Wien-Hernals – Marienkirche der Redemptoristen und Gnadenbild der Mutter von der Immerwährenden Hilfe

Schnellüberblick
Wallfahrt:Wien-Hernals – Marienkirche der Redemptoristen und Gnadenbild der Mutter von der Immerwährenden Hilfe
Status:Historische Marienwallfahrt, die durch konkrete liturgische Praxis wieder beziehungsweise weiterhin gepflegt wird.
Kultzentrum:Das Gnadenbild der Mutter von der Immerwährenden Hilfe.
Ort:Wien
Bezirk:17. Bezirk (Hernals)
Bundesland:Wien
Lage und Besuch
Lage: Marienkirche der Redemptoristen, Clemens-Hofbauer-Platz 1, 1170 Wien.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Wien
Ansicht in Street View
Web: Marienpfarre Wien-Hernals und Pfarre Marienpfarre
Öffnungszeiten: täglich von 07:45 Uhr bis 18:00 Uhr geöffnet.
Direkt zum Inhalt
Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Außenansicht: Die Pfarrkirche Maria von der immerwährenden Hilfe in Wien ist eine neogotische Hallenkirche. Sie wurde 1886-89 von Richard Jordan erbaut und ist die Klosterkirche der Redemptoristen. Sie befindet sich am Clemens-Maria-Hofbauer-Platz in Wien 17. und ist tagsüber geöffnet.

Redemptoristenkirche Wien Hernals, Außenansicht

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Gnadenbild: Die Pfarrkirche Maria von der immerwährenden Hilfe in Wien ist eine neogotische Hallenkirche. Sie wurde 1886-89 von Richard Jordan erbaut und ist die Klosterkirche der Redemptoristen. Im Aufbau des Hochaltars befindet sich eine Kopie der Ikone Maria von der Immerwährenden Hilfe aus dem 19. Jahrhundert.

Redemptoristenkirche Hernals, Gnadenbild

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ausführliche Beschreibung

Die Marienkirche der Redemptoristen in Wien-Hernals gehört zu den jüngeren Wallfahrtsstätten der Stadt und unterscheidet sich in ihrer Entstehung grundlegend von älteren Wiener Gnadenorten wie Maria Hietzing, Mariabrunn oder Maria am Baum. Nicht eine lokale Erscheinungslegende, eine wunderbare Auffindung oder ein zunächst spontan verehrter Kultgegenstand begründeten hier die Wallfahrt, sondern die bewusste Übertragung eines bereits international verbreiteten Marienkultes durch den Redemptoristenorden. Im Mittelpunkt steht eine Kopie des berühmten Gnadenbildes der Mutter von der Immerwährenden Hilfe, dessen römisches Vorbild seit 1866 in der Redemptoristenkirche Sant’Alfonso all’Esquilino verehrt und vom Orden weltweit verbreitet wird. Entscheidend für die Einordnung Hernals’ als Wallfahrtsort ist jedoch nicht das Vorhandensein dieser Kopie allein, sondern die Tatsache, dass sich um sie eine eigenständige Wiener Pilgertradition entwickelte, die bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts bestand und seit dem zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts bewusst wiederbelebt wurde.

Die Redemptoristen in Hernals

Die Entstehung der Kirche steht zunächst im Zusammenhang mit dem außerordentlichen Wachstum Hernals’ im späten 19. Jahrhundert. Aus dem alten Vorort war innerhalb weniger Jahrzehnte ein dicht besiedeltes Arbeiter- und Zuwanderungsgebiet geworden, dessen rasch wachsende Bevölkerung neue Formen kirchlicher Seelsorge erforderte. Der damalige Redemptoristenprovinzial P. Andreas Hamerle sah gerade in diesem sozialen Umfeld ein geeignetes Tätigkeitsfeld seines Ordens, dessen besondere Aufgabe seit seiner Gründung in Volksmission, Predigt, Beichte und Seelsorge für breitere Bevölkerungsschichten lag.

Am 1. März 1886 erwarben die Redemptoristen ein etwa 4.000 Quadratmeter großes Grundstück; noch im selben Jahr begannen die Bauarbeiten an der Kirche, 1887 folgte das Kloster. Am 25. April 1889 konsekrierte Kardinal Cölestin Ganglbauer das neue Gotteshaus. Erst 1937 wurde die bisherige Kloster- und Seelsorgskirche Mittelpunkt einer eigenen Marienpfarre.

Die Gründung war somit zunächst keine Folge eines bereits bestehenden Wallfahrerzustromes. Vielmehr entstand eine neue Ordenskirche für die Seelsorge eines stark wachsenden Stadtviertels, in welche der Redemptoristenorden seinen eigenen, international gepflegten Marienkult einbrachte. Erst anschließend entwickelte sich aus dieser Verehrung ein eigenständiger Wallfahrtsbetrieb.

Klemens Maria Hofbauer und das Patrozinium der Kirche

Ursprünglich bestand offenbar die Absicht, die neue Kirche dem Redemptoristen und späteren Wiener Stadtpatron Klemens Maria Hofbauer zu widmen. Dies ließ sich zum Zeitpunkt der Kirchenweihe jedoch noch nicht in der später möglichen Form verwirklichen. Hofbauer war 1888 seliggesprochen worden; seine Heiligsprechung erfolgte erst 1909.

Als Patronin der Kirche wurde daher die Mutter von der Immerwährenden Hilfe gewählt, deren Verehrung damals bereits zu den wichtigsten identitätsbildenden Kulten des Redemptoristenordens gehörte. Die Verbindung mit Klemens Maria Hofbauer blieb dennoch dauerhaft bestehen und ist heute nicht nur im Namen des Clemens-Hofbauer-Platzes, sondern auch durch die Verehrung seiner Reliquie in der Kirche sichtbar.

Damit überlagern sich in Hernals zwei Kultbereiche, die voneinander unterschieden werden sollten. Die Verehrung Klemens Maria Hofbauers ist für die Ordens- und Wiener Kirchengeschichte von großer Bedeutung, während die eigentliche Wallfahrt historisch an das Gnadenbild der Mutter von der Immerwährenden Hilfe gebunden ist.

Das römische Gnadenbild

Das Vorbild des Hernalser Marienbildes befindet sich in der Kirche Sant’Alfonso all’Esquilino in Rom. Die Ikone zeigt Maria mit dem Jesuskind und gehört zu einem ostkirchlich geprägten Bildtypus, der Elemente der Hodegetria, der "Wegweisenden", mit einer ausgeprägten Passionssymbolik verbindet.

Zur Herkunft des römischen Bildes entwickelte sich eine umfangreiche Überlieferung. Danach soll ein Kaufmann die Ikone von Kreta nach Rom gebracht haben, wo sie Ende des 15. Jahrhunderts in der Kirche San Matteo öffentlich verehrt wurde. Nach der Zerstörung dieser Kirche am Ende des 18. Jahrhunderts verlor sich der Kult zeitweise aus dem öffentlichen Bewusstsein, bis die Redemptoristen im 19. Jahrhundert die ältere Überlieferung wieder aufgriffen.

Diese Erzählung gehört teilweise zur Kultlegende und darf nicht in allen Einzelheiten als gesicherte Provenienzgeschichte verstanden werden. Untersuchungen des materiellen Bildträgers weisen jedoch tatsächlich in das späte Mittelalter zurück und sind mit einer Entstehung im östlich beziehungsweise kretisch-venezianisch geprägten Kulturraum vereinbar.

Die Wiederbegründung des Kultes im 19. Jahrhundert

Für die neuzeitliche Verbreitung entscheidend wurde das Jahr 1866. Papst Pius IX. verfügte, dass die Ikone wieder in jenem Bereich Roms öffentlich verehrt werden sollte, in dem sich einst die Kirche San Matteo befunden hatte. Die Redemptoristen übernahmen das Bild, ließen es restaurieren und stellten es am 26. April 1866 in ihrer Kirche Sant’Alfonso zur öffentlichen Verehrung auf.

Von nun an verbreitete der Orden das Bild mit außergewöhnlicher Intensität. Missionare und Ordensniederlassungen trugen den Kult weit über Rom hinaus; Kopien gelangten in Kirchen, Kapellen, Missionshäuser und Privathaushalte, während Novenen, Predigten und eigene Andachtsformen die Verehrung begleiteten.

Diese Verbreitung ist für die Geschichte der Hernalser Wallfahrt von grundlegender Bedeutung. Der dortige Kult entstand nicht aus einer örtlichen Mirakelerzählung, sondern als Teil eines bewusst getragenen internationalen religiösen Netzwerkes.

Die Hernalser Kopie

Mit der neuen Marienkirche erhielt auch Hernals eine besonders ausgezeichnete Kopie des römischen Gnadenbildes. In Redemptoristenquellen wird sie gelegentlich als "Original-Kopie" bezeichnet, womit keine materielle Identität mit der römischen Ikone, sondern ihre autorisierte und unmittelbare Einbindung in den dortigen Kultzusammenhang gemeint ist.

Für die Beurteilung als Wallfahrtsort ist diese Unterscheidung wesentlich. Kopien der Mutter von der Immerwährenden Hilfe finden sich weltweit in unzähligen Kirchen, ohne dass daraus an jedem dieser Orte eine Wallfahrt entstanden wäre. Ein berühmter Bildtypus oder ein kirchlich verehrtes Marienbild genügt für sich allein nicht, um einen Ort als Wallfahrtsstätte anzusprechen.

In Hernals entwickelte sich jedoch um das Bild eine eigene örtliche Pilgerpraxis, wodurch aus der übernommenen Kultform ein selbständiges Wiener Wallfahrtszentrum wurde.

Ikonographie der Mutter von der Immerwährenden Hilfe

Die Ikone gehört zu den eindringlichsten marianischen Bildtypen der neueren katholischen Volksfrömmigkeit. Maria trägt das Jesuskind auf dem linken Arm und weist zugleich auf Christus als eigentlichen Weg des Heiles. Über beziehungsweise neben den beiden erscheinen die Erzengel Michael und Gabriel mit den Werkzeugen der Passion.

Das Kind blickt erschrocken auf die Zeichen seines künftigen Leidens und sucht Schutz bei der Mutter. Zu den auffälligsten Einzelheiten gehört die gelöste Sandale an einem Fuß des Kindes, die dem Bild eine überraschend unmittelbare und fast körperliche Bewegtheit verleiht.

Der häufige Titel "Mutter von der Immerwährenden Hilfe" könnte zunächst eine reine Schutz- und Trostmadonna erwarten lassen; tatsächlich ist die Darstellung jedoch stark von der Passion bestimmt. Maria schützt Christus nicht vor seinem Schicksal, sondern begleitet ihn auf dem Weg dorthin. Gerade diese Verbindung von Bedrohung, mütterlichem Schutz, Passion und Vertrauen erklärt einen Teil der starken emotionalen Wirkung des Bildes und seine weite Verbreitung innerhalb der katholischen Frömmigkeit.

Die Entstehung einer Wiener Wallfahrt

Der entscheidende Schritt vom verehrten Marienbild zum tatsächlichen Wallfahrtsort ist für Hernals ausdrücklich belegt. Über Jahrzehnte kamen Pilger aus Wien und auch von außerhalb zur Redemptoristenkirche, um vor der Mutter von der Immerwährenden Hilfe zu beten. Diese Wallfahrtstradition bestand bis in die frühen 1950er Jahre und verlor anschließend weitgehend ihre frühere Bedeutung.

Damit lässt sich für Hernals eine eigenständige Kultbiographie feststellen. Die Kirche war nicht bloß eine Niederlassung des Ordens mit einem international bekannten Bild, sondern wurde selbst zum Ziel von Menschen, die gerade wegen dieses Bildes kamen.

Die Bedeutung dieser Feststellung liegt darin, dass die Wallfahrt nicht aus der Herkunft oder Berühmtheit des Bildtypus abgeleitet werden muss, sondern aus der konkreten religiösen Praxis am Ort.

Rückgang und bewusste Wiederbelebung

Nach dem Zweiten Weltkrieg beziehungsweise spätestens seit den frühen 1950er Jahren ging die ältere Pilgertradition deutlich zurück. Die Gründe dafür sind im allgemeinen Wandel städtischer Religiosität, in veränderten Mobilitäts- und Freizeitgewohnheiten und im Rückgang traditioneller organisierter Wallfahrtsformen zu suchen.

Im Zusammenhang mit dem Jubiläum der erneuerten öffentlichen Verehrung der römischen Ikone wurde die Hernalser Wallfahrt im Jahr 2016 beziehungsweise 2017 bewusst wiederbelebt. Die Quellen nennen dabei unterschiedliche Anfangsdaten: Ordensinterne Darstellungen führen die monatliche Stadtwallfahrt bereits auf den 27. Juni 2016 zurück, während kirchliche Veröffentlichungen Anfang 2017 einen ersten besonders hervorgehobenen Wallfahrtstermin nennen.

Quellenkritisch lässt sich die Entwicklung am sichersten so beschreiben, dass die Wiederbelebung im Jubiläumsjahr 2016 eingeleitet und ab 2017 regelmäßig als Wiener Stadtwallfahrt fortgeführt wurde.

Die Stadtwallfahrt am 27. des Monats

Der Termin der heutigen Wallfahrt knüpft an den Festtag der Mutter von der Immerwährenden Hilfe am 27. Juni an. Indem die Feier jeweils auf den 27. eines Monats gelegt wurde, übertrug man den jährlichen Festtermin auf einen regelmäßigen monatlichen Rhythmus.

Diese Form ist charakteristisch für eine moderne innerstädtische Wallfahrt. Während ältere Pilgerzüge häufig durch lange Fußwege, Prozessionsordnungen und mehrere Stationen geprägt waren, konzentriert sich die heutige Stadtwallfahrt stärker auf die gemeinsame liturgische Feier am Heiligtum.

Zum Ablauf gehören ein festlicher Gottesdienst mit Predigt, eine Lichter- beziehungsweise Kerzenprozession mit der Gnadenikone sowie ein abschließender Segen oder Einzelsegen. Damit bleibt das Gnadenbild nicht unbeweglicher Gegenstand am Altar, sondern wird zeitweise aus seiner festen Position in eine Prozession eingebunden und erhält dadurch erneut eine räumliche Beziehung zur versammelten Gemeinde.

Die Wiederbelebung bleibt keine kurzfristige Jubiläumsveranstaltung

Die neue Stadtwallfahrt entwickelte sich rasch zu einer regelmäßig gepflegten Kultform. Bereits im ersten Jahr kamen zu einzelnen Terminen mehrere hundert Teilnehmer; in den folgenden Jahren wurden die Wallfahrten fortlaufend nummeriert und regelmäßig angekündigt.

Dass die Tradition nicht nach wenigen Jubiläumsterminen wieder verschwand, zeigt die hohe Zahl der späteren Veranstaltungen: 2023 wurde bereits die 70. Stadtwallfahrt gefeiert, 2024 folgten weitere regelmäßig nummerierte Termine, und auch danach blieb die monatliche Wallfahrt Bestandteil des liturgischen Programms der Marienpfarre.

Damit gehört die Hernalser Redemptoristenkirche zu jenen Wiener Wallfahrtsorten, bei denen nicht nur eine historische Pilgertradition rekonstruiert werden kann, sondern gegenwärtig erneut eine ausdrücklich als Wallfahrt bezeichnete regelmäßige Kultpraxis besteht.

Novene und kontinuierliche Andacht

Neben der monatlichen Stadtwallfahrt wird die Verehrung der Mutter von der Immerwährenden Hilfe durch die für den Redemptoristenorden charakteristische Novenenfrömmigkeit getragen.

Die Novene bildet dabei eine andere zeitliche Struktur als die Wallfahrt. Während die Stadtwallfahrt einen hervorgehobenen monatlichen Termin schafft, ermöglicht die regelmäßig gefeierte Novenenandacht eine kontinuierliche örtliche Verehrung des Bildes.

Beide Formen ergänzen einander. Die Novene bindet das Gnadenbild eng an die Gemeinde und an persönliche Anliegen, während die Stadtwallfahrt den Heiligtumscharakter nach außen öffnet und ausdrücklich auch Teilnehmer außerhalb der Pfarre anspricht.

Klemens Maria Hofbauer

Neben dem Marienbild besitzt die Kirche mit der Verehrung des hl. Klemens Maria Hofbauer einen zweiten wichtigen religiösen Schwerpunkt. Hofbauer, der von 1751 bis 1820 lebte und seit 1914 als Stadtpatron Wiens verehrt wird, gehört zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Redemptoristengeschichte im deutschsprachigen Raum.

In der Hernalser Kirche befindet sich eine bedeutende Reliquie des Heiligen. Sein Fest am 15. März wird mit eigenen Gottesdiensten und Andachten begangen, wobei die Verehrung teilweise durch besondere volksfromme Formen ergänzt wird.

Dazu gehört die Verteilung sogenannter Klemensweckerl. Dieses festbezogene Gebäck ist ein schönes Beispiel dafür, wie Heiligenverehrung über den Kirchenraum hinaus in den Alltag getragen werden kann. Das religiöse Erinnerungszeichen ist essbar und vergänglich, erreicht gerade dadurch aber Familien und Haushalte, in denen es die Erinnerung an Fest und Heiligen weiterträgt.

Für die Wallfahrtsgeschichte sollte dieser Kult dennoch vom marianischen Hauptkult unterschieden werden. Klemens Maria Hofbauer prägt die Identität der Redemptoristenkirche wesentlich, während die eigentliche historische Wallfahrt zur Mutter von der Immerwährenden Hilfe führt.

Die Kirche

Die neugotische Marienkirche wurde nach Plänen des Architekten Richard Jordan errichtet und gehört zu den charakteristischen historistischen Ordenskirchen des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Ihre architektonische Gestalt ist bewusst von mittelalterlichen Formen geprägt, entspricht jedoch in Bauweise und liturgischer Funktion den Anforderungen einer modernen großstädtischen Seelsorgskirche.

Auch die Ausstattung entstand weitgehend im Zusammenhang mit dem Redemptoristenorden. Einen wesentlichen Anteil hatte der Ordensbruder und Künstler Maximilian Schmalzl, der zahlreiche Kirchen des Ordens mitprägte und dessen religiöse Bildsprache stark auf klare theologische Aussage, Missionsfrömmigkeit und unmittelbare Verständlichkeit ausgerichtet war.

Kirche, Ausstattung und Gnadenbild bilden damit ein geschlossenes Ordensprogramm, in dem Architektur und Bildverehrung eng miteinander verbunden sind.

Krieg und Wiederaufbau

Während des Zweiten Weltkriegs erlitt die Anlage Schäden. Besonders schwere Bombentreffer trafen im März 1945 Gebäude des Klosterkomplexes und die nähere Umgebung; auch Kirche und Kloster wurden in Mitleidenschaft gezogen.

Die Nachkriegszeit brachte Wiederherstellung und zugleich eine Neuorientierung redemptoristischer Seelsorge. Gerade in dieser Zeit begann jedoch die ältere Wallfahrtstradition allmählich zurückzugehen, sodass sich baulicher Wiederaufbau und kultgeschichtlicher Wandel zeitlich überschnitten.

Kulttransfer und neue Gnadenorte

Die Redemptoristenkirche in Hernals ist ein besonders anschauliches Beispiel für religiösen Kulttransfer.

Bei älteren Wallfahrtsorten entsteht die Gnadenstätte häufig aus einem lokalen Ereignis: Ein Bild wird gefunden, eine Quelle gilt als heilkräftig, ein Mensch berichtet von einer wunderbaren Rettung oder ein zunächst unbedeutender Andachtsgegenstand wird aufgrund von Gebetserhörungen immer häufiger aufgesucht.

In Hernals verläuft die Entwicklung anders. Ein bereits andernorts etablierter Gnadenbildkult wird durch einen international tätigen Orden bewusst an einen neuen Ort übertragen. Die Kopie erhält ihre anfängliche religiöse Autorität aus der Verbindung mit dem römischen Original und der vom Orden gepflegten Überlieferung.

Damit allein wäre allerdings noch keine Wallfahrt entstanden. Erst dadurch, dass Menschen die Hernalser Kirche gezielt wegen des dortigen Bildes aufsuchten, erhielt die Kopie eine eigene lokale Kultgeschichte.

Dieser Übergang ist volkskundlich besonders wichtig. Ein übernommenes Kultbild kann am neuen Ort entweder bloß Bestandteil der allgemeinen Kirchenausstattung bleiben oder selbst zu einem neuen Gnaden- und Wallfahrtszentrum werden. In Hernals geschah Letzteres.

Internationaler Bildtypus und lokale Wallfahrt

Gerade die außerordentliche Verbreitung der Mutter von der Immerwährenden Hilfe macht die Hernalser Entwicklung methodisch interessant.

Derselbe Bildtypus begegnet weltweit in Tausenden Kirchen und Kapellen. Die Gleichförmigkeit des Bildes widerspricht jedoch nicht notwendigerweise einer örtlichen Kultgeschichte. Für die Wallfahrtsforschung entscheidend ist weniger die Einzigartigkeit des materiellen Kunstwerkes als die Frage, welche religiösen Handlungen sich an einem bestimmten Standort herausbildeten.

In Hernals lässt sich eine solche lokale Aneignung nachweisen. Die römische Ikone lieferte Bildtypus, Titel und grundlegende Kultform, doch die Wiener Pilger, die historischen Wallfahrten bis in die 1950er Jahre und die heutige Stadtwallfahrt gehören zur eigenen Geschichte des Hernalser Heiligtums.

Damit wurde aus einem international standardisierten Kultbild ein lokaler Wiener Wallfahrtsort.

Historische Unterbrechung als Teil der Kultgeschichte

Ebenso bemerkenswert ist, dass die Wallfahrt nicht als künstlich ununterbrochene Tradition dargestellt werden muss. Zwischen dem Rückgang der alten Pilgerpraxis in der Mitte des 20. Jahrhunderts und ihrer bewussten Wiederaufnahme liegen mehrere Jahrzehnte.

Gerade diese Unterbrechung gehört zur Geschichte des Ortes.

Die heutige Stadtwallfahrt ist daher nicht einfach die unveränderte Fortsetzung einer seit 1889 bestehenden Form. Sie ist eine moderne Wiederaneignung einer älteren Tradition, die auf historische Erinnerung zurückgreift und sie unter veränderten Bedingungen neu gestaltet.

Auch darin zeigt sich, dass Wallfahrtskultur nicht statisch ist. Traditionen können schwächer werden, abbrechen und später wieder aufgenommen werden, ohne dass die neue Form vollständig mit der alten identisch sein muss.

Heutige Wallfahrt

Die Marienkirche in Hernals ist heute Pfarr- und Ordenskirche der Redemptoristen und zugleich wieder regelmäßiges Ziel einer ausdrücklich als Stadtwallfahrt bezeichneten Marienverehrung.

Die historische Wallfahrt zur Mutter von der Immerwährenden Hilfe ist für die Jahrzehnte bis in die frühen 1950er Jahre belegt. Nach einer längeren Phase des Rückganges wurde sie seit 2016/17 bewusst wiederbelebt und in Form einer monatlichen Wallfahrt mit Gottesdienst, Predigt, Lichterprozession und Segen fortgeführt.

Die heutige Wallfahrt ist daher nicht nur historisch ableitbar, sondern wird durch konkrete liturgische Praxis bestätigt.

Volkskundliche Bedeutung

Die Hernalser Redemptoristenkirche steht für einen Wallfahrtstypus, der sich deutlich von den älteren österreichischen Gnadenorten unterscheidet.

Ihre Entstehung zeigt die Möglichkeiten moderner Ordensnetzwerke: Ein Kult kann durch Mission, Druckmedien, Kopien und einheitliche Andachtsformen über große geographische Räume verbreitet werden und dennoch an einzelnen Orten neue lokale Bindungen entwickeln.

Für die historische Volkskunde ist dabei besonders wichtig, dass religiöse Authentizität nicht ausschließlich an der materiellen Einmaligkeit eines Kultgegenstandes hängt. Auch eine Kopie kann zum Mittelpunkt einer eigenständigen Wallfahrt werden, wenn Menschen ihr am neuen Standort besondere religiöse Bedeutung zuschreiben und daraus dauerhaft wiederholte Praktiken entstehen.

Hernals dokumentiert damit den Übergang von der lokal entstandenen frühneuzeitlichen Gnadenstätte zur international vernetzten katholischen Wallfahrtskultur des 19. und 20. Jahrhunderts.

Literatur und Quellen

- Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch . Band 1: Wien.

- Redemptoristen – Provinz Wien-München: historische Dokumentationen zur Marienkirche Hernals und zur Verehrung der Mutter von der Immerwährenden Hilfe.

- Congregatio Sanctissimi Redemptoris: Dokumentationen zur Geschichte und Ikonographie der römischen Ikone der Mutter von der Immerwährenden Hilfe.

- Erzdiözese Wien: Berichte zur Wiederbelebung der Hernalser Stadtwallfahrt seit 2016/17.

- Marienpfarre Hernals: Pfarrchronik und liturgische Programme zur monatlichen Stadtwallfahrt, zur Novene und zur Verehrung des hl. Klemens Maria Hofbauer.

- Ordensgeschichtliche und kunsthistorische Literatur zur Redemptoristenkirche, Richard Jordan und Maximilian Schmalzl.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

© www.SAGEN.at