Wien-Hietzing, Ober-Sankt-Veit – Pfarrkirche Ober St. Veit und erloschene Wallfahrt zum hl. Veit

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Wallfahrt:Wien-Hietzing, Ober-Sankt-Veit – Pfarrkirche Ober St. Veit und erloschene Wallfahrt zum hl. Veit
Status:Erloschene historische Veitswallfahrt.
Kultzentrum:Historisch die Verehrung des hl. Veit, verbunden mit dem Huhnopfer.
Ort:Wien
Bezirk:13. Bezirk (Hietzing)
Bundesland:Wien
Lage und Besuch
Lage: Pfarrkirche Ober St. Veit, Wolfrathplatz, 1130 Wien.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Wien
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Ober St. Veit
Öffnungszeiten: täglich von 07:30 Uhr bis ca. 20:00 Uhr.
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Ausführliche Beschreibung

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Ausführliche Beschreibung

Die Pfarrkirche Ober St. Veit im Hietzinger Bezirksteil Ober-Sankt-Veit gehört zu den volkskundlich bemerkenswertesten historischen Wallfahrtsorten Wiens. Ihre ältere Wallfahrt galt dem hl. Veit, einem der Vierzehn Nothelfer, der besonders bei Krämpfen, Epilepsie und anderen schweren beziehungsweise früher nur schwer erklärbaren Erkrankungen angerufen wurde. Mit dieser Wallfahrt war ein für den Wiener Raum außergewöhnlicher Brauch verbunden: Pilger brachten Hühner, vor allem Hähne, als Opfergaben zur Kirche, wobei in der Überlieferung besonders schwarze Hähne genannt werden. Dieses sogenannte Huhnopfer wurde im Laufe des 18. Jahrhunderts zu einem charakteristischen Merkmal der Ober-Sankt-Veiter Veitswallfahrt, ehe es gegen Ende des Jahrhunderts kirchlich zurückgedrängt und schließlich aufgegeben wurde.

Neben diesem älteren, eindeutig nachweisbaren Veitskult erhielt die Kirche während ihrer barocken Erneuerung im 18. Jahrhundert einen zweiten bedeutenden Andachtsmittelpunkt: das bis heute am Hochaltar befindliche Bild "Maria, Zuflucht der Sünder", dessen ungewöhnliche Ikonographie ihm auch die volkstümliche Bezeichnung "Maria mit dem Blitzbündel" eintrug. Während der historische Wallfahrtscharakter des Veitskultes durch die Überlieferung des Huhnopfers gut belegt ist, lässt sich eine eigenständige regelmäßig organisierte Wallfahrt zu diesem Marienbild wesentlich weniger deutlich nachweisen. Die alte Veitswallfahrt nach Ober-Sankt-Veit ist heute erloschen.

Ober-Sankt-Veit und seine alte Pfarrkirche

Ober-Sankt-Veit gehört zu den alten Siedlungs- und Pfarrorten im Westen Wiens. Bereits der Ortsname verweist auf die Verehrung des hl. Veit, der dem Ort seine dauerhafte religiöse Identität gab. Die Kirche ist mittelalterlichen Ursprungs und wurde im Lauf der Jahrhunderte mehrfach verändert, erweitert und erneuert. Ihre heutige Erscheinung geht wesentlich auf den barocken Umbau der Jahre 1742 bis 1745 zurück, bei dem ältere Bauteile in einen neuen Kirchenbau einbezogen wurden.

Die heutige Bezeichnung des Gotteshauses lautet Pfarrkirche Ober St. Veit. Dabei ist zwischen dem Eigennamen der Kirche und der amtlichen Schreibweise des Wiener Bezirksteiles zu unterscheiden: Der Ort beziehungsweise Bezirksteil heißt Ober-Sankt-Veit, während Kirche und Pfarre in der kirchlichen Nomenklatur als Ober St. Veit bezeichnet werden.

Das Patrozinium der Kirche gilt dem hl. Veit beziehungsweise Vitus. Dass dieser Heilige nicht nur Kirchenpatron, sondern tatsächlich Mittelpunkt einer überörtlichen Wallfahrt war, zeigt vor allem der ungewöhnliche Opferbrauch, der über lange Zeit mit seinem Fest verbunden blieb.

Der hl. Veit als Nothelfer

Der hl. Veit zählt zu den Vierzehn Nothelfern und gehörte zu jenen Heiligen, denen in der vormodernen Volksfrömmigkeit besondere Zuständigkeiten für bestimmte Krankheiten zugeschrieben wurden. Seine Fürsprache wurde vor allem bei Krampfanfällen, Epilepsie und verwandten Leiden erbeten. Noch der historische Krankheitsname "Veitstanz" erinnert an diesen Zusammenhang.

In einer Zeit, in der neurologische und krampfartige Erkrankungen weder ursächlich erklärt noch zuverlässig behandelt werden konnten, bot die Anrufung eines spezialisierten Heiligen eine religiöse Möglichkeit, mit Krankheit, Angst und Hilflosigkeit umzugehen. Solche Verehrung beschränkte sich nicht auf Gebete innerhalb der eigenen Gemeinde, sondern konnte Gelübde, Wallfahrten und Opfergaben nach sich ziehen. Wer sich vom hl. Veit Hilfe erhoffte oder glaubte, durch seine Fürsprache bereits Hilfe erfahren zu haben, konnte eine Reise zu einem besonders verehrten Veitsheiligtum versprechen und dort eine Gabe niederlegen.

In Ober-Sankt-Veit nahm diese Votivpraxis eine Form an, die selbst innerhalb der vielfältigen österreichischen Wallfahrtsbräuche ungewöhnlich erscheint.

Das Huhnopfer

Am Fest des hl. Veit brachten Wallfahrer Hühner beziehungsweise Hähne zur Kirche und übergaben sie als Opfergaben. In den volkskundlichen Überlieferungen werden besonders schwarze Hähne erwähnt, denen teilweise die Beine zusammengebunden wurden, bevor sie im Bereich des Altars niedergelegt oder der Kirche übergeben wurden.

Die Bezeichnung "Opfer" darf dabei nicht ohne weiteres im Sinn eines antiken Tieropfers verstanden werden. Für Ober-Sankt-Veit ist nicht davon auszugehen, dass die Tiere am Altar rituell geschlachtet wurden. Vielmehr handelte es sich um eine Naturalgabe an den Heiligen beziehungsweise an dessen Kirche, vergleichbar mit anderen Formen von Votivgaben, bei denen wertvolle Lebensmittel, Tiere oder landwirtschaftliche Produkte übergeben und anschließend durch die Kirche verwertet oder verkauft werden konnten.

Gerade darin zeigt sich eine religiöse Welt, in der materielle Gabe, Gelübde und erhoffte Gegenhilfe eng aufeinander bezogen waren. Das Huhn war kein bloßes Symbol, sondern besaß einen realen wirtschaftlichen Wert. Seine Hingabe bedeutete daher einen tatsächlichen Verzicht des Wallfahrers und verlieh dem Gelübde einen materiell erfahrbaren Ausdruck.

Warum gerade ein Hahn?

Welche konkrete symbolische Bedeutung der Hahn im Ober-Sankt-Veiter Veitskult ursprünglich besaß, lässt sich nicht mehr mit letzter Sicherheit bestimmen. Versuchungen, den Brauch unmittelbar aus vorchristlichen Tieropfern oder weit entfernten ethnologischen Parallelen abzuleiten, wären ohne konkrete Quellen problematisch.

Sicher ist dagegen, dass sich die Hühnergabe über längere Zeit so eng mit der Wallfahrt verband, dass sie zu ihrem charakteristischen Kennzeichen wurde. Die Verbindung muss im lokalen Bewusstsein selbstverständlich genug gewesen sein, dass die Wallfahrer nicht nur wussten, welchen Heiligen sie aufsuchten, sondern auch welche Gabe bei diesem Heiligtum als angemessen galt.

Gerade diese lokale Spezialisierung gehört zu den typischen Merkmalen historischer Wallfahrtskultur. Dasselbe Leiden konnte an verschiedenen Orten zu unterschiedlichen Heiligen führen, und selbst dort, wo derselbe Heilige verehrt wurde, konnten sich vollkommen unterschiedliche Votivbräuche herausbilden.

Der "schwarze Hahn"

Die Wallfahrt hinterließ auch außerhalb des Kirchenraumes Spuren. Mit dem Pilgerverkehr wird ein Gasthaus "Zum schwarzen Hahn" in Verbindung gebracht, dessen Name unmittelbar an die charakteristische Opfergabe erinnerte.

Solche Gasthäuser gehörten zur sozialen Infrastruktur einer Wallfahrt. Die Pilger mussten rasten, essen und trinken, manchmal übernachten und sich nach einer längeren Fußreise erholen. Wallfahrt war deshalb niemals ausschließlich eine Abfolge liturgischer Handlungen, sondern zugleich ein soziales Ereignis, das Wirtschaft und Alltag eines Wallfahrtsortes beeinflusste.

Der schwarze Hahn wurde damit gewissermaßen zum Zeichen des gesamten lokalen Wallfahrtsbetriebes und nicht nur zur Gabe innerhalb der Kirche.

Die kirchliche Zurückdrängung des Huhnopfers

Im Laufe des 18. Jahrhunderts gerieten solche älteren Formen der Volksfrömmigkeit zunehmend in Konflikt mit kirchlichen Reformvorstellungen. Besonders die unmittelbare Niederlegung lebender Tiere im Bereich eines Altares erschien mit einer stärker geregelten Liturgie und dem aufgeklärten Kirchenverständnis des ausgehenden 18. Jahrhunderts immer weniger vereinbar.

Gegen Ende des Jahrhunderts wurde das Huhnopfer daher zurückgedrängt. Um 1790 begegnen Nachrichten, wonach die lebende Naturalgabe nicht mehr in der bisherigen Form geduldet und stattdessen Geld gegeben werden sollte. Ein exakt datierbares vollständiges Verbot lässt sich daraus nicht ableiten, doch verschwand die Praxis in der Folge.

Dieser Vorgang bedeutete zugleich einen tiefgreifenden Wandel des örtlichen Kultes. Ein Brauch, der die Wallfahrt jahrzehntelang äußerlich gekennzeichnet hatte, verlor seine kirchliche Legitimität und damit allmählich auch seine soziale Grundlage.

Barocker Umbau und "Maria, Zuflucht der Sünder"

Noch während die ältere Veitswallfahrt lebendig war, erhielt die Pfarrkirche in den Jahren 1742 bis 1745 ihre barocke Gestalt. Im Zuge dieser Erneuerung trat ein zweiter religiöser Kultmittelpunkt hervor: das Bild "Maria, Zuflucht der Sünder", das bis heute am Hochaltar verehrt wird.

Der Bildtypus steht mit dem italienischen Jesuitenmissionar Francesco de Geronimo, auch Franz de Hieronymo genannt, in Verbindung, der von 1642 bis 1716 lebte und bei seinen Volksmissionen in Süditalien ein entsprechendes Marienbild verwendete. Seine Missionstätigkeit war stark auf Buße, Bekehrung und die religiöse Erneuerung breiter Bevölkerungsschichten ausgerichtet, wodurch auch das mit ihm verbundene Marienbild eine entsprechende geistliche Bedeutung erhielt.

Über kirchliche Verbindungen gelangte eine Kopie dieses Bildtypus nach Wien und schließlich nach Ober-Sankt-Veit, wo sie einen ausgezeichneten Platz am Hochaltar erhielt.

"Maria mit dem Blitzbündel"

Das Marienbild besitzt eine ungewöhnliche Ikonographie. Maria erscheint als Zuflucht der Sünder und als Fürsprecherin des Menschen gegenüber dem göttlichen Strafgericht. Das von ihr gehaltene beziehungsweise in der Darstellung auftretende Blitzbündel wurde zum auffälligsten Bildelement und führte zur volkstümlichen Bezeichnung "Maria mit dem Blitzbündel".

Die Bildaussage entspricht einer barocken Frömmigkeit, in der Maria als mächtige Fürsprecherin verstanden wird. Der Sünder steht unter der Gefahr göttlicher Strafe, kann jedoch auf Mariens Vermittlung und Schutz hoffen. Im Unterschied zur älteren Veitswallfahrt, die stark auf konkrete körperliche Leiden ausgerichtet war, liegt der Schwerpunkt dieses Marienbildes stärker auf Buße, Bekehrung und geistlicher Zuflucht.

Damit standen in derselben Kirche schließlich zwei sehr unterschiedliche Kultformen nebeneinander.

Zwei religiöse Welten

Die ältere Wallfahrt zum hl. Veit war tief in der Volksfrömmigkeit verankert und verband Krankheit, Gelübde, Pilgerweg und eine ungewöhnliche Naturalgabe. Der neue Marienkult entsprach dagegen wesentlich stärker der barocken katholischen Bild- und Bußfrömmigkeit und konnte leichter in Predigt, Sakramentenpraxis und kirchlich gelenkte Andachtsformen eingebunden werden.

Es liegt daher nahe, in der Förderung von "Maria, Zuflucht der Sünder" auch eine Überlagerung des älteren Veitskultes zu erkennen. Ein aus kirchlicher Sicht zunehmend problematischer Wallfahrtsbrauch mit lebenden Tieren wurde allmählich von einer theologisch klarer definierten Marienverehrung begleitet und schließlich überstrahlt.

Ob hinter diesem Prozess allerdings ein ausdrücklich formulierter Plan stand, die Veitswallfahrt durch eine Marienwallfahrt zu ersetzen, lässt sich nicht sicher nachweisen. Eine solche Interpretation ist religionsgeschichtlich plausibel, sollte aber nicht als gesicherte historische Absicht kirchlicher Entscheidungsträger dargestellt werden.

War das Marienbild selbst Ziel einer Wallfahrt?

Für die historische Einordnung ist diese Frage besonders wichtig. Das Bild "Maria, Zuflucht der Sünder" besaß zweifellos einen hohen Rang, wurde am Hochaltar aufgestellt und wird als Gnadenbild bezeichnet. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass sich um dieses Bild eine eigenständige organisierte Wallfahrt entwickelte.

Gerade hier ist die Quellenlage wesentlich schwächer als beim hl. Veit. In der Pfarrüberlieferung lassen sich offenbar keine regelmäßigen Wallfahrtszüge oder fest etablierten Pilgertermine zum Marienbild in derselben Deutlichkeit nachweisen.

Deshalb sollte die Geschichte Ober-Sankt-Veits nicht als einfacher Übergang von einer Veitswallfahrt zu einer gleich starken Marienwallfahrt beschrieben werden. Sicher belegt ist die historische Wallfahrt zum hl. Veit; sicher belegt ist ebenso der bedeutende Kult um "Maria, Zuflucht der Sünder". Ob der zweite Kult tatsächlich eine eigenständige Wallfahrt in größerem Umfang hervorbrachte, bleibt dagegen offen.

Krankheit und Wallfahrt

Die alte Veitswallfahrt zeigt besonders deutlich, wie eng religiöse und medizinische Vorstellungen in der vormodernen Gesellschaft miteinander verbunden waren. Krankheiten, deren Ursachen unbekannt oder deren Verlauf kaum beeinflussbar war, wurden nicht ausschließlich körperlich verstanden, sondern konnten zugleich religiös gedeutet werden.

Ein Wallfahrtsgelübde bedeutete dabei keineswegs zwingend eine Ablehnung medizinischer Behandlung. In der historischen Lebenswelt konnten Gebet, Arznei, ärztliche Hilfe, Hausmittel, Heiligenverehrung und Wallfahrt nebeneinander bestehen. Die Anrufung des hl. Veit ergänzte eine Welt begrenzter medizinischer Möglichkeiten um eine religiöse Hoffnung.

Die Wallfahrt machte diese Hoffnung körperlich sichtbar: Der Mensch verließ seinen Alltag, nahm einen Weg auf sich, brachte eine Gabe und trat am Heiligtum in ein symbolisches Verhältnis von Bitte, Versprechen und Dank.

Tiergaben in der christlichen Volksfrömmigkeit

Das Ober-Sankt-Veiter Huhnopfer steht innerhalb einer größeren europäischen Tradition von Tiergaben an Wallfahrtsorten. Solche Bräuche sind aus verschiedenen Regionen bekannt und konnten sehr unterschiedliche Formen annehmen. Tiere wurden als Gelübdegaben überlassen, versteigert oder verkauft, gelegentlich auch in symbolischen Handlungen um Altäre oder Kultbilder geführt.

Diese Praktiken standen häufig in einem Spannungsverhältnis zur offiziellen kirchlichen Liturgie. Solange sie als fromme Gabe verstanden werden konnten, wurden sie teilweise geduldet; sobald sie jedoch als abergläubisch, unkontrolliert oder mit dem sakralen Charakter des Altares unvereinbar erschienen, versuchten kirchliche Stellen sie zu verändern oder abzuschaffen.

Ober-Sankt-Veit bietet dafür ein besonders anschauliches Wiener Beispiel.

Der Niedergang der Wallfahrt

Mit dem Verschwinden des Huhnopfers verlor die Veitswallfahrt ihr markantestes äußeres Kennzeichen. In der Folge trat auch die überörtliche Bedeutung Ober-Sankt-Veits als Wallfahrtsziel zunehmend zurück, während die Kirche ihre Funktion als Pfarrkirche behielt und der Marienkult am Hochaltar fortbestand.

Eine kontinuierliche organisierte Veitswallfahrt lässt sich für die jüngere Zeit nicht mehr feststellen. Anders als bei Wallfahrtsorten, deren Pilgertradition im 19. oder 20. Jahrhundert erneuert wurde, kam es in Ober-Sankt-Veit offenbar zu keiner dauerhaften Wiederbelebung der alten Wallfahrt.

Die Wallfahrt zum hl. Veit ist daher heute als erloschen anzusehen.

Das Gnadenbild blieb

Während die Veitswallfahrt verschwand, blieb "Maria, Zuflucht der Sünder" in der Kirche erhalten. Damit zeigt Ober-Sankt-Veit zugleich, dass das Ende einer Wallfahrt nicht mit dem Ende aller besonderen Frömmigkeit an einem Ort gleichgesetzt werden darf.

Das Marienbild besitzt weiterhin seinen Platz am Hochaltar und gehört zur religiösen und kunsthistorischen Identität des Gotteshauses. Sein Fortbestehen begründet jedoch für sich allein keinen gegenwärtigen Wallfahrtsstatus.

Volkskundliche Bedeutung

Ober-Sankt-Veit gehört zu den außergewöhnlichsten historischen Wallfahrtsorten Wiens, weil sich hier eine religiöse Praxis erhalten hat, die aus heutiger Sicht beinahe fremdartig wirkt. Die Wallfahrer kamen nicht nur mit Kerzen oder Geldgaben, sondern brachten lebende Tiere; ein schwarzer Hahn konnte Ausdruck einer Bitte um Heilung, eines Gelübdes oder eines Dankes an den hl. Veit sein.

Gerade die Geschichte des Huhnopfers zeigt, wie wichtig es ist, Wallfahrt nicht ausschließlich anhand großer Kirchenbauten oder berühmter Gnadenbilder zu untersuchen. Religiöse Kultur äußert sich ebenso in unscheinbaren Gesten, Naturalgaben, Gasthäusern, Festterminen und körperlichen Handlungen, die für die beteiligten Menschen selbstverständlich waren und später vollständig verschwinden konnten.

Ebenso aufschlussreich ist der Wandel des Kultes. Die zunehmende kirchliche Regulierung des Huhnopfers und die gleichzeitig wachsende Bedeutung von "Maria, Zuflucht der Sünder" spiegeln einen umfassenden Wandel katholischer Frömmigkeit im 18. Jahrhundert wider. Aus einer stark volksreligiös geprägten Veitswallfahrt wurde allmählich eine Pfarrkirche, in der andere, stärker kontrollierte Andachtsformen in den Vordergrund traten.

Literatur und Quellen

- Gustav Gugitz: "Das Huhnopfer in Ober St. Veit und der Heilige Veit", in: Unsere Heimat, Neue Folge, 6. Jahrgang, 1933.

- Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 1: Wien.

- Pfarr- und ortsgeschichtliche Dokumentationen von Ober St. Veit zur Baugeschichte, zum Veitskult und zum Bild "Maria, Zuflucht der Sünder".

- Kirchen- und kunsthistorische Literatur zur barocken Erneuerung der Pfarrkirche in den Jahren 1742 bis 1745.

- Wallfahrtsgeschichtliche und volkskundliche Literatur zum Huhnopfer, zur Verehrung des hl. Veit und zu Tiergaben an historischen Wallfahrtsorten.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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