers sich gemehret, so entschloss sich derselbe, diese Kirche zu vervollkommnen und schon am 26. Oktober 1715 wurde die erste Messe gelesen und 1724 vollkommen ausgebauet. Am Feste Maria-Schnee wurde die Kirche vom fürstlichen Bischof zu Passau am 5. August 1724 eingeweiht.“

1784 erfolgte durch eine Verfügung Joseph II. die Sperrung aller Zweitkirchen, insoweit nicht Herrschaftsinhaber oder Privatpersonen die Erhaltung auf sich nahmen. Die Kirchen wurden ihrer Einrichtung beraubt, entweiht und Meistbietenden auf Abbruch verkauft. Unschätzbare Kunstdenkmäler waren damals vernichtet oder verschleudert worden. Den Erlös durch Verkauf der aufgelassenen Klöster und Nebenkirchen legte der Kaiser im sogenannten Religionsfonds an.

Maria Bründl war davon betroffen, die Kirche mußte geschlossen werden, verödete und war oft Obdach der herumziehenden „Hafenbrüder“. 1822 ließ der Markt diese Kirchenruine im Zuge einer Versteigerung abtragen.
Der Pfarradministrator erhielt 1826 den Auftrag, das Marahilfbild „in Stille“ in die Pfarrkirche zu überführen. Das Marienbild kam in die Ernstbrunner Pfarrkirche und es wird erzählt, dass zwei Ochsen den Wagen mit der Muttergottes nicht ziehen wollten, da sie einige Male am steilen Hausberg rasteten, woraus die Leute schlossen, die Muttergottes wolle von der Bründlkirche nicht weg.

Aus den Aufzeichnungen von Franz Ludwig entnehmen wir weiters:
„Da ich, Franz Ludwig seit 15. Oktober 1816 allhie in der Seelsorge stehe, so kannte ich noch das gantze Bründlgebäude in seinem gantzen Umfang. Die zwey Türme - diese waren eine wahre Zierde der gantzen Umgebung - entdacht, inwendig von allen kirchlichen Gegenständen entblößet, stand dieses schöne abgestiftete Gebäude da, dessen Gemäuer noch Jahrhunderten getrotzt hätte. 1782-83 abgestiftet, aber erst 1823 von der Herrschaft an den Markt verkauft um 1 200 Gulden samt dem anstoßenden Garten“.

Der Markt verkaufte es einem gewissen Schallgruber und einem gewissen Grünberger aus Ernstbrunn. Diese ließen mühsam alle Materialien sammeln und zu ihrem Gebrauch verwerten. Aus dem Material wurde das Haus Nummer 8 in der Grafengasse erbaut. Auch die Stufen, die in das Haus führen, stammen von der Kirche.
Die Engelsfigur, die viele Jahre im Vorgarten des Hauses Mechtler, Grafengasse Nummer 84 stand, war ebenfalls aus der ehemaligen Bründlkirche. Noch heute wird die Weinpresse im Mechtler-Keller mit Steinen aus der einstigen Kirche abgedeckt.

„Daher beschlossen die hiesigen Marktleute durch Sammlungen inner- und außerhalb des Marktes ein Gebäude zu erbauen. Im Jahr 1832 wurde dann mit Eifer zu bauen begonnen. Da aber die gesetzliche Erlaubnis eine Kapelle zu errichten, fehlte und in den Vorstellungen der hiesigen Vorsteher ein Gehör nicht vorhanden war, so wurde auf gemachte Anzeige der Bau rückgängig gemacht und durch das k.k. Kreisamt der Herrschaft eingeschärft, den Bau zu unterlassen, was auch streng befolgt wurde.“ (Franz Ludwig.)

1837 errichteten Joseph Neubauer und dessen Ehegattin Josepha, bürgerliche Handelsleute und Hausbesitzer im Markte Ernstbrunn, aus Eigenmitteln und mit Hilfe noch anderer Beiträge, an gleicher Stelle wo früher der Hochaltar stand und der Ursprung der Quelle war, doch eine Kapelle, die auch heute von vielen Menschen besucht wird. Der steinerne Kranz des vorigen Bründls ist darüber angebracht.

Im halbrunden Innern befindet sich eine Pietà über der Brunnenschale. Nach wiederholten Bitten an das Konsistorium erteilte dieses die Erlaubnis zur Aufstellung. Seit 17.5.1838 steht die Muttergottes mit dem toten Christus auf dem Schoß, ehemals Eigentum von Frau Katharina Hellmer aus Ernstbrunn, in der Bründlkapelle. Die Kapelle wird immer wieder restauriert.

Die Gemeinde Ernstbrunn erklärte sich bereit, für die Erhaltung des Gebäudes zu sorgen. Sie hinterlegte darüber beim Konsistorium einen entsprechenden Revers. 1937 kamen nach neuerlicher Renovierung, zur Hundertjahrfeier der Erbauung, eine große Prozession und viele Besucher.

Das gemauerte Bründl ohne steinernen Kranz ist jetzt außerhalb der Kapelle. Das noch immer fließende Wasser kann zum Trinken und als Augenwasser verwendet werden. Die Straße und der Platz vor der Kapelle erhielten in den letzten Jahren einen Asphaltbelag. Ruhebänke sind vorhanden. Eine neue Siedlung entstand und durch die Bergstraße ist das Bründl mit dem Ort heute wieder fester verbunden.

© Johanna Graf, aus "Ernstbrunn und Naturpark Leiser Berge, Johanna Graf, 1999"
von Johanna Graf dankenswerterweise für SAGEN.at zur Verfügung gestellt.


Ergänzungen sind gerne willkommen!