Wien-Neuwaldegg – Waldandacht Maria Einsiedeln

Schnellüberblick
Wallfahrt:Wien-Neuwaldegg – Waldandacht Maria Einsiedeln
Status:Kleine, heute nur mehr schwach ausgeprägte Wallfahrtsstätte mit fortbestehender persönlicher Andacht.
Kultzentrum:Die Nachbildung der Schwarzen Madonna von Einsiedeln und der Waldandachtsplatz.
Ort:Wien
Bezirk:17. Bezirk (Hernals)
Bundesland:Wien
Lage und Besuch
Lage: Waldandacht Maria Einsiedeln, Promenadeweg, 1170 Wien-Neuwaldegg.
Der Ort ist frei über den Promenadeweg beziehungsweise über die Waldwege aus Richtung Salmannsdorf und Dreimarkstein erreichbar.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Wien
Ansicht in Street View (Luftbild)
Web: Pfarre Dornbach
Öffnungszeiten: Frei zugänglich, die Kapelle selbst ist durch ein Gitter abgeschlossen, wodurch ein Blick in den Andachtsraum möglich bleibt.
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Ausführliche Beschreibung

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Ausführliche Beschreibung

Die Waldandacht Maria Einsiedeln am Rand des Wienerwaldes, unmittelbar oberhalb von Salmannsdorf, gehört zu den ungewöhnlicheren Wallfahrtsstätten Wiens. Nicht eine bereits bestehende Kirche bildete den Ausgangspunkt des Kultes, sondern ein zunächst privates Dankzeichen an einem Baum, um das sich im Laufe weniger Jahrzehnte eine vielbesuchte Andachtsstätte mit zahlreichen Votivbildern entwickelte. Erst wesentlich später entstanden zunächst ein regelmäßiger Gottesdienstbetrieb und schließlich die Kapelle. Heute besitzt der Ort nicht mehr die Bedeutung eines größeren organisierten Wallfahrtszentrums; seine Einordnung als Wallfahrtsstätte ist jedoch ausdrücklich belegt, unter anderem in Otto Kurt Knolls Darstellung der Wallfahrtsstätten des Wienerwaldes.

Die Waldandacht liegt am Ende des Promenadeweges, etwas abseits des bebauten Gebietes von Salmannsdorf und bereits im Wald. Obwohl sie vielfach unter der Bezeichnung "Waldandacht Salmannsdorf" geführt wird, befindet sich die Kapelle tatsächlich auf dem Gebiet von Neuwaldegg und damit im 17. Wiener Gemeindebezirk Hernals. Das Wien Geschichte Wiki führt sie dementsprechend als "Waldandacht (17, Maria Einsiedeln)" mit der Lageangabe Promenadeweg.

Die unmittelbare Nähe zur Grenze des 19. Bezirkes erklärt die traditionelle Verbindung mit Salmannsdorf. Auch Wanderwege aus Richtung Salmannsdorf und Dreimarkstein führen unmittelbar an der Kapelle vorbei. Die etwas abgeschiedene Lage im Wald ist dabei nicht bloß landschaftlicher Hintergrund, sondern wesentlicher Bestandteil der Entstehung und religiösen Wahrnehmung des Ortes.

Ursprung der Waldandacht

Der Ursprung reicht in das Jahr 1863 zurück. Nach der Überlieferung war der Fabrikant Fernau an dieser Stelle in einen schweren Reitunfall geraten und unverletzt geblieben. Aus Dank für seine Rettung brachte er an einer Föhre ein Bild der Gottesmutter an. Die private Votivhandlung blieb nicht ohne Wirkung: Schon bald wurden ein Betstuhl und Sitzbänke aufgestellt, weitere Dankbilder kamen hinzu, und aus dem persönlichen Erinnerungszeichen entwickelte sich eine von zahlreichen Menschen aufgesuchte Andachtsstätte. Die Pfarrgeschichte berichtet, dass schließlich Hunderte Bäume der Umgebung mit religiösen Bildern geschmückt waren.

1881 erneuerte Alexander Thaner einen Teil dieser Ausstattung und brachte an der Föhre zusätzlich ein Kreuz an. Die im Freien angebrachten Bilder litten jedoch unter der Witterung und mussten immer wieder ersetzt werden. Schließlich ließ Fürst Schwarzenberg als Grundeigentümer die zahlreichen Bilder von den Bäumen entfernen. Die Verehrer der Waldandacht reagierten darauf nicht mit der Aufgabe des Kultplatzes, sondern ließen durch den Baumeister Johann Steinmetz eine dauerhaftere steinerne Säule mit einem Marienbild errichten.

Gerade diese Entwicklung ist volkskundlich bemerkenswert. Aus einem individuellen Dankvotiv entstand durch die fortgesetzte Aneignung des Platzes durch weitere Gläubige ein kollektiver Andachtsort. Votivbilder, Sitzgelegenheiten, Betstuhl und schließlich ein festes Marienzeichen machten aus einem zunächst beliebigen Waldstück einen sakral wahrgenommenen Platz. Die religiöse Bedeutung entstand damit gewissermaßen von unten, aus der persönlichen und gemeinschaftlichen Frömmigkeit, lange bevor eine kirchliche Kapelle vorhanden war.

Von der Waldandacht zur Kapelle

Eine wichtige Rolle in der weiteren Entwicklung spielte der Pensionist Josef Moldaschl, der bis zu seinem Tod 1934 als Hüter der Waldandacht wirkte. Auf seine Bitte hin wurde am 15. August 1931 erstmals eine Sonntagsmesse bei der Waldandacht gefeiert. Weitere heilige Messen und Andachten folgten, und die zunehmende liturgische Nutzung führte schließlich zu dem Wunsch nach einem wettergeschützten Gottesdienstraum.

Mit Unterstützung der Bewohner der nahe gelegenen Siedlung, der Familie Schwarzenberg und zahlreicher weiterer Förderer konnte im Juni 1936 der Grundstein für eine Kapelle gelegt werden. Noch im selben Jahr wurde sie zu Ehren Unserer Lieben Frau von Montserrat geweiht. Der ursprüngliche Marienkult der Waldandacht erhielt damit erstmals eine feste kirchliche Form.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Kapelle schwer beschädigt. Beim Wiederaufbau erhielt die Waldandacht zugleich eine neue marianische Ausrichtung. P. Bruno Spitzl wandte sich an den Abt des berühmten Schweizer Benediktinerklosters Einsiedeln und erbat eine Kopie der dort verehrten Schwarzen Madonna. Seit dieser Zeit trägt die Waldandacht den Namen Maria Einsiedeln.

Bei der Datierung der Wiederweihe besteht allerdings eine kleine Quellenabweichung. Die offizielle Darstellung der Pfarre Dornbach nennt Oktober 1946 und Kardinal Theodor Innitzer als Konsekrator, während andere Darstellungen den 12. Oktober 1947 angeben. Da die Pfarrseite der örtlichen Kirchengemeinde hier die unmittelbarste Quelle darstellt, ist 1946 vorzuziehen; die abweichende Datierung 1947 sollte bei einer weiterführenden historischen Untersuchung dennoch berücksichtigt werden.

Das Gnadenbild von Maria Einsiedeln

Mittelpunkt der heutigen Kapelle ist die Nachbildung der Einsiedler Gnadenmutter, der berühmten Schwarzen Madonna des Schweizer Wallfahrtsortes Maria Einsiedeln. Damit wurde nach dem Zweiten Weltkrieg ein international verbreiteter Gnadenbildtyp in den bereits wesentlich älteren lokalen Kultplatz der Wiener Waldandacht eingefügt. Ein Wiener Wanderführer bezeichnet diese Nachbildung ausdrücklich als das "Adorationsobjekt" der Waldandacht.

Nach einer Darstellung der Wallfahrtsorte des Wienerwaldes wurde die Kopie von Simon Welti geschaffen und zugleich als Zeichen des Dankes für die Schweizer Hilfe an Österreich nach den beiden Weltkriegen verstanden. In der Kapelle befinden sich außerdem Figuren des hl. Nikolaus von Flüe und des hl. Meinrad von Reichenau, womit die Beziehung zum schweizerischen Wallfahrtsort und zur geistlichen Tradition Einsiedelns zusätzlich hervorgehoben wird.

Der Wechsel von Montserrat zu Einsiedeln ist dabei volkskundlich besonders interessant. Die Waldandacht besaß bereits lange vor der Übernahme eines berühmten Gnadenbildes einen eigenständigen Kultcharakter. Die Einsiedler Madonna begründete den Ort also nicht erst, sondern wurde in eine seit 1863 bestehende lokale Tradition eingefügt. Die Geschichte der Waldandacht lässt sich deshalb nicht einfach als Ableger der Schweizer Wallfahrt verstehen; vielmehr verband sich ein gewachsener Wiener Votiv- und Andachtsort nach dem Zweiten Weltkrieg mit einem der bedeutendsten mitteleuropäischen Marienkulte.

Wallfahrt

Der Wallfahrtscharakter Maria Einsiedelns ergibt sich nicht allein aus dem Vorhandensein einer Kopie eines berühmten Gnadenbildes. Bereits vor dem Kapellenbau war die Waldandacht ein stark frequentierter religiöser Ort, an dem zahlreiche Dankbilder angebracht wurden und zu dem Menschen zur persönlichen Andacht kamen. Seit 1931 wurden dort regelmäßig Messen und Andachten gefeiert, und nach der Wiedererrichtung der Kapelle fand während der Sommermonate jeden Sonntagvormittag eine gut besuchte Messe für Siedler und Ausflügler statt. Dieser regelmäßige Gottesdienst endete erst mit dem Tod P. Severin Kurz' in den frühen 1980er-Jahren; gelegentliche Andachten wurden weiterhin abgehalten.

Eine ausdrückliche Einordnung als Wallfahrtsstätte bietet Otto Kurt Knolls WallfahrtsWeg WienerWald. Das Werk behandelt 32 Wallfahrtsstätten in den Diözesen Wien und St. Pölten und führt unter den Wienerwald-Wallfahrtsstätten ausdrücklich Salmannsdorf an. Kardinal Christoph Schönborn charakterisiert im Vorwort die in diesem Zusammenhang erschlossenen Ziele als teilweise kaum mehr bekannte Gnadenkirchen und Wallfahrtsorte. Damit ist die Waldandacht nicht lediglich eine Kapelle, die zufällig an einer modernen Pilgerroute liegt, sondern gehört zu den von Knoll als Wallfahrtsstätten erfassten Kultorten des Wienerwaldes.

In einschlägigen Zusammenstellungen wird Maria Einsiedeln darüber hinaus als Wallfahrtsstätte besonders für Schweizer Pilger bezeichnet. Diese Angabe ist angesichts der Verbindung mit dem Kloster Einsiedeln und der Schweizer Gnadenbildkopie nachvollziehbar, lässt sich derzeit jedoch nicht mit derselben Quellenstärke durch historische Pilgerstatistiken oder Wallfahrtsbücher absichern. Sie sollte daher nicht zu der Behauptung einer ehemals großen Schweizer Massenwallfahrt ausgeweitet werden.

Der heutige Wallfahrtsbetrieb ist wesentlich bescheidener als die ältere Andachts- und Gottesdiensttradition. Die offizielle Pfarrgeschichte berichtet nicht mehr von regelmäßigen Wallfahrtszügen; gelegentliche Andachten bestehen jedoch fort. Maria Einsiedeln ist daher als kleine, heute nur mehr schwach ausgeprägte Wallfahrtsstätte anzusehen, deren Bedeutung stärker in der persönlichen Andacht, im historischen Votivwesen und in ihrer Einbindung in die Wallfahrtslandschaft des Wienerwaldes liegt als in einem gegenwärtigen größeren Pilgerbetrieb.

Volkskunde

Die Waldandacht Maria Einsiedeln gehört zu jenen Kultstätten, an denen sich die Entstehung eines religiösen Ortes besonders anschaulich nachvollziehen lässt. Ausgangspunkt war weder eine kirchliche Stiftung noch eine obrigkeitlich organisierte Wallfahrt, sondern die Erfahrung eines einzelnen Menschen, der seine Rettung aus Lebensgefahr durch ein sichtbares Dankzeichen festhielt. Erst die Wiederholung ähnlicher Handlungen durch andere Menschen machte den Platz zu einem gemeinschaftlichen Kultort.

Besonders charakteristisch ist das frühere Anbringen zahlreicher religiöser Bilder an den Bäumen. Der Wald selbst wurde dadurch zeitweise zu einem ausgedehnten Andachtsraum. Die Grenze zwischen Naturraum und sakral gestaltetem Raum war nicht durch Mauern bestimmt; erst nach und nach entstanden feste Einrichtungen wie Betstuhl, Bänke, Mariensäule und schließlich die Kapelle. Die Waldandacht dokumentiert damit einen Prozess der Sakralisierung von Landschaft, bei dem individuelle Frömmigkeit, Votivbrauch und gemeinschaftliche Nutzung ineinandergreifen.

Auch die Veränderung der verehrten Marienbilder gehört zu dieser Geschichte. Das ursprüngliche Dankbild Fernaus wurde durch weitere Bilder ergänzt, später konzentrierte sich die Andacht auf die steinerne Mariensäule, 1936 erhielt die Kapelle ein Montserrat-Patrozinium und nach dem Zweiten Weltkrieg schließlich die Nachbildung der Schwarzen Madonna von Einsiedeln. Trotz dieses Wandels blieb der Ort selbst das beständige Element des Kultes. Nicht ein einzelnes über Jahrhunderte unverändert verehrtes Gnadenbild, sondern die religiös aufgeladene Stätte und die immer wieder erneuerte Marienverehrung bilden die Kontinuität der Waldandacht.

Literatur und Quellen

- Otto Kurt Knoll: WallfahrtsWeg WienerWald . 2. Auflage, Kral Verlag, Berndorf 2016.

- Pfarre Dornbach: Die Waldandacht – Maria Einsiedeln , Erzdiözese Wien.

- Wien Geschichte Wiki: Waldandacht (17, Maria Einsiedeln) .

- ORF Niederösterreich: Auf den Spuren des heiligen Leopold , 15. November 2016.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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