Wien-Döbling, Kahlenberg – Schönstattheiligtum der Dreimal Wunderbaren Mutter, Königin und Siegerin von Schönstatt

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Wallfahrt:Wien-Döbling, Kahlenberg – Schönstattheiligtum der Dreimal Wunderbaren Mutter, Königin und Siegerin von Schönstatt
Status:Moderne, lebendige Schönstattwallfahrt.
Kultzentrum:Das Schönstattheiligtum mit dem Bild der Dreimal Wunderbaren Mutter.
Ort:Wien
Bezirk:19. Bezirk (Döbling)
Bundesland:Wien
Lage und Besuch
Lage: Sulzwiese 1, Schönstatt am Kahlenberg, 1190 Wien
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Wien
Ansicht in Street View (Luftbild)
Web: Bildungshaus Schönstatt am Kahlenberg
Öffnungszeiten: täglich von 07:00 Uhr bis 18:00 Uhr geöffnet.
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Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Außenansicht:

Gnadenkapelle Schönstattkapelle Kahlenberg, Außenansicht

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Innenansicht: Die im Jahr 1982 eingeweihte Kapelle am Kahlenberg ist baugleich wie etwa weltweit 200 weitere Kapellen der Schönstatt-Bewegung, die hier ein Veranstaltungszentrum betreibt.

Gnadenkapelle Schönstattkapelle Kahlenberg, Innenansicht

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Gnadenbild: Das Gnadenbild der Gnadenkapelle am Kahlenberg nach Luigi Crosio, Altarbild Zuflucht der Sünder. Die Gnadenmutter von Schönstatt wird auch unter dem Titel "Dreimal Wunderbare Mutter, Königin und Siegerin von Schönstatt" verehrt.

Gnadenkapelle Schönstattkapelle Kahlenberg, Gnadenbild

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ausführliche Beschreibung

Das Schönstattheiligtum auf der Sulzwiese am Kahlenberg gehört zu den jüngsten marianischen Wallfahrtsstätten Wiens und unterscheidet sich in Entstehung, Kultform und religiösem Selbstverständnis grundlegend von älteren Gnadenorten wie Maria Hietzing, Mariabrunn oder Maria am Baum in Kaiserebersdorf. Die 1982 eingeweihte Kapelle entstand weder über einer Heilquelle noch an einem Ort einer überlieferten Marienerscheinung oder wunderbaren Bildauffindung, sondern wurde als bewusste Nachbildung des Schönstätter Urheiligtums bei Vallendar am Rhein errichtet. Dennoch ist ihre Einordnung als Wallfahrtsstätte gerechtfertigt, weil das Heiligtum von der Schönstattbewegung ausdrücklich als Gnadenort verstanden wird und tatsächlich Ziel organisierter Fuß-, Männer-, Familien- und Gruppenwallfahrten ist.

Im Mittelpunkt steht das Schönstätter Marienbild, die sogenannte Dreimal Wunderbare Mutter, Königin und Siegerin von Schönstatt. Auch dieses Bild ist keine örtliche Wiener Besonderheit, sondern Teil eines weltweit verbreiteten Kultsystems, in dem nicht nur ein bestimmter Marienbildtypus, sondern sogar die Architektur des ursprünglichen Heiligtums immer wieder nachgebildet wird. Gerade diese bewusste Reproduzierbarkeit von Kultbild und Sakralraum macht das Wiener Schönstattheiligtum religionsgeschichtlich und volkskundlich besonders interessant.

Schönstatt am Kahlenberg

Die Schönstattbewegung war bereits seit der Mitte des 20. Jahrhunderts in Österreich tätig. Schönstätter Marienschwestern wirkten seit 1957 im Land, während innerhalb der Bewegung über längere Zeit der Wunsch nach einem eigenen österreichischen Heiligtum bestand. Anfang der 1980er Jahre konnte schließlich auf der Sulzwiese am Kahlenberg ein geeigneter Standort übernommen werden.

Im Juni 1982 wurde der Grundstein der Kapelle gelegt; am 31. Oktober 1982 erfolgte ihre Einweihung. Das Schönstattzentrum befindet sich heute an der Sulzwiese 1 im 19. Wiener Gemeindebezirk und bildet einen wichtigen Mittelpunkt der österreichischen Schönstattbewegung.

Mit der Wahl des Kahlenberges erhielt das Heiligtum zugleich einen landschaftlich und historisch markanten Standort oberhalb Wiens. Seine eigentliche religiöse Bedeutung leitet sich allerdings nicht aus einer älteren sakralen Tradition der Sulzwiese ab, sondern aus der Übertragung des in Schönstatt bei Vallendar entwickelten Heiligtumskonzeptes nach Wien.

Das Schönstätter Urheiligtum

Der Ursprung der Bewegung liegt in Schönstatt bei Vallendar am Rhein. Dort wirkte der Pallottinerpater Josef Kentenich, der am 18. Oktober 1914 gemeinsam mit Mitgliedern einer Marianischen Kongregation in einer kleinen ehemaligen Friedhofskapelle einen religiösen Bund mit Maria begründete, der innerhalb der Schönstattbewegung später als "Liebesbündnis" bezeichnet wurde.

Die kleine Kapelle wurde zum geistlichen Mittelpunkt der entstehenden Bewegung und erhielt nachträglich die Bezeichnung "Urheiligtum". Aus diesem zunächst lokalen Andachtsort entwickelte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts ein internationales System von Schönstattzentren.

Eine Besonderheit dieser Entwicklung besteht darin, dass die neuen Heiligtümer das Urheiligtum nicht nur ideell zum Vorbild nehmen. Die kleine Kapelle wird in ihren wesentlichen architektonischen Formen bewusst nachgebaut. In zahlreichen Ländern entstanden dadurch äußerlich auffallend ähnliche Schönstattkapellen, die jeweils als selbständige örtliche Heiligtümer verstanden werden.

Das Wiener Heiligtum auf dem Kahlenberg gehört in dieses Netzwerk.

Ein reproduzierbarer heiliger Raum

Für die traditionelle Wallfahrtsforschung ist diese bewusste Wiederholung eines Sakralraumes bemerkenswert. Bei vielen älteren Wallfahrtsorten ist die Heiligkeit untrennbar mit einem bestimmten geographischen Platz verbunden. Der Brunnen von Mariabrunn, der Baum der Hietzinger Rettungslegende oder der Bildbaum von Kaiserebersdorf können nicht beliebig an einen anderen Ort übertragen werden, ohne einen wesentlichen Bestandteil ihrer jeweiligen Kultgeschichte zu verlieren.

Schönstatt beruht dagegen auf einem anderen Prinzip. Das Urheiligtum dient als religiöse Grundform, die an zahlreichen Orten reproduziert werden kann. Jede Nachbildung soll dennoch nicht lediglich ein Erinnerungsbau an das rheinische Original sein, sondern innerhalb der Spiritualität der Bewegung selbst zu einem örtlichen Gnadenort werden.

Damit wird gewissermaßen nicht nur ein Kultbild, sondern eine ganze Sakraltopographie vervielfältigt.

Diese Form der Kultübertragung gehört zu den charakteristischen Möglichkeiten moderner internationaler katholischer Bewegungen, deren religiöse Netzwerke nicht mehr primär durch örtlich einzigartige Mirakel, sondern durch gemeinsame Symbole, Rituale und Organisationsformen zusammengehalten werden.

Das Marienbild

Auch das heute nahezu untrennbar mit Schönstatt verbundene Marienbild stand bei der Gründung von 1914 noch nicht im Urheiligtum. Erst am 2. April 1915 wurde eine Reproduktion eines Gemäldes des italienischen Malers Luigi Crosio in der Kapelle aufgestellt.

Crosio hatte das Bild ursprünglich unter dem Titel "Refugium Peccatorum" – "Zuflucht der Sünder" geschaffen. Es war damit weder eigens für Schönstatt gemalt worden noch besaß es zunächst den später berühmt gewordenen Kulttitel.

Die eigene Überlieferung der Schönstattbewegung bewahrt sogar die Erinnerung daran, dass die jungen Männer von dem Bild zunächst keineswegs begeistert waren. Da jedoch kein Geld für eine andere Darstellung vorhanden war und man das erhaltene Geschenk verwenden wollte, wurde es schließlich in der Kapelle angebracht.

Gerade dieser unspektakuläre Anfang ist für die spätere Kultgeschichte bemerkenswert. Ein zunächst aus pragmatischen Gründen angenommenes religiöses Bild wurde innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem international reproduzierten Erkennungszeichen einer katholischen Bewegung.

Die Dreimal Wunderbare Mutter

Der heute gebräuchliche Titel des Bildes entstand erst innerhalb Schönstatts. Die Bezeichnung Mater ter admirabilis, "Dreimal Wunderbare Mutter", wurde aus der älteren Tradition einer Marianischen Kongregation in Ingolstadt übernommen und ist in Schönstatt bereits 1915 nachweisbar.

Später entwickelte sich daraus die vollständige Bezeichnung:

Dreimal Wunderbare Mutter, Königin und Siegerin von Schönstatt.

Damit vollzog sich ein für Gnadenbildkulte charakteristischer Bedeutungswandel. Ein bereits vorhandenes Kunstwerk wurde aus seinem ursprünglichen Zusammenhang herausgelöst, erhielt einen neuen Namen und wurde zum Mittelpunkt einer neuen religiösen Tradition.

Es wäre daher historisch ungenau, Luigi Crosio als Maler eines "Schönstätter Gnadenbildes" zu bezeichnen. Sein Gemälde wurde vielmehr nachträglich zum Schönstätter Gnadenbild, nachdem es in das religiöse System der Bewegung aufgenommen worden war.

Das Wiener Gnadenbild

Auch die Marienabbildung des Wiener Heiligtums ist wiederum eine Reproduktion des Schönstätter Bildes. Eine materielle Einzigartigkeit des Kultgegenstandes, wie sie bei manchen historischen Gnadenbildern von besonderer Bedeutung ist, spielt hier kaum eine Rolle.

Die religiöse Identität entsteht gerade durch die Wiederholung.

Der Besucher begegnet in Wien einem Bild, das er in sehr ähnlicher Form auch in Schönstattheiligtümern anderer Länder finden kann. Gleiches gilt für wesentliche Elemente der Kapellenausstattung und der Architektur.

Aus volkskundlicher Sicht bildet Schönstatt damit eine besonders konsequente Form des modernen Kulttransfers. Während bei vielen Wallfahrtsstätten lediglich Kopien eines berühmten Gnadenbildes verbreitet werden, werden hier Bild, Raum und zentrale Rituale gemeinsam reproduziert.

Wallfahrt ohne örtliches Mirakel

Am Kahlenberg ist bislang keine örtliche Mirakeltradition bekannt, die mit jenen historischen Erhörungsbüchern, Heilungsberichten oder Votivbeständen älterer Wallfahrtsorte vergleichbar wäre. Ebenso fehlt eine Gründungslegende, nach der Maria gerade an diesem Platz erschienen oder ein Gnadenbild auf wunderbare Weise gefunden worden wäre.

Das unterscheidet das Schönstattheiligtum deutlich von traditionellen Gnadenstätten.

Innerhalb der Schönstattbewegung wird die besondere religiöse Qualität eines Heiligtums vielmehr mit geistlichen Erfahrungen verbunden, die als sogenannte Wallfahrtsgnaden bezeichnet werden. Genannt werden insbesondere die Gnade der Beheimatung, die Gnade der inneren Wandlung und die Gnade apostolischer Fruchtbarkeit.

Der Begriff der Gnade wird damit weniger auf spektakuläre körperliche Heilungen oder äußerlich erkennbare Wunder bezogen als auf eine innere religiöse Veränderung des Menschen.

Der moderne Wallfahrtsort erscheint dadurch stärker als spiritueller Transformationsraum denn als klassischer Mirakelort.

Das Liebesbündnis

Im Mittelpunkt der Schönstattspiritualität steht das sogenannte Liebesbündnis mit Maria, dessen Ursprung auf den 18. Oktober 1914 zurückgeführt wird. Der Bund wird als gegenseitige religiöse Beziehung verstanden, in welcher sich der Mensch Maria anvertraut und zugleich bereit erklärt, das eigene Leben bewusst christlich zu gestalten.

Dieses Liebesbündnis prägt auch die religiöse Funktion des Wiener Heiligtums. Der Besuch der Kapelle dient nicht nur der Bitte um bestimmte Hilfen, sondern soll den einzelnen Menschen in eine dauerhafte geistliche Bindung einführen oder diese erneuern.

Damit unterscheidet sich die religiöse Praxis von älteren Wallfahrten, bei denen ein konkretes Anliegen – Heilung einer Krankheit, glückliche Geburt, Schutz vor Unwetter oder Hilfe bei wirtschaftlicher Not – häufig im Vordergrund stand.

Die Anliegen des einzelnen Pilgers spielen auch in Schönstatt eine Rolle, werden jedoch stärker in ein umfassendes geistliches Programm eingeordnet.

Der Bündnistag am 18. des Monats

Das historische Datum des 18. Oktober 1914 wird innerhalb der Schönstattbewegung durch einen monatlich wiederkehrenden Bündnistag am 18. gegenwärtig gehalten.

Auch im Wiener Schönstattzentrum ist dieser Tag durch besondere Gebets- und Gottesdienstformen ausgezeichnet. Messe, eucharistische Anbetung und Bündnisfeier erneuern in regelmäßigen Abständen die Verbindung mit dem Gründungsereignis der Bewegung.

Damit besitzt das Heiligtum einen festen kultischen Monatsrhythmus.

Solche monatlichen Wiederholungen begegnen auch an anderen modernen Wiener Wallfahrtsorten, etwa bei der Mutter vom Guten Rat oder bei der Mutter von der Immerwährenden Hilfe. Sie ermöglichen eine regelmäßige religiöse Bindung an den Gnadenort, ohne dass eine einmal jährlich stattfindende Großwallfahrt im traditionellen Sinn erforderlich ist.

Der Krug und das "Gnadenkapital"

Einer der volkskundlich interessantesten Bräuche Schönstatts ist mit einem einfachen Krug im Heiligtum verbunden.

Seine religiöse Deutung nimmt Bezug auf die Hochzeit zu Kana, bei der die Diener auf Jesu Anweisung hin zunächst Wasser in die Krüge füllen, bevor dieses zu Wein wird. Innerhalb der Schönstattspiritualität soll der Mensch entsprechend sein eigenes "Wasser" beitragen: Gebete, bewusste Verzichte, überwundene Schwierigkeiten, Vorsätze, Dienste an anderen Menschen oder andere persönliche Bemühungen.

Diese Beiträge werden als Gnadenkapital bezeichnet.

Der Mensch erwartet die Gnade somit nicht ausschließlich passiv. Er soll durch eigenes religiöses Bemühen einen Beitrag leisten, der symbolisch der Gottesmutter zur Verfügung gestellt wird.

Der Krug macht diese im Grunde abstrakte Vorstellung materiell sichtbar.

Kruggaben als moderne religiöse Sachkultur

Besonders interessant ist, dass die sogenannte Krugpraxis gerade im österreichischen Schönstattmilieu eine wichtige Entwicklung erfahren haben soll und sich später in weiteren Zentren verbreitete. Persönliche Beiträge und Anliegen können schriftlich festgehalten und symbolisch in den Krug eingebracht werden.

Der Brauch erinnert strukturell an ältere Formen der Votivkultur, ohne mit ihnen identisch zu sein.

Ein traditionelles Votivbild oder ein aus Wachs geformter Körperteil verweist häufig auf eine konkrete Bitte oder bereits erfahrene Hilfe. Die Schönstätter Kruggabe materialisiert dagegen eher ein persönliches geistliches Bemühen oder eine bewusste Selbsthingabe.

Dennoch liegt beiden Handlungen eine verwandte Grundstruktur zugrunde: Etwas Persönliches wird in symbolischer Form an einen religiös ausgezeichneten Ort gebracht und dort der höheren Macht beziehungsweise Fürsprache anvertraut.

Gerade deshalb ist der Krug für die historische Volkskunde besonders aufschlussreich. Er zeigt, wie ältere Grundformen materieller Frömmigkeit unter veränderten theologischen und gesellschaftlichen Bedingungen neue Gestalten annehmen können.

Wallfahrten zum Kahlenberg

Für den Wallfahrtscharakter des Wiener Schönstattheiligtums ist entscheidend, dass der Begriff "Wallfahrt" nicht nur innerhalb einer allgemeinen geistlichen Selbstdarstellung verwendet wird, sondern tatsächliche Pilgerbewegungen zum Kahlenberg nachweisbar sind.

Einzelne Pfarren und Schönstattgruppen veranstalten organisierte Wallfahrten zum Wiener Heiligtum. Dazu gehören Männerwallfahrten, Familienwallfahrten und andere Gruppenfahrten; teilweise werden längere Strecken zu Fuß zurückgelegt.

Der Kahlenberg wird damit gezielt aufgesucht, weil sich dort das Schönstattheiligtum befindet.

Gerade dies unterscheidet die Kapelle von einem gewöhnlichen Andachtsraum einer geistlichen Bewegung. Die Besucher kommen nicht ausschließlich zu Seminaren oder Treffen in das Schönstattzentrum, sondern nehmen den Weg zum Heiligtum selbst als religiöse Handlung wahr.

Pilgern in einer modernen Großstadtregion

Die Schönstattwallfahrt zeigt zugleich, wie stark sich Formen des Pilgerns seit dem 19. und 20. Jahrhundert verändert haben.

Nicht jede Wallfahrt besteht heute aus einer großen, weithin sichtbaren Prozession mit Kreuz, Fahnen, Musik und mehreren hundert Teilnehmern. Moderne Pilgergruppen können mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder Autobussen anreisen, einen Teil des Weges zu Fuß zurücklegen oder im kleineren Kreis zum Heiligtum kommen.

Die religiöse Qualität hängt daher nicht allein an der äußeren Form des Weges.

Entscheidend bleibt die bewusste Bewegung zu einem als besonders ausgezeichnet verstandenen religiösen Ziel.

Das Heiligtum als Gnadenort

Die österreichische Schönstattbewegung bezeichnet das Heiligtum auf dem Kahlenberg ausdrücklich als Gnadenort der Gottesmutter von Schönstatt; auch der Ausdruck Gnadenkapelle wird verwendet.

Solche Aussagen sind zunächst Aussagen des Glaubens und können nicht als historische oder naturwissenschaftliche Tatsachen behandelt werden. Für die volkskundliche und religionswissenschaftliche Betrachtung sind sie dennoch von zentraler Bedeutung, weil sie zeigen, wie die Gemeinschaft selbst den Ort interpretiert.

Ein Wallfahrtsort besteht schließlich nicht allein aus einem Gebäude. Er entsteht durch die religiöse Bedeutung, die Menschen einem Ort zuschreiben, und durch die Handlungen, mit denen sie diese Bedeutung regelmäßig bestätigen.

Franz Reinisch

Eine zusätzliche Erinnerungsschicht des Wiener Schönstattzentrums ist mit dem Pallottinerpater und Schönstattpriester Franz Reinisch verbunden, der während der nationalsozialistischen Herrschaft den Fahneneid auf Adolf Hitler verweigerte und 1942 hingerichtet wurde.

Im Schönstattzentrum werden persönliche Erinnerungsstücke an Reinisch bewahrt, darunter sein Primizkelch und eine Weihemedaille. Letztere war über längere Zeit verschollen und gelangte später wieder in den Schönstätter Zusammenhang zurück.

Diese Objekte begründen keinen eigenständigen Wallfahrtskult, erweitern jedoch die religiöse Erinnerungslandschaft des Zentrums. Das Heiligtum ist damit nicht ausschließlich Marienort, sondern zugleich Gedächtnisraum wichtiger Persönlichkeiten der Bewegung.

Eine moderne Form der Wallfahrtsentstehung

Die Entstehung des Schönstattheiligtums unterscheidet sich geradezu modellhaft von jener älterer Wallfahrtsorte.

Am Anfang steht kein spontanes Wunder, das Menschen zu einem bisher unbedeutenden Platz zieht. Vielmehr existiert bereits eine religiöse Bewegung mit festem theologischen Programm, einem gemeinsamen Gnadenbild, einem Urheiligtum und einer international verbreiteten Organisationsstruktur.

Diese Bewegung errichtet bewusst ein neues Heiligtum und lädt Menschen ein, dorthin zu pilgern.

Die Wallfahrt entsteht damit gewissermaßen institutionell geplant.

Das macht sie jedoch nicht zu einer bloßen künstlichen Nachahmung. Entscheidend ist, ob der angebotene Kultort von den Gläubigen tatsächlich angenommen und durch wiederkehrende religiöse Praxis mit Bedeutung erfüllt wird. Für den Kahlenberg ist genau dies durch Wallfahrten, Bündnistage, persönliche Besuche und andere Formen der Schönstattfrömmigkeit nachweisbar.

Kultkopie und Kultoriginal

Auch die Unterscheidung zwischen Original und Kopie erhält innerhalb Schönstatts eine andere Bedeutung als bei vielen traditionellen Gnadenbildern.

Das Urheiligtum in Vallendar besitzt selbstverständlich einen besonderen historischen Rang, weil dort die Bewegung 1914 entstand. Dennoch sollen die später errichteten Heiligtümer nicht lediglich dessen minderwertige Kopien sein, sondern eigenständige Gnadenorte.

Damit wird die traditionelle Hierarchie zwischen einem einzigartigen "Originalheiligtum" und bloßen Erinnerungsnachbildungen teilweise aufgehoben.

Das Wiener Heiligtum leitet seine Legitimation zwar aus Schönstatt ab, entwickelt aber zugleich seine eigene örtliche Pilger- und Gemeinschaftsgeschichte.

Wallfahrt im Wandel

Das Wiener Schönstattheiligtum zeigt besonders deutlich, wie weit der Begriff Wallfahrt historisch wandelbar ist.

An älteren Orten stehen Mirakelbücher, Heilungen, Votivgaben und jährlich wiederkehrende Gelöbnisprozessionen im Mittelpunkt. Im modernen Schönstattheiligtum treten stärker innere Wandlung, persönliche Bindung, Gemeinschaftsbildung und apostolisches Engagement hervor.

Auch die materielle Frömmigkeit verändert sich. An die Stelle silberner Herzen oder nachgebildeter Körperteile können schriftliche Kruggaben treten; an die Stelle einer örtlich einzigartigen Gnadenbildlegende tritt die weltweite Verbindung gleichartiger Heiligtümer.

Die grundlegende Struktur bleibt dennoch erkennbar: Menschen verlassen ihren Alltag, suchen bewusst einen religiös ausgezeichneten Ort auf, bringen Anliegen und persönliche Verpflichtungen mit und erwarten von diesem Aufenthalt geistliche Hilfe beziehungsweise Veränderung.

Volkskundliche Bedeutung

Aus volkskundlicher Sicht ist das Schönstattheiligtum gerade wegen seiner Jugend von besonderem Interesse. Es dokumentiert nicht das Aussterben traditioneller Wallfahrtskultur, sondern deren Transformation.

Mehrere alte Grundelemente bleiben erhalten: ein Gnadenbild, ein besonderer Sakralraum, regelmäßige Wallfahrten, persönliche Anliegen, symbolische Gaben und ein fester religiöser Jahres- beziehungsweise Monatsrhythmus.

Ihre konkrete Ausgestaltung hat sich jedoch verändert.

Die Marienstatue oder das historisch einzigartige Gemälde wird durch ein reproduzierbares Kultbild ersetzt, das örtliche Mirakel durch die Vorstellung geistlicher Wallfahrtsgnaden, der traditionelle Votivgegenstand durch Kruggaben und das einmalige lokale Heiligtum durch ein internationales Netzwerk gleichartig gestalteter Gnadenorte.

Schönstatt bietet damit ein anschauliches Beispiel dafür, dass Wallfahrt keine ausschließlich vormoderne Religionsform ist. Sie kann sich den Organisations- und Kommunikationsformen des 20. und 21. Jahrhunderts anpassen und dennoch wesentliche Strukturen älterer Pilgerfrömmigkeit bewahren.

Heutiger Wallfahrtsstatus

Das Schönstattheiligtum am Kahlenberg ist ein gegenwärtig genutzter marianischer Gnaden- und Wallfahrtsort. Die Kapelle wird von der Schönstattbewegung ausdrücklich als Heiligtum und Gnadenort verstanden, während organisierte Pilgergruppen aus Wien und anderen Teilen Österreichs den Ort gezielt aufsuchen.

Der Wallfahrtscharakter beruht somit nicht lediglich auf einer internen theologischen Bezeichnung, sondern auf tatsächlicher Pilgerpraxis.

Eine historische Wallfahrt im Sinn einer jahrhundertealten örtlichen Mirakeltradition besteht naturgemäß nicht. Die Kapelle wurde erst 1982 eingeweiht. Ihr Status ist deshalb am treffendsten als moderne, lebendige Schönstattwallfahrt zu charakterisieren.

Literatur und Quellen

- Dokumentationen der Schönstattbewegung Österreich zur Geschichte des Schönstattheiligtums am Kahlenberg und zur österreichischen Wallfahrtstradition.

- Schönstattzentrum Wien: Dokumentationen zur Einweihung des Heiligtums, zum Liebesbündnis, zum Bündnistag und zu den Wallfahrtsgnaden.

- Internationale Schönstattbewegung: Darstellungen zur Geschichte des Urheiligtums in Vallendar, zur Entstehung des Marienbildes und zur weltweiten Verbreitung der Schönstattheiligtümer.

- Dokumentationen zur Geschichte des Gemäldes Refugium Peccatorum von Luigi Crosio und seiner Übernahme als Bild der Dreimal Wunderbaren Mutter von Schönstatt.

- Schönstätter Veröffentlichungen zum Brauch des Kruges und zum sogenannten Gnadenkapital sowie zu den österreichischen Ursprüngen dieser besonderen Form symbolischer religiöser Gabe.

- Dokumentationen des Schönstattzentrums Wien zu Franz Reinisch und den am Kahlenberg bewahrten Erinnerungsstücken.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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