Wien-Döbling – Pfarrkirche St. Judas Thaddäus in der Krim

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Wallfahrt:Wien-Döbling – Pfarrkirche St. Judas Thaddäus in der Krim
Status:Historische Wallfahrt; die organisierte Wallfahrt ist erloschen, private Pilger und die Judas-Thaddäus-Verehrung bestehen fort.
Kultzentrum:Die Judas-Thaddäus-Kapelle mit Votivtafeln und die Verehrung des Apostels als Helfer in schweren Anliegen.
Ort:Wien
Bezirk:19. Bezirk (Döbling)
Bundesland:Wien
Lage und Besuch
Lage: Pfarrkirche St. Judas Thaddäus – Gemeinde Krim, Pater-Zeininger-Platz 1, 1190 Wien (Pfarr- und Grätzlzentrum Friedα Krim).
Kircheneingang: Weinberggasse 37.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Wien
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Franz von Sales
Öffnungszeiten: täglich von 7.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.
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Ausführliche Beschreibung

Die Pfarrkirche St. Judas Thaddäus im Döblinger Bezirksteil Krim gehört zu den jüngeren Wallfahrtsstätten Wiens. Ihre Bedeutung entstand nicht aus einer älteren Gnadenbildlegende oder einem traditionellen Marienkult, sondern aus der im frühen 20. Jahrhundert stark zunehmenden Verehrung des Apostels Judas Thaddäus als Helfer in schweren, scheinbar aussichtslosen Lebenslagen. Bereits unmittelbar nach der Errichtung der Kirche entwickelte sich um die Judas-Thaddäus-Kapelle ein ausgeprägtes Votivwesen; eine volkskundliche Fachquelle bezeichnet die Kirche ausdrücklich als ein rasch entstandenes Wallfahrtsziel. Die organisierte Wallfahrt ist heute erloschen, private Pilger suchen die Kirche jedoch weiterhin auf.

Lage und Geschichte

Die Kirche steht im 19. Wiener Gemeindebezirk Döbling, in dem als "Krim" bezeichneten Gebiet zwischen Krottenbachstraße und Weinberggasse. Der heutige Kircheneingang befindet sich in der Weinberggasse 37, während Pfarrzentrum und Pfarrbüro die Adresse Pater-Zeininger-Platz 1 tragen. Seit 2016 bildet die Gemeinde Krim gemeinsam mit Glanzing und Kaasgraben die Pfarre Franz von Sales; St. Judas Thaddäus ist deren Pfarrkirche.

Die Entstehung der Kirche hängt mit dem starken Anwachsen des Siedlungsgebietes zusammen. Bereits seit den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts bemühten sich die Bewohner der Krim um ein eigenes Gotteshaus. Die Oblaten des heiligen Franz von Sales waren seit 1905 in der Gegend seelsorglich tätig und übernahmen 1930 offiziell die Seelsorge in der Krim. Nach mehreren provisorischen Gottesdienststätten erhielt der bedeutende Architekt Clemens Holzmeister den Auftrag zur Planung der Kirche. Am 11. Juli 1931 begannen die Bauarbeiten; nach einer für die damaligen Verhältnisse ungewöhnlich kurzen Bauzeit konnte Weihbischof Franz Kamprath die Kirche am 3. Juli 1932 konsekrieren. Bereits 1935 wurde St. Judas Thaddäus zur selbständigen Pfarre erhoben.

Der Zweite Weltkrieg hinterließ erhebliche Schäden. Am 10. September 1944 traf eine Bombe die Kirche und zerstörte große Teile des Gebäudes und der Ausstattung. Bemerkenswerterweise blieben die Judas-Thaddäus-Kapelle, ihr Altar und die dort bereits vorhandenen Votivtafeln weitgehend unversehrt. Die Kapelle konnte deshalb nach dem Angriff besonders rasch wieder für Gottesdienste verwendet werden.

Das starke Bevölkerungswachstum der Nachkriegszeit machte schließlich eine erhebliche Vergrößerung der Kirche notwendig. Von 1955 bis 1957 entstand nach Plänen von Anton Steflicek das heutige Hauptschiff mit Chorraum, während Holzmeisters ursprünglicher Kirchenraum zum Querschiff wurde. Der Erweiterungsbau wurde 1957 geweiht.

Kunstgeschichte

Die heutige Gestalt der Kirche verbindet damit zwei deutlich voneinander unterscheidbare Bauphasen. Vom ursprünglichen Bau Clemens Holzmeisters sind wesentliche Teile erhalten, während der große Kirchenraum seine Erscheinung vor allem der Erweiterung der 1950er Jahre verdankt.

Von besonderer Bedeutung ist das monumentale Altarwandbild des Tiroler Malers Hans Wulz aus dem Jahr 1957. Für die Gestaltung waren der Pfarrgemeinde mehrere Entwürfe vorgelegt worden, über die auch die Kirchenbesucher abstimmen konnten. Das schließlich ausgeführte spätexpressionistische Fresko stellt Judas Thaddäus in den Mittelpunkt einer größeren Gruppe von Heiligen und gilt als bedeutendes Beispiel österreichischer Sakralkunst der 1950er Jahre.

Für die Geschichte der Wallfahrt wesentlich wichtiger ist jedoch die Judas-Thaddäus-Kapelle. Dort befindet sich die bereits 1932 geschaffene Statue des Apostels von Hans Andre. Die Wände der Kapelle wurden im Laufe der Zeit mit zahlreichen Votiv- und Gedenktafeln bedeckt. Sie sind keine bloße dekorative Ausstattung, sondern unmittelbare Zeugnisse jener persönlichen Frömmigkeit, aus der die Bedeutung der Krim als Judas-Thaddäus-Wallfahrtsstätte hervorging. Die Pfarre selbst deutet diese Tafeln ausdrücklich als Zeichen erfolgter Gebetserhörungen.

Wallfahrt zum hl. Judas Thaddäus

Judas Thaddäus gehört zu jenen Heiligen, deren Verehrung in Mitteleuropa vergleichsweise spät eine größere volksreligiöse Bedeutung erlangte. Seit dem 18. und besonders seit dem 19. Jahrhundert wurde er zunehmend als Helfer in verzweifelten und scheinbar aussichtslosen Angelegenheiten angerufen. Gerade diese Funktion führte in städtischen Milieus des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts zu einer bemerkenswerten Ausbreitung seiner Verehrung. In Wien entwickelte sich unter anderem in der Kirche Am Hof ein bedeutender Judas-Thaddäus-Kult mit Andachten, Novenen und zahlreichen Votivtafeln.

In der Krim wurde Judas Thaddäus bewusst zum Kirchenpatron gewählt. Die junge Gemeinde verstand die Errichtung ihres Gotteshauses selbst als ein Unternehmen, bei dem man sich der besonderen Fürsprache des als Helfer in schwierigen Situationen verehrten Apostels anvertraute. Bereits im Jahr der Kirchweihe 1932 wurden in seiner Kapelle die ersten Votivtafeln angebracht. Damit setzte der Kult nicht erst nach längerer Zeit ein, sondern gehörte praktisch von Anfang an zur religiösen Identität der neuen Kirche.

Die Entwicklung überschritt bald den Rahmen einer gewöhnlichen Pfarrpatroziniumsverehrung. Die Volkskundlerin Helga Maria Wolf bezeichnet die Krimkirche ausdrücklich als Kirche, die sich rasch zu einem Wallfahrtsziel entwickelte. Zugleich wurde von der Krim aus der St.-Judas-Thaddäus-Bund ins Leben gerufen, eine über den engeren Pfarrbereich hinausreichende Gebetsgemeinschaft zu Ehren des Apostels. Der Bund bestand bereits vor dem Zweiten Weltkrieg und wurde während des Kirchenumbaus der 1950er Jahre erneut aktiviert. Seine Mitglieder verband die gemeinsame Anrufung des Heiligen; Gebete und Spenden dienten zugleich der Unterstützung der Kirche.

Damit besitzt St. Judas Thaddäus eine für Wien ungewöhnliche Form der Wallfahrtsgeschichte: Im Mittelpunkt steht nicht ein altes Gnadenbild mit Ursprungssage, sondern ein moderner Nothelferkult, dessen Entstehung durch Votivtafeln, Gebetsgemeinschaft und individuelle Berichte über Gebetserhörungen nahezu von seinen Anfängen an nachvollzogen werden kann.

Volkskunde und Votivwesen

Volkskundlich besonders aufschlussreich ist die Funktion des Judas Thaddäus als Helfer dort, wo menschliche Möglichkeiten als erschöpft empfunden werden. Die verbreitete Bezeichnung als Patron "aussichtsloser Fälle" verweist auf ein charakteristisches Element katholischer Volksfrömmigkeit: Bestimmten Heiligen wurden besondere Zuständigkeitsbereiche zugeschrieben, wodurch sie in konkreten Sorgen und Nöten zu bevorzugten Fürsprechern wurden.

Die Votivtafeln in der Krim dokumentieren dieses Verhältnis zwischen Bittsteller und Heiligem unmittelbar. Die Bitte um Hilfe, das Vertrauen auf die Fürsprache des Apostels und der nach einer als erhört empfundenen Bitte gestiftete Dank bildeten einen religiösen Handlungskreis, wie er für zahlreiche traditionelle Wallfahrtsorte kennzeichnend ist. Dass dieses Votivwesen in einer erst 1932 errichteten Wiener Vorstadtkirche entstand, macht die Krim zugleich zu einem bemerkenswerten Beispiel dafür, dass Wallfahrtskultur keineswegs ausschließlich einem ländlichen oder frühneuzeitlichen Milieu angehörte.

Die besondere Stellung der Thaddäuskapelle zeigte sich selbst nach dem Bombentreffer von 1944. Während große Teile der Kirche schwer verwüstet waren, blieben Altar und Votivtafeln der Kapelle erhalten; bereits wenige Stunden später wurde dort wieder ein religiöser Segen gehalten, und während der ersten Tage nach der Zerstörung diente die Kapelle erneut als Gottesdienstraum.

Heutige Wallfahrt

Die einstige organisierte Wallfahrt zur Judas-Thaddäus-Kirche besteht nicht mehr. Die organisierte Wallfahrt ist seit längerer Zeit erloschen, dennoch gibt es noch private Pilger. Zugleich besteht die Judas-Thaddäus-Verehrung in der Kirche fort: Die Kapelle mit ihren Votivtafeln wird bewahrt, die Pfarre erinnert weiterhin an die Rolle des Apostels als Fürsprecher in schwierigen Lebenssituationen und begeht sein Fest.

St. Judas Thaddäus in der Krim ist damit heute kein Wallfahrtszentrum mit regelmäßigen größeren Pilgergruppen mehr, wohl aber ein historisch eindeutig belegter Wiener Wallfahrtsort, an dem sich die ältere Kulttradition in der persönlichen Andacht einzelner Gläubiger fortsetzt.

Literatur und Quellen

- Helga Maria Wolf: "Judas Thaddäus, hl.", in: ABC zur Volkskunde Österreichs , Austria-Forum.

- Herbert Nikitsch: "Verortungen der Judas Thaddäus-Verehrung", in: Gottfried Korff (Hg.), Alliierte im Himmel. Populare Religiosität und Kriegserfahrung , Tübingen 2006, S. 223–262.

- Pfarre Franz von Sales, Gemeinde Krim: Geschichte der Krimkirche; Der hl. Judas Thaddäus und der St.-Judas-Thaddäus-Bund; Dokumentation zum Bombentreffer vom 10. September 1944.

- Erzdiözese Wien: St. Judas Thaddäus – Teilgemeinde Krim.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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