Wien-Floridsdorf, Jedlesee – Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Loretto und Schwarze Madonna

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Wallfahrt:Wien-Floridsdorf, Jedlesee – Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Loretto und Schwarze Madonna
Status:Historische und in lokaler Form weiterhin lebendige Wallfahrtsstätte.
Kultzentrum:Die Schwarze Madonna von Maria Loretto.
Ort:Wien
Bezirk:21. Bezirk (Floridsdorf)
Bundesland:Wien
Lage und Besuch
Lage: Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Loretto, Lorettoplatz 1, 1210 Wien.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Wien
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Jedlesee Maria Loretto
Öffnungszeiten: Vorraum der Kirche Montag bis Samstag 10:00 - 18:00.
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Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Außenansicht:

Pfarr- und Wallfahrtskirche Jedlesee, Außenansicht

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Innenansicht: 1712 wurde an dieser Stelle eine Maria-Loretto-Kapelle gestiftet. 1779 wurde die heutige Pfarrkirche erbaut, wobei die Kapelle als rechteckiger Chor in den Kirchenbau integriert wurde. Über dem Hochaltar eine schwarze Madonna in einem goldenen Strahlenkranz (vermutl. 1. Viertel des 20. Jhdts.)

Pfarr- und Wallfahrtskirche Jedlesee, Innenansicht

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Gnadenbild: In der Jedleseer Pfarrkirche Maria Loretto steht über dem Hochaltar diese schwarze Madonna in einem goldenen Strahlenkranz (vermutl. 1. Viertel des 20. Jhdts.).

Pfarr- und Wallfahrtskirche Jedlesee, Gnadenbild

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ausführliche Beschreibung

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Loretto in Jedlesee gehört zu den bemerkenswerten kleineren Wiener Marienwallfahrtsorten, deren Geschichte weniger durch spektakuläre Mirakelberichte als durch die Übertragung eines international verbreiteten Kultes, die dauerhafte Verehrung einer Schwarzen Madonna und eine über Jahrhunderte im örtlichen religiösen Leben verankerte Fest- und Prozessionstradition geprägt wurde. Ausgangspunkt war eine 1713 von Gräfin Antonia Renata von Bouquoy gestiftete Loretokapelle, die nach dem Vorbild des berühmten italienischen Marienheiligtums Loreto entstand und später nicht beseitigt, sondern in den 1779 errichteten größeren Kirchenbau einbezogen wurde. Der heutige Altarraum bewahrt daher räumlich noch den Kern des ursprünglichen Heiligtums, während die über dem Hochaltar verehrte Schwarze Madonna den alten Loreto-Kult bis in die Gegenwart sichtbar macht.

Der Wallfahrtscharakter Jedlesees ist historisch gut begründet. Neben der ausdrücklichen Bezeichnung als Wallfahrtskirche bezeugt vor allem ein 1769 gewährter päpstlicher Ablass für jene Gläubigen, welche die Kirche zum Fest Mariä Geburt am 8. September aufsuchten, die bereits damals bestehende religiöse Bedeutung des Ortes. Die damit verbundene Septembertradition lebt in veränderter Form bis heute im Jedleseer Kirtag weiter, zu dessen kirchlichem Teil nach wie vor Marienandacht, Prozession und Festgottesdienst gehören. Jedlesee ist deshalb nicht bloß als ehemaliger Wallfahrtsort anzusehen, sondern als historische Wallfahrtsstätte, deren überregionale Bedeutung zwar zurückgegangen ist, deren lokale marianische Kulttradition jedoch weiterhin lebendig geblieben ist.

Die Stiftung der Loretokapelle

Im Jahr 1713 ließ die Grundherrin Gräfin Antonia Renata von Bouquoy in Jedlesee eine Kapelle zu Ehren Maria Loretto errichten. In älteren und lokalgeschichtlichen Darstellungen wird die Stiftung häufig mit der schweren Pest dieses Jahres und einem entsprechenden Gelübde der Gräfin verbunden; für die Entstehungsgeschichte empfiehlt sich jedoch eine gewisse quellenkritische Zurückhaltung, weil Stiftung und Bau der Kapelle gut belegt sind, während die genaue Gestalt eines persönlichen Pestgelübdes weniger eindeutig greifbar ist.

Der Zusammenhang mit dem Pestjahr ist dennoch keineswegs bedeutungslos. Die feierliche Weihe der Kapelle erfolgte erst am 15. Oktober 1713, obwohl die entsprechenden Vorbereitungen bereits Monate zuvor betrieben worden waren, und die Verzögerung wird in der pfarrgeschichtlichen Forschung mit der damals in Wien und seiner Umgebung herrschenden Seuchenlage in Verbindung gebracht. Damit entstand die Jedleseer Loretokapelle in einer Zeit existenzieller Verunsicherung, in der marianische Schutz- und Fürbittekulte ebenso wie Pestheilige, Gelöbnisse und Prozessionen eine besonders starke religiöse Bedeutung besaßen.

Loreto und das Heilige Haus

Mit der Wahl des Patroziniums wurde Jedlesee in eine der bedeutendsten europäischen Wallfahrtstraditionen der frühen Neuzeit eingebunden. Das italienische Loreto bei Ancona verdankte seine außerordentliche Bedeutung dem dort verehrten sogenannten Heiligen Haus, der Santa Casa, die nach mittelalterlicher Überlieferung das Wohnhaus Mariens in Nazareth gewesen und auf wunderbare Weise nach Italien übertragen worden sein soll. Die historische Entstehung dieses Gebäudes ist davon zu unterscheiden; für die europäische Frömmigkeitsgeschichte entscheidend war jedoch der Glaube, an diesem Ort dem Haus der Verkündigung und damit einem unmittelbaren Schauplatz der Heilsgeschichte begegnen zu können.

Seit dem ausgehenden Mittelalter entstanden in zahlreichen Ländern Nachbildungen der Santa Casa beziehungsweise Loretokapellen, in denen zugleich Kopien oder Nachbildungen der berühmten Schwarzen Madonna von Loreto verehrt wurden. Der Kult wurde damit räumlich vervielfältigt: Wer nicht nach Italien pilgern konnte, fand in einer örtlichen Loretokapelle eine sakrale Nachbildung des fernen Heiligtums. Jedlesee gehört in diese weitgespannte europäische Kultlandschaft.

Ein übertragenes Heiligtum

Volkskundlich ist dieses Prinzip besonders interessant, weil die Heiligkeit des Ortes nicht aus einem lokalen Wunder hervorging. Es gab in Jedlesee keine wundersame Auffindung der Madonna und keine örtliche Marienerscheinung, die der Kapelle vorausgegangen wäre; vielmehr wurde ein bereits bestehendes internationales Wallfahrtsmodell bewusst an die Donau übertragen.

Dabei wurde nicht ausschließlich ein Bild kopiert. Mit Kapelle, Patrozinium und Schwarzer Madonna wurde ein ganzes Ensemble religiöser Vorstellungen nach Jedlesee verpflanzt. Ähnliche Vorgänge finden sich an zahlreichen frühneuzeitlichen Loretokapellen, doch entwickelte nicht jede von ihnen zwangsläufig eine eigene Wallfahrt. Für Jedlesee lässt sich die kultische Ausprägung dagegen durch die weitere Geschichte eindeutig nachweisen.

Die Schwarze Madonna von Jedlesee

Im Mittelpunkt der Kirche steht die Schwarze Madonna von Maria Loretto, die über dem Hochaltar verehrt wird. Die dunkle Farbgebung gehört zur Bildtradition der Madonna von Loreto, deren Erscheinungsbild wiederumtradition der Madonna von Loreto, deren Erscheinungsbild wiederum in zahlreichen Nachbildungen verbreitet wurde.

Eine verlässliche kunsthistorische Datierung der heute sichtbaren Jedleseer Statue lässt sich aus den derzeit verfügbaren Quellen nicht sicher ableiten, weshalb die früher gelegentlich genannte Vermutung einer Entstehung im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts nicht belastbar ist. Für die Wallfahrtsgeschichte ist ohnehin weniger das genaue Alter der heute vorhandenen Statue als ihre Funktion als Trägerin und sichtbares Zentrum des Loreto-Kultes entscheidend.

Bemerkenswert ist, dass sich die Bedeutung der Wallfahrtsstatue weit über den Kirchenraum hinaus auswirkte. Das historische Wappen Jedlesees zeigt die Madonna von Loretto mit dem Jesuskind und übernahm damit den örtlichen Kultgegenstand als Identitätszeichen der gesamten Gemeinde. Ein Wallfahrtsbild wurde auf diese Weise vom sakralen Objekt zum Symbol des Ortes selbst.

Der päpstliche Ablass

Einen besonders gewichtigen Beleg für die historische Wallfahrt bildet ein Privileg aus dem Jahr 1769. Papst Clemens XIV. gewährte den Gläubigen, welche die Kirche Maria Loretto in Jedlesee am Fest Mariä Geburt, dem 8. September, unter den vorgeschriebenen Bedingungen besuchten, einen vollkommenen Ablass.

Solche Ablässe waren für die Entwicklung frühneuzeitlicher Wallfahrten von erheblicher Bedeutung. Sie förderten nicht nur die individuelle Andacht, sondern schufen einen wiederkehrenden religiösen Termin, an dem sich größere Gruppen von Gläubigen auf den Weg zu einer bestimmten Kirche machten. Wallfahrt, Festtag und Ablass verbanden sich dadurch zu einem festen Rhythmus des religiösen Jahres.

Dass Visitationsberichte bereits aus der Zeit vor 1769 eine besondere Ablass- beziehungsweise Festtradition um Mariä Geburt erkennen lassen, deutet darauf hin, dass die päpstliche Gewährung nicht am Beginn der örtlichen Verehrung stand, sondern eine bereits vorhandene Praxis bestätigte und stärkte.

Mariä Geburt und der Jedleseer Kirtag

Eine besonders interessante Eigenheit der Jedleseer Tradition liegt darin, dass der wichtigste historische Wallfahrts- und Kirchweihtag nicht mit dem eigentlichen Fest Maria Loretto am 10. Dezember zusammenfiel. Die große örtliche Feier konzentrierte sich vielmehr auf die Zeit um Mariä Geburt am 8. September, den in der älteren Volksfrömmigkeit sogenannten Kleinen Frauentag.

Gerade diese Verschiebung zeigt, wie wenig sich lokale Kulttraditionen ausschließlich nach den offiziellen Patrozinien richten müssen. In Jedlesee entwickelte der Septembertermin eine eigene historische Dynamik und wurde schließlich so fest im örtlichen Gedächtnis verankert, dass er im traditionellen Jedleseer Kirtag weiterlebte.

Die erste Kapelle wurde zwar erst am 15. Oktober 1713 geweiht, doch lässt sich der spätere Septembertermin offensichtlich nicht einfach aus diesem tatsächlichen Konsekrationsdatum erklären. Vielmehr bestand eine ältere Bindung an Mariä Geburt, deren konkrete Entstehung wahrscheinlich im Zusammenhang mit der ursprünglich vorgesehenen Festordnung der Kapelle zu sehen ist. Die schwierigen Verhältnisse des Pestjahres 1713 könnten dazu geführt haben, dass Weihetermin und dauerhaftes Festgedächtnis auseinandertraten.

Der Kirtag als Gedächtnis der Wallfahrt

Der Jedleseer Kirtag ist deshalb weit mehr als ein profanes Ortsfest. Er bewahrt, wenn auch in veränderter gesellschaftlicher Form, eine religiöse Tradition, deren Wurzeln in die Geschichte der Wallfahrtskirche zurückreichen.

Auch in jüngster Zeit beginnt der kirchliche Teil des Kirtags mit einer Andacht bei einer Marienstatue im Ort; daran schließt sich eine Prozession zum Festgottesdienst an. Damit wird die historische Struktur des Wallfahrens im Kleinen weiterhin sichtbar: Die Gläubigen versammeln sich nicht ausschließlich in der Kirche, sondern bewegen sich gemeinsam zwischen religiös ausgezeichneten Punkten des Ortes.

Solche Fortsetzungen sind für die Volkskunde besonders wertvoll, weil ältere Wallfahrtsformen nicht immer unverändert erhalten bleiben müssen, um ihre Wirkung fortzusetzen. Eine einst stärker überörtlich geprägte Wallfahrt kann sich im Laufe der Zeit in eine lokale Prozessions-, Kirtags- und Erinnerungstradition verwandeln, ohne dass ihre historische Grundlage vollständig verschwindet.

Ausbau zur heutigen Kirche

Die kleine Loretokapelle genügte im Laufe des 18. Jahrhunderts den Bedürfnissen des Ortes nicht mehr. Im Jahr 1779 ließ der damalige Grundherr Anton Freiherr von Störck, der als kaiserlicher Leibarzt eine bedeutende Stellung am Wiener Hof innehatte, eine größere Kirche errichten.

Für die Geschichte des Wallfahrtsortes ist entscheidend, dass die ältere Kapelle dabei nicht einfach abgebrochen wurde. Sie wurde vielmehr als Chor beziehungsweise Altarraum in den Neubau integriert.

Der heutige Besucher steht somit im Bereich des Hochaltars noch immer im räumlichen Kern jenes Heiligtums, das Antonia Renata von Bouquoy 1713 hatte errichten lassen. Dadurch besitzt die Kirche trotz ihrer späteren Erweiterungen eine außergewöhnlich anschauliche bauliche Kontinuität.

Kunst und Ausstattung

Die Kirche wurde im Laufe ihrer Geschichte mehrfach verändert und ausgestattet. Neben der Loretomadonna verdienen insbesondere zwei Seitenaltarbilder von Franz Anton Maulbertsch Beachtung, die den hl. Peregrinus und den hl. Patrick darstellen.

Gerade der hl. Peregrinus ist für eine Wallfahrtskirche ein bemerkenswerter Heiliger, weil seine Verehrung besonders mit Krankheiten der Beine und später allgemein mit schweren Leiden verbunden war. Ob sich in Jedlesee um dieses Bild eine eigene ausgeprägte Bitt- oder Votivpraxis entwickelte, lässt sich derzeit jedoch nicht ausreichend belegen und sollte daher nicht aus der bloßen Anwesenheit des Heiligen erschlossen werden.

Abwehrheilige gegen Krankheit

Eine weitere volkskundlich interessante Schicht der Jedleseer Frömmigkeit bilden jene Heiligen, die in älteren Darstellungen als sogenannte "Abwehrpatrone" begegnen. Genannt werden insbesondere der hl. Felix als Schutzheiliger gegen Kinderblattern sowie der hl. Veit gegen die sogenannten Fraisen.

Unter "Fraisen" verstand die ältere Volksmedizin krampfartige Erkrankungen, insbesondere schwere Krampfanfälle bei Kindern. Solche Krankheitsbilder waren für Familien außerordentlich bedrohlich, weil medizinische Behandlungsmöglichkeiten begrenzt und die Ursachen vielfach unbekannt waren. Die Anrufung bestimmter Heiliger bildete daher einen wichtigen Bestandteil einer religiösen Krankheitsbewältigung, in der Gebet, Gelübde, Wallfahrt und gegebenenfalls Votivgabe miteinander verbunden sein konnten.

Für Jedlesee bezeugen solche Schutzpatrone, dass die religiöse Bedeutung der Kirche über den eigentlichen Loreto-Kult hinausreichte und auch sehr konkrete alltägliche Sorgen der Bevölkerung aufnahm.

Wallfahrt und dörfliche Identität

Jedlesee war vor seiner Eingemeindung nach Wien eine eigenständige Ortschaft, deren religiöser Mittelpunkt die Loretokirche bildete. In einem solchen Umfeld besaß eine Wallfahrtskirche mehrere Funktionen zugleich: Sie war Gotteshaus der Bevölkerung, Ziel auswärtiger Besucher, Ort der großen Feste und Trägerin eines Marienbildes, das schließlich sogar in das Gemeindewappen Eingang fand.

Gerade diese Verbindung erklärt, weshalb sich bei kleineren Wallfahrtsorten die Trennlinie zwischen Pfarrfrömmigkeit und Wallfahrt häufig nur schwer ziehen lässt. Ein auswärtiger Pilger kam zur Schwarzen Madonna, während der Bewohner Jedlesees dieselbe Madonna als Patronin seines eigenen Ortes verehrte. Der Kultgegenstand gehörte beiden Gruppen, doch ihre Beziehung zu ihm war unterschiedlich.

Die spätere Entwicklung zur Pfarrkirche verdrängte den Wallfahrtscharakter deshalb nicht zwangsläufig, sondern überlagerte ihn mit einer immer stärkeren örtlichen Funktion.

Wallfahrt und Votivpraxis

Für Jedlesee werden auch Votivzeugnisse genannt, wenngleich der historische Bestand bislang nicht in jener Dichte dokumentiert ist, wie dies etwa bei einigen großen barocken Wiener Gnadenstätten der Fall ist. Gerade deshalb sollte nicht versucht werden, aus allgemeinen Parallelen bestimmte Votivformen zu rekonstruieren, solange dafür keine konkreten Quellen vorliegen.

Die sicher nachweisbare Wallfahrt bedarf einer solchen Ergänzung auch gar nicht. Loretokapelle, Wallfahrtsstatue, päpstlicher Ablass, jährlicher Festtermin und die bis heute nachwirkende Prozessionstradition ergeben bereits ein geschlossenes Bild eines historischen marianischen Wallfahrtsortes.

Ein kleiner Wallfahrtsort mit europäischem Hintergrund

Volkskundlich liegt der besondere Reiz Jedlesees gerade im Verhältnis zwischen lokaler und internationaler Frömmigkeit. Die Schwarze Madonna gehört zu einem Bild- und Kulttypus, der sich von Italien über große Teile Europas verbreitete, doch wurde aus diesem allgemeinen religiösen Modell in Jedlesee eine ausgesprochen örtliche Tradition.

Das ferne Loreto wurde durch eine Kapelle nach Niederösterreich beziehungsweise an den späteren Wiener Stadtrand übertragen, die Madonna wurde zur "Jedleseer" Madonna, ihr Bild gelangte in das Gemeindewappen, und der mit ihrer Kirche verbundene Septembertermin wurde zum Kirtag der Ortschaft.

Ein ursprünglich internationaler Kult wurde dadurch lokal angeeignet.

Gerade dieses Wechselspiel gehört zu den Grundmechanismen frühneuzeitlicher Wallfahrtskultur: Heilige Orte konnten vervielfältigt werden, doch jede erfolgreiche Kultkopie entwickelte mit der Zeit ihre eigene Geschichte.

Heutiger Wallfahrtsstatus

Die Pfarrkirche Maria Loretto in Jedlesee ist als historische und weiterhin in lokaler Form lebendige Wallfahrtsstätte anzusehen. Die ältere überörtliche Bedeutung der Wallfahrt hat gegenüber dem 18. und 19. Jahrhundert zweifellos abgenommen, doch der Wallfahrtscharakter ist weder bloß ein alter Titel noch vollständig in der Vergangenheit aufgegangen.

Die Schwarze Madonna bleibt Mittelpunkt der Kirche, der traditionelle Septembertermin wird weiterhin gefeiert, und die Verbindung von Marienandacht, Prozession und Festgottesdienst bewahrt eine religiöse Bewegungsform, deren Wurzeln unmittelbar in die ältere Wallfahrt zurückreichen.

Gerade deshalb ist eine vorsichtige Formulierung sinnvoll: Nicht von einer unveränderten barocken Wallfahrt, wohl aber von einer bis heute fortwirkenden lokalen Wallfahrts- und Prozessionstradition kann gesprochen werden.

Literatur und Quellen

- Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 1: Wien.

- Pfarr- und kirchengeschichtliche Dokumentationen der Pfarre Jedlesee Maria Loretto zur Stiftung der Kapelle, zur Kirchweihe von 1713, zum Ausbau von 1779 und zum päpstlichen Ablass von 1769.

- Johann Weißensteiner: Forschungen zur Geschichte der Jedleseer Kirche, insbesondere zur Weihe der Loretokapelle, zum Pestjahr 1713 und zur Entstehung des traditionellen September-Kirtags.

- Bundesdenkmalamt: Dokumentation der Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Loretto in Jedlesee.

- Wien Geschichte Wiki: Jedleseer Kirche, Loretokult, Schwarze Madonna und historische Kulttraditionen.

- Pfarrchroniken und Dokumentationen zum Jedleseer Kirtag und zur gegenwärtigen Marienandacht und Prozession.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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