Wien, Franziskanerkirche – Gnadenstatue Maria mit der Axt (Maria Grünberg)

Schnellüberblick
Wallfahrt:Wien, Franziskanerkirche – Gnadenstatue Maria mit der Axt (Maria Grünberg)
Status:Historische Wallfahrt zum Gnadenbild; heute weitgehend erloschen beziehungsweise stark zurückgetreten.
Kultzentrum:Die Gnadenstatue Maria mit der Axt, auch Maria Grünberg genannt.
Ort:Wien
Bezirk:1. Bezirk (Innere Stadt)
Bundesland:Wien
Lage und Besuch
Lage: Franziskaner Platz 4, 1010 Wien.
Die Franziskanerkirche St. Hieronymus liegt am Franziskanerplatz in der Wiener Innenstadt. Die Gnadenstatue Maria Grünberg befindet sich im Zentrum des Hochaltars über dem Tabernakel.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Wien
Ansicht in Street View
Web: Franziskaner Wien
Öffnungszeiten: zu den üblichen Kirchenöffnungszeiten.
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Ausführliche Beschreibung

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Außenansicht:

Franziskanerkirche, Wien

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

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Franziskanerkirche, Wien

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Hochaltar:

Franziskanerkirche, Wien, Hochaltar

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Gnadenstatue:

Franziskanerkirche, Wien, Gnadenstatue Maria mit der Axt

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Ausführliche Beschreibung

Die Wiener Franziskanerkirche St. Hieronymus am Franziskanerplatz beherbergt mit der sogenannten "Maria mit der Axt", auch "Maria Grünberg" genannt, eines der bemerkenswertesten historischen Mariengnadenbilder Wiens. Der heute weitgehend zurückgetretene Kult um die spätgotische Muttergottesstatue entfaltete besonders im 17. und 18. Jahrhundert eine außerordentliche Intensität. Mirakelbücher, zahlreiche Votivgaben, Prozessionen in Zeiten der Pest, Berührungsdevotionalien, Gebete um Heilung, Schutz vor Feuer und militärische Hilfe sowie eine umfangreiche gegenreformatorische Legendenbildung machten die Franziskanerkirche zu einer bedeutenden innerstädtischen Gnadenstätte.

Die besondere volkskundliche Bedeutung des Kultes liegt dabei weniger in einem einzelnen historischen Wunder als in der ungewöhnlichen Vielfalt der religiösen Praktiken, die sich um das Bild entwickelten. Maria Grünberg wurde bei Krankheit und Geburt angerufen, sollte Gefangene befreien, vor Feuer schützen, Pest und Seuchen abwehren und österreichischen Heeren zum Sieg verhelfen. Die Gläubigen opferten Wachs in Gestalt kranker Körperteile, Votivbilder, Silber, Schmuck und Kleidungsstücke; sogar lebende Tiere sind einmal als Opfergabe belegt. Kleine am Gnadenbild berührte Andachtsbilder wurden auf erkrankte Körperstellen gelegt oder bei Brandgefahr ins Feuer geworfen. Damit gehört der Kult zu den besonders reich dokumentierten Beispielen barocker Volksfrömmigkeit in Wien.

Die Franziskanerkirche

Die Franziskaner erhielten 1589 das ehemalige Kloster der Büßerinnen beziehungsweise Hieronymiten in der Wiener Innenstadt. Am 14. August 1603 wurde der Grundstein für die heutige Kirche gelegt; am 8. Dezember 1607 konnten die Franziskaner feierlich in den noch nicht vollständig vollendeten Neubau einziehen.

Die Kirche besitzt eine für Wien ungewöhnliche Erscheinung. Während die Fassade noch stark spätgotisch beziehungsweise renaissancezeitlich geprägt ist, wurde der Innenraum im Laufe des 17. und frühen 18. Jahrhunderts barock ausgestaltet. Den beherrschenden Mittelpunkt bildet der 1706/1707 nach einem Entwurf des Jesuiten Andrea Pozzo geschaffene Hochaltar. Über dem Tabernakel steht die wesentlich ältere Gnadenstatue Maria Grünberg.

Gerade dieser Kontrast ist charakteristisch für die Geschichte des Kultes: Eine vergleichsweise kleine spätgotische Holzfigur wurde im frühen 18. Jahrhundert in eine monumentale barocke Altararchitektur eingebunden und dadurch sichtbar zum religiösen Mittelpunkt des Kirchenraumes erhoben.

Maria Grünberg – die Gnadenstatue

Bei der Gnadenstatue handelt es sich um eine spätgotische, aus Lindenholz geschnitzte Madonna mit dem Jesuskind, die kunsthistorisch etwa um 1500 datiert wird. Sie ist damit deutlich älter als die Wiener Franziskanerkirche.

Die Bezeichnung "Maria Grünberg" verweist auf die angebliche Herkunft des Bildes aus Grünberg, dem heutigen Zelená Hora bei Nepomuk in Böhmen. Wann und unter welchen Umständen die Statue tatsächlich dorthin gelangte beziehungsweise von dort nach Wien kam, lässt sich nicht in allen Einzelheiten sicher rekonstruieren. Bereits im frühen 17. Jahrhundert entwickelte sich jedoch eine umfangreiche Kultlegende, welche die Geschichte der Statue weit in das Mittelalter zurückverlegte.

Besonders auffällig ist die kleine Axt beziehungsweise Hacke, die an der Schulter der Madonna angebracht ist und dem Bild seinen volkstümlichen Namen "Maria mit der Axt" gab. Sie erinnert an die zentrale Legende des Kultes, nach der protestantische Bilderstürmer versucht hätten, die Statue zu vernichten.

Die Nepomuk-Legende

Nach der älteren Kultüberlieferung soll das Bild bereits im 14. Jahrhundert in der Gegend von Nepomuk verehrt worden sein. Ein kinderloses Ehepaar habe vor ihm um Nachwuchs gebetet und daraufhin einen Sohn erhalten, der später niemand anderer als der heilige Johannes von Nepomuk geworden sei. Als das Kind schwer erkrankte, habe seine Mutter erneut vor der Madonna gebetet, worauf es genesen sei.

Aus historischer Sicht kann diese Erzählung nicht auf die heute in Wien erhaltene Statue bezogen werden. Johannes von Nepomuk lebte im 14. Jahrhundert, während das Gnadenbild kunsthistorisch erst um 1500 entstanden ist. Die Geschichte ist daher als nachträglich gebildete Kultlegende anzusehen.

Gerade darin liegt jedoch ihre volkskundliche Bedeutung. Durch die Verbindung der Statue mit einem der populärsten böhmischen Heiligen wurde ihr Alter erhöht und ihre wundertätige Kraft gewissermaßen bis in die Zeit vor ihrer tatsächlichen Entstehung zurückgeführt. Die Legende verlieh dem Gnadenbild eine ehrwürdige Vorgeschichte und verankerte es gleichzeitig im böhmischen Herkunftsraum.

Maria mit der Axt – eine gegenreformatorische Bilderlegende

Die berühmteste Erzählung um die Statue berichtet von einem Angriff protestantischer Angehöriger der Familie Sternberg. In der Zeit der konfessionellen Auseinandersetzungen habe man versucht, das Marienbild zu vernichten.

Die Madonna sei zunächst ins Feuer geworfen worden, habe die Flammen jedoch unbeschädigt überstanden. Anschließend hätten die Bilderstürmer versucht, sie mit einer Axt zu zerschlagen. Auch dieser Angriff sei gescheitert; lediglich an der Schulter habe die Statue eine Verletzung davongetragen. Zur Erinnerung an den Anschlag wurde später eine kleine Axt an der Figur befestigt.

In den ausführlicheren Fassungen der Legende folgt auf den Bilderfrevel eine Serie göttlicher Strafgerichte. Die Täter verlieren ihre körperlichen Kräfte oder ihren Verstand, sterben eines gewaltsamen Todes oder geraten in familiäre Katastrophen. Das unverletzte Marienbild steht den vernichteten Frevlern gegenüber.

Die Erzählung gehört damit eindeutig in den konfessionellen Bilderkampf der Gegenreformation. Ihre Botschaft ist unmissverständlich: Die von Protestanten angegriffene katholische Marienverehrung erweist sich als unzerstörbar, während sich der Frevel gegen das heilige Bild gegen die Täter selbst richtet. Edmund Frieß und Gustav Gugitz charakterisierten den Kult deshalb ausdrücklich als "gegenreformatorischen Bilderkult".

Die an der Statue sichtbare Axt wurde zum materiellen Beweiszeichen dieser Erzählung. Sie machte die Legende unmittelbar anschaulich und verwandelte die Madonna selbst in einen dauerhaften Erinnerungsgegenstand konfessioneller Auseinandersetzung.

Vom Bilderwunder zum militärischen Schutzbild

Eine weitere Überlieferung erzählt, Ladislaus von Sternberg habe die Madonna auf einen Feldzug gegen die Osmanen mitgenommen. Ein militärischer Erfolg im September 1603 sei ihrem Beistand zugeschrieben worden.

Später habe Sternberg die Statue im Spiel an einen Obersten Turnovsky verloren. Auch die Überführung nach Wien wurde mit einem Wunder ausgeschmückt: Während des Transportes sei ein krankes beziehungsweise lahmes Pferd durch die Nähe des Bildes wieder gesund geworden. Da Turnovskys protestantische Ehefrau die katholische Statue nicht im Haus haben wollte, sei sie schließlich den Wiener Franziskanern übergeben worden.

In Wien entwickelte sich die Madonna dadurch nicht nur zum persönlichen Gnadenbild, sondern zunehmend auch zum militärischen Schutzbild. Die Vorstellung einer wunderbaren Hilfe im Kampf gegen die Osmanen verband sich später mit der Unterstützung der katholischen Habsburger in ihren Auseinandersetzungen mit protestantischen Gegnern.

Noch im 18. Jahrhundert wurde Maria Grünberg als Schutzbild österreichischer Heere verehrt. Mitglieder des Kaiserhauses suchten die Franziskanerkirche auf, um vor der Madonna um militärischen Erfolg zu bitten. Besonders während des Siebenjährigen Krieges wurde der Kult erneut politisch aufgeladen. Auch der österreichische Sieg über Preußen bei Kolin am 18. Juni 1757 wurde in der religiösen Deutung mit der Fürsprache Maria Grünbergs verbunden.

Damit begegnet bei Maria mit der Axt ein für die frühneuzeitliche Frömmigkeit charakteristisches Phänomen: Ein ursprünglich lokal verehrtes Gnadenbild erhält schrittweise eine politische und dynastische Bedeutung und wird zum Palladium eines Herrscherhauses beziehungsweise seiner Armeen.

Der Wiener Gnadenkult

Unabhängig von den legendären Herkunftserzählungen ist die intensive Verehrung der Statue in Wien ausgezeichnet belegt. Die Franziskaner führten Mirakelbücher, in denen Gebetserhörungen und wunderbare Hilfeleistungen gesammelt wurden.

Ein handschriftliches Mirakelbuch für die Jahre 1628 bis 1648 verzeichnet nicht weniger als 308 Wunderberichte. Ein späteres, 1740 gedrucktes Mirakelbuch enthält weitere 227 Mirakel. Solche Sammlungen waren nicht lediglich interne Aufzeichnungen, sondern dienten zugleich der Verbreitung des Kultes. Die gedruckten Berichte ermöglichten es, die wundertätige Kraft des Bildes über den unmittelbaren Kreis der Kirchenbesucher hinaus bekanntzumachen.

Bemerkenswert ist, dass dieser Kult offenbar nicht von Beginn an uneingeschränkte Unterstützung der kirchlichen Obrigkeit fand. Nach einem frühen Bericht über die wunderbare Heilung einer erblindeten Frau soll Kardinal Melchior Khlesl die Franziskaner ermahnt und ihnen untersagt haben, die Statue ohne entsprechende kirchliche Prüfung als Gnadenbild auszugeben. Die Mirakelsammlung wurde dennoch fortgeführt.

Darin zeigt sich, dass die Entstehung eines Gnadenkultes keineswegs immer von oben gesteuert wurde. Häufig entwickelte sich die Verehrung zunächst durch Berichte der Bevölkerung und religiöse Praxis, während kirchliche Behörden versuchten, Wunderbehauptungen zu prüfen und den Kult zu kontrollieren.

Pestprozessionen

In Zeiten großer epidemischer Bedrohung trat die öffentliche Schutzfunktion Maria Grünbergs besonders deutlich hervor.

Während der schweren Wiener Pest von 1679 wurde die Statue in einer feierlichen Prozession durch die Stadt bis zur Säule Am Hof getragen. Auch während der Pest von 1713 verließ das Gnadenbild die Franziskanerkirche. Man trug es zur Dreifaltigkeitssäule auf dem Graben und stellte es dort den ganzen Tag öffentlich zur Verehrung auf.

Solche Prozessionen hatten eine über die private Andacht hinausgehende Bedeutung. Das Gnadenbild wurde aus seinem Kirchenraum herausgenommen und durch beziehungsweise in die bedrohte Stadt getragen. Der religiöse Schutz sollte nicht nur einzelnen Menschen, sondern dem gesamten Gemeinwesen gelten.

Der Weg des Bildes durch die Straßen verwandelte den städtischen Raum vorübergehend in einen sakralen Prozessionsraum. Maria Grünberg wurde gleichsam zum mobilen Heiligtum, dessen Gegenwart Pest und Krankheit von Wien fernhalten sollte.

Maria mit der Axt als Schutz vor Feuer

Zu den eigentümlichsten und volkskundlich besonders aufschlussreichen Funktionen der Gnadenstatue gehörte der Schutz vor Feuer.

Die Vorstellung lässt sich unmittelbar aus der Kultlegende ableiten. Weil die Madonna selbst den Flammen widerstanden haben sollte, schrieb man ihr die Fähigkeit zu, auch andere Menschen und Gebäude vor Feuer zu schützen. Die wunderbare Biographie des Gnadenbildes wurde damit nach dem Prinzip der Analogie in eine konkrete Schutzpraxis übertragen: Was selbst nicht verbrannt werden konnte, sollte auch anderes vor dem Verbrennen bewahren.

Dazu wurden kleine Andachtsbilder der Madonna verwendet. Solche Bildchen wurden am Gnadenbild berührt und erhielten dadurch nach der Vorstellung der Gläubigen Anteil an seiner Schutz- und Heilkraft.

Bei Bränden beziehungsweise drohender Feuergefahr sollen diese Berührungsbilder sogar in brennende Häuser oder unmittelbar in die Flammen geworfen worden sein, um das Feuer zum Erlöschen zu bringen.

Besonders eindrucksvoll zeigt sich die Verbreitung dieser Vorstellung im Jahr 1743. Damals lagerten größere Mengen Schießpulver in Wien, wodurch sich die Angst vor einer Brand- und Explosionskatastrophe verstärkte. Von den Kanzeln wurde an die Schutzwirkung Maria Grünbergs erinnert. Nicht weniger als 10.000 Andachtsbildchen der Gnadenstatue wurden gedruckt und verteilt. Kardinal Sigismund von Kollonitsch ließ solche Schutzbilder auch in seinem Palais anbringen.

Damit wurde ein ursprünglich individueller Glaubensbrauch geradezu zu einer städtischen Schutzaktion.

Berührungsdevotionalien und Heilbrauch

Die kleinen Maria-Grünberg-Bilder dienten nicht nur zur Feuerabwehr. Sie wurden auch unmittelbar am menschlichen Körper verwendet.

Berührungsbilder, die zuvor mit dem Gnadenbild in Kontakt gebracht worden waren, legte man auf erkrankte Körperstellen. Für 1761 ist beispielsweise die Anwendung eines solchen Bildes auf einen kranken Fuß überliefert; die anschließende Genesung wurde der Fürsprache Maria Grünbergs zugeschrieben.

Besonders häufig wurde die Madonna bei Augenleiden, Kopfschmerzen und Schwierigkeiten bei Schwangerschaft und Geburt angerufen.

Diese Praktiken beruhen auf der Vorstellung einer übertragbaren Heiligkeit beziehungsweise Gnadenkraft. Durch die Berührung des Andachtsbildes mit der verehrten Statue wurde aus einer gewöhnlichen Druckgrafik eine sekundäre Devotionalie. Sie konnte anschließend nach Hause mitgenommen und unmittelbar auf einen kranken Körper gelegt werden.

Aus dem Kult um Maria Grünberg sind auch materielle Zeugnisse solcher Praktiken erhalten beziehungsweise dokumentiert. Das Österreichische Museum für Volkskunde verwahrte einen großen Kupferstich der Gnadenstatue mit einem eigenen Berührungssiegel. Solche Objekte zeigen, dass die von den Mirakelbüchern und volkskundlichen Quellen beschriebenen Bräuche nicht bloß literarische Überlieferungen waren, sondern tatsächlich in Form von Devotionalien verbreitet wurden.

Die Votivgaben

Einen besonders eindrucksvollen Einblick in Umfang und soziale Bedeutung des Kultes bietet das Votivwesen.

Die Wiener Franziskaner besaßen für die zahlreichen Opfergaben eine eigene Schatzkammer. Bei deren Auflösung im Zuge der josephinischen Reformen 1784 wurden Gold, Silber, Edelsteine und Perlen in außerordentlicher Menge erfasst. Insgesamt werden 11.966 einzelne Kostbarkeiten genannt. Der Verkauf der wertvollen Stücke brachte mehr als 25.000 Gulden ein.

Zur Ausstattung der Gnadenstatue gehörten außerdem 22 kostbare Gewänder. Acht davon blieben erhalten beziehungsweise wurden zur Herstellung liturgischer Paramente verwendet.

Für die volkskundliche Betrachtung noch wichtiger als diese kostbaren Stiftungen sind jedoch die einfachen Votive. Allein für die Jahre 1628 bis 1648 werden 176 Votivbilder genannt.

Daneben opferten die Gläubigen zahlreiche Wachsvotive in Gestalt menschlicher Körperteile. Überliefert sind Füße, Hände, Köpfe, Brüste, Zungen und Nasen sowie vollständige männliche und weibliche Figuren. Die Form des Votivs bezeichnete häufig unmittelbar den erkrankten oder gefährdeten Körperteil und machte dadurch das Anliegen des Bittstellers sichtbar.

Auch hölzerne Füße, Seidenstoffe und silberne Votivgaben sind belegt. Im Jahr 1775 wurden 422 Silbervotive auf vier pyramidenförmigen Gestellen neu angeordnet.

Unter den Silbervotiven befand sich offenbar auch eine sogenannte "Mutter", eine in der frühneuzeitlichen Votivkultur verbreitete krötenartige Darstellung, die mit Frauenleiden, Schwangerschaft, Fruchtbarkeit und Geburt in Zusammenhang gebracht wurde. Solche "Gebärmuttervotive" gehören zu den charakteristischsten, heute jedoch oft schwer verständlichen Formen der älteren Wallfahrtsfrömmigkeit.

Wachs nach dem Gewicht des Kranken

Eine besonders alte und eindrucksvolle Opferform war das sogenannte Gewichtsopfer.

Dabei wurde nicht lediglich eine beliebige Kerze gestiftet, sondern eine bestimmte Menge Wachs, deren Gewicht sich auf die hilfesuchende Person beziehen konnte. Für Maria Grünberg sind mehrere entsprechende Beispiele überliefert.

1631 wurden 30 Pfund Wachs gestiftet. Im folgenden Jahr wurde eine zwölf Pfund schwere Wachskerze geopfert. Mehrfach brachte man Wachs im Gewicht eines erkrankten Kindes dar.

Diese Praxis stellt eine symbolische Gleichsetzung zwischen Mensch und Opfergabe her. Das Gewicht des kranken Kindes wird durch dieselbe Menge Wachs vertreten und gleichsam vor Maria dargebracht. Solche Gewichtsopfer sind aus verschiedenen europäischen Wallfahrtsorten bekannt, gehören aber zu den besonders eindrucksvollen körperbezogenen Formen des Votivwesens.

Zwei lebende Turteltauben

Unter den zahlreichen Opfergaben fällt ein ungewöhnlicher Eintrag besonders auf.

Im Jahr 1631 wurden bei Kopfschmerzen zwei lebende Turteltauben geopfert. Gustav Gugitz bezeichnete dies als das einzige ihm bekannte Beispiel eines Lebendopfers bei Maria Grünberg.

Solche Tieropfer sind innerhalb des frühneuzeitlichen katholischen Votivwesens selten, aber keineswegs völlig unbekannt. Häufiger wurden Tiere als Sachspenden übergeben, anschließend verkauft und der Erlös dem Heiligtum zugeführt. Welche konkrete Praxis hinter den beiden Turteltauben der Franziskanerkirche stand, lässt sich nicht mehr eindeutig bestimmen.

Der Eintrag ist dennoch bemerkenswert, weil er zeigt, wie breit das Spektrum der als angemessen empfundenen Opferhandlungen sein konnte.

Hilfe für Gefangene

Auch bei Gefangenschaft und Befreiung wurde Maria Grünberg angerufen. Gugitz nennt 80 Gefangene, deren Befreiung der Fürsprache der Madonna zugeschrieben wurde.

Dieses Motiv fügt sich auffällig in die Gesamtüberlieferung der Statue ein. Das Bild selbst erscheint in seinen Legenden wiederholt als bedroht, angegriffen, verborgen und schließlich gerettet. Die Vorstellung der Befreiung wird damit gewissermaßen zu einem Teil seiner eigenen Kultbiographie und anschließend auf hilfesuchende Menschen übertragen.

Für Gefangene und deren Angehörige konnte das Gnadenbild zur Hoffnung auf eine Befreiung werden, die mit gewöhnlichen menschlichen Mitteln nicht mehr erreichbar schien.

Maria Grünberg außerhalb Wiens

Der Kult blieb nicht auf die Wiener Franziskanerkirche beschränkt. Ein bemerkenswertes Zeugnis seiner frühen Ausstrahlung befindet sich in der heutigen Wallfahrtskirche Maria Attersee in Oberösterreich.

Eine großformatige Bildtafel aus der Mitte des 17. Jahrhunderts erzählt dort in 24 Szenen die Legende von Maria mit der Axt. Die Stiftung wird mit Wolfgang Geislitzer von Wittweng, einem ehemaligen Pfleger der Herrschaft Kogl, und seiner Familie in Verbindung gebracht.

Die Bildfolge schildert die Geschichte der Madonna einschließlich ihrer Auseinandersetzung mit protestantischen Bilderstürmern. Eine Inschrift macht den gegenreformatorischen Zweck der Darstellung besonders deutlich: Die Geschichte sollte katholischen Gläubigen Trost bieten und zugleich Andersgläubigen beziehungsweise "uncatholischen Christen" zur Warnung und Belehrung dienen.

Die Atterseer Tafel ist deshalb ein wichtiger materieller Beleg dafür, dass die Wiener Kultlegende bereits im 17. Jahrhundert über die Stadt hinaus verbreitet und bewusst als konfessionelle Bilderzählung eingesetzt wurde.

Wallfahrt und heutige Bedeutung

Die Franziskanerkirche war im 17. und 18. Jahrhundert zweifellos eine bedeutende Wiener Gnadenstätte. Der Umfang der Mirakelaufzeichnungen, die außergewöhnlich große Zahl der Votivgaben, die Prozessionen während der Pest, gedruckte Andachtsbilder und Berührungsdevotionalien sowie Besuche des Kaiserhauses lassen an der historischen Bedeutung des Kultes keinen Zweifel.

Die Formen der Verehrung entsprachen allerdings nicht unbedingt einer Wallfahrt im ländlichen Sinn mit langen Fußwegen und großen Pilgerzügen. Maria Grünberg war vielmehr ein innerstädtisches Wallfahrts- und Gnadenheiligtum. Die Gläubigen kamen innerhalb der Stadt oder aus deren Umgebung zur Franziskanerkirche, um vor dem Bild zu beten, Opfergaben niederzulegen oder Heilung und Schutz zu erbitten.

Mit den kirchlichen Reformen des späten 18. Jahrhunderts gingen wesentliche äußere Formen dieses barocken Kultes verloren. Die Auflösung der Votivschatzkammer 1784 ist dafür besonders charakteristisch. In den folgenden Jahrhunderten trat die Verehrung Maria Grünbergs immer stärker hinter die allgemeine gottesdienstliche und seelsorgliche Bedeutung der Franziskanerkirche zurück.

Die Statue steht weiterhin an prominenter Stelle im Hochaltar, doch eine mit der Intensität des 17. und 18. Jahrhunderts vergleichbare organisierte Wallfahrt besteht nicht mehr. Die historische Wallfahrt kann daher heute als weitgehend erloschen beziehungsweise stark zurückgetreten gelten.

Volkskundliche Bedeutung

Maria mit der Axt gehört zu den volkskundlich ergiebigsten historischen Gnadenbildern Wiens.

Seine Kultgeschichte vereinigt fast exemplarisch wesentliche Elemente frühneuzeitlicher Frömmigkeit: Bilderwunder und Bilderfrevel, konfessionelle Propaganda, militärische Schutzvorstellungen, Pestprozessionen, Feuerabwehr, Heilungswunder, Mirakelbücher, Berührungsdevotionalien, Votivbilder, Wachs- und Silberopfer, Gewichtsopfer, Gebete um Hilfe bei Geburt und Krankheit sowie die Befreiung von Gefangenen.

Besonders kennzeichnend ist die Fähigkeit des Kultes, aus der eigenen Legende immer neue Schutzfunktionen abzuleiten. Weil die Madonna dem Feuer widerstanden haben sollte, schützte sie vor Feuer. Weil sie trotz der Axt nicht zerstört werden konnte, wurde sie zum Zeichen unüberwindlicher katholischer Glaubenskraft. Weil ihr militärische Siege zugeschrieben wurden, wurde sie zum Schutzbild der habsburgischen Heere. Weil Menschen von Heilungen berichteten, wurden Berührungsbilder zu volksmedizinisch verwendeten Devotionalien.

Die materielle Statue und ihre erzählte Geschichte sind deshalb kaum voneinander zu trennen. Die Legende erklärt nicht nur die auffällige Axt an der Schulter, sondern bestimmte über Jahrhunderte, wofür und auf welche Weise Maria Grünberg angerufen wurde.

Zugleich zeigt die Geschichte dieses Kultes die tiefgreifenden Veränderungen der katholischen Frömmigkeit seit dem 18. Jahrhundert. Eine Gnadenstätte, die einst Tausende Votive besaß und deren Andachtsbilder in einer Auflage von 10.000 Stück als Schutzmittel gegen Feuer verteilt wurden, kann heute in derselben Kirche nahezu unbeachtet bleiben. Gerade dieser Wandel macht Maria mit der Axt zu einem bedeutenden Zeugnis der historischen Volksfrömmigkeit Wiens.

Literatur und Quellen

- Edmund Frieß / Gustav Gugitz: "Zum gegenreformatorischen Bilderkult in Wien. Das Standbild Maria Grünberg oder Maria mit der Axt in der Franziskanerkirche". In: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien, Bd. 3/4, Wien 1942, S. 73–125.

- Gustav Gugitz: Die Sagen und Legenden der Stadt Wien. Wien 1952. S. 6 - 9.

- Hans Aurenhammer: Die Mariengnadenbilder Wiens und Niederösterreichs in der Barockzeit. Wien 1956.

- Franziskanerkonvent Wien: Geschichte der Franziskanerkirche und des Wiener Franziskanerklosters.

- Wien Geschichte Wiki: Maria mit der Axt.

- Österreichisches Museum für Volkskunde: Sammlungs- und Forschungsunterlagen zu Andachtsgrafik, Berührungsbildern und historischen Devotionalien.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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