| Wallfahrt: | Bedeutende Marienwallfahrt mit Erscheinungs-, Mirakel-, Bruderschafts- und Votivtradition. |
| Status: | Lebendige Wallfahrt; die Kirche trägt seit 2018 den Titel Basilica minor. |
| Kultzentrum: | Gnadenbild "Unsere Liebe Frau von Bildstein", eine bekleidete Marienfigur mit dem Jesuskind, um 1390. |
| Ort: | Bildstein |
| Bezirk: | Bregenz |
| Bundesland: | Vorarlberg |
| • | Lage: Dorf 84, 6858 Bildstein. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Vorarlberg |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: maria-bildstein.at |
| • | Öffnungszeiten: täglich geöffnet, kein Eintritt. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
Die hoch über dem Vorarlberger Rheintal gelegene Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung in Bildstein, seit 2018 mit dem päpstlichen Ehrentitel einer Basilica minor ausgezeichnet, gehört zu den bedeutendsten Marienwallfahrtsorten Vorarlbergs. Ihre weithin sichtbare Doppelturmfassade beherrscht das Ortsbild und macht bereits äußerlich deutlich, dass die Kirche nicht allein für eine kleine Berggemeinde, sondern als Ziel eines weit über die nähere Umgebung hinausreichenden Pilgerstromes errichtet wurde.
Die Geschichte der Wallfahrt verbindet ein mittelalterliches Marienbild mit einer Erscheinungsüberlieferung des 17. Jahrhunderts, Pestgelübden, Heilungsberichten, einem umfangreichen Bruderschaftswesen sowie einer überregionalen Pilgerbewegung, die sich anhand historischer Quellen ungewöhnlich genau fassen lässt. Mit mehr als 42.000 namentlich überlieferten Mitgliedern der Bildsteiner Jesus-Maria-Josef-Bruderschaft aus nur einem Vierteljahrhundert gehört Bildstein zu jenen Wallfahrtsorten, deren tatsächliche Ausstrahlung nicht nur aus späteren Erzählungen erschlossen werden muss, sondern unmittelbar dokumentiert ist.
Im Mittelpunkt der Wallfahrt steht das Gnadenbild "Unsere Liebe Frau von Bildstein", eine bekleidete Marienfigur mit dem Jesuskind, deren Entstehung um 1390 angesetzt wird. Das Bild ist damit wesentlich älter als die im 17. Jahrhundert einsetzende große Bildsteiner Wallfahrt.
Die örtliche Überlieferung verbindet auch den Namen des Ortes mit dem Marienbild. Dieses soll ursprünglich an einem Stein beziehungsweise an einem Weg zwischen Wolfurt und dem späteren Bildstein gestanden haben; aus der Bezeichnung eines "Bildes am Stein" habe sich schließlich der Ortsname entwickelt. Ob diese Erklärung sprachgeschichtlich tatsächlich zutrifft, ist weniger entscheidend als ihre Bedeutung innerhalb der Wallfahrtstradition: Das Marienbild wurde damit nicht nur zum religiösen Mittelpunkt, sondern auch zum identitätsstiftenden Ursprung des Ortes erklärt.
Bereits für das Jahr 1560 ist am späteren Kirchenplatz eine hölzerne Kapelle belegt. Die Marienverehrung in Bildstein bestand somit schon mehrere Generationen vor jener Erscheinung, die den entscheidenden Anstoß für den Aufstieg zu einem der bedeutenden Wallfahrtsorte der Region geben sollte.
Die eigentliche Gründungsüberlieferung der großen Bildsteiner Wallfahrt führt in die Zeit der Pest. Nach der örtlichen Tradition hatte der Bauer Georg Höfle während einer Seuche gelobt, für das verehrte Marienbild eine steinerne Kapelle errichten zu lassen, falls sein Haus von der Krankheit verschont bliebe. Nachdem die Gefahr vorübergegangen war, unterblieb jedoch zunächst die Erfüllung des Gelübdes.
Im Herbst des Jahres 1629 gingen die beiden Söhne Georg Höfles, Johannes beziehungsweise Hans und Martin, durch das Baumgartner Tobel zur familieneigenen Mühle. Am Waldrand soll ihnen eine weiß gekleidete und außerordentlich leuchtende Frau erschienen sein. Die Erscheinung erinnerte die Kinder an das unerfüllte Versprechen ihres Vaters und forderte dessen Einlösung.
Die beiden Knaben waren von dem Erlebnis so erschrocken, dass sie die Nacht bei der Mühle verbrachten. Als ihr Vater sie am folgenden Morgen suchte und von ihrer Begegnung hörte, erkannte er sich selbst als denjenigen, dessen Gelübde nicht erfüllt worden war. Daraufhin wurden die Vorbereitungen für den Bau einer steinernen Kapelle aufgenommen.
Georg Höfle starb noch während der Bauarbeiten. Seine Frau Magdalena Höfle führte das begonnene Werk weiter und sorgte für dessen Vollendung.
In dieser Erzählung begegnet eine für Wallfahrtsgründungen charakteristische Abfolge religiöser Motive: Eine existentielle Bedrohung führt zu einem Gelübde, dessen Erfüllung nach überstandener Gefahr unterbleibt; eine übernatürliche Erscheinung erinnert an die Verpflichtung, wobei Kinder als besonders glaubwürdige und religiös unverdächtige Visionäre auftreten. Erst die Einlösung des Versprechens stellt die gestörte Ordnung wieder her.
Die Überlieferung blieb nicht auf das Ereignis von 1629 beschränkt. In der Umgebung der Kapelle sollen auch später wieder weiß gekleidete Gestalten beobachtet worden sein. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts wurde besonders Martin Höfle erneut in die Gründungsgeschichte einbezogen.
Um 1650 soll er nachts eine Stimme mit der Aufforderung "Martin, baue!" gehört haben. Als seine Ochsen am folgenden Tag beim Pflügen an einer bestimmten Stelle stehen blieben und nicht mehr weiterzugehen waren, deutete man dieses Verhalten als übernatürlichen Hinweis auf den Platz, an dem die größere Wallfahrtskirche errichtet werden sollte.
Das Motiv der Tiere, die den Standort eines Sakralbaues bestimmen, gehört zu den weit verbreiteten Gründungslegenden von Kirchen und Wallfahrtsorten. Immer wieder verweigern Ochsen, Pferde oder andere Zugtiere an einer bestimmten Stelle den Gehorsam, bleiben stehen oder bringen Baumaterial auf wunderbare Weise an einen anderen Ort. Der tatsächliche Bauplatz erscheint dadurch nicht als menschliche Entscheidung, sondern als von einer höheren Macht bestimmt. Auch in Bildstein wurde auf diese Weise die Topographie des Heiligtums nachträglich religiös erklärt und legitimiert.
Nach den Erscheinungsberichten verbreiteten sich Nachrichten über Gebetserhörungen und Heilungen, die der Fürsprache der Gottesmutter von Bildstein zugeschrieben wurden. Der Zustrom zum Gnadenbild nahm rasch zu und überstieg bald die Möglichkeiten der vorhandenen kleinen Kapelle.
Damit lässt sich in Bildstein die Entwicklung einer frühneuzeitlichen Wallfahrt besonders anschaulich nachvollziehen. Ein bereits seit Jahrhunderten verehrtes Marienbild erhielt durch eine neue Erscheinungsüberlieferung zusätzliche Bedeutung. Berichte über erfahrene Hilfe bestätigten in der Wahrnehmung der Gläubigen die Wirksamkeit des Gnadenortes; die Zahl der Pilger wuchs, neue Stiftungen wurden getätigt, Bruderschaften entstanden und schließlich musste für die zunehmenden Pilgerströme ein entsprechend großes Gotteshaus geschaffen werden.
Aus einer kleinräumigen Marienverehrung entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte ein Wallfahrtszentrum von überregionaler Bedeutung.
Der Bau der heutigen Kirche wurde ab den frühen 1660er Jahren vorbereitet. Im Jahr 1662 entwarf der Bregenzer Stadtbaumeister Michael Kuen im Auftrag des Klosters Mehrerau die neue Wallfahrtskirche. Der Grundstein wurde am 12. April 1663 gelegt, die feierliche Weihe erfolgte am 2. Mai 1670.
Die beiden monumentalen Westtürme, die das Erscheinungsbild der Kirche bis heute prägen, wurden 1692 vollendet. Ihre heutigen geschwungenen Turmhauben erhielten sie erst 1838 durch den Bildsteiner Zimmermeister Anton Böhler.
Der Grundriss der Kirche ist unmittelbar aus ihrer Funktion als Wallfahrtskirche zu verstehen. Das Langhaus wurde als großzügiger Versammlungsraum für eine große Zahl von Pilgern konzipiert und erweitert sich vor dem Chor in seitliche Konchen. Der Kirchenraum sollte nicht nur die Pfarrgemeinde aufnehmen, sondern größere Gruppen von Wallfahrern, Prozessionen und gemeinschaftliche Andachten ermöglichen.
Die Wallfahrt wirkte dabei weit über das Kirchengebäude hinaus. Während des Baues und mit dem zunehmenden Pilgerverkehr entwickelte sich um das Heiligtum ein eigentliches Ortszentrum. Gasthäuser entstanden zur Versorgung der Wallfahrer, und der Pilgerbetrieb schuf zusätzliche Erwerbsmöglichkeiten für die Bevölkerung. Bildstein ist damit auch ein anschauliches Beispiel dafür, wie ein Wallfahrtsort die wirtschaftliche und siedlungsgeschichtliche Entwicklung seiner Umgebung nachhaltig prägen konnte.
Ein außergewöhnliches Zeugnis für die Bedeutung der Bildsteiner Wallfahrt bildet die Jesus-Maria-Josef-Bruderschaft, die 1682 gegründet wurde. Ihr erhaltenes Bruderschaftsbuch gehört zu den wichtigsten personengeschichtlichen Quellen Vorarlbergs.
Zwischen 1684 und 1709 wurden darin nicht weniger als 42.254 Personen eingetragen, die im Zusammenhang mit ihrer Wallfahrt nach Bildstein der Bruderschaft beitraten. Diese Zahl ist umso eindrucksvoller, als die gesamte Bevölkerung Vorarlbergs in dieser Zeit nur in einer vergleichbaren Größenordnung lag. Die Einträge umfassen deshalb keineswegs nur Bewohner des Landes, sondern Pilger aus einem weiten Einzugsgebiet.
Nachweisbar kamen Wallfahrer aus dem Vorarlberger Rheintal, aus dem Bregenzerwald, dem Bodenseeraum und aus benachbarten Gebieten des heutigen Deutschland, der Schweiz und Liechtensteins. Allein aus der damaligen Grafschaft Vaduz und der Herrschaft Schellenberg sind für diesen Zeitraum mehr als 700 Personen im Bruderschaftsbuch verzeichnet.
Das Bruderschaftsbuch ermöglicht damit einen selten konkreten Blick auf die räumliche und soziale Dimension einer barocken Wallfahrt. Hinter der abstrakten Vorstellung von "vielen Pilgern" treten zehntausende namentlich bekannte Menschen hervor, die sich auf den Weg nach Bildstein machten und sich durch den Beitritt zur Bruderschaft dauerhaft mit dem Gnadenort verbanden.
Bruderschaften erfüllten dabei nicht nur eine religiöse Funktion. Sie schufen Gemeinschaft über Pfarr- und Landesgrenzen hinweg, verpflichteten ihre Mitglieder zu bestimmten Gebeten und Andachten und vermittelten zugleich die Vorstellung einer geistlichen Solidargemeinschaft, deren Mitglieder auch über den Tod hinaus füreinander beteten.
Zur klassischen Wallfahrtskultur Bildsteins gehört ein ausgeprägtes Votivwesen. Bis heute haben sich in der Kirche Votivtafeln erhalten, die als Dank für erfahrene Hilfe der Gottesmutter gestiftet wurden.
Votivtafeln standen gewöhnlich am Ende eines religiösen Vorganges, der mit einer existentiellen Notlage begonnen hatte. Krankheit, Unfall, schwere Geburt, Gefahr auf Reisen, militärische Bedrohung oder andere Krisen führten zu einem Gelübde: Wurde die erbetene Hilfe erfahren, brachte der Bittsteller als sichtbares Zeichen seines Dankes eine Votivgabe zum Gnadenort.
Solche Tafeln waren zugleich persönliche Zeugnisse und öffentliche Bestätigungen der Wirksamkeit des Wallfahrtsortes. Jeder neue Votivgegenstand erzählte den nachfolgenden Pilgern von einer erhörten Bitte und konnte dadurch wiederum Vertrauen in die Fürsprache der verehrten Gottesmutter stärken.
Heute befinden sich noch 21 Votivtafeln in der Kirche. Darüber hinaus haben sich zwölf Silbertafeln des Bregenzer Goldschmieds Georg Zwicklin aus dem Jahr 1702 erhalten, die vermutlich ebenfalls im Zusammenhang mit der Wallfahrt als Votivgaben entstanden.
Der heute noch vorhandene Bestand stellt nur einen Teil der ehemals wesentlich umfangreicheren Votivüberlieferung dar. Veränderungen der Kirchenausstattung und Restaurierungen führten im Laufe der Jahrhunderte zum Verlust zahlreicher älterer Zeugnisse. Dennoch dokumentiert der verbliebene Bestand unmittelbar die lange Geschichte persönlicher Bitte und Danksagung in Bildstein.
Eine wesentliche Rolle innerhalb der Bildsteiner Marienverehrung spielte der Rosenkranz. Historische Darstellungen der fünfzehn Rosenkranzgeheimnisse auf bemalten Blechen erinnern an diese besondere Form barocker Marienfrömmigkeit.
Die Rosenkranzgebete begleiteten nicht nur Andachten innerhalb der Kirche, sondern gehörten unmittelbar zum Wallfahrtsvollzug. Solche Bildtafeln konnten auf Prozessionen und Wallfahrten mitgeführt werden und dienten den Pilgern als sichtbare Orientierung für das gemeinschaftliche Gebet.
Damit verband sich in Bildstein die Verehrung des Gnadenbildes mit zwei für die frühneuzeitliche katholische Frömmigkeit besonders wichtigen Organisationsformen: der Bruderschaft und dem Rosenkranzgebet. Beide ermöglichten eine religiöse Praxis, die weit über den einmaligen Besuch des Wallfahrtsortes hinausreichte.
Bis heute besitzt das Rosenkranzfest besondere Bedeutung. Zugleich erinnert das Fest an die feierliche Krönung des Gnadenbildes am 3. Oktober 1897, durch welche die jahrhundertelange Verehrung der Bildsteiner Gottesmutter noch einmal öffentlich hervorgehoben wurde.
Neben der Basilika bildet die Erscheinungskapelle einen zweiten sakralen Mittelpunkt der Bildsteiner Wallfahrtslandschaft. Sie steht etwa fünf Gehminuten von der Kirche entfernt am Waldrand an jener Stelle, an der den Brüdern Höfle nach der Überlieferung 1629 die Gottesmutter erschienen sein soll.
Die erste Kapelle am Erscheinungsort wurde 1887 errichtet und 1930 erneuert. Über dem Altar befindet sich ein 1945 geschaffenes Holzrelief von Heinrich Ludwig aus Hall in Tirol, das die Marienerscheinung vor den beiden Kindern darstellt.
Die räumliche Trennung zwischen Gnadenbild und Erscheinungsort ist religionsgeschichtlich von besonderem Interesse. In der Basilika konzentriert sich die Verehrung auf das alte Marienbild, während die Erscheinungskapelle den konkreten Ort des überlieferten übernatürlichen Ereignisses markiert. Die Landschaft selbst wird damit Bestandteil der Wallfahrt.
Der Pilger besucht nicht nur ein Kirchengebäude, sondern bewegt sich zwischen mehreren sakral definierten Orten und vollzieht die Ursprungsgeschichte des Heiligtums räumlich nach.
Bildstein wurde traditionell zu Fuß über verschiedene Wege aus dem Rheintal und den umliegenden Gemeinden erreicht. Besonders der historische Weg von Wolfurt nach Bildstein gehört zur älteren Wallfahrtstradition.
Kreuzwegstationen begleiteten beziehungsweise ergänzten diese Pilgerwege. Ein Kreuzweg befindet sich auch unmittelbar im Bereich der Wallfahrtskirche. Solche Stationen verwandelten den Weg zum Heiligtum in einen religiösen Handlungsraum. Der körperliche Aufstieg wurde durch Gebet, Betrachtung und Stationen strukturiert und erhielt damit selbst den Charakter einer Andacht.
Der Wallfahrtsort beginnt folglich nicht erst an der Kirchentür. Wege, Bildstöcke, Kapellen, Kreuzwegstationen und schließlich die Basilika bilden gemeinsam eine sakralisierte Landschaft, innerhalb der sich der Pilger dem Gnadenbild schrittweise nähert.
Die exponierte Lage Bildsteins verstärkt diese Wirkung. Der sichtbare Aufstieg aus dem Rheintal auf den Berg konnte zugleich als religiöser Weg verstanden werden, an dessen Ende das weithin erkennbare Heiligtum stand.
Die große Bedeutung Bildsteins zog neben bäuerlichen und bürgerlichen Pilgern auch adelige Förderer an. Besonders hervorzuheben ist Maximilian Lorenz Graf von Starhemberg, der den Bau der Wallfahrtskirche großzügig unterstützte.
Starhemberg starb 1689 an den Folgen einer bei Mainz erlittenen Verwundung und wurde in einer Gruft vor dem Hochaltar der Bildsteiner Kirche beigesetzt.
Seine Verbindung mit Bildstein verweist auf die soziale Breite frühneuzeitlicher Wallfahrtskultur. Wallfahrtsorte waren keineswegs ausschließlich Ausdruck bäuerlicher Volksfrömmigkeit. Angehörige des Adels traten als Stifter, Förderer und Pilger auf und konnten durch bedeutende Schenkungen maßgeblich zum Ausbau und Ansehen eines Heiligtums beitragen.
Wie viele bedeutende Wallfahrtskirchen wurde auch Bildstein im Laufe der Jahrhunderte mehrfach restauriert und dem jeweiligen religiösen und kunstgeschichtlichen Geschmack angepasst. Besonders im 19. Jahrhundert erfolgten umfangreiche Veränderungen, durch welche der barocke Innenraum teilweise im Sinne des damals bevorzugten Historismus beziehungsweise der Neuromanik umgestaltet wurde.
Die überlieferten Datierungen einzelner Arbeiten sind nicht völlig einheitlich, da offenbar mehrere Restaurierungs- und Ausstattungsphasen aufeinanderfolgten. Sicher ist, dass bereits in den 1870er Jahren erhebliche Eingriffe vorgenommen wurden und die Umgestaltung sich bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts fortsetzte.
Gerade bei einer Wallfahrtskirche war der Kirchenraum niemals nur ein unveränderliches Kunstdenkmal. Neue Andachtsformen, liturgische Anforderungen und der wechselnde Geschmack führten immer wieder zu Veränderungen, während Gnadenbild und Wallfahrtstradition als eigentliche Konstanten erhalten blieben.
Bildstein gehört zu den besonders anschaulichen Beispielen dafür, wie sich eine Wallfahrt aus verschiedenen historischen und religiösen Schichten heraus entwickeln konnte. Am Anfang stand ein bereits im Mittelalter verehrtes Marienbild. Im frühen 17. Jahrhundert verband sich dieser ältere Kult mit einer neuen Erscheinungserzählung, die durch das Motiv eines während einer Pestzeit abgelegten und zunächst nicht erfüllten Gelübdes zusätzliche Dramatik erhielt.
Auf die Erscheinung folgten Berichte über Gebetserhörungen und Heilungen. Diese bestätigten aus Sicht der Gläubigen die besondere Wirksamkeit des Ortes und führten zu einem rasch wachsenden Pilgerstrom. Die kleine Kapelle genügte nicht mehr; eine monumentale Wallfahrtskirche wurde gebaut. Bruderschaft und Rosenkranzfrömmigkeit banden die Pilger dauerhaft an den Gnadenort, während Votivgaben die persönliche Erfahrung erfahrener Hilfe sichtbar machten.
In der Gründungsüberlieferung begegnen zudem mehrere typische Motive der europäischen Wallfahrtssage. Kinder fungieren als Empfänger einer Erscheinung; ein vergessenes Gelübde muss erfüllt werden; Tiere zeigen durch ihr ungewöhnliches Verhalten den von höherer Macht bestimmten Bauplatz an. Solche Erzählungen legitimierten nicht nur den Wallfahrtskult, sondern erklärten zugleich, weshalb gerade an diesem Ort ein Heiligtum entstanden war.
Die Wallfahrt prägte auch Wirtschaft und Siedlungsentwicklung. Pilger benötigten Unterkunft und Verpflegung, Handwerker wurden beim Kirchenbau beschäftigt, Gasthäuser entstanden, und der Wallfahrtsbetrieb schuf Erwerbsmöglichkeiten. Religion, soziale Beziehungen und örtliche Wirtschaft waren damit eng miteinander verflochten.
Besonders außergewöhnlich ist schließlich die schriftliche Überlieferung. Mit den 42.254 Einträgen des Bruderschaftsbuches von 1684 bis 1709 lässt sich die Ausstrahlung Bildsteins in einer Dichte dokumentieren, die für einen Wallfahrtsort dieser Zeit selten ist. Die Quelle zeigt, dass Bildstein keineswegs nur ein lokales Heiligtum war, sondern ein religiöser Mittelpunkt mit einem Einzugsgebiet über die heutigen Staatsgrenzen hinweg.
Die Wallfahrt nach Bildstein ist nicht erloschen. Die Kirche wird weiterhin von Einzelpilgern und Wallfahrtsgruppen besucht und versteht sich ausdrücklich als Wallfahrtskirche.
Eine besondere kirchliche Anerkennung erfuhr das Heiligtum, als die Pfarr- und Wallfahrtskirche im Jahr 2018 zur Basilica minor erhoben wurde. Der Ehrentitel unterstreicht die historische und gegenwärtige religiöse Bedeutung des Marienheiligtums.
Damit gehört Bildstein zu jenen traditionsreichen Wallfahrtsorten, an denen mittelalterliche Marienverehrung, barocke Wallfahrtskultur und gegenwärtiges religiöses Leben bis heute miteinander verbunden geblieben sind.
• Literatur zur Wallfahrt:
- Nußbaumer, Heinrich: Maria-Bildstein. Geschichte eines Marienheiligtums. Nach alten Dokumenten und Quellen. Höchst 1946; 2. Auflage 1960.
- Tschaikner, Manfred: "Diener und Dienerinnen der himmlischen Hofhaltung". 42.254 Mitglieder der Jesus-Maria-Josef-Bruderschaft zu Maria Bildstein bei Bregenz aus den Jahren 1684 bis 1709. Kleine Schriften des Vorarlberger Landesarchivs 44, Bregenz 2021.
- Hinteregger, August; Ammann, Gert: Bildstein. Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung. Kunstführer.
- Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Vorarlberg. Verlag Anton Schroll, Wien 1983.
- Vorarlberger Landesarchiv: Bildsteiner Bruderschaftsbuch, Mitgliederverzeichnis der Jesus-Maria-Josef-Bruderschaft 1684–1709.
- Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Bildstein: Dokumentation zur Geschichte der Wallfahrt, zum Gnadenbild, zur Erscheinung von 1629, zur Baugeschichte, Erscheinungskapelle und zum erhaltenen Votivbestand.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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