| Wallfahrt: | Wien-Leopoldstadt – Pfarrkirche St. Johann Nepomuk und Gnadenbild "Rosa Mystica in der Jägerzeile" |
| Status: | Historische, heute weitgehend erloschene Marienwallfahrt beziehungsweise Gnadenstätte. |
| Kultzentrum: | Das Gnadenbild Rosa Mystica in der Jägerzeile. |
| Ort: | Wien |
| Bezirk: | 2. Bezirk (Leopoldstadt) |
| Bundesland: | Wien |
| • | Lage: Pfarrkirche St. Johann Nepomuk, Nepomukgasse 1, 1020 Wien. Die Pfarrkirche St. Johann Nepomuk liegt an der Praterstraße im 2. Wiener Gemeindebezirk Leopoldstadt, unweit des Pratersterns und des historischen Zuganges zum Wiener Prater. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Wien |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre St. Johann Nepomuk |
| • | Öffnungszeiten: Montag: 08:30 – 16:30 Uhr, Dienstag: 08:00 – 17:30 Uhr, Mittwoch & Donnerstag: 08:00 – 19:45 Uhr, Freitag: 08:00 – 17:30 Uhr, Samstag: 08:00 – 19:00 Uhr, Sonntag: 08:30 – 20:15 Uhr. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Die heutige Pfarrkirche St. Johann Nepomuk in der Wiener Praterstraße geht in ihrer Entstehung nicht in erster Linie auf die Verehrung des böhmischen Brückenheiligen zurück, sondern auf einen älteren marianischen Gnadenkult, dessen Mittelpunkt eine Kopie des berühmten Gnadenbildes Maria Pötsch im Stephansdom bildete. Dieses Bild, das unter der Bezeichnung "Rosa Mystica in der Jägerzeile" bekannt wurde, entwickelte sich im frühen 18. Jahrhundert von einem privaten Hausaltarbild zu einer öffentlich verehrten Gnadenstätte, zu der Menschen aus der näheren und weiteren Umgebung kamen, um in Krankheit, Seuchengefahr und anderen persönlichen Nöten Hilfe zu erbitten und nach erfahrener Hilfe Votivgaben zurückzulassen.
Aus der zunächst privaten Andacht entstand schrittweise ein öffentlicher Kultort, über dem zuerst eine hölzerne und schließlich eine steinerne Kapelle errichtet wurde; aus dieser wiederum entwickelte sich die spätere Pfarrkirche St. Johann Nepomuk. Der historische Wallfahrtscharakter des Ortes ist heute weitgehend zurückgetreten, das ursprüngliche Gnadenbild wird jedoch weiterhin in der Kirche bewahrt und bildet damit ein seltenes Zeugnis einer nahezu dreihundertjährigen materiellen Kultkontinuität innerhalb einer sich stark verändernden großstädtischen Umgebung.
Der Ursprung des Gnadenkultes wird mit einem Haus in der damaligen Jägerzeile, der heutigen Praterstraße, verbunden. Dort soll ein herrschaftlicher Bediensteter beziehungsweise sogenannter "Läufer" auf seinem privaten Hausaltar eine Kopie des Gnadenbildes Maria Pötsch verehrt haben. Als das Haus im Jahr 1729 durch einen Brand zerstört wurde, blieb das Marienbild nach der Überlieferung unversehrt, wodurch ihm in der Wahrnehmung der Bevölkerung eine besondere Schutz- und Gnadenkraft zugeschrieben wurde.
Dieses Ereignis gehört zu einem in der Geschichte von Gnadenbildern häufig begegnenden Muster: Ein zunächst privates Andachtsbild erhält durch seine angeblich wunderbare Bewahrung in einer Gefahrensituation öffentliche Bedeutung, wobei gerade der materielle Fortbestand des Bildes als Hinweis auf eine besondere göttliche Schutzwirkung gedeutet wird. Das Bild wird damit aus seinem ursprünglichen häuslichen Zusammenhang herausgelöst und beginnt, eine eigene Kultgeschichte zu entwickeln.
Nach der pfarrlichen Überlieferung wurde die "Rosa Mystica" 1730 an einem großen Baum in der Jägerzeile angebracht und durch ein einfaches hölzernes Schutzdach beziehungsweise eine kleine Kapelle vor der Witterung geschützt. Die Verehrung blieb jedoch nicht auf die unmittelbare Nachbarschaft beschränkt, sondern zog bald Menschen "von weit und breit" an, die besonders an Samstagen zum Bild kamen, dort beteten und nach erfahrener Hilfe Opfergaben hinterließen.
Damit besitzt der Ort bereits in dieser frühen Phase wesentliche Kennzeichen eines volkstümlichen Gnaden- und Wallfahrtsplatzes: ein verehrtes Bild, die Vorstellung außergewöhnlicher Schutzwirkung, einen festen Andachtsort, wiederkehrende Besuchszeiten, den Zustrom auswärtiger Hilfesuchender und eine ausgeprägte Votivpraxis.
Eine besondere Bedeutung erhielt das Gnadenbild in der Überlieferung während einer pestartigen Seuche, die nach der heutigen Pfarrgeschichte in die Jahre 1730/31 gesetzt wird. Die Bewohner der Jägerzeile sollen ihre Verschonung von Todesfällen der Fürsprache Mariens zugeschrieben haben, wodurch der Ruf der "Rosa Mystica" als hilfreiches Gnadenbild weiter verstärkt wurde.
Eine ältere Jubiläumsschrift der Pfarre nennt in diesem Zusammenhang zwar das Jahr 1713, doch steht diese Angabe in einem offensichtlichen chronologischen Widerspruch zur Brandgeschichte von 1729 und zur anschließenden öffentlichen Aufstellung des Bildes; für die historische Darstellung erscheint deshalb die heute von der Pfarre übernommene Datierung 1730/31 wesentlich plausibler.
Besonders eindrucksvoll ist die in der älteren Überlieferung geschilderte Vorstellung, Erkrankte oder von der Seuche bedrohte Menschen seien nachts heimlich zum Gnadenbild gegangen, hätten dort bis zum Morgen gebetet und ihre Genesung beziehungsweise Verschonung anschließend der Fürsprache Mariens zugeschrieben. Ob sich solche Einzelheiten historisch überprüfen lassen, ist nicht entscheidend, denn volkskundlich zeigen sie sehr deutlich, welche Funktion der Ort innerhalb der religiösen Vorstellungswelt besaß: Die "Rosa Mystica" wurde als Zuflucht in einer existenziellen Bedrohung verstanden, in der gewöhnliche menschliche Schutzmaßnahmen als unzureichend erschienen.
Ein weiteres Wunderzeichen wird für das Jahr 1734 überliefert, als ein schwerer Sturm den Baum, an dem das Gnadenbild angebracht war, zerstört haben soll, während das Bild selbst wiederum unversehrt blieb. Wie schon beim Brand von 1729 wurde also erneut die Unversehrtheit des Kultgegenstandes zum religiösen Beweiszeichen, wobei sich die Vorstellung seiner besonderen Schutzkraft durch die Wiederholung des Motivs weiter verdichtete.
Nach dem Sturm von 1734 entstand der Wunsch, dem Gnadenbild einen dauerhaften und würdigeren Schutzbau zu errichten. Dabei bestand die Bevölkerung offenbar darauf, dass die "Rosa Mystica" an ihrem bisherigen Standort bleiben sollte und nicht in eine bereits bestehende Kirche übertragen wurde, was für die Ortsgebundenheit des Kultes von besonderer Bedeutung ist.
Diese Bindung an den konkreten Platz zeigt, dass sich die Verehrung längst nicht mehr ausschließlich auf das Bild als beweglichen Gegenstand bezog. Der Baum, die Stelle an der Jägerzeile und die dort erfahrenen beziehungsweise erzählten Hilfen hatten dem Ort selbst eine religiöse Qualität verliehen, weshalb eine Verlegung des Bildes als Verlust des eigentlichen Gnadenplatzes empfunden worden wäre.
Kaiser Karl VI. genehmigte schließlich die Errichtung einer steinernen Kapelle, die 1736 vollendet wurde. Auffällig ist dabei, dass die neue Kapelle nicht unter einem marianischen Patrozinium stand, sondern dem hl. Johannes Nepomuk geweiht wurde, der erst wenige Jahre zuvor, 1729, heiliggesprochen worden war und dessen Verehrung sich im Habsburgerreich mit außerordentlicher Geschwindigkeit verbreitete.
Damit entstand eine bemerkenswerte doppelte Kultstruktur: Das Patrozinium galt Johannes Nepomuk, während der historische Anlass für den Bau und der eigentliche Mittelpunkt der älteren Volksfrömmigkeit das marianische Gnadenbild blieb. Patrozinium und Gnadenkult waren also nicht identisch, sondern überlagerten sich, wobei der gerade hochaktuelle Nepomukkult des frühen 18. Jahrhunderts mit einer bereits aus der Bevölkerung heraus gewachsenen Maria-Pötsch-Verehrung verbunden wurde.
Die steinerne Kapelle entwickelte sich rasch zu einem stark frequentierten Andachtsort. Nach der älteren Pfarrüberlieferung durfte dort täglich Messe gefeiert werden; vor Beginn des Gottesdienstes zog ein Mann mit einem kleinen Ministrantenglöckchen durch die Jägerzeile und kündigte die Feier an.
Schon bald reichte der kleine Kirchenraum nicht mehr aus, um die Besucher aufzunehmen, sodass die Gläubigen dicht gedrängt vor der geöffneten Tür und bis in den Straßenraum hinein standen. Dieser starke Zustrom ist für die historische Beurteilung des Wallfahrtscharakters besonders wichtig, weil er zeigt, dass die Gnadenstätte weit über eine bloße lokale Haus- oder Nachbarschaftsandacht hinausgewachsen war.
Die ältere Jubiläumsschrift berichtet außerdem ausdrücklich von Menschen, die nach erfahrener Hilfe Opfergaben zurückbrachten, sodass bereits der frühe Bildbaum mit Dankeszeichen geschmückt gewesen sein soll. Damit ist eine Votivpraxis belegt, die für die Geschichte von Wallfahrts- und Gnadenorten von zentraler Bedeutung ist, weil sie die Beziehung zwischen Bitte, erhoffter Hilfe und anschließendem Dank materiell sichtbar machte.
Die "Rosa Mystica" war somit nicht nur Gegenstand religiöser Betrachtung, sondern Mittelpunkt eines konkreten Austausches zwischen Gläubigen und Heiligtum: Man kam mit einem Anliegen, betete vor dem Bild, hoffte auf Fürsprache und brachte im Fall einer als erhört verstandenen Bitte eine Gabe zurück.
Mit der Öffnung des Praters für die Allgemeinheit im Jahr 1766 veränderte sich die Jägerzeile grundlegend. Der Verkehr nahm stark zu, die Umgebung wurde dichter besiedelt und die mitten im Straßenraum stehende Kapelle entwickelte sich zunehmend zu einem praktischen Hindernis.
Im Jahr 1780 wurde sie schließlich auf kaiserlichen Befehl abgetragen. Die Bevölkerung empfand den Verlust des vertrauten Heiligtums offenbar als einschneidend, doch gleichzeitig wurden Mittel für einen größeren Ersatzbau in unmittelbarer Nähe bereitgestellt, sodass die religiöse Kontinuität des Ortes grundsätzlich erhalten blieb.
Noch im selben Jahr begann unter Franz Duschinger der Bau einer neuen Kirche, die 1782 geweiht und 1786 zur Pfarrkirche erhoben wurde. Damit vollzog sich ein entscheidender Wandel: Aus einer Gnadenkapelle, die primär wegen eines verehrten Bildes aufgesucht worden war, wurde zunehmend ein reguläres kirchliches Zentrum für die rasch wachsende Bevölkerung der Leopoldstadt.
Gerade dieser Übergang dürfte wesentlich dazu beigetragen haben, dass der ursprüngliche Wallfahrtscharakter allmählich in den Hintergrund trat. Die Kirche musste nun nicht mehr nur die Bedürfnisse der Pilger und Bittenden erfüllen, sondern vor allem die alltägliche Seelsorge einer stetig anwachsenden Pfarrgemeinde übernehmen.
Das starke Bevölkerungswachstum machte bereits wenige Jahrzehnte später einen nochmals größeren Neubau notwendig. Kaiser Ferdinand I. genehmigte 1841 die Pläne des Akademieprofessors Carl Rösner, und am 18. Oktober 1846 wurde die heutige Kirche durch Erzbischof Vinzenz Eduard Milde geweiht.
Rösner schuf einen bedeutenden historistischen Kirchenbau, dessen Architektur und Ausstattung als religiöses Gesamtkunstwerk konzipiert wurden. Eine zentrale Stellung nimmt das große Altarwandfresko Leopold Kupelwiesers ein, das die Aufnahme des hl. Johannes Nepomuk in den Himmel zeigt und damit den Kirchenpatron gegenüber dem älteren marianischen Gnadenkult deutlich stärker in den Mittelpunkt rückt.
Zu den kunsthistorisch bedeutendsten Ausstattungsstücken gehört außerdem der zwischen 1844 und 1846 von Joseph von Führich geschaffene Kreuzweg. Die vierzehn monumentalen Fresken wurden durch graphische Reproduktionen weit verbreitet und beeinflussten Kreuzwegdarstellungen in zahlreichen Kirchen innerhalb und außerhalb Österreichs.
Die Kirche wurde im März 1945 durch Bombentreffer schwer beschädigt, konnte jedoch in den folgenden Jahren wiederhergestellt werden; der Wiederaufbau war bis 1951 weitgehend abgeschlossen.
Von besonderer Bedeutung ist, dass das historische Gnadenbild trotz der mehrfachen Kirchenneubauten erhalten blieb. Als die ältere Kirche nach Fertigstellung des heutigen Neubaus schließlich abgetragen wurde, bestand die Bevölkerung darauf, besonders verehrte Marienbilder in die neue Kirche zu übernehmen, darunter die historische Maria-Pötsch-Kopie "Rosa Mystica in der Jägerzeile".
Damit blieb nicht nur die Erinnerung an die frühere Gnadenstätte erhalten, sondern der eigentliche materielle Kultgegenstand selbst. Die "Rosa Mystica" befindet sich heute am Hochaltar und wurde bei der Umgestaltung des Kirchenraumes 1970 zentral in die Altarzone einbezogen; ihr reich vergoldeter Holzrahmen stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.
Diese materielle Kontinuität ist für die Geschichte des Ortes außergewöhnlich wichtig. Der heute sichtbare Kirchenbau stammt aus dem 19. Jahrhundert, doch das in ihm bewahrte Gnadenbild führt unmittelbar zurück in jene frühe Phase, in der an der Jägerzeile noch ein Baum mit einer kleinen Schutzkapelle stand und Menschen aus der Umgebung zu diesem Ort kamen, um Hilfe zu erbitten.
Die Kirche besitzt damit gewissermaßen zwei historische Identitäten: Sie ist einerseits eine großstädtische Pfarrkirche des 19. Jahrhunderts mit ausgeprägter Johannes-Nepomuk-Verehrung und bedeutender historistischer Kunst, andererseits bewahrt sie im Hochaltar den materiellen Mittelpunkt eines wesentlich älteren marianischen Gnadenkultes.
Die "Rosa Mystica in der Jägerzeile" gehört zugleich in die weitreichende Kultgeschichte von Maria Pötsch. Das Original der Weinenden Madonna von Pötsch war 1697 nach Wien gebracht und im Stephansdom aufgestellt worden, worauf sich der Bildtypus durch zahlreiche Kopien rasch innerhalb der Habsburgermonarchie verbreitete.
Gerade die Jägerzeile zeigt besonders anschaulich, dass solche Kopien nicht bloß als künstlerische Reproduktionen des berühmten Originals verstanden wurden. Eine Nachbildung konnte selbst Gegenstand intensiver Verehrung werden, eigene Mirakelüberlieferungen entwickeln und schließlich einen neuen Gnadenort begründen.
Aus volkskundlicher Sicht ist dies von erheblicher Bedeutung, weil sich hier die Vorstellung einer übertragbaren Sakralität erkennen lässt. Die religiöse Wirkung eines Gnadenbildes blieb nicht notwendig an das materielle Original gebunden, sondern konnte sich durch die Kopie vervielfältigen, wobei die Nachbildung durch eigene Erfahrungen, Legenden und Gebetserhörungen schließlich eine selbständige Kultbiographie erhielt.
Die "Rosa Mystica" in der Jägerzeile ist dafür ein besonders schönes Beispiel: Sie beginnt als Kopie eines bereits berühmten Wiener Gnadenbildes, entwickelt aber durch Brand, Seuchenüberlieferung, Sturmwunder, Votivgaben und den Zustrom der Gläubigen eine völlig eigenständige lokale Bedeutung.
Die Geschichte der "Rosa Mystica in der Jägerzeile" gehört zu den anschaulichsten Beispielen dafür, wie sich in einer frühneuzeitlichen Vorstadt aus privater Andacht schrittweise ein öffentlicher Gnadenort entwickeln konnte.
Der Verlauf lässt sich nahezu modellhaft nachvollziehen: Ein Marienbild steht zunächst auf einem privaten Hausaltar, übersteht nach der Überlieferung einen Brand, wird öffentlich an einem Baum angebracht, zieht Hilfesuchende aus der Umgebung an, erhält Opfergaben, wird in Zeiten von Seuche und Krankheit angerufen, übersteht einen weiteren zerstörerischen Sturm und erhält schließlich zuerst einen hölzernen und danach einen steinernen Schutzbau.
Die Entwicklung wird dabei wesentlich von der Bevölkerung getragen. Der Ort entsteht nicht durch eine planmäßig angelegte Wallfahrtsstiftung, sondern durch die zunehmende Verehrung eines Bildes, durch wiederholtes Aufsuchen, durch erzählte Gebetserhörungen und durch das Bedürfnis der Gläubigen, den einmal entstandenen Gnadenplatz an seinem konkreten Standort zu bewahren.
Besonders charakteristisch ist die Bindung zwischen Bild und Ort. Die Bevölkerung wollte die "Rosa Mystica" nach dem Sturm nicht einfach in eine andere Kirche übertragen lassen, sondern bestand auf dem Verbleib am bisherigen Platz. Damit war die Heiligkeit bereits nicht mehr ausschließlich an den beweglichen Bildgegenstand gebunden, sondern an den Raum, in dem sich die Verehrung entfaltet und die überlieferten Wunder ereignet hatten.
Mit dem späteren Übergang von der Gnadenkapelle zur Pfarrkirche änderte sich die Funktion des Ortes grundlegend. Die Wallfahrt verschwand nicht in einem einzigen historischen Augenblick, sondern wurde zunehmend von der alltäglichen Pfarrseelsorge überlagert, bis der alte marianische Gnadenkult nur noch einen Teil der religiösen Identität der Kirche bildete.
Gerade dieser Wandel macht St. Johann Nepomuk volkskundlich besonders interessant. Ein früher Gnadenort wird nicht aufgegeben, sondern in eine großstädtische Pfarrkirche integriert, wobei der ursprüngliche Kultgegenstand weiterhin erhalten bleibt, während sich die soziale Funktion der Kirche vollständig verändert.
Historisch ist die Jägerzeile eindeutig als marianische Gnadenstätte mit wallfahrtsartigen Zügen anzusehen. Der Zustrom von Menschen aus der weiteren Umgebung, die Überlieferung zahlreicher Hilfesuchender, die Votivgaben, der wegen des Kultes errichtete eigene Kapellenbau und die starke Besucherzahl belegen eine Verehrung, die deutlich über gewöhnliche Pfarrfrömmigkeit hinausging.
Eine mit den Verhältnissen des 18. Jahrhunderts vergleichbare organisierte Wallfahrt besteht heute jedoch nicht mehr. Die Kirche ist in erster Linie Pfarrkirche, während das historische Gnadenbild zwar weiterhin am Hochaltar bewahrt und verehrt wird, aber nicht mehr Mittelpunkt einer ausgeprägten überregionalen Pilgerbewegung ist.
Der Wallfahrtsstatus kann daher am treffendsten als historische, heute weitgehend erloschene Marienwallfahrt beziehungsweise Gnadenstätte bezeichnet werden, deren ursprünglicher Kultgegenstand im Kirchenraum erhalten geblieben ist.
- Georg Jantschge: "Rosa mystica" in der Jägerzeil. Anläßlich der Hundertjahrfeier der Pfarrkirche St. Johann von Nepomuk. Herausgegeben von der Pfarre St. Johann Nepomuk, Wien.
- Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 1: Wien. Wien.
- Hans Aurenhammer: Die Mariengnadenbilder Wiens und Niederösterreichs in der Barockzeit. Wien 1956.
- Pfarre St. Johann Nepomuk: Kirchenführer und historische Dokumentation zur "Rosa Mystica in der Jägerzeile".
- Wien Geschichte Wiki: Johannes-Nepomuk-Kirche, Wien-Leopoldstadt.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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