| Wallfahrt: | Wien-Liesing, Kalksburg – Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Petrus in Ketten und Gnadenbild Unsere Liebe Frau von Klein-Mariazell |
| Status: | Historische Wallfahrt; die großen Wallfahrtszüge sind zurückgetreten, die Pilgertradition besteht fort. |
| Kultzentrum: | Die Nachbildung der Mariazeller Magna Mater Austriae, Unsere Liebe Frau von Klein-Mariazell. |
| Ort: | Wien |
| Bezirk: | 23. Bezirk (Liesing) |
| Bundesland: | Wien |
| • | Lage: Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Petrus in Ketten, Breitenfurter Straße 526, 1230 Wien. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Wien |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre Kalksburg |
| • | Öffnungszeiten: Verlässlich veröffentlichte allgemeine tägliche Öffnungszeiten liegen derzeit nicht vor. Die Kirche ist zu den Gottesdiensten sowie zu eigens angekündigten Zeiten der offenen Kirche zugänglich; für eine gezielte Besichtigung außerhalb dieser Zeiten empfiehlt sich eine vorherige aktuelle Rückfrage. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Die Pfarrkirche St. Petrus in Ketten in Kalksburg gehört zu jenen Wiener Wallfahrtsorten, deren Bedeutung sich nicht aus dem eigentlichen Kirchenpatrozinium erklärt, sondern aus einem zweiten, marianischen Kultzentrum innerhalb des Gotteshauses. Während das Hochaltarbild auf den Apostel Petrus und dessen Befreiung aus dem Kerker verweist, entwickelte sich um eine Kopie der berühmten Mariazeller Gnadenstatue ein eigenständiger Wallfahrtskult, der der Kirche schließlich die zusätzliche Bezeichnung "Klein-Mariazell" beziehungsweise "Unsere Liebe Frau von Klein-Mariazell" einbrachte. Damit ist Kalksburg keineswegs nur eine Pfarrkirche mit einer zufällig vorhandenen Mariazell-Kopie, sondern ein historisch belegter Wallfahrtsort, dessen marianische Verehrung über lange Zeit zahlreiche Pilger anzog und in veränderter Form bis in die Gegenwart fortwirkt.
Iin Kalksburg lassen sich Wallfahrtsbesuche, eine eigene Kultbezeichnung der Madonna, Gebetserhörungen, Andachtsbilder, Stiftungen und eine über den lokalen Pfarrgebrauch hinausreichende Pilgertradition nachweisen. Gerade diese Entwicklung macht Kalksburg zu einem besonders anschaulichen Beispiel dafür, wie sich ein übertragener Kult an einem neuen Ort verselbständigen konnte.
Kalksburg liegt im heutigen 23. Wiener Gemeindebezirk Liesing am Übergang vom städtischen Raum zum Wienerwald. Die erhöhte Lage der Pfarrkirche über der Breitenfurter Straße und der markante Aufstieg über eine breite Freitreppe verleihen dem Gotteshaus bis heute eine beinahe landschaftlich inszenierte Wirkung, auch wenn diese Anlage nicht ursprünglich als Wallfahrtsarchitektur geschaffen wurde.
Der heutige Kirchenbau entstand zwischen 1793 und 1801 auf Initiative des damaligen Grundherrn Franz Edler von Mack nach Plänen des Tiroler Baumeisters Johann Baptist Zobel. Stilistisch steht die Kirche am Übergang vom späten Barock zum Klassizismus und unterscheidet sich dadurch deutlich von vielen älteren Wiener Wallfahrtskirchen, deren Ausstattung noch stärker von barocker Raumwirkung geprägt ist. Kalksburg wurde 1805 zur selbständigen Pfarre erhoben.
Das offizielle Patrozinium lautet St. Petrus in Ketten und erinnert an die in der Apostelgeschichte geschilderte wunderbare Befreiung des Apostels Petrus aus dem Gefängnis. Dieser Patronatsgedanke bestimmt insbesondere das Hochaltarbild, während sich der eigentliche historische Wallfahrtskult um die dort verehrte Marienstatue entwickelte.
Die Geschichte der Kalksburger Wallfahrt beginnt bereits vor der Vollendung der heutigen Kirche. Nach der überlieferten Kultgeschichte erhielt Franz von Mack im Jahr 1774 von einem Wiener Kuraten namens Edlinger eine Marienstatue, die dem berühmten Gnadenbild der Magna Mater Austriae von Mariazell nachgebildet war und zuvor in Mariazell gesegnet worden sein soll.
Damit gelangte nicht irgendeine Marienfigur nach Kalksburg, sondern die Nachbildung eines der bedeutendsten Wallfahrtsbilder Mitteleuropas. Die Magna Mater Austriae von Mariazell war seit Jahrhunderten Ziel von Pilgern aus Österreich, Ungarn, Böhmen, Kroatien und weiteren Ländern der Habsburgermonarchie; ihre Bildform war deshalb weit über den steirischen Wallfahrtsort hinaus bekannt und wurde durch Kopien, Andachtsgraphiken und kleine Hausbilder verbreitet.
Erst nach Fertigstellung der neuen Kalksburger Kirche erhielt die Statue ihren ausgezeichneten Platz. Im Jahr 1803 wurde sie über dem Hochaltar aufgestellt und entwickelte dort eine eigenständige lokale Verehrung.
Mit der Aufstellung der Mariazeller Madonna entstand bald eine eigene Bezeichnung des Kalksburger Kultortes. Die Statue wurde als "Unsere Liebe Frau von Klein-Mariazell" beziehungsweise "Maria Kalksburg" verehrt, und die Kirche selbst erhielt im religiösen Sprachgebrauch den Beinamen "Klein-Mariazell".
Diese Bezeichnung darf nicht mit dem niederösterreichischen Wallfahrtsort Klein-Mariazell bei Altenmarkt an der Triesting verwechselt werden. In Kalksburg bedeutete "Klein-Mariazell" vielmehr, dass hier gewissermaßen ein verkleinertes beziehungsweise übertragenes Mariazell entstanden war: Der berühmte steirische Kult wurde durch die Kopie der Magna Mater Austriae an einen neuen Ort gebracht und dort lokal angeeignet.
Gerade solche Kultübertragungen waren in der katholischen Frömmigkeit der frühen Neuzeit und des 19. Jahrhunderts weit verbreitet. Sie ermöglichten Gläubigen, an der spirituellen Bedeutung eines weit entfernten Wallfahrtsortes teilzuhaben, ohne selbst die lange Reise antreten zu müssen. Nicht jede solche Kopie entwickelte jedoch einen eigenständigen Wallfahrtscharakter; in Kalksburg geschah genau dies.
Die Marienstatue folgt dem Bildtypus der Mariazeller Magna Mater Austriae. Maria erscheint thronend mit dem Jesuskind auf dem Arm, beide tragen Kronen und halten jeweils einen Apfel, während ein großer Strahlenkranz die Figur umgibt. Anders als das Mariazeller Original, das zu vielen Festzeiten in kostbare Gewänder gekleidet erscheint, wird die Kalksburger Madonna ohne einen vergleichbaren textilen Prunkmantel verehrt.
Über der Figur befindet sich die Anrufung "Du Zuflucht der Sünder", wodurch ihre Funktion als gnadenreiche Fürsprecherin ausdrücklich benannt wird. Der Satz knüpft an eine lange marianische Tradition an, in der Maria besonders von Menschen angerufen wurde, die Hilfe in Krankheit, familiärer Not, persönlicher Bedrängnis oder religiöser Unsicherheit suchten.
Auch die materielle Pflege des Gnadenbildes dokumentiert seinen besonderen Rang. Im Jahr 1866 ließ Fürstin Collalto die Kronen Mariens und des Jesuskindes restaurieren und neu vergolden. Eine solche Stiftung ist mehr als bloße Kunsterhaltung, denn sie zeigt, dass das Kultbild als religiös ausgezeichnetes Objekt wahrgenommen und durch fromme Zuwendungen besonders geehrt wurde.
Die bloße Herkunft des Bildes aus der Mariazeller Tradition hätte allein noch keinen Wallfahrtsort geschaffen. Entscheidend ist vielmehr, dass die Kalksburger Madonna selbst zum Ziel von Pilgern wurde.
Die Pfarrgeschichte berichtet ausdrücklich, dass die Kirche wegen der verehrten Muttergottesstatue von zahlreichen Wallfahrern aufgesucht wurde und dadurch den Namen "Klein-Mariazell" erhielt. Damit war die Madonna nicht länger ausschließlich Stellvertreterin des fernen Mariazell; sie entwickelte am neuen Standort eine eigene kultische Identität.
Dieser Vorgang ist für die Wallfahrtsforschung besonders interessant. Ein Kultbild kann zunächst als Kopie eines berühmten Originals verstanden werden, im Laufe der Zeit jedoch durch lokale Verehrung, persönliche Gebetserfahrungen und eine eigenständige Wallfahrt so stark mit seinem neuen Standort verbunden werden, dass daraus ein neuer Gnadenort entsteht.
Kalksburg ist ein ausgesprochen gutes Beispiel für diesen Übergang von der Kultkopie zum selbständigen Wallfahrtsbild.
Zur Kultgeschichte gehören auch Berichte über Gebetserhörungen vor der Kalksburger Madonna. Solche Nachrichten sind quellenkritisch als Zeugnisse historischer Frömmigkeit zu behandeln und nicht als medizinisch oder naturwissenschaftlich überprüfte Wunderberichte; für das Verständnis des Wallfahrtsortes sind sie dennoch von großer Bedeutung, weil sie zeigen, welche Erwartungen Gläubige mit dem Bild verbanden.
Besonders konkret ist eine in der Pfarrüberlieferung festgehaltene Erhörung aus dem Jahr 1925. Ein Sohn aus der Familie Clary, Schüler des Jesuitenkollegs Kalksburg, soll nach einem Unfall beziehungsweise einer schweren Augenerkrankung auf die Fürsprache der Gottesmutter hin eine Heilung erfahren haben.
Ob ein solcher Vorgang medizinisch anders erklärt werden könnte, ist für die historische Wallfahrtsforschung nicht die entscheidende Frage. Wichtig ist vielmehr, dass die Familie das Geschehen religiös deutete und mit der Kalksburger Madonna verband. Genau aus solchen individuell erfahrenen und weitergegebenen Geschichten erwuchs die Vorstellung von der besonderen Gnadenwirksamkeit eines Wallfahrtsbildes.
Ein besonders aussagekräftiges Zeugnis des Kalksburger Kultes hat sich in Form eines historischen Andachtsbildes erhalten. Ein solches Blatt trägt die Bezeichnung:
"Andenken an die Gnadenreiche Gottesmutter von Klein-Mariazell in Kalksburg".
Schon diese Formulierung ist bemerkenswert. Die Madonna wird nicht einfach als Kopie der Mariazeller Statue bezeichnet, sondern als "Gnadenreiche Gottesmutter von Klein-Mariazell in Kalksburg", womit sie eine eigene örtliche Kultidentität besitzt.
Andachtsbilder gehörten zur klassischen materiellen Kultur der Wallfahrt. Der Pilger konnte die Darstellung des verehrten Bildes mit nach Hause nehmen, in sein Gebetbuch legen, am Hausaltar aufstellen oder an andere Menschen weitergeben. Das Bild verlängerte dadurch den Besuch des Gnadenortes in den Alltag hinein und schuf eine dauerhafte symbolische Verbindung zwischen Heiligtum und privater Frömmigkeit.
Dass ein eigenes Kalksburger Andachtsbild hergestellt wurde, ist daher ein bedeutender Beleg für die Selbständigkeit des örtlichen Kultes.
Kalksburg war nicht nur Ziel von Wallfahrern, sondern zugleich in ein größeres Netz religiöser Wege eingebunden. Der Ort lag am südlichen Rand Wiens und am Übergang in den Wienerwald, wodurch er sich als Station auf längeren Pilgerwegen anbot.
Historische Hinweise nennen Kalksburg auch als Zwischenstation anderer Wallfahrten, unter anderem im Zusammenhang mit Wegen nach Maria Hietzing. Dadurch wird sichtbar, dass Wallfahrtslandschaften nicht aus voneinander isolierten Heiligtümern bestanden, sondern aus einem Netzwerk von Hauptzielen, Zwischenstationen, Andachtskirchen und Rastorten.
Ein Pilger konnte mehrere sakrale Orte auf einem einzigen Weg miteinander verbinden und an jeder Station eine eigene religiöse Handlung vollziehen.
Noch im frühen 20. Jahrhundert bestand in Kalksburg ein ausgeprägter Wallfahrtsbetrieb. Die Kirche wurde von Gruppen und Einzelpilgern besucht, die vor der Madonna von Klein-Mariazell beteten und den Ort als eigenständige Gnadenstätte wahrnahmen.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts nahm die Intensität größerer organisierter Wallfahrtszüge offenbar ab, wie dies bei vielen kleineren Wiener und niederösterreichischen Wallfahrtsorten der Fall war. Diese Entwicklung sollte jedoch nicht mit einem völligen Erlöschen des Kultes gleichgesetzt werden.
Wallfahrten verändern ihre äußere Form. Große Prozessionen können durch kleinere Gruppen, individuelle Pilgerwege und religiöse Treffen ersetzt werden, während der historische Kultgegenstand und die Erinnerung an seine besondere Bedeutung fortbestehen.
Die religiöse Landschaft Kalksburgs wurde im 19. Jahrhundert zusätzlich durch das Jesuitenkolleg geprägt, das 1856 gegründet wurde und weit über Wien hinaus bekannt war. Generationen von Schülern und deren Familien kamen dadurch mit dem Ort und seiner Marienverehrung in Berührung.
Das Kolleg darf allerdings nicht mit der Pfarr- und Wallfahrtskirche verwechselt werden. Der eigentliche Kult zu "Unserer Lieben Frau von Klein-Mariazell" gehört zur Pfarrkirche St. Petrus in Ketten.
Dennoch dürften die Jesuiten und das schulische Milieu des Kollegs zur weiteren Verbreitung der örtlichen Marienfrömmigkeit beigetragen haben. Der Bericht von 1925 über die Heilung eines Schülers des Kollegs zeigt beispielhaft, wie sich beide religiösen Räume berührten.
Auch unabhängig von ihrer Wallfahrtsgeschichte besitzt die Kalksburger Pfarrkirche eine bemerkenswerte Ausstattung.
Das Hochaltarbild von Hubert Maurer zeigt die Befreiung des hl. Petrus aus dem Kerker und verweist damit auf das offizielle Patrozinium der Kirche. Zwischen 1796 und 1799 schuf Josef Keller die großen Deckenmalereien mit Darstellungen der Schöpfung, des Jüngsten Gerichts und des Letzten Abendmahls.
Besondere Bedeutung besitzt außerdem das barocke Gemälde "Christus in Fesseln" von Paul Troger. Die Orgel Anton Pflieglers aus dem Jahr 1801 gehört zu den weitgehend erhaltenen historischen Instrumenten der Kirche und wurde in jüngerer Zeit restauriert.
Innerhalb dieser klassizistisch geprägten Ausstattung bildet die Mariazeller Gnadenstatue ein eigenes kultisches Zentrum, wodurch der Raum zugleich Pfarrkirche und Wallfahrtskirche bleibt.
Die topographische Situation der Kirche verstärkt ihren Wallfahrtscharakter, auch wenn die breite Freitreppe nicht eigens als Pilgerweg angelegt wurde. Der Besucher muss aus dem Straßenraum zum erhöht gelegenen Gotteshaus aufsteigen, wodurch bereits die Annäherung eine gewisse zeremonielle Qualität erhält.
Solche Übergänge vom profanen zum sakralen Raum gehören zu den wichtigen räumlichen Erfahrungen historischer Wallfahrten. Der Weg nach oben schafft Distanz zum Alltag, während die Kirche weithin sichtbar über dem Ort steht.
Gerade die spätere Bezeichnung "Klein-Mariazell" fügte sich daher erstaunlich gut in die bereits vorhandene landschaftliche Situation ein.
Die Kalksburger Wallfahrt ist heute nicht mehr mit den großen historischen Pilgerzügen früherer Zeiten vergleichbar, doch der Ort steht weiterhin in einer lebendigen Pilgertradition. Die Pfarre erinnert ausdrücklich an die Geschichte der Kirche als Wallfahrtsort und versteht sie weiterhin als Station auf religiösen Wegen.
Auch moderne Pilgerwege durch den Wienerwald beziehen Kalksburg ein. Hinzu kommen Treffen von Wallfahrergruppen, etwa aus dem Umfeld des Mariazeller Pilgerwesens, die weiterhin Gottesdienste und gemeinsame Gebetszeiten in Kalksburg abhalten.
Eine vollkommen ungebrochene institutionelle Wallfahrt in derselben Form seit dem 19. Jahrhundert sollte daraus nicht konstruiert werden; ebenso wäre es jedoch unzutreffend, Kalksburg als erloschenen Wallfahrtsort zu bezeichnen. Treffender ist die Einordnung als historische Wallfahrtskirche mit fortdauernder Pilger- und Marienverehrung.
Volkskundlich liegt einer der interessantesten Aspekte Kalksburgs in der Umwandlung eines kopierten Kultbildes in ein örtliches Gnadenbild.
Am Anfang stand Mariazell, einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte Mitteleuropas. Die dortige Madonna wurde kopiert, die Kalksburger Statue in Mariazell gesegnet und schließlich in einer neuen Kirche aufgestellt. Doch die Geschichte endete nicht bei der Nachahmung.
Menschen kamen nach Kalksburg, beteten vor der Figur, berichteten von Gebetserhörungen, stifteten Schmuck, nahmen Andachtsbilder mit und bezeichneten das Heiligtum schließlich selbst als "Klein-Mariazell".
Damit wurde aus der Kopie ein Original eigener Art.
Die Kalksburger Madonna blieb ikonographisch von Mariazell abhängig, erhielt kultisch jedoch eine eigenständige Biographie.
Solche Kultübertragungen zeigen, dass die Bedeutung eines Gnadenbildes nicht ausschließlich an seine materielle Einzigartigkeit gebunden sein muss. Eine Kopie konnte nach katholischem Frömmigkeitsverständnis Anteil an der religiösen Bedeutung des Vorbildes gewinnen, insbesondere wenn sie am ursprünglichen Wallfahrtsort gesegnet worden war.
Entscheidend wurde schließlich die Praxis der Gläubigen.
Wenn Menschen eine solche Statue regelmäßig aufsuchten, Gebete an sie richteten, Erhörungen mit ihr verbanden und sie durch Stiftungen auszeichneten, entwickelte sich um die Kopie ein eigener Kult.
Kalksburg macht diesen Prozess besonders anschaulich.
Die Pfarrkirche St. Petrus in Ketten in Kalksburg ist als historische Wallfahrtskirche mit eigenständigem Marienkult anzusehen. Mittelpunkt der Wallfahrt ist die seit 1803 über dem Hochaltar verehrte Nachbildung der Mariazeller Magna Mater Austriae, die unter dem Titel "Unsere Liebe Frau von Klein-Mariazell" beziehungsweise "Maria Kalksburg" verehrt wurde.
Historische Wallfahrten, Gebetserhörungen, die Ausstattung und Pflege des Gnadenbildes sowie eigene Andachtsgraphiken belegen, dass die Verehrung über die bloße Existenz einer Mariazell-Kopie hinausging und einen selbständigen Kalksburger Gnadenort hervorbrachte.
Die großen historischen Wallfahrtszüge sind gegenüber ihrer früheren Bedeutung zurückgetreten, doch die Kirche steht weiterhin in einer lebendigen Wiener Pilgertradition und wird in moderne Pilgerwege eingebunden.
- Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 1: Wien.
- Otto Kurt Knoll: Forschungen und Dokumentationen zur Kalksburger Wallfahrt, zur Gnadenstatue Unsere Liebe Frau von Klein-Mariazell und zu den Wiener Pilgerwegen.
- Pfarrchronik und kirchengeschichtliche Dokumentationen der Pfarre Kalksburg zur Geschichte der Kirche, zur Mariazeller Gnadenstatue und zu überlieferten Gebetserhörungen.
- Volkskundemuseum Wien: historisches Andachtsbild "Andenken an die Gnadenreiche Gottesmutter von Klein-Mariazell in Kalksburg".
- Kirchen- und kunstgeschichtliche Literatur zu Franz Edler von Mack, Johann Baptist Zobel, Hubert Maurer, Josef Keller, Paul Troger und zur historischen Ausstattung der Kalksburger Pfarrkirche.
- Dokumentationen zum WallfahrtsWeg WienerWald und zur gegenwärtigen Pilgertradition im südlichen Wiener Raum.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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