Wien-Döbling – Kirche St. Leopold am Leopoldsberg und Gnadenbild Maria Türkenhilfe

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Wallfahrt:Wien-Döbling – Kirche St. Leopold am Leopoldsberg und Gnadenbild Maria Türkenhilfe
Status:Historischer Wallfahrtsort; regelmäßige alte Prozessionen sind erloschen, religiöse Pilger- und Andachtsfunktion besteht fort.
Kultzentrum:Das Gnadenbild Maria Türkenhilfe sowie die Verehrung des hl. Leopold.
Ort:Wien
Bezirk:19. Bezirk (Döbling)
Bundesland:Wien
Lage und Besuch
Lage: Am Leopoldsberg 2, 1190 Wien.
Die Kirche liegt auf der Kuppe des Leopoldsberges hoch über der Donau und wird von der Pfarre Nußdorf betreut. Nach den aktuellen Angaben der Kirche ist das Gotteshaus grundsätzlich zugänglich, kurzfristige Einschränkungen können jedoch witterungs- oder veranstaltungsbedingt auftreten; zugleich wird für verlässlich planbare Besuche eine vorherige Vereinbarung angeboten.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Wien
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Nußdorf und Pfarre Nußdorf St. Thomas Apostel und Kirche am Leopoldsberg
Öffnungszeiten: keine durchgehenden, verlässlichen Öffnungszeiten. Bitte bei der Stiftspfarre Nussdorf erkundigen.
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Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Außenansicht:

Kirche am Leopoldsberg, Wien

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Kirche am Leopoldsberg, Hochaltar: das Gnadenbild "Mariahilf" befand sich links vom Hochaltar, es ist derzeit (Stand: 2026) nicht in der Kirche.

Hochaltar Kirche am Leopoldsberg, Wien

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Außenansicht, die Kirche am Leopoldsberg bei Nacht:

Kirche am Leopoldsberg bei Nacht

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Leopoldsberg und Wien:

Leopoldsberg und Wien

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Leopoldsberg um 1905:

Ansichtskarte Leopoldsberg Wien um 1905

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ausführliche Beschreibung

Die Kirche St. Leopold auf dem Leopoldsberg gehört zu den geschichtlich und religiös am stärksten aufgeladenen Sakralorten Wiens, wobei sich ihre Bedeutung nicht aus einer einzigen Kulttradition erklären lässt, sondern aus der Überlagerung der Verehrung des österreichischen Landespatrons Leopold III., der habsburgischen Dynastiefrömmigkeit, der Erinnerung an die Zweite Wiener Türkenbelagerung von 1683 und des marianischen Kultes um das Gnadenbild Maria Hilfe der Christen, volkstümlich Maria Türkenhilfe, hervorgegangen ist. Nach dessen Aufstellung entwickelte sich der Berg zu einem beliebten Wallfahrtsort, zu dem im 18. Jahrhundert regelmäßig feierliche Prozessionen führten; diese institutionalisierte barocke Wallfahrtsform wurde im Zuge der josephinischen Reformen unterbrochen, doch wäre es zu weitgehend, daraus ein vollständiges Erlöschen der Wallfahrt abzuleiten, denn der Leopoldsberg blieb religiöser Ziel-, Andachts- und Erinnerungsort und ist auch in wesentlich jüngerer Zeit ausdrücklich als Ziel einer Wallfahrt belegt.

Der Berg und seine ältere Sakralgeschichte

Der heutige Leopoldsberg trug ursprünglich den Namen Kahlenberg und war bereits im Mittelalter befestigt. Innerhalb der Burganlage bestand eine dem hl. Georg geweihte Kapelle, die 1338 im Zusammenhang mit einer Messstiftung Herzogin Johannas erstmals sicher nachweisbar ist; wesentlich ältere Verbindungen des Berges mit dem Babenberger Markgrafen Leopold III. gehören dagegen zur späteren Überlieferung und sind von der archivalisch gesicherten Baugeschichte zu unterscheiden. Einen entscheidenden Einschnitt brachte Kaiser Leopold I., der 1679 eine neue, seinem Namenspatron, dem heiligen Markgrafen Leopold, geweihte Kapelle errichten ließ und damit die Verehrung des österreichischen Landespatrons zugleich in einen ausgeprägt dynastischen Zusammenhang stellte. Während der Zweiten Wiener Türkenbelagerung 1683 wurde der junge Bau schwer beschädigt, nach dem Krieg jedoch wiederhergestellt und 1693 vollendet beziehungsweise geweiht; zugleich setzte sich für die Höhe, die bisher als Kahlenberg bezeichnet worden war, der Name Leopoldsberg durch.

Die Umbenennung war mehr als eine geographische Formalität, denn sie schrieb die Erinnerung an den hl. Leopold und zugleich an Kaiser Leopold I. dauerhaft in die Wiener Landschaft ein. Der benachbarte, bis dahin als Sauberg beziehungsweise Josephsberg bezeichnete höhere Berg übernahm nun seinerseits den Namen Kahlenberg, wodurch eine bis heute immer wieder zu Verwechslungen führende historische Namensverschiebung entstand.

Marco d’Aviano und die Messe vor der Entsatzschlacht

Eine besonders starke Erinnerungsschicht verbindet den Leopoldsberg mit dem Kapuziner Marco d’Aviano und jener Messe, die am Morgen des 12. September 1683 vor der Entscheidungsschlacht gegen das osmanische Belagerungsheer gefeiert wurde. Die lokale Tradition und mehrere spätere Rektoren der Leopoldskirche vertraten mit Nachdruck die Auffassung, diese Messe habe auf dem heutigen Leopoldsberg stattgefunden; andere Deutungen lokalisieren sie dagegen bei der St.-Josefs-Kirche auf dem heutigen Kahlenberg. Die Quellen wurden für beide Auffassungen herangezogen, weshalb die Lokalisierung bis heute nicht mit jener Sicherheit entschieden werden kann, die ältere populäre Darstellungen bisweilen suggerieren.

Für die eigentliche Wallfahrtsgeschichte ist diese offene Frage jedoch weniger entscheidend, als es zunächst erscheinen mag, denn die Entstehung des marianischen Wallfahrtskultes lässt sich unabhängig davon aus dem sicher überlieferten Gelöbnis Kaiser Leopolds I. und der Stiftung eines eigenen Gnadenbildes erklären. Volkskundlich ist der Streit um den Ort der Messe dennoch bemerkenswert, weil er zeigt, wie zwei unmittelbar benachbarte Berge zu konkurrierenden Erinnerungsorten desselben historischen Geschehens werden konnten.

Das Gelöbnis Kaiser Leopolds I.

Im August 1693 legte Kaiser Leopold I. im Wiener Stephansdom ein feierliches Gelöbnis ab, die Kirche auf dem Berg wiederherzustellen und dort einen Altar zu Ehren der Gottesmutter unter dem Titel Auxilium Christianorum – Hilfe der Christen zu errichten. Damit wurde die Erinnerung an die Befreiung Wiens ausdrücklich in einen marianischen Deutungszusammenhang gestellt, in dem der Sieg über die osmanische Armee nicht ausschließlich militärisch verstanden, sondern zugleich der besonderen Fürsprache Mariens zugeschrieben wurde.

Auch Marco d’Aviano war an der Entwicklung dieses Kultes beteiligt und hatte den Kaiser bereits Ende 1692 gebeten, ein Marienbild für die Kirche anfertigen zu lassen. Nach den erhaltenen Briefzeugnissen ging seine Vorstellung sogar so weit, die Kirche künftig als Mariahilfkirche zu bezeichnen; Leopold I. wollte jedoch die bereits bestehende Verbindung des Berges mit seinem Namenspatron nicht aufgeben. Dadurch entstand jene für den Leopoldsberg charakteristische Doppelstruktur, die für seine spätere Wallfahrtsgeschichte wesentlich wurde: Das Patrozinium der Kirche galt dem hl. Leopold, während sich der Wallfahrtskult besonders um Maria Hilfe der Christen entwickelte.

Maria Türkenhilfe

Für den neuen Marienaltar ließ Leopold I. ein Bild des weit verbreiteten Mariahilf-Typus anfertigen. Ikonographischer Ausgangspunkt war das berühmte Marienbild Lucas Cranachs des Älteren, dessen Original sich im Innsbrucker Dom befindet; als unmittelbare Vorlage dürfte jedoch nicht das Innsbrucker Original, sondern das hochverehrte Mariahilfbild von Passau gedient haben. Gerade diese Vermittlung ist bemerkenswert, weil Leopold I. zu Passau und dessen Mariahilfheiligtum enge persönliche Beziehungen besaß und sich während der Ereignisse von 1683 dort aufgehalten hatte.

Damit lässt sich ein geradezu klassischer Kulttransfer verfolgen: Aus dem Innsbrucker Cranachbild ging eine berühmte Passauer Kultkopie hervor, die wiederum zum Vorbild der Wiener Maria Hilfe der Christen auf dem Leopoldsberg wurde. Im volkstümlichen Sprachgebrauch erhielt das Bild die wesentlich konkretere Bezeichnung Maria Türkenhilfe beziehungsweise "Maria Türkenhülfe", wodurch sich seine gesamte politische und religiöse Bedeutung in einem einzigen Namen verdichtete. Maria wurde hier nicht allgemein als Helferin angerufen, sondern in unmittelbaren Zusammenhang mit der Erinnerung an die osmanische Belagerung und deren Ende gestellt.

Der Leopoldsberg wird zum Wallfahrtsort

Nach der Aufstellung von Maria Türkenhilfe entwickelte sich der Leopoldsberg zu einem beliebten Wallfahrtsort; die Aufzeichnungen des kaiserlichen Benefiziaten Philipp Jakob Obermayer aus dem Jahr 1780 belegen ausdrücklich diesen Rang. Besonders gut dokumentiert ist die jährliche Prozession aus Lichtental, deren Teilnehmer seit 1717 am Georgitag zur Leopoldskapelle auf den Berg zogen. Selbst die schwierigen Bedingungen des frühen 18. Jahrhunderts konnten die ausgeprägte Wiener Prozessionsfrömmigkeit nicht grundsätzlich unterbrechen, und die Wallfahrt auf den Leopoldsberg wurde zu einer jener gemeinschaftlichen religiösen Bewegungen, durch welche ein weit außerhalb der dicht bebauten Stadt gelegener Sakralort fest in das religiöse Leben der Wiener Bevölkerung eingebunden wurde.

Die Wallfahrt besaß dabei einen deutlich öffentlichen und festlichen Charakter. Historische Nachrichten erwähnen zur Begrüßung der Pilger ein Te Deum und die dreimalige Abfeuerung von Böllern, wodurch die Ankunft nicht nur für die Wallfahrer selbst, sondern weit über den engeren Kirchenbereich hinaus hörbar wurde. Die akustische Inszenierung war Bestandteil barocker Festkultur, erhielt am Leopoldsberg jedoch eine zusätzliche Bedeutung, weil die Wallfahrt ohnehin untrennbar mit dem Gedächtnis an Krieg und militärischen Sieg verbunden war.

Hof und Bevölkerung

Die dynastische Prägung des Heiligtums zeigte sich auch in der Beteiligung des Kaiserhauses. Die Kaiserwitwe Eleonore wurde als Schutzfrau der Prozession bezeichnet und nahm mehrfach persönlich daran teil; auch Maria Theresia wird unter den Wallfahrenden genannt. Dennoch blieb die Wallfahrt keineswegs auf höfische Repräsentation beschränkt, denn gerade die alljährlich aus einer Wiener Pfarrgemeinde kommende Prozession zeigt, wie ein ursprünglich kaiserlich initiierter Kult von breiteren Bevölkerungsschichten übernommen und zu einer eigenen religiösen Praxis gemacht wurde.

Damit verbindet der Leopoldsberg zwei für die frühneuzeitliche Wallfahrtsgeschichte besonders interessante Ebenen. Einerseits war der Kult politisch und dynastisch geprägt, andererseits wurde er durch das tatsächliche Wallfahren der Bevölkerung religiös angeeignet. Aus einem kaiserlichen Dankgelöbnis entstand ein gemeinschaftlicher Pilgerweg, auf dem historische Erinnerung nicht nur erzählt, sondern regelmäßig körperlich nachvollzogen wurde.

Weitere Marienverehrung und Votivbilder

Vor der josephinischen Schließung besaß die Kirche neben Maria Türkenhilfe weitere verehrte Marienbilder, darunter eine Kopie der Madonna von Montserrat sowie eine Darstellung der Maria Consolatrix afflictorum – Trösterin der Betrübten. Die Quellen bezeichnen diese als Votivbilder, während Maria Türkenhilfe als das bekannteste und am stärksten verehrte Bild der Kirche hervorgehoben wird. Ein mit großen Mengen von Wachsvotiven, Silbergliedmaßen oder Mirakelbildern dokumentierter Votivbetrieb, wie er von manchen anderen Wiener Gnadenstätten bekannt ist, lässt sich für den Leopoldsberg bislang allerdings nicht in vergleichbarer Weise nachweisen.

Gerade diese Zurückhaltung ist wichtig, weil der Charakter einer Wallfahrt nicht zwangsläufig an einen umfangreichen materiellen Votivbestand gebunden war. Am Leopoldsberg standen vielmehr das gemeinschaftliche Gelöbnisgedächtnis, die Prozession und die marianische Dankfrömmigkeit im Vordergrund.

Der Josephinismus – Ende einer Wallfahrtsform, nicht notwendig der Wallfahrt

Den tiefsten Einschnitt brachte der Josephinismus. Die jährlich organisierte Lichtentaler Prozession fand 1782 zum letzten Mal statt, 1784 wurde die Kirche geschlossen und profaniert; zugleich wurde das Gnadenbild Maria Türkenhilfe entfernt und in die Kapelle des neu eingerichteten Allgemeinen Krankenhauses übertragen. Damit endete jene barocke, regelmäßig institutionalisierte Form der Wallfahrt, die den Leopoldsberg während des 18. Jahrhunderts geprägt hatte.

Es wäre jedoch zu schematisch, diesen Einschnitt mit dem vollständigen Erlöschen des Wallfahrtscharakters gleichzusetzen. Die Kirche wurde bereits 1798 wieder geweiht, der Leopoldsberg blieb ein religiös aufgeladener Zielort, und auch spätere Generationen suchten ihn mit Andachts- und Pilgerintention auf. Der Josephinismus unterbrach die alte Organisationsform und löste insbesondere die fest etablierte jährliche Prozession auf; er beseitigte jedoch nicht notwendig jede spätere Form des Wallfahrens zum Berg.

Diese Unterscheidung ist für die Geschichte vieler Wallfahrtsorte wichtig. Kultpraktiken können sich verändern, zeitweise verschwinden, in kleinerem Rahmen wieder aufgenommen oder mit neuen religiösen Bedeutungen verbunden werden, ohne dass sich zwischen "lebendig" und "erloschen" immer eine eindeutige Grenze ziehen ließe.

Die Rückkehr von Maria Türkenhilfe

Nach der Übertragung in das Allgemeine Krankenhaus blieb die Erinnerung an die ursprüngliche Bestimmung des Gnadenbildes erhalten. Im 20. Jahrhundert bemühten sich insbesondere die Rektoren der Leopoldskirche darum, Maria Türkenhilfe wieder auf den Berg zurückzubringen; mehrere Versuche scheiterten zunächst, ehe 1988 nach Intervention des Wiener Erzbischofs Hans Hermann Groër bei Bürgermeister Helmut Zilk die Rückführung als Leihgabe gelang. Mehr als zwei Jahrhunderte nach der josephinischen Entfernung befand sich damit wieder jener Kultgegenstand in der Kirche, um den sich die barocke Wallfahrt entwickelt hatte.

Die Rückführung ist religionsgeschichtlich keineswegs nur als museale Restitution zu verstehen. Ein Gnadenbild wurde nicht in irgendeinen passenden historischen Raum zurückgebracht, sondern an jenen Ort, dessen religiöse Bedeutung es wesentlich mitbegründet hatte. Bild, Berg und historische Erinnerung wurden dadurch erneut miteinander verbunden.

Wallfahrt im 20. und 21. Jahrhundert

Dass die Wallfahrtsidee am Leopoldsberg auch wesentlich später keineswegs vollkommen verschwunden war, zeigt ein ausdrücklich dokumentiertes Beispiel aus dem Jahr 2003. Die Nußdorfer errichteten damals im Zusammenhang mit der Stadtmission ein großes Holzkreuz, das am 10. Mai 2003 im Rahmen einer Wallfahrt auf den Leopoldsberg durch den damaligen Nußdorfer Pfarrer Alois Brodersen feierlich eingesegnet wurde. Dieser Vorgang liegt mehr als zweihundert Jahre nach dem Ende der alten Lichtentaler Prozession und belegt deutlich, dass der Begriff und die religiöse Praxis der Wallfahrt auf den Leopoldsberg auch in der jüngeren Vergangenheit noch lebendig waren.

Daraus lässt sich selbstverständlich keine lückenlose Fortsetzung derselben jährlichen Prozession seit dem Barock ableiten, doch ebenso wenig lässt sich der Wallfahrtsort sinnvoll als vollständig erloschen charakterisieren. Vielmehr haben sich Form, Trägerschaft und Intensität des Wallfahrens gewandelt. Der Berg blieb ein Ziel religiöser Wege und ist darüber hinaus in moderne Pilgerrouten eingebunden; noch 2023 begann etwa eine ausdrücklich als Fußwallfahrt bezeichnete Veranstaltung eines Wiener Pfarrverbandes am Leopoldsberg mit einem Pilgersegen. Auch wenn das Ziel dieser konkreten Wallfahrt in der Leopoldstadt lag, zeigt der Vorgang, dass der Berg weiterhin selbstverständlich als religiöser Ausgangs- und Bezugspunkt einer Pilgerhandlung verstanden werden kann.

Krieg, Sperre und Wiederzugänglichkeit

Der Zweite Weltkrieg fügte der bereits stark mit Kriegserinnerung verbundenen Kirche eine weitere historische Verletzung zu. Am 7. Februar 1945 wurde ein beträchtlicher Teil des Baues durch einen Bombentreffer zerstört, danach jedoch wiederhergestellt. Spätere bauliche Probleme führten erneut zu Restaurierungen und über längere Zeit zu eingeschränkter beziehungsweise fehlender öffentlicher Zugänglichkeit; 2017 wurde die Fassade umfassend renoviert, und seit 2018 ist der Kirchenbereich wieder zugänglich.

Gerade bei einem historischen Pilgerort besitzt die Zugänglichkeit eine andere Bedeutung als bei einem gewöhnlichen Baudenkmal, denn eine Kirche kann ihre religiöse Funktion nicht vollständig erfüllen, wenn das Aufsuchen des Kultortes verhindert wird. Dass der Leopoldsberg nach den langen Jahren der Sperre wieder religiös genutzt werden kann, ist deshalb auch für seine Pilgertradition von Bedeutung.

Ein religiöser Erinnerungsberg

Die besondere Stellung des Leopoldsberges liegt darin, dass Wallfahrt und Erinnerungskultur hier kaum voneinander zu trennen sind. Die Menschen zogen nicht ausschließlich zu einem Bild, dem persönliche Heilungen zugeschrieben wurden, sondern an einen Ort, an dem Landespatron, Kaiser, Maria, Kriegserfahrung und die Erinnerung an die Befreiung Wiens miteinander verschmolzen. Die Wallfahrt war damit zugleich eine religiöse Form historischer Selbstvergewisserung.

Gerade diese politische Komponente verlangt heute eine quellenkritische Betrachtung. Die volkstümliche Bezeichnung Maria Türkenhilfe entstand innerhalb einer frühneuzeitlichen christlich-osmanischen Konfliktwahrnehmung und dokumentiert, wie militärische Auseinandersetzungen religiös gedeutet wurden; sie ist daher ein bedeutendes Zeugnis ihrer Zeit, ohne dass die damalige Feindbildkonstruktion unkritisch in die Gegenwart übertragen werden darf.

Für die Volkskunde bleibt besonders aufschlussreich, wie die jährlichen Prozessionen die historische Erinnerung in eine körperliche Handlung übersetzten. Die Menschen erinnerten sich nicht ausschließlich durch Erzählungen und Bilder an 1683, sondern sie verließen die Stadt, gingen gemeinsam auf den Berg, beteten und feierten dort Gottesdienst. Historische Erinnerung wurde auf diese Weise buchstäblich begangen.

Heutige Wallfahrt

Die Kirche St. Leopold am Leopoldsberg ist als historischer Wallfahrtsort mit bis in die jüngere Zeit fortwirkender Pilgertradition zu charakterisieren. Die barocke Hochphase mit ihrer regelmäßig organisierten Lichtentaler Prozession endete zwar im Josephinismus, doch bedeutet dieser institutionelle Bruch nicht, dass jede Wallfahrt auf den Leopoldsberg aufgehört hätte. Spätere religiöse Besuche, die Rückkehr des Gnadenbildes und ausdrücklich als Wallfahrten bezeichnete Wege bis in das 21. Jahrhundert zeigen vielmehr eine gewandelte, weniger kontinuierlich institutionalisierte, aber weiterhin vorhandene Pilgertradition.

In Bezug auf heutige Wallfahrt ist es präziser, zwischen dem Ende der historischen regelmäßigen Prozessionen und der weiterhin bestehenden religiösen Bedeutung des Leopoldsberges als Wallfahrts-, Pilger- und Andachtsort zu unterscheiden.

Das Gnadenbild "Mariahilf" nach Lucas Cranach d. Ä. befindet sich derzeit nicht in der Kirche.

Literatur und Quellen

- Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch . Band 1: Wien.

- Österreichische Akademie der Wissenschaften: Dokumentationen zum Wiener "Türkengedächtnis", insbesondere zum Gnadenbild Maria Türkenhilfe auf dem Leopoldsberg und zur Frage der Lokalisierung der Messe Marco d’Avianos vom 12. September 1683.

- Josef Dominicus Hamminger: Forschungen und Dokumentationen zur Geschichte des Leopoldsberges, zur ehemaligen Wallfahrt und zum Gnadenbild Maria Türkenhilfe.

- Kirche St. Leopold am Leopoldsberg: historische Dokumentationen zur Baugeschichte, zum hl. Leopold, zur Zweiten Wiener Türkenbelagerung sowie zur Geschichte des Gnadenbildes.

- Stadtgeschichtliche und kunsthistorische Literatur zur Leopoldskirche, zum barocken Ausbau, zu den josephinischen Veränderungen sowie zur Zerstörung und Wiederherstellung im 20. Jahrhundert.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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