| Wallfahrt: | Wien-Ottakring, Starchant – Pfarr- und Wallfahrtskirche zur hl. Theresia vom Kinde Jesu |
| Status: | Stark zurückgegangene historische Wallfahrt mit fortbestehendem Kult und offizieller Wallfahrtskirchenbezeichnung. |
| Kultzentrum: | Die Verehrung der hl. Theresia vom Kinde Jesu und ihre Reliquie. |
| Ort: | Wien |
| Bezirk: | 16. Bezirk (Ottakring) |
| Bundesland: | Wien |
| • | Lage: Pfarr- und Wallfahrtskirche Starchant zur hl. Theresia vom Kinde Jesu, Pönningerweg 2, 1160 Wien-Ottakring. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Wien |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre Starchant |
| • | Öffnungszeiten: Andachtskapelle täglich von 8.00 bis 18.00 Uhr zugänglich. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Starchant im 16. Wiener Gemeindebezirk Ottakring gehört zu den jüngsten Wallfahrtskirchen Wiens und ist zugleich ein bemerkenswertes Zeugnis jener außerordentlich raschen Verehrung, die sich nach der Selig- und Heiligsprechung der hl. Theresia von Lisieux in der katholischen Welt entwickelte. Anders als an zahlreichen älteren Wallfahrtsorten steht am Beginn der Starchanter Wallfahrt weder eine mittelalterliche Kulttradition noch eine Marienerscheinung, Heilquelle oder wundersame Auffindung eines Gnadenbildes. Die Kirche entstand vielmehr nahezu gleichzeitig mit der weltweiten Ausbreitung des Theresienkultes und war von Anfang an als Wallfahrtskirche zur damals erst wenige Jahre zuvor heiliggesprochenen Karmelitin konzipiert. Reliquienverehrung, Theresienbilder, die Symbolik des "Rosenregens" und eine über die junge Starchanter Pfarrgemeinde hinausreichende Verehrung machten das Gotteshaus innerhalb weniger Jahre zu einem neuen Wiener Wallfahrtsziel. Die frühere überpfarrliche Wallfahrt ist heute gegenüber ihrer Blütezeit stark zurückgetreten; die Kirche führt jedoch weiterhin offiziell die Bezeichnung Wallfahrtskirche, und die Verehrung der hl. Theresia wird fortgeführt.
Das Gebiet von Starchant am Gallitzinberg wurde im frühen 20. Jahrhundert zunehmend besiedelt. Für die katholischen Bewohner der jungen Siedlung bestand zunächst keine eigene Kirche, weshalb seit 1923 Gottesdienste in einem einfachen Saal gefeiert wurden. Der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus verband sich bald mit der Idee, dieses der hl. Theresia vom Kinde Jesu zu widmen, deren Verehrung sich damals mit außergewöhnlicher Geschwindigkeit ausbreitete.
Die Grundsteinlegung erfolgte am 9. Dezember 1928. Bereits am 3. November 1929 konnte Kardinal Friedrich Gustav Piffl die neue Kirche konsekrieren. Erst zehn Jahre später, 1939, wurde Starchant zur selbständigen Pfarre erhoben. Für die Geschichte des Wallfahrtsortes ist diese zeitliche Abfolge bemerkenswert: Das Gotteshaus war nicht zunächst eine gewöhnliche Pfarrkirche, der später ein Wallfahrtskult hinzugefügt wurde, sondern wurde bereits vor der Errichtung der eigenständigen Pfarre als Theresien- und Wallfahrtskirche verstanden.
Thérèse Martin wurde 1873 in Alençon in der Normandie geboren und trat bereits in jungen Jahren in den Karmel von Lisieux ein. Unter dem Ordensnamen Theresia vom Kinde Jesu und vom heiligen Antlitz lebte sie dort ein äußerlich unspektakuläres klösterliches Leben, entwickelte jedoch eine Spiritualität, die später unter der Bezeichnung des "kleinen Weges" weltweit bekannt wurde. Im Mittelpunkt stand die Vorstellung, nicht außergewöhnliche religiöse Leistungen, sondern die vertrauensvolle Hingabe an Gott und die liebevolle Erfüllung alltäglicher kleiner Pflichten könnten einen Weg zur Heiligkeit eröffnen.
Theresia starb 1897 im Alter von nur 24 Jahren an Tuberkulose. Die postum veröffentlichte autobiographische Schrift "Geschichte einer Seele" fand eine außerordentliche Verbreitung, und zahlreiche Berichte über Gebetserhörungen verstärkten ihre Verehrung. Papst Pius XI. sprach sie 1923 selig und am 17. Mai 1925 heilig; bereits 1927 wurde sie gemeinsam mit dem hl. Franz Xaver zur Patronin der katholischen Weltmission erklärt.
Die Entstehung der Starchanter Wallfahrtskirche fällt damit unmittelbar in jene Jahre, in denen aus der Verehrung einer zunächst kaum bekannten französischen Karmelitin innerhalb kürzester Zeit ein internationaler katholischer Kult wurde.
Gerade aus wallfahrtskundlicher Sicht unterscheidet sich Starchant grundlegend von vielen älteren Gnadenorten. Es existiert keine örtliche Erscheinungslegende, kein wundertätig aufgefundenes Bild und keine Heilquelle, deren besondere Wirkung den Pilgerverkehr ausgelöst hätte.
Der Kult wurde vielmehr bewusst an einem neuen Ort angesiedelt. Die universale Verehrung der Heiligen wurde räumlich konzentriert, durch Kirchenbau, Reliquie, Bilder und liturgische Feiern vergegenwärtigt und auf diese Weise zu einer lokalen Wallfahrtstradition.
Starchant zeigt damit besonders deutlich, dass ein Wallfahrtsort nicht zwangsläufig aus einer jahrhundertealten örtlichen Überlieferung hervorgehen muss. Auch die moderne Kirche konnte neue sakrale Zentren schaffen, wenn ein bereits weit verbreiteter Heiligenkult, entsprechende Kultgegenstände und tatsächlich praktizierte Pilgerfrömmigkeit zusammentrafen.
Von besonderer Bedeutung für den Wallfahrtskult wurde die Verehrung einer Reliquie der hl. Theresia, die in der Kirche aufbewahrt wird. In der örtlichen Wallfahrtsüberlieferung wird berichtet, der später für Starchant bedeutsame Seelsorger Hermann Franke habe in Lisieux von Mère Agnès de Jésus, der leiblichen Schwester Theresias und damaligen Priorin des Karmels, eine Reliquie erhalten. In Zusammenhang damit wird für die Mitte der 1930er Jahre der Beginn beziehungsweise die Intensivierung organisierter Wallfahrten nach Starchant genannt.
Die Verbindung zu Pauline Martin, der Ordensfrau Mère Agnès de Jésus, wäre für die Kultgeschichte besonders bemerkenswert, da sie als Schwester Theresias und Priorin des Karmels von Lisieux entscheidend an der frühen Vermittlung und internationalen Verbreitung des Theresienkultes beteiligt war. Für die konkrete Übergabe der Starchanter Reliquie steht eine zeitgenössische Primärquelle bislang jedoch noch aus, weshalb dieses Detail als örtliche beziehungsweise wallfahrtsgeschichtliche Überlieferung und nicht als vollständig gesicherter Vorgang behandelt werden sollte.
Die Reliquie selbst bildet jedenfalls einen wesentlichen Bestandteil der Starchanter Theresienverehrung.
Bereits in den 1930er Jahren entwickelte sich Starchant über die unmittelbar zuständige Gemeinde hinaus zu einem Anziehungspunkt für Theresienverehrer. Damit entstand in bemerkenswert kurzer Zeit genau jene räumliche Bewegung, die einen Andachtsort vom gewöhnlichen Patrozinium unterscheidet: Gläubige kamen nicht allein deshalb in die Kirche, weil sie dort wohnten oder zur Pfarre gehörten, sondern suchten Starchant wegen der besonderen Verehrung der hl. Theresia auf.
Die weitere Entwicklung zeigt, dass diese überpfarrliche Bedeutung auch die politischen und gesellschaftlichen Erschütterungen der folgenden Jahre überstand. Besonders wertvolle Zeugnisse dafür bietet die erhaltene Pfarrchronik der Nachkriegszeit.
Für das Jahr 1947 findet sich in der Starchanter Pfarrchronik eine für die Wallfahrtsgeschichte ausgesprochen wichtige Formulierung. Pfarrer Hermann Franke richtete seine seelsorglichen Bemühungen nicht nur an die eigene Gemeinde, sondern ausdrücklich auch an die "auswärtigen Verehrer unserer hl. Theresia".
Diese wenigen Worte besitzen hohen Quellenwert. Sie zeigen unmittelbar aus der damaligen Pfarre selbst, dass der Kult keineswegs auf die Bewohner Starchants beschränkt war. Menschen kamen von außerhalb wegen der hl. Theresia hierher, womit der überpfarrliche Charakter des Heiligtums eindeutig fassbar wird.
Im selben Jahr erhielt der 50. Todestag der Heiligen besondere Aufmerksamkeit. Vom 28. September bis zum 5. Oktober wurde eine ganze religiöse Woche veranstaltet, bei der Gottesdienste, Predigten und Kommunionfeiern auf die Verehrung Theresias ausgerichtet waren. Kardinal Theodor Innitzer erteilte im Rahmen der Feierlichkeiten den Pontifikalsegen.
Die junge Wallfahrt besaß damit weniger als zwei Jahrzehnte nach der Kirchenweihe bereits eine ausgeprägte Fest- und Kulttradition.
Kein anderes Symbol ist so eng mit der hl. Theresia verbunden wie die Rose. Diese Symbolik gründet in Äußerungen der Heiligen, in denen sie ihr erhofftes Wirken nach dem Tod mit dem Bild eines "Rosenregens" verband. In der späteren Theresienverehrung wurde daraus die Vorstellung, die Heilige lasse gleichsam Rosen beziehungsweise Gnaden vom Himmel fallen.
Die Rose entwickelte sich dadurch zum allgemein verständlichen Erkennungszeichen der Heiligen. Theresienstatuen zeigen sie häufig mit Rosen im Arm, Devotionalien verwenden Rosenmotive, und auch an verschiedenen Theresienheiligtümern entstanden entsprechende Segensbräuche.
Für Starchant wird eine besondere Rosensegnung überliefert, bei der Rosen gesegnet und anschließend an die Gläubigen verteilt wurden. Ebenso wird berichtet, dass an Wallfahrtstagen der Schlusssegen mit der Theresienreliquie erteilt wurde. Diese Details sind bislang vor allem in wallfahrtsgeschichtlichen Darstellungen überliefert und sollten hinsichtlich ihrer genauen zeitlichen Entwicklung noch durch die Pfarrchronik oder weitere Originalquellen ergänzt werden.
Volkskundlich entspricht die Verbindung von Rose und Reliquie jedoch vollkommen der Struktur des Theresienkultes: Ein zunächst geistliches Bild – der "Rosenregen" – wird durch die tatsächliche Rose materiell und sinnlich erfahrbar.
Gerade an Starchant lässt sich beobachten, wie rasch auch im 20. Jahrhundert eine eigenständige materielle Wallfahrtskultur entstehen konnte. Reliquien, Bilder, Rosen und Andachtsgegenstände schaffen eine unmittelbare Verbindung zur verehrten Heiligen, obwohl deren Grab und ursprünglicher Lebensort weit entfernt in Lisieux liegen.
Damit besitzt Starchant eine gewisse strukturelle Ähnlichkeit mit älteren Wallfahrtsorten, an denen Kopien berühmter Gnadenbilder oder übertragene Reliquien neue Kultzentren entstehen ließen. Nicht Lisieux wird kopiert, wohl aber ein Teil seiner sakralen Bedeutung nach Wien übertragen.
Der Pilger muss nicht zum Grab Theresias nach Frankreich reisen, um ihr an einem besonders ausgewiesenen Kultort zu begegnen. Reliquie und Bild machen ihre Gegenwart symbolisch in Starchant erfahrbar.
Auch die künstlerische Gestaltung des Gotteshauses verweist deutlich auf seine Patronin und seinen Wallfahrtscharakter. Die Kirche wurde nach Plänen von Robert Hartinger und Silvio Mohr errichtet. Der vergleichsweise schlichte Bau entspricht seiner Entstehungszeit und unterscheidet sich grundlegend von den barocken Gnadenkirchen, die das traditionelle Bild österreichischer Wallfahrtsarchitektur bestimmen.
Hinter dem Hochaltar befindet sich eine lebensgroße Darstellung der hl. Theresia von Alfred Crepaz. Weitere bildliche Darstellungen beziehen sich auf ihr Leben, ihre Spiritualität und ihre Bedeutung als Missionspatronin. Eine Andachtskapelle zeigt die sterbende Theresia im Kreis der Karmelitinnen.
Der Hochaltar aus Marmor mit zwei knienden Engeln stammt ursprünglich aus der Kapelle des Schlosses Wilhelminenberg und wurde in den Starchanter Kirchenraum übernommen.
Die Ernennung Theresias zur Patronin der Missionen bereits 1927 erscheint zunächst überraschend, da die Karmelitin Lisieux niemals verlassen hatte. Gerade darin lag jedoch nach kirchlichem Verständnis die besondere Aussage: Mission wurde nicht ausschließlich als geographische Tätigkeit verstanden, sondern ebenso als geistliche Unterstützung durch Gebet und Opfer.
Diese Vorstellung wurde auch in Starchant aufgegriffen. Die Missionspatronin konnte in einer neu entstehenden Wiener Siedlung verehrt werden und zugleich einen Kult begründen, der seinerseits internationale Verbindungen besaß.
Damit erhielt Starchant von Beginn an eine religiöse Dimension, die über die Grenzen der eigenen Pfarre hinausreichte.
Eine weitere bemerkenswerte Frömmigkeitsschicht der Kirche bildet eine Nachbildung des Christus von Limpias. Das spanische Kruzifix aus der kantabrischen Ortschaft Limpias gelangte ab 1919 zu internationaler Bekanntheit, nachdem Gläubige berichtet hatten, Veränderungen beziehungsweise Bewegungen an Gesicht und Augen der Christusfigur wahrgenommen zu haben.
Die Berichte lösten eine intensive Verehrung aus, und Kopien des Bildes beziehungsweise des Kruzifixes verbreiteten sich rasch in Europa. Die Starchanter Nachbildung ist damit ein weiteres Zeugnis jener katholischen Frömmigkeitsbewegungen des frühen 20. Jahrhunderts, die durch neue Kommunikationsmittel und religiöse Druckwerke wesentlich schneller über Ländergrenzen hinweg verbreitet werden konnten als frühere lokale Kulte.
Das Limpias-Kreuz darf jedoch nicht mit dem eigentlichen Wallfahrtskult Starchants verwechselt werden. Mittelpunkt der Wallfahrt blieb die hl. Theresia vom Kinde Jesu.
Volkskundlich ist Starchant gerade wegen seines geringen Alters besonders aufschlussreich. Bei vielen traditionellen Wallfahrtsorten liegen Kultentstehung und erste Überlieferung Jahrhunderte zurück; häufig lässt sich kaum mehr rekonstruieren, wann erstmals Pilger kamen oder wann ein Bild als wundertätig angesehen wurde.
In Starchant lässt sich dagegen nahezu die gesamte Kultentstehung beobachten. Die Heilige wird 1925 kanonisiert, 1927 zur Missionspatronin erhoben, 1928 wird der Grundstein einer ihr geweihten Wallfahrtskirche gelegt, 1929 erfolgt die Kirchweihe, und innerhalb weniger Jahre entwickelt sich ein überpfarrlicher Kult mit Reliquienverehrung und auswärtigen Besuchern.
Wallfahrt erscheint hier nicht als anonym gewachsene mittelalterliche Tradition, sondern als religiöser Prozess der Moderne.
Die erstaunliche Geschwindigkeit dieser Entwicklung lässt sich auch durch die Kommunikationsmöglichkeiten des frühen 20. Jahrhunderts erklären. Theresias autobiographische Texte, Gebetszettel, Heiligenbilder, Fotografien und Berichte über Gebetserhörungen konnten in enormen Auflagen verbreitet werden.
Der Theresienkult ist insofern selbst ein Phänomen moderner religiöser Massenkommunikation. Millionen Menschen kannten das Gesicht der jungen Karmelitin, obwohl sie Lisieux niemals besucht hatten. Bilder und Texte schufen eine emotionale Nähe zur Heiligen, aus der wiederum örtliche Kultstätten hervorgehen konnten.
Starchant zeigt damit einen wichtigen Wandel der Wallfahrtskultur: Ein Heiligtum musste nicht mehr über Generationen langsam regionale Bekanntheit gewinnen. Ein international bereits etablierter Kult konnte innerhalb weniger Jahre an einen neuen Ort übertragen und dort lokal verankert werden.
Mit der Erhebung Starchants zur Pfarre im Jahr 1939 erhielt das Gotteshaus eine zusätzliche Funktion. Die Wallfahrtskirche wurde nun zugleich Mittelpunkt einer territorial bestimmten Pfarrgemeinde.
Damit überlagerten sich zwei unterschiedliche Formen religiöser Zugehörigkeit: Die Bewohner der Umgebung besuchten die Kirche als ihre Pfarrkirche, während auswärtige Gläubige wegen der besonderen Theresienverehrung kamen.
Diese Doppelrolle besteht grundsätzlich bis heute und erklärt auch die offizielle Bezeichnung als Pfarr- und Wallfahrtskirche.
Zur heutigen Pfarre Starchant gehört auch die Fatimakirche in der Gusterergasse, an der weiterhin Wallfahrtsgottesdienste in Zusammenhang mit den Fatimatagen gefeiert werden. Diese Wallfahrt ist jedoch kultgeschichtlich von der Theresienwallfahrt zur Starchanter Kirche zu trennen.
Dass beide Wallfahrtsorte heute innerhalb derselben Pfarrorganisation liegen, darf nicht dazu führen, die fortbestehende Fatimawallfahrt als unmittelbare Fortsetzung oder Beleg für einen gegenwärtigen Theresien-Pilgerbetrieb in Starchant zu verwenden.
Es handelt sich um zwei unterschiedliche Kulttraditionen.
Starchant besitzt für die Wallfahrtsforschung einen besonderen Stellenwert, weil hier die Entstehung eines modernen Heiligenheiligtums nahezu vollständig nachvollzogen werden kann. Es gibt keine in mittelalterliche Dunkelheit zurückreichende Ursprungssage und keine nach Jahrhunderten erstmals aufgezeichnete Mirakelerzählung. Stattdessen lässt sich der Vorgang historisch Schritt für Schritt verfolgen.
Eine junge Ordensfrau stirbt 1897 in einem französischen Karmel; ihre Schriften verbreiten sich international, 1925 erfolgt die Heiligsprechung, wenige Jahre später entsteht am Stadtrand von Wien eine ihr geweihte Wallfahrtskirche. Reliquien, Bilder und Rosen bringen den internationalen Kult in eine örtlich erfahrbare Form, während auswärtige Gläubige die Kirche als besonderes Ziel aufsuchen.
Damit zeigt Starchant besonders deutlich, dass Wallfahrt kein ausschließlich mittelalterliches oder barockes Phänomen ist. Auch die religiöse Moderne konnte neue Heiligtümer hervorbringen, neue Kultformen entwickeln und traditionelle Elemente wie Reliquienverehrung, Votivfrömmigkeit und Wallfahrt mit neuen Medien und international verbreiteten Heiligenkulten verbinden.
Starchant ist eine historisch eindeutig belegte und weiterhin offiziell als solche bezeichnete Wallfahrtskirche zur hl. Theresia vom Kinde Jesu.
Der überpfarrliche Wallfahrtsbetrieb, der insbesondere seit den 1930er Jahren und in der Nachkriegszeit nachweisbar ist, hat gegenüber seiner früheren Bedeutung deutlich abgenommen. Die Theresienverehrung, die Reliquie, das Patrozinium und das Selbstverständnis der Kirche als Wallfahrtsstätte bestehen jedoch fort.
Die Wallfahrt ist daher nicht als erloschen, sondern als stark zurückgegangene historische Wallfahrt mit fortbestehendem Kult zu charakterisieren.
-Pfarrchronik Starchant, insbesondere die Aufzeichnungen Pfarrer Hermann Frankes zur Theresienverehrung und zu den "auswärtigen Verehrern" der hl. Theresia in der Nachkriegszeit.
- Dokumentationen der Pfarre Starchant zur Entstehungs- und Baugeschichte der Kirche, zum Theresienkult und zur Entwicklung der Pfarre.
- Erzdiözese Wien: Pfarr- und Wallfahrtskirche Starchant zur hl. Theresia vom Kinde Jesu; aktuelle pfarrliche und kirchengeschichtliche Angaben.
- Carmel de Lisieux: historische Dokumentationen zu Theresia von Lisieux und Mère Agnès de Jésus.
- Kirchen- und kunsthistorische Literatur zur Pfarrkirche Starchant und zu ihrer Ausstattung.
- Wallfahrtsgeschichtliche Literatur zur Theresienwallfahrt in Starchant, zur Reliquienverehrung und zu den mit dem "Rosenregen" verbundenen Andachtsformen.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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