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Die weithin sichtbare Basilika Unserer Lieben Frau Mariä Heimsuchung auf dem Liebfrauenberg in Rankweil ist der bedeutendste Wallfahrtsort Vorarlbergs und gehört zu den traditionsreichsten religiösen Zentren des Landes. Die Kirche erhebt sich auf dem etwa 50 Meter über dem Ort aufragenden Liebfrauenberg und beherrscht mit ihrer befestigten Anlage das Ortsbild. Anders als bei vielen Wallfahrtskirchen konzentriert sich die Rankweiler Wallfahrt nicht auf ein einziges Gnadenbild: Bis heute werden drei eigenständige Wallfahrtsziele verehrt, das Mariengnadenbild in der Gnadenkapelle, das Silberne oder Wundertätige Kreuz im Hauptschiff und der Fridolinstein in der Fridolinskapelle. Gerade dieses Nebeneinander verschiedener Kultobjekte und der mit ihnen verbundenen Heilungs-, Schutz-, Segens- und Votivbräuche macht Rankweil auch aus volkskundlicher Sicht außergewöhnlich bedeutend. Lage und frühe GeschichteDer Liebfrauenberg war aufgrund seiner beherrschenden Lage schon lange vor der Ausbildung der späteren Wallfahrt ein zentraler Platz. Die heutige Basilika geht auf eine frühmittelalterliche Kirchenanlage zurück. Um 700 wird eine Kastellkirche der churrätischen Bischöfe angesetzt; seit dem 8. Jahrhundert bildete die Kirche den Mittelpunkt einer Großpfarrei, deren Gebiet zeitweise weite Teile des Vorarlberger Vorderlandes und Bereiche des heutigen Schweizer Rheintals umfasste. Um das Jahr 1000 bestand eine romanische Kirche. Die Anlage gehört typologisch zu den rätischen Kirchenburgen, bei denen Kirche, Mauerring und Friedhof auf einer beherrschenden Anhöhe eine Einheit bildeten. Eine tiefgreifende Zäsur brachte das Jahr 1445. Während der kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Eidgenossen wurde Rankweil verwüstet und auch die Kirche durch Brand schwer beschädigt. Zwischen etwa 1470 und 1510 erfolgten umfangreiche Wiederauf- und Umbauten in gotischen Formen. Der wehrhafte Charakter des Liebfrauenberges blieb dabei erhalten und prägt die Anlage mit Mauern, Tor und massigem Turm bis heute. Ab der Mitte des 17. Jahrhunderts folgte eine neue, nun wesentlich von der Wallfahrt bestimmte Ausbauphase. 1657–1658 wurde die Loretokapelle, die heutige Gnadenkapelle, durch den Bregenzerwälder Baumeister Michael Beer errichtet; 1690 entstand die Fridolinsteinkapelle. 1757 wurde die Trennwand zur Loretokapelle entfernt und der neue Gnadenaltar errichtet, der 1761 vergoldet wurde. Nach mehreren Restaurierungen und Veränderungen im 19. und 20. Jahrhundert erfolgte zwischen 1980 und 1986 eine umfassende Innenrenovierung. Am 25. Februar 1985 erhob Papst Johannes Paul II. die Rankweiler Wallfahrtskirche zur Basilica minor. Sie ist zugleich Pfarrkirche der Pfarre Zu Unserer Lieben Frau Mariä Heimsuchung. Die Entstehung der WallfahrtDie Geschichte der Rankweiler Wallfahrt lässt sich nicht auf einen einzigen Gründungsakt zurückführen. Vielmehr entwickelte sich über Jahrhunderte ein komplexes Wallfahrtszentrum, in dem unterschiedliche Kultgegenstände nebeneinander bestanden und zeitweise auch unterschiedliche Schwerpunkte der Verehrung bildeten. Das Silberne beziehungsweise Wundertätige Kreuz besitzt eine bis ins Mittelalter zurückreichende Tradition; später trat die Marienverehrung immer stärker in den Vordergrund. Mit dem Bau der Loretokapelle im 17. Jahrhundert erhielt die marianische Wallfahrt schließlich einen eigenen, architektonisch hervorgehobenen Mittelpunkt. Eine besonders wichtige Quelle für die barocke Rankweiler Wallfahrt ist Johannes Evangelist Summers 1728 erschienener "Marianischer Wallfahrter". Summer, der längere Zeit an der theologischen Fakultät der Universität Innsbruck lehrte und als geistlicher Rat der Bischöfe von Brixen und Chur wirkte, sammelte darin zahlreiche ältere Mirakel- und Heilungsberichte. Seine Darstellung zeigt Rankweil als bereits weit entwickelten Gnadenort, an dem körperliche Heilung, Rettung aus Lebensgefahr, Schutz vor Unwetter und andere Formen der Hilfe nebeneinanderstanden. Die von Summer angeführten Berichte reichen weit in das 17. Jahrhundert zurück. Im 20. Jahrhundert erhielt die Wallfahrt mit dem Landeswallfahrtstag am 1. Mai eine weitere bis heute lebendige Form. 1929 machten sich erstmals Pilger aus ganz Vorarlberg zu einer gemeinsamen Landeswallfahrt nach Rankweil auf. Noch heute ziehen am 1. Mai zahlreiche Fußwallfahrer zum Liebfrauenberg; einzelne Gruppen brechen bereits kurz nach Mitternacht auf und vereinigen sich unterwegs mit Pilgern aus anderen Gemeinden. Der Landeswallfahrtstag bildet weiterhin einen Höhepunkt des Rankweiler Wallfahrtsjahres. Einen zweiten Schwerpunkt stellt der Segenssonntag im September mit der Verehrung des Silbernen Kreuzes dar. Das Rankweiler GnadenbildDas heutige Gnadenbild entstand um 1460 und wird Hans Rueland aus Opfenbach im Allgäu zugeschrieben. Die aus Lindenholz geschnitzte Muttergottes steht auf einer nach oben gewölbten Mondsichel und trägt das Jesuskind auf dem linken Arm. Das Kind hält in seiner linken Hand eine goldene Walnuss. Diese besitzt eine ausgeprägte christologische Symbolik: Die äußere grüne Hülle wurde mit dem Leiden Christi, die harte Schale mit dem Holz des Kreuzes und der darin verborgene Kern mit der göttlichen, Leben spendenden Natur Christi in Verbindung gebracht. Seit 1657–1658 befindet sich das Gnadenbild in einem eigens errichteten Loreto-Heiligtum. Die Rankweiler Gnadenkapelle entstand in einer Zeit, in der der Loreto-Kult in den katholischen Gebieten Mitteleuropas stark gefördert wurde. Eine wichtige Rolle spielten dabei auch die Jesuiten. Der Bauherr Johann Christoph von der Halden ließ die Kapelle durch Michael Beer errichten. Damit wurde der bereits bestehende Rankweiler Wallfahrtsort in die überregionale barocke Loreto-Frömmigkeit eingebunden. Im heutigen Gnadenraum steht das Bild auf dem 1757 errichteten und 1761 vergoldeten Gnadenaltar. Dass die Marienverehrung nicht lediglich eine kunsthistorische Tradition darstellte, zeigen die zahlreichen überlieferten Mirakelberichte und Votivgaben. Kranke wandten sich an die Rankweiler Muttergottes, Eltern baten für ihre Kinder, Reisende und Verunglückte dankten für Rettung aus unmittelbarer Gefahr. Damit erscheint Maria in den historischen Quellen nicht auf eine bestimmte "Zuständigkeit" beschränkt; das Gnadenbild wurde vielmehr als allgemein wirksame Fürsprecherin in körperlicher und existenzieller Not angerufen. Mirakelberichte und HeilungsvorstellungenSummers "Marianischer Wallfahrter" überliefert zahlreiche Berichte von Heilungen schwerer Krankheiten und anderen als wunderbar verstandenen Hilfeleistungen. Auffallend häufig erscheinen Kinder, deren Rettung aus unterschiedlichen Gefahren der Fürsprache der Rankweiler Muttergottes zugeschrieben wurde. Solche Mirakelberichte erfüllten innerhalb der Wallfahrtskultur mehrere Funktionen: Sie bewahrten die Erinnerung an vermeintliche oder tatsächlich als außergewöhnlich empfundene Errettungen, bestätigten den Ruf des Gnadenortes und boten späteren Pilgern Beispiele dafür, dass Bitten um Hilfe nach zeitgenössischem Verständnis Aussicht auf Erhörung hatten. Dabei darf der Begriff "Heilung" nicht ausschließlich im modernen medizinischen Sinn verstanden werden. Frühneuzeitliche Wallfahrtsfrömmigkeit bezog körperliche Krankheit, Unfall, Naturgefahr, Krieg, Geburt, Bedrohung von Kindern und andere existentielle Nöte in einen gemeinsamen religiösen Deutungshorizont ein. Das Gelübde, die Wallfahrt, das Gebet vor dem Gnadenbild, eine Prozession, das Berühren oder Benützen eines verehrten Gegenstandes sowie eine nach erfolgter Hilfe dargebrachte Votivgabe bildeten verschiedene Elemente desselben religiösen Handlungssystems. Das VotivwesenBesonders eindrucksvoll lässt sich die Rankweiler Wallfahrt am historischen Votivwesen verfolgen. Ein sehr frühes und ungewöhnlich genau dokumentiertes Beispiel stammt aus dem Jahr 1620. Jakob Jonas war im August dieses Jahres bei Kreuzlingen mit seinem Pferd in einen tiefen Graben gestürzt und unter dem Tier zu liegen gekommen. Obwohl die Situation lebensgefährlich erschien, blieb er unverletzt. Aus Dank ließ er für die Muttergottes der Rankweiler Kirche eine große Votivtafel malen. Der Vorgang ist über Summer überliefert und wurde von Manfred Tschaikner erneut quellenmäßig nachgewiesen. Armin Müller nennt in seiner 1947 vorgelegten Untersuchung "Wallfahrten in Vorarlberg mit Weihe- und Votivgaben" eine weitere Votivtafel aus dem Jahr 1660. Sie war zum Dank für wiedererlangte Gesundheit nach Rankweil gestiftet und wurde noch 1867 durch den örtlichen Gesangsverein renoviert. Dass eine über zweihundert Jahre alte Votivtafel im 19. Jahrhundert ausdrücklich erneuert wurde, zeigt zugleich, dass solche Zeugnisse nicht nur als alte Ausstattung betrachtet wurden, sondern weiterhin als bedeutungsvolle Erinnerungszeichen einer gewährten Hilfe galten. Bis heute haben sich in Rankweil Votivtafeln aus dem 17. bis 19. Jahrhundert erhalten. Daneben sind metallene Körpervotive dokumentiert, darunter Darstellungen von Beinen, Arm und Hand sowie eines Säuglings. Solche anatomischen Votive machen die ursprünglich konkrete Beziehung zwischen Anliegen und Gabe unmittelbar sichtbar: Das dargestellte Körperteil bezeichnete die Krankheit oder Verletzung, für deren Heilung gebetet oder gedankt wurde; die Darstellung eines Kindes konnte auf die Rettung, Genesung oder ein anderes Anliegen im Zusammenhang mit einem Säugling hinweisen. Eine besonders bemerkenswerte Verbindung zwischen Votivwesen und Kultgegenstand entstand 1780. Das Wundertätige Kreuz war 1723 zunächst mit Kupfer verkleidet worden. 1780 ersetzte ein Feldkircher Goldschmied diese Verkleidung heimlich durch Silber und verwendete dafür vorhandene Silbervotivgaben, die dadurch vor der angeordneten Ablieferung an die kaiserliche Regierung in Wien bewahrt werden sollten. Ein Teil der von Wallfahrern gestifteten Votivgaben verschwand damit nicht einfach, sondern ging materiell in die Hülle des verehrten Kreuzes ein. Das heutige Silberne Kreuz ist somit in einem durchaus wörtlichen Sinn auch ein Denkmal des historischen Rankweiler Votivwesens. Das Silberne oder Wundertätige KreuzNeben dem Mariengnadenbild bildet das Silberne Kreuz das zweite große Wallfahrtsziel. Der hölzerne Kern stammt aus romanischer Zeit. Nach der kirchlichen Überlieferung brachte Walter von Reutlingen das Kreuz 1233 nach Rankweil, als er dort Pfarrer wurde; als mögliche Herkunft wird Chur genannt. Das eigentliche Holzkreuz befindet sich heute unter der schweren silbernen Hülle. Im Zentrum wird eine Kreuzreliquie verehrt. Die Bedeutung des Kreuzes reicht weit über seinen kunsthistorischen Rang hinaus. Bereits ältere Überlieferungen schildern es als Heil- und Segenskreuz. Franz Josef Vonbun berichtet im 19. Jahrhundert, dass das hölzerne Kreuz durch Schenkungen frommer Wallfahrer mit Silberplatten und Glasgemmen geschmückt worden sei und dass ihm Heilungen Kranker zugeschrieben wurden. Entscheidend ist seine anschließende Beobachtung, dass sich zu seiner Zeit noch Gesunde und Kranke in Rankweil versammelten, um mit diesem Kreuz gesegnet zu werden. Damit ist der Kreuzsegen nicht lediglich eine moderne Wiederaufnahme, sondern als tatsächlich ausgeübte Praxis des 19. Jahrhunderts belegt. Auch heute bildet dieser Segen einen besonderen Bestandteil der Rankweiler Wallfahrt. Am Segenssonntag, dem zweiten Sonntag im September, steht das Silberne Kreuz im Mittelpunkt; nach dem Gottesdienst besteht die Möglichkeit zum persönlichen Einzelsegen. Nach heutiger pfarrlicher Praxis werden auch kleine Tüchlein und Wäschestücke zur Segnung mitgebracht. Für den persönlichen Kreuzsegen besteht somit eine wesentlich ältere schriftliche Überlieferung; für den besonderen Brauch, Textilien segnen zu lassen, ist bislang vor allem die heutige Praxis sicher nachweisbar. Schutz vor Unwetter und andere SegensmittelDas Wundertätige Kreuz besaß früher noch eine weitere, volkskundlich bedeutsame Funktion. Nach Summer galt es als wirksames Schutzmittel gegen Unwetter. Prozessionen mit dem Kreuz und zu den Rankweiler Gnadenmitteln sollten nach damaligem Verständnis nicht nur die persönliche Frömmigkeit stärken, sondern Schutz für die Gemeinschaft, für Felder, Häuser und Menschen vermitteln. Daneben standen im Umfeld des Loreto-Kultes geweihte Loreto-Kerzen und Loreto-Häubchen zur Verfügung, denen ebenfalls eine religiöse Schutzwirkung zugeschrieben wurde. Manfred Tschaikner hat diese Entwicklung in den größeren Zusammenhang der frühneuzeitlichen Vorstellungen von Gefahr, Unwetter und Hexerei gestellt. In einer Zeit, in der verheerende Unwetter noch vielfach vermeintlicher Zauberei zugeschrieben werden konnten, boten kirchlich gelenkte Schutzhandlungen wie Prozession, Gebet, Wallfahrt und geweihte Gegenstände eine alternative religiöse Möglichkeit, auf Angst und Bedrohung zu reagieren. Tschaikner interpretiert die Intensivierung der Rankweiler Wallfahrt deshalb auch als einen Faktor innerhalb des langsamen Wandels von älteren magischen und dämonologischen Deutungen hin zu stärker kirchlich kontrollierten Formen der Schutzfrömmigkeit. Diese Einordnung darf nicht als einfache Ursache-Wirkungs-Beziehung verstanden werden, macht aber die gesellschaftliche Bedeutung einer großen Wallfahrtsstätte des 17. Jahrhunderts deutlich. Rankweil war damit nicht nur ein Ort, an dem der einzelne Kranke um Genesung bat. Der Wallfahrtsort konnte ebenso als religiöse Schutzinstanz für eine ganze Gemeinschaft verstanden werden. Persönliche Heilungsbitte, Wettersegen, Prozession und Verwendung gesegneter Gegenstände gingen ineinander über. Die Sagen vom Wundertätigen KreuzUm Herkunft und Wirksamkeit des Rankweiler Kreuzes bildete sich eine ausgeprägte Sagenüberlieferung. Franz Josef Vonbun zeichnete im 19. Jahrhundert eine Herkunftssage auf, nach der das Kreuz einst auf den Fluten des Frödischbaches herangeschwemmt und bei Muntlix in der Nähe des Kreuzbrunnens gefunden worden sei. Rankweil und das benachbarte Gebiet beanspruchten den Fund jeweils für sich. Um den Streit zu entscheiden, habe man das Kreuz auf einen Wagen gelegt und Ochsen vorgespannt, denen man freien Lauf ließ. Die Tiere zogen das Heiligtum bis auf den Rankweiler Liebfrauenberg und blieben dort stehen. Auf diese Weise habe die göttliche Vorsehung selbst den künftigen Standort des Kreuzes bestimmt. Die Sage gehört zu einem weit verbreiteten Typus von Kultgründungslegenden, in denen Menschen den Standort eines Heiligtums nicht selbst bestimmen können oder dürfen. Stattdessen zeigen Tiere, ein wundersames Ereignis oder die wiederholte Rückkehr eines Kultgegenstandes jenen Ort an, an dem dieser verehrt werden will. Solche Erzählungen legitimieren einen Wallfahrtsort nicht durch menschliche Entscheidung, sondern durch eine als übernatürlich verstandene Ortswahl. Noch deutlicher erscheint dieses Motiv in einer zweiten Rankweiler Kreuzsage. Danach wurde das Kreuz einst von Rankweiler Wallfahrern nach Maria Einsiedeln mitgenommen. Am folgenden Morgen war es dort trotz allen Suchens verschwunden. Nach ihrer Rückkehr fanden die Wallfahrer das Kreuz unversehrt wieder an seinem angestammten Platz auf dem Liebfrauenberg. Das Kreuz wird in dieser Erzählung gleichsam selbst zum Wallfahrer, verweigert aber den dauerhaften Aufenthalt am fremden Gnadenort und kehrt auf wunderbare Weise nach Rankweil zurück. Auch diese Erzählung bringt den Gedanken zum Ausdruck, dass der Kultgegenstand seinen Ort selbst gewählt habe. Vonbun verbindet die wunderbare Rückkehr ausdrücklich mit einem weiteren Anwachsen des Vertrauens zum Rankweiler Kreuz. Bereits Johann Nepomuk Ritter von Alpenburg überlieferte 1861 eine verwandte Fassung und bezeichnete das Kreuz als einen tröstenden Gegenstand für Gesunde und Kranke. Historischer Bericht und Sage sind dabei klar zu unterscheiden: Weder das Anschwemmen des Kreuzes noch die wunderbare Rückkehr aus Einsiedeln können als historische Ereignisse behandelt werden. Als Quellen für die Vorstellungen der Wallfahrer und für die narrative Legitimation des Wallfahrtsortes sind die Erzählungen dagegen von erheblicher volkskundlicher Bedeutung. Der FridolinsteinDas dritte bis heute ausdrücklich genannte Wallfahrtsziel ist der Fridolinstein in der kleinen Fridolinskapelle unter der Sakristei. Der hl. Fridolin, Missionar und Klostergründer von Säckingen, besitzt in Rankweil und seiner Umgebung eine besonders starke lokale Verehrung; Armin Müller bezeichnet ihn ausdrücklich als "Lokalheiligen". Der verehrte Stein ist ein großes rötliches Quarzstück mit auffälligen Vertiefungen. Nach der Legende habe Fridolin in einem Rechtsstreit um die sogenannten Ursischen Güter vor dem Gaugericht in Rankweil keinen Erfolg gehabt und sich verzweifelt zum Gebet zurückgezogen. Während seines inbrünstigen Gebetes sei ihm die Weisung zuteilgeworden, nach Glarus zu ziehen und den bereits verstorbenen Urso als Zeugen aus dem Grab zu rufen. Der Stein unter dem knienden Heiligen sei dabei weich wie Wachs geworden, sodass sich dessen Knie in ihn eindrückten. Nach dem Gebet sei der Stein wieder erstarrt und habe die Abdrücke bewahrt. Volkskundlich wesentlich bedeutender als die wunderbare Entstehungserzählung ist jedoch der tatsächlich ausgeübte Gebrauch des Steines. Vonbun beschreibt bereits im 19. Jahrhundert ausdrücklich, dass Pilger ihre Knie in die beiden Vertiefungen senkten. Es handelt sich somit nicht lediglich um eine später erfundene Erklärung eines auffälligen Natursteines, sondern um einen historisch belegten Körperbrauch der Wallfahrer. Die heutige kirchliche Beschreibung hält fest, dass Menschen darauf vertrauen, durch das Knien in den Vertiefungen bei Rheuma und anderen Schmerzen Linderung zu erhalten; eine ältere Beschriftung am Stein nennt insbesondere Beschwerden an Händen und Füßen. Der Fridolinstein ist ein besonders anschauliches Beispiel für körperbezogene Kontaktfrömmigkeit. Der Wallfahrer betrachtet das Erinnerungszeichen des Heiligen nicht nur, sondern bringt seinen eigenen Körper mit dessen vermeintlichen Spuren in unmittelbare Beziehung. Indem er die Knie in jene Vertiefungen legt, die der Überlieferung zufolge durch Fridolins Körper entstanden sind, nimmt er dessen Gebetshaltung gleichsam körperlich nach. Heiligenspur, Berührung, Gebet und Heilungsvorstellung verbinden sich damit zu einer religiösen Handlung. Die starken Gebrauchsspuren am Stein sind zugleich materielle Zeugnisse dieses über Generationen ausgeübten Brauches. Der JohannestellerZu den weniger bekannten volkskundlichen Objekten der Basilika gehört ein aus Holz gefertigter Johannesteller beziehungsweise Johanneskopf, also eine Darstellung des abgeschlagenen Hauptes Johannes des Täufers auf einer Schüssel. Derartige Johannesschüsseln waren im spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Frömmigkeitsleben weit verbreitet und konnten über ihre liturgische und ikonographische Bedeutung hinaus auch in der Volksmedizin und bei individuellen Heilsbitten eine Rolle spielen. Für Rankweil ist in der SAGEN.at-Dokumentation die Überlieferung festgehalten, dass Gläubige den Johannesteller bei Kopfschmerzen aufsuchten. Ein älterer schriftlicher Beleg, der diesen konkreten Rankweiler Heilbrauch zeitlich genauer einordnen ließe, konnte bislang nicht festgestellt werden. Der Brauch sollte deshalb quellenkritisch nicht ohne nähere Einschränkung bis ins Mittelalter zurückprojiziert werden; als örtlich überlieferte Form objektbezogener Heilungsfrömmigkeit ist er dennoch bemerkenswert. Wallfahrt als Buße und gerichtliche SühneEine besonders interessante Facette der Rankweiler Wallfahrt zeigen frühneuzeitliche Gerichtsquellen. Nicht jede Wallfahrt auf den Liebfrauenberg wurde freiwillig aufgrund eines persönlichen Gelübdes unternommen. Sie konnte auch als Buß- oder Sühneleistung von einer weltlichen Obrigkeit auferlegt werden. Im April 1666 beschäftigte sich das Feldkircher Stadtgericht mit einem Streit zwischen zwei Frauen, in dessen Verlauf schwere gegenseitige Ehrverletzungen und unter anderem eine Hexenbeschimpfung gefallen waren. Das Gericht hob die Beleidigungen auf und verurteilte beide Frauen dazu, eine Wallfahrt auf den Rankweiler Liebfrauenberg zu unternehmen. Manfred Tschaikner bezeichnet diese ausdrücklich als Sühnewallfahrt. Dieser Beleg erweitert das Bild des Wallfahrtsortes erheblich. Die Wallfahrt erscheint hier nicht nur als freiwillige Bitte um göttliche Hilfe oder als Erfüllung eines Gelübdes, sondern als Bestandteil frühneuzeitlicher sozialer und rechtlicher Ordnung. Die körperliche Mühe des Weges, das Gebet am Gnadenort und die öffentliche beziehungsweise zumindest sozial erkennbare religiöse Handlung konnten als Form der Buße und Wiederherstellung gestörter Ordnung verstanden werden. Der Rang des Liebfrauenberges war offensichtlich so groß, dass eine dorthin auferlegte Wallfahrt als angemessene Sühneleistung gelten konnte. Die Gnadenkapelle und die religiöse Neuordnung des 17. JahrhundertsDer Bau der Loretokapelle 1657–1658 verdient über die reine Baugeschichte hinaus Aufmerksamkeit. Stifter war Johann Christoph von der Halden, der wenige Jahre zuvor als Feldkircher Hubmeister an den Rankweiler Hexenprozessen von 1651 beteiligt gewesen war und anschließend selbst in schwere persönliche und politische Konflikte geriet. Manfred Tschaikner hat ausführlich herausgearbeitet, dass von der Haldens Stiftung in diesem biographischen und mentalitätsgeschichtlichen Umfeld gesehen werden muss. Die Errichtung der Gnadenkapelle war zugleich Ausdruck persönlicher Frömmigkeit und Teil jener erheblichen Intensivierung des Rankweiler Wallfahrtswesens in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Gerade in diesem Zeitraum treten Wallfahrt, Gnadenmittel, Prozessionen, geweihte Schutzgegenstände und dokumentierte Heilungsberichte besonders deutlich hervor. Rankweil wurde damit zu einem Ort, an dem individuelle wie gemeinschaftliche Unsicherheit in religiöse Handlung umgesetzt werden konnte: Wer Krankheit, Unfall, Unwetter oder eine andere existenzielle Bedrohung erlebte, konnte wallfahren, geloben, eine Messe stiften, einen Gegenstand weihen lassen, an einer Prozession teilnehmen oder nach einer als erfahren betrachteten Hilfe ein Votivbild hinterlassen. Wallfahrt als körperliche HandlungAn Rankweil lässt sich besonders gut erkennen, dass historische Wallfahrt weit mehr bedeutete als den Besuch einer Kirche. Sie war eine körperliche Handlung. Man ging oft über große Entfernungen zum Gnadenort, kniete vor dem Gnadenbild, empfing den Segen mit dem Kreuz oder legte die eigenen Knie in die Vertiefungen des Fridolinsteines. Man trug Votivgaben herbei, führte Prozessionen durch und nahm geweihte Gegenstände mit nach Hause. Die unterschiedlichen Rankweiler Kultobjekte ermöglichten dabei unterschiedliche Formen der Annäherung. Vor dem Gnadenbild stand die Fürbitte Mariens im Zentrum; das Silberne Kreuz wurde nicht nur verehrt, sondern zum Segen eingesetzt und bei Prozessionen mitgeführt; der Fridolinstein verlangte geradezu nach körperlichem Kontakt. Selbst Votivgaben stellten eine Verbindung zwischen dem eigenen Körper und dem Heiligtum her, wenn Arme, Beine, Hände oder ein Säugling in Silber nachgebildet wurden. Die Wallfahrt hinterließ dadurch nicht nur schriftliche Nachrichten, sondern auch materielle Spuren an Gegenständen und am Heiligtum selbst. Bitte, Erhörung und DankDer Grundrhythmus der traditionellen Wallfahrt bestand aus Not, Gelübde oder Bitte, Wallfahrt beziehungsweise Anrufung, erfahrener Hilfe und Dank. Die Votivgabe machte diesen Zusammenhang sichtbar und bewahrte ihn über die Lebenszeit des einzelnen Pilgers hinaus. Die große Votivtafel des nach seinem Reitunfall 1620 unverletzt gebliebenen Jakob Jonas oder die 1660 für wiedererlangte Gesundheit gestiftete Tafel sind dafür besonders anschauliche Beispiele. Das einzelne Votivbild besaß dabei auch eine kollektive Wirkung. Für spätere Besucher der Kirche war es ein sichtbarer Hinweis darauf, dass andere Menschen hier bereits Hilfe erfahren zu haben glaubten. Eine Wand voller Votivtafeln oder eine Sammlung silberner Körperteile bildete deshalb gleichsam ein öffentliches Gedächtnis der Erhörungen. Jede neue Gabe verstärkte die Reputation des Gnadenortes und konnte wiederum neues Vertrauen erzeugen. Gerade Rankweil zeigt jedoch auch die Veränderlichkeit dieses materiellen Gedächtnisses. Votivgaben gingen verloren, wurden entfernt oder umgearbeitet. Besonders eindrucksvoll ist die Umwandlung der älteren Silbervotive in die Hülle des Wundertätigen Kreuzes im Jahr 1780. Selbst dort, wo die ursprüngliche Gestalt einzelner Gaben verschwunden ist, blieb ihre Materie im Heiligtum erhalten. Fortleben der WallfahrtDie Rankweiler Wallfahrt ist keine erloschene historische Erscheinung. Der Liebfrauenberg ist weiterhin ein lebendiger Wallfahrtsort mit regelmäßigem Wallfahrtsbetrieb. Neben einzelnen Pilgern kommen Gruppen und Pfarrgemeinden nach Rankweil. Der Landeswallfahrtstag am 1. Mai, der seit 1929 besteht, führt bis heute Hunderte Fußwallfahrer auf den Liebfrauenberg. Der Segenssonntag im September knüpft an die jahrhundertelange Verehrung des Silbernen Kreuzes an. Die Basilika nennt darüber hinaus Maiandachten, Rosenkranzwallfahrten und weitere Formen der Wallfahrtsseelsorge. Bemerkenswert ist dabei weniger eine vollkommen unveränderte Fortsetzung einzelner Bräuche – Wallfahrtskultur verändert sich wie jede gelebte Kultur – als die Kontinuität bestimmter Grundmuster. Menschen kommen weiterhin mit persönlichen Anliegen, bitten um Hilfe, danken, empfangen einen Segen und verbinden den Weg zum Liebfrauenberg mit einer besonderen religiösen Handlung. Zugleich haben sich ältere Formen verändert oder neue Ausprägungen entwickelt. Der heutige Brauch, am Segenssonntag Tüchlein und Wäschestücke mitzubringen, steht beispielsweise innerhalb der langen Tradition des Segnens und Mitnehmens religiös wirksamer Gegenstände, ohne dass deshalb eine ungebrochene identische Praxis seit dem Mittelalter behauptet werden kann. Volkskundliche EinordnungDie Basilika Rankweil ist aus volkskundlicher Sicht deshalb von besonderer Bedeutung, weil sich an einem einzigen Wallfahrtsort mehrere Grundformen katholischer Volksfrömmigkeit über Jahrhunderte verfolgen lassen. Das Heiligtum besitzt nicht nur ein Gnadenbild, sondern mehrere mit unterschiedlichen Vorstellungen verbundene Kultobjekte. Die Marienfigur war Mittelpunkt von Bitt-, Dank- und Heilungswallfahrten; dem Silbernen Kreuz wurden Heilungs- und Schutzkräfte zugeschrieben, und es wurde zum persönlichen Segen sowie zum Schutz vor Unwetter verwendet; der Fridolinstein verband Heiligenlegende, körperliche Berührung und Heilungsbitte. Daneben bestanden Votivwesen, Prozessionen, geweihte Schutzmittel und wahrscheinlich weitere objektbezogene Heilbräuche wie jener beim Johannesteller. Gleichzeitig dokumentiert Rankweil eindrucksvoll die enge Verbindung zwischen Erzählung und Handlung. Die Sagen vom Wundertätigen Kreuz erklären nicht lediglich dessen Herkunft, sondern begründen seine besondere Bindung an den Liebfrauenberg. Die Legende vom Fridolinstein erklärt die auffälligen Vertiefungen und schafft zugleich die Voraussetzung dafür, dass spätere Pilger ihre eigenen Knie hineinlegen. Die Erzählung gibt dem Gegenstand Bedeutung, der Gegenstand macht die Erzählung körperlich erfahrbar, und der wiederholte Gebrauch bestätigt wiederum die Tradition. Hinzu kommt eine ungewöhnlich breite soziale Funktion der Wallfahrt. Der Liebfrauenberg war Ziel persönlicher Bitt- und Dankwallfahrten, gemeinschaftlicher Prozessionen und später der Landeswallfahrt; er konnte aber auch als Ort gerichtlich auferlegter Sühne dienen. Krankheit und Heilung, Wetter und Ernte, individuelle Lebensgefahr, soziale Konflikte und religiöse Buße trafen damit an demselben Ort zusammen. Gerade diese Vielschichtigkeit macht Rankweil zu weit mehr als einer bedeutenden Marienwallfahrtskirche. Der Liebfrauenberg ist ein über Jahrhunderte gewachsener religiöser Handlungsraum, in dem Gnadenbild, Kreuz, Stein, Votivgabe, Sage, Körperbrauch und Segenshandlung miteinander verbunden wurden. Vieles hat seine Form verändert, manches ist verschwunden, anderes wird bis heute praktiziert. Die materiellen Zeugnisse und schriftlichen Überlieferungen erlauben dennoch einen außergewöhnlich dichten Einblick in die historische Wallfahrts- und Frömmigkeitskultur Vorarlbergs. • Lage: Basilika Rankweil, Pfarr- und Wallfahrtskirche Zu Unserer Lieben Frau Mariä Heimsuchung, Liebfrauenberg 10, 6830 Rankweil. • Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Vorarlberg • Web: Pfarre Rankweil • Geöffnet: täglich geöffnet. April bis September: 07:00 bis 20:00 Uhr. Oktober bis März: 07:00 bis 18:00 Uhr.
Außenansict der Basilika Pfarr- und Wallfahrtskirche Liebfrauenbergkirche in Rankweil
Gnadenkapelle mit Gnadenbild, eine geschnitzte Figur der Maria mit Kind, vom Bildhauer Johannes Rueland aus dem Jahre 1470. |
| | Der rote Stein zu Rankweil:
An die Pfarrkirche auf dem Frauenberge zu Rankweil ist auf der Nordseite eine kleine Kapelle angebaut, die Fridolinskapelle. Darin sieht man ein großes rötliches Quarzstück mit zwei Vertiefungen, in die mancher andächtige Pilger seine Knie senkt. Von diesem eigentümlichen Betstuhle geht die Sage: Als Fridolin von dem Gerichte zu Müsinen in Sachen der Ursischen Güter den Bescheid erhalten hatte, die Wahrheit der Schenkung durch Zeugen zu erhärten, so verließ er die Malstatt und ging in den Wald ober Rankweil, wo er sich auf einen Stein niederwarf, um im Gebete Trost für sein beklommenes Herz zu suchen. Auf einmal war es dem Betenden, als spräche zu ihm eine Stimme aus goldumsäumter Wolke: "Ziehe gen Glarus und rufe den Toten Urso, daß er zeuge gegen Landolf." Die überirdische Erscheinung verschwand, und der Stein, auf dem der Betende kniete, ward weich wie Wachs, daß tief seine Knie einsanken. Fridolin erhob sich und zog gläubig nach Glarus, wo auf seinen Ruf der Tote erstand. Der Stein nahm zwar seine natürliche Härte und Sprödigkeit wieder an, ließ aber die deutlichen Spuren der eingesunkenen Knie zurück und wurde von den Händen frommer Christen in die Kapelle gebracht, in der er heutigentags noch liegt. |
Bildquelle: SAGEN.at |
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| | Das wundertätige Kreuz in Rankweil:
In der Sakristei der Pfarrkirche zu Rankweil wird ein hölzernes Kreuz aufbewahrt, das durch die Schenkungen frommer Wallfahrer reich mit Silberplatten und Glasgemmen geschmückt und mit kostbaren Reliquien angefüllt ist und an Kranken schon wunderbare Heilungen hervorgebracht hat. Die Gebiete von Rankweil und Zwischenwasser werden geschieden durch den Wildbach Frödisch, der mit großem Getöse vom Gebirge niederstürzt und durch ein tiefes Tal herausrauschend der Frutz zuströmt. Vor uralter Zeit soll das wundertätige Kreuz auf den Wogen des Frödischbaches dahergeflözt und neben dem Weiler Muntlix, nicht weit von einem Brunnen, der jetzt noch der Kreuzbrunnen heißt, ausgeworfen worden sein. Als das Kreuz gefunden wurde, erhob sich Streit zwischen den beiden Gemeinden Rankweil und Zwischenwasser, da eine jede sich in den Besitz des Heiligtums setzen wollte. Endlich wurde auf den Rat eines ehrwürdigen Greises das Kreuz auf den Wagen eines Ochsengespannes gelegt, mit dem Bedingen, den Ochsen freien Lauf zu lassen, und daß der Ort, wo die Ochsen aus ungefähr oder Himmelsschickung stillestünden, hinfür die Verwahrungsstätte des kostbaren Fundes sein solle. Die Ochsen setzten mit dem Heiligtume durch die Wogen der Frödisch und eilten geradewegs nach Rankweil bis hinauf auf den Berg Unserer Lieben Frau, wo sie stillestanden. Daraus war der Wille der göttlichen Vorsehung deutlich zu erkennen und das Kreuz wurde in der Pfarrkirche zu Rankweil aufbewahrt. Als man einst mit diesem Kreuze eine Wallfahrt nach Maria Einsiedeln anstellte und über Nacht ausbleiben mußte, konnte am andern Tage trotz alles Suchens das Kreuz nicht mehr gefunden werden, und verloren schien für immer das teure Kleinod. Als aber die Wallfahrer wieder nach Hause gekommen waren, fanden sie es unversehrt an seiner erwählten Wohnstätte. Von dieser Zeit an wuchs das Vertrauen zu dem Kreuze in den Herzen der Umwohner noch mehr, und jetzt noch scharen sich Gesunde und Kranke in der Pfarrkirche, um mit diesem heiligen Kreuze gesegnet zu werden. Quelle: Die Sagen Vorarlbergs. Mit Beiträgen aus Liechtenstein, Franz Josef Vonbun, Nr. 84, Seite 93 |
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| | Johannesteller Rankweil:
In der Rankweiler Basilika ist dieser Johannesteller (Johanneskopf) ausgestellt, Gläubige kamen bei Kopfschmerzen zu ihm. |
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| | Das silberene Kreuz:
Viel bewundert wird in der Liebfrauenkirche das Silberne Kreuz, dem wundersame Dinge zugeschrieben werden. Ursprung wie Künstler sind legendenumwoben. Es wird erzählt, daß man das hölzerne, schön geschnitzte Kreuz um das Jahr 1233 zwischen den Wassern zu Muntlix beim Kreuzbrunnen im Sand vergraben fand.* Sulner und Rankweiler stritten sich um das Kreuz. Ein würdiger alter Mann, vielleicht St. Peter selbst, entschied schließlich, man solle das Kreuz auf einen Wagen legen und zwei "Ochsen, die noch nie im Joch gegangen waren, davor spannen. So geschah es. Die Ochsen zogen den Wagen ohne Fuhrmann oder andere Lenkung auf den Marienberg von Rankweil, wo das Kreuz fortan als wundertätig in der Kirche verehrt und in Silber gefaßt wurde. Eine andere Legende erzählt, daß das Silberne Kreuz einmal auf eine Wallfahrt nach Maria Einsiedeln mitgenommen wurde. Es blieb jedoch nicht in der Kirche, in der man es in der Nacht abgestellt hatte, sondern kehrte auf wunderbare Weise auf den Liebfrauenberg zurück. * Die Rankweiler Chronik (1. Teil 1758) spricht von einem Hirtenknäblein (Hierttenknäblein) B. Mrugalska |
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| | Das wundertätige Kreuz
Dieses wundertätige Kreuz wurde von dem Wildbach Früdisch, der mit großem Getöse vom Berge niederstürzt, durch ein tiefes Tal herausrauscht und, der Frutzach zuströmend, die zwei Gerichte Rankweil und Sulz scheidet, auf den Wogen dahergeschwemmt und neben dem Dorfe Montlix nicht weit von einem Brunnen, der jetzt noch der Kreuzbrunnen heißt, ausgeworfen. Als das Kreuz gefunden wurde, erhob sich ein Streit zwischen Rankweilern und Sulzern, da beide das Heiligtum beanspruchten. Endlich wurde auf den Rat eines geehrten greisen Mannes dortiger Gegend das Kreuz auf den Wagen eines Ochsengespannes gelegt, mit der Bedingung, daß der Ort, wo die Ochsen von ungefähr oder durch Himmelsschickung stillestehen würden, die Verwahrungsstätte des kostbaren Fundes sein solle. Die Ochsen setzten mit dem Kreuze durch die Wogen der Früdisch und eilten dem schönen Frauenberge zu. Daher wurde das Kreuz in der Pfarrkirche zu Rankweil aufbewahrt. Als man hernach mit demselben eine Wallfahrt nach Maria Einsiedeln machte und über Nacht ausbleiben mußte, konnte am andern Tage das Kreuz nicht mehr gefunden werden - es war verschwunden. Aber nachdem die hierüber Betrübten heimgekommen waren, fanden sie das teure Kleinod unversehrt an seiner erwählten Stelle in der Kirche. Von nun an wuchs das Vertrauen zu dem Kreuze täglich mehr und mehr, und es ist bis auf heute der tröstende Gegenstand für Gesunde und Kranke. |
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| | Literatur zur Wallfahrt:
- Armin Müller: Wallfahrten in Vorarlberg mit Weihe- und Votivgaben. Innsbruck 1947. Die Arbeit liegt als Digitalisat der Vorarlberger Landesbibliothek in volare vor. - Joachim Mayer / Gabriele Tschallener: Wallfahrt nach Rankweil aus historischer und kunsthistorischer Sicht. Reihe Rankweil 6, Marktgemeinde Rankweil, Rankweil 1994. - Johannes Evangelist Summer: Marianischer Wallfahrter zu der hilf- und freudenreichen Gnadenmutter auf Unserer Lieben Frauenberg zu Rankweil. Augsburg 1728. Zahlreiche darin enthaltene Mirakelberichte werden in der neueren Forschung ausgewertet. - Franz Josef Vonbun: Die Sagen Vorarlbergs, insbesondere "Der rote Stein zu Rankweil" und "Das wundertätige Kreuz in Rankweil", Nr. 83 und 84, bereitgestellt von SAGEN.at. - Johann Nepomuk Ritter von Alpenburg: Deutsche Alpensagen. Wien 1861, Nr. 222: "Das wundertätige Kreuz", bereitgestellt von SAGEN.at. - Manfred Tschaikner: Hexenverfolgungen in Hohenems einschließlich des Reichshofs Lustenau sowie der österreichischen Herrschaften Feldkirch und Neuburg unter hohenemsischen Pfandherren und Vögten. Besonders wichtig für den Bau der Gnadenkapelle, die Schutzfunktion der Wallfahrt sowie die Auswertung von Summers Mirakelberichten. - Manfred Tschaikner: Hexereiinjurien in Feldkirch und den umliegenden Gerichten im 17. Jahrhundert. Zum Nachweis der 1666 gerichtlich auferlegten Sühnewallfahrt nach Rankweil. - Basilika Rankweil und Pfarre Rankweil: Angaben zur Baugeschichte, zu Gnadenbild, Silbernem Kreuz, Fridolinstein und zur heutigen Wallfahrtspraxis. |
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher © www.SAGEN.at |