Krumbach-Salgenreute, Lourdeskapelle Unserer Lieben Frau von Lourdes

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Wallfahrt:Lokaler Lourdes-Andachts- und Wallfahrtsort in der Parzelle Salgenreute.
Status:Von der Diözese Feldkirch als Wallfahrtsort geführt; eine historisch ausgeprägte überregionale Wallfahrt ist bislang nicht nachweisbar.
Kultzentrum:Lourdes-Madonna beziehungsweise Marienfigur der älteren Kapelle, die in den Neubau übernommen wurde.
Ort:Salgenreute bei Krumbach
Bezirk:Bregenz
Bundesland:Vorarlberg
Lage und Besuch
Lage: Kapelle Salgenreute, Salgenreute 116, 6942 Krumbach.
Vom Ortszentrum Krumbach in 20 Minuten Gehzeit zu Fuß erreichbar; die Kapelle ist in der Regel zugänglich, die Zufahrt über den Güterweg ist für den allgemeinen Fahrzeugverkehr nicht vorgesehen.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Vorarlberg
Ansicht in Street View (Luftbild)
Web: Pfarre Krumbach
Öffnungszeiten: ganzjährig und täglich durchgehend frei zugänglich.
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Ausführliche Beschreibung

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Ausführliche Beschreibung

Die in der Parzelle Salgenreute oberhalb von Krumbach gelegene Lourdeskapelle wird von der Diözese Feldkirch unter den Wallfahrtsorten Vorarlbergs geführt. Nach der derzeit zugänglichen Quellenlage lässt sich jedoch keine historisch ausgeprägte Wallfahrt mit einem überregionalen Einzugsgebiet, einem als wundertätig verehrten Gnadenbild, dokumentierten Heilungen, Votivgaben oder einer eigenen Mirakelüberlieferung nachweisen. Der Charakter des Ortes entspricht vielmehr einer kleinen lokalen Lourdes-Andachtsstätte, die seit dem späten 19. Jahrhundert vor allem für die Bewohner der umliegenden Parzellen Salgenreute, Au und Zwing Bedeutung besaß und deren religiöses Leben insbesondere durch Marienverehrung, Maiandachten und das Wetterläuten geprägt war.

Gerade diese lokale Funktion macht die Kapelle volkskundlich interessant. Sie zeigt, wie der im 19. Jahrhundert innerhalb weniger Jahrzehnte international verbreitete Lourdeskult auch abgelegene ländliche Räume des Bregenzerwaldes erreichte und dort in die bestehende bäuerliche Religiosität aufgenommen wurde. Mit dem 2015/16 errichteten Neubau erhielt diese Tradition schließlich einen architektonisch außergewöhnlichen Ausdruck, wobei wesentliche Kultgegenstände der alten Kapelle – die Marienfigur und die Glocke – bewusst in den neuen Sakralraum übernommen wurden.

Die erste Kapelle um 1880

Die ursprüngliche Lourdeskapelle wurde um 1880 von einer in der unmittelbaren Umgebung ansässigen Familie errichtet; in den lokalen Darstellungen wird dabei die Familie Wahler genannt. Ein konkreter Anlass für die Stiftung ist bislang nicht sicher überliefert. Insbesondere lässt sich weder ein Gelübde infolge einer Krankheit noch eine wunderbare Heilung oder eine andere außergewöhnliche Gebetserhörung als Gründungsanlass belegen.

Diese Zurückhaltung ist für die historische Einordnung wichtig. Die Kapelle war zwar ausdrücklich der Gottesmutter von Lourdes gewidmet, doch gibt es keine Grundlage dafür, ihre Entstehung nachträglich mit einem nicht dokumentierten Wunder oder einem privaten Gelübde auszuschmücken.

Die Stiftung erfolgte nur etwa zwei Jahrzehnte nach den Marienerscheinungen von Lourdes im Jahr 1858 und zeigt damit, wie rasch der neue französische Marienkult auch in Vorarlberg aufgenommen wurde. Die kirchliche Anerkennung der Erscheinungen war 1862 erfolgt; bereits um 1880 besaß die abgelegene Parzelle Salgenreute eine eigene Lourdeskapelle.

Lourdes im Bregenzerwald

Der Lourdeskult verbreitete sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts außerordentlich rasch. In ganz Europa entstanden Lourdesgrotten, Lourdeskapellen und Nachbildungen der berühmten Grotte von Massabielle, in der Bernadette Soubirous 1858 ihre Marienerscheinungen erfahren haben soll.

Mit diesen Nachbildungen wurde ein internationales Wallfahrtsheiligtum in die lokale religiöse Landschaft übertragen. Nicht jeder Gläubige konnte nach Südfrankreich reisen; eine Lourdeskapelle ermöglichte es, die dortige Marienverehrung auch innerhalb der eigenen Region nachzuvollziehen.

Salgenreute gehört in diesen Zusammenhang. Anders als an großen Lourdeswallfahrtsorten lässt sich hier jedoch kein eigener Heilungskult nachweisen. Die Bedeutung der Kapelle lag offenbar weniger in einer besonderen örtlichen Wundertradition als in der Möglichkeit, die damals stark verbreitete Lourdesfrömmigkeit in unmittelbarer Nähe der eigenen Höfe zu pflegen.

Religiöser Mittelpunkt der umliegenden Höfe

Die Kapelle wurde insbesondere von den Bewohnern der Parzellen Au, Zwing und Salgenreute genutzt. Für diese abgelegenen Höfe bedeutete sie einen wohnortnahen religiösen Mittelpunkt und ersparte insbesondere bei ungünstigem Wetter und während der Wintermonate den weiteren Weg zur Pfarrkirche von Krumbach.

Die Nutzung beschränkte sich dabei nicht auf gelegentliche Einzelandachten. Marienfeste und besonders die Maiandachten spielten eine wichtige Rolle. Die Kapelle war dadurch fest in den religiösen Jahreslauf der Nachbarschaft eingebunden.

Gerade darin liegt ihre historische Bedeutung. Salgenreute war weniger Ziel großer Pilgerströme als ein kleinräumiger Sakralort, der den religiösen Alltag einer überschaubaren bäuerlichen Gemeinschaft strukturierte.

Die Maiandachten

Besonders eng war die Kapelle mit der Marienverehrung im Monat Mai verbunden. Maiandachten gehörten im 19. und 20. Jahrhundert zu den verbreitetsten Formen katholischer Volksfrömmigkeit und wurden gerade in kleinen Kapellen häufig von der örtlichen Bevölkerung getragen.

Auch in Salgenreute blieb diese Tradition erhalten. Die Kapelle wurde im Mai mit Blumen geschmückt und für gemeinsame Andachten genutzt; die Pflege des Gotteshauses lag wesentlich bei Familien aus der unmittelbaren Nachbarschaft.

Diese Form der Marienverehrung besitzt einen anderen Charakter als die klassische Wallfahrt zu einem wundertätigen Gnadenbild. Sie beruht stärker auf regelmäßig wiederkehrender gemeinschaftlicher Andacht, wodurch die Kapelle zugleich zum religiösen Treffpunkt einer kleinen Nachbarschaft wurde.

Das Wetterläuten

Volkskundlich besonders bemerkenswert ist die überlieferte Nutzung der Kapellenglocke zum Wetterläuten. Die alte Glocke wird in jüngeren Darstellungen ausdrücklich als Wetterglocke bezeichnet und gehörte zu jenen Gegenständen, die beim Neubau der Kapelle bewusst erhalten wurden.

Das Wetterläuten war in den ländlichen Gebieten des Alpenraumes weit verbreitet. Bei drohenden Gewittern und Unwettern wurden Kirchenglocken geläutet, wobei sich religiöse Schutzvorstellungen und praktische Warnfunktion miteinander verbanden. Der Klang der geweihten Glocke sollte nach traditioneller Vorstellung die drohende Gefahr abwehren beziehungsweise unter den Schutz Gottes stellen.

Für Salgenreute lässt sich der genaue Ablauf des Brauches bislang nicht rekonstruieren. Es ist weder ein bestimmtes Gebet noch eine feste Läuteordnung dokumentiert. Sicher belegt ist jedoch, dass die Kapelle ausdrücklich für das Wetterläuten genutzt wurde.

Damit erhält sie eine zusätzliche Bedeutung, die weit über ihre Funktion als Lourdes-Andachtsstätte hinausgeht.

Wetter, Landwirtschaft und Religion

Für eine bäuerliche Bevölkerung war bedrohliches Wetter keine abstrakte Naturerscheinung. Hagel, Sturm oder schwere Gewitter konnten innerhalb weniger Minuten einen erheblichen Teil der Jahresernte zerstören und dadurch die wirtschaftliche Existenz eines Hofes gefährden.

Das Wetterläuten verband die Kapelle deshalb unmittelbar mit dem Lebensalltag der umliegenden Höfe. Während die Lourdesverehrung eine international verbreitete Marienfrömmigkeit nach Salgenreute brachte, knüpfte das Wetterläuten an ältere lokale Schutzvorstellungen an.

Gerade diese Verbindung unterschiedlicher religiöser Ebenen ist volkskundlich aufschlussreich: Ein moderner Marienkult des 19. Jahrhunderts wurde in eine bäuerliche Lebenswelt integriert, in der Glocken, Wettersegen und religiöse Abwehr von Naturgefahren schon lange eine wichtige Rolle spielten.

Die alte Marienfigur

Zur Ausstattung der ursprünglichen Kapelle gehörte eine Marienfigur, die beim Abbruch des alten Gebäudes erhalten und restauriert wurde. Sie befindet sich auch in der heutigen Kapelle.

Die Figur stellt damit die wichtigste materielle Verbindung zwischen dem Sakralbau des 19. Jahrhunderts und seinem modernen Nachfolger dar.

Sie sollte allerdings nicht ohne entsprechenden Nachweis als "Gnadenbild" bezeichnet werden. Bislang lässt sich weder eine besondere Wunderüberlieferung noch eine dokumentierte Votivpraxis feststellen, die eine solche Bezeichnung rechtfertigen würde. Es handelt sich vielmehr um die historische Lourdes-Madonna beziehungsweise Marienfigur der Kapelle, die im Mittelpunkt der lokalen Andacht stand.

Die alte Kapelle wird baufällig

Nach mehr als einem Jahrhundert war das hölzerne Gebäude stark geschädigt. Insbesondere der Befall der Konstruktion durch Insekten hatte einen Zustand verursacht, in dem eine dauerhafte Sanierung kaum noch sinnvoll erschien.

Zunächst wurde eine Erhaltung des alten Baues erwogen. Schließlich entschied sich die örtliche Gemeinschaft jedoch 2014 dafür, die Kapelle abzutragen und am gleichen Ort einen Neubau zu errichten.

Diese Entscheidung war keineswegs selbstverständlich. Gerade bei kleinen ländlichen Kapellen besitzt der alte Bau häufig selbst einen hohen emotionalen Wert. In Salgenreute entschied man sich dennoch bewusst gegen eine bloße Rekonstruktion und für eine neue architektonische Form, wobei die religiöse Kontinuität durch die Übernahme der Marienfigur und der Glocke gewahrt werden sollte.

Ein Gemeinschaftsprojekt

Der Neubau wurde wesentlich von der örtlichen Bevölkerung getragen. Mehr als hundert Personen beteiligten sich nach den Projektberichten durch Arbeitsleistungen, Materialspenden, handwerkliche Kenntnisse oder finanzielle Beiträge.

Damit setzte sich in gewisser Weise die Geschichte der ursprünglichen Kapelle fort. Schon das alte Gotteshaus war keine große institutionelle Kirchengründung gewesen, sondern eine private beziehungsweise nachbarschaftlich getragene Stiftung. Auch der Neubau entstand wesentlich aus dem Engagement jener Menschen, für die dieser Ort weiterhin Bedeutung besaß.

Die Kapelle wurde dadurch nicht lediglich zu einem architektonischen Projekt, sondern erneut zu einem gemeinschaftlich geschaffenen Sakralraum.

Der Neubau von Bernardo Bader

Mit der Planung wurde der aus Krumbach stammende Architekt Bernardo Bader betraut. Die neue Kapelle entstand 2015/16 und wurde im Sommer 2016 kirchlich eingeweiht.

Bader entschied sich bewusst gegen eine historisierende Rekonstruktion der alten Lourdeskapelle. Der Neubau greift zwar deren geringe Größe und die traditionelle Bauweise mit Holz und Schindeln auf, übersetzt diese Elemente jedoch in eine konsequent zeitgenössische Architektursprache.

Auf einem steinernen Sockel erhebt sich ein hoher, vollständig mit Holzschindeln bekleideter Baukörper, bei dem Wand und Dach nahezu ineinander übergehen. Der Innenraum ist weitgehend mit unbehandeltem Weißtannenholz ausgeführt und wirkt durch seine steile Konstruktion trotz der kleinen Grundfläche überraschend hoch und konzentriert.

Ein moderner Sakralraum

Die neue Kapelle verzichtet weitgehend auf dekorative Ausstattung. Stattdessen bestimmen Material, Licht und die unmittelbare Beziehung zur Landschaft den Raum.

Besonders auffällig ist der Bereich der Marienfigur. Anstelle einer künstlich nachgebildeten Lourdesgrotte wurde ein heller, zurückhaltend gestalteter Andachtsraum geschaffen. Ein großes Fenster öffnet den Blick unmittelbar in die umliegende Landschaft.

Damit wurde die Lourdesfrömmigkeit nicht durch eine möglichst genaue Kopie der Grotte von Massabielle dargestellt. Der Neubau versucht vielmehr, mit den Mitteln zeitgenössischer Architektur einen stillen Marien- und Gebetsraum zu schaffen.

Diese Entscheidung unterscheidet Salgenreute von den zahlreichen historistischen Lourdesgrotten des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts und macht die Kapelle zu einem bemerkenswerten Beispiel moderner Sakralarchitektur.

Die alte Wetterglocke im neuen Bau

Neben der Marienfigur wurde auch die Glocke der alten Kapelle restauriert und in den Neubau übernommen.

Sie befindet sich über dem Eingangsbereich und kann weiterhin von Hand geläutet werden.

Gerade diese Glocke stellt eine besonders eindrucksvolle materielle Verbindung zur früheren religiösen Nutzung her. Der moderne Bau bewahrt damit nicht nur ein historisches Ausstattungsstück, sondern ein Objekt, das unmittelbar mit dem lokalen Brauch des Wetterläutens verbunden war.

Die alte religiöse Lebenswelt der bäuerlichen Parzellen bleibt dadurch im neuen Sakralraum zumindest symbolisch gegenwärtig.

"Man muss auch knien können"

Eine besonders anschauliche Episode aus der Planungsphase zeigt, wie stark traditionelle Frömmigkeitsformen selbst bei einem architektonisch ambitionierten Neubau berücksichtigt wurden.

Eine über achtzigjährige Bewohnerin der Nachbarschaft erklärte sich bereit, die Kirchenbänke zu finanzieren, stellte jedoch eine Bedingung: Auf den Bänken müsse man auch knien können.

Der Hinweis erscheint zunächst unscheinbar, besitzt aber eine interessante volkskundliche Dimension. Moderne Sakralarchitektur wurde hier unmittelbar an einer traditionellen körperlichen Gebetspraxis gemessen. Ein Kirchenraum konnte noch so ästhetisch anspruchsvoll sein – für seine religiöse Nutzung musste er die Möglichkeit zum Knien bieten.

Die schließlich ausgeführten Bänke berücksichtigen diese Forderung.

Die Maiandacht im Neubau

Auch nach dem Neubau blieb die ältere marianische Nutzung erhalten. Die Kapelle wird weiterhin im Marienmonat Mai geschmückt und für Maiandachten genutzt.

Damit zeigt sich eine bemerkenswerte Kontinuität. Die Architektur änderte sich radikal, die religiöse Grundfunktion blieb hingegen weitgehend dieselbe.

Der Neubau ersetzte also nicht die traditionelle Frömmigkeit durch eine rein kulturelle Nutzung, sondern schuf einen neuen räumlichen Rahmen für alte Andachtsformen.

Architekturziel und Andachtsort

Die internationale Aufmerksamkeit, welche die neue Kapelle als herausragendes Beispiel moderner Holz- und Sakralarchitektur erhielt, hat ihre Wahrnehmung zweifellos verändert. Das Gebäude wurde mehrfach ausgezeichnet und wird heute von Architekturinteressierten aus verschiedenen Ländern besucht.

Damit entstand neben der religiösen Nutzung eine zweite Form der Anziehungskraft, die mit der ursprünglichen Lourdesandacht wenig zu tun hat.

Gerade deshalb ist die Fortsetzung von Maiandacht, persönlichem Gebet und kirchlicher Nutzung von Bedeutung. Sie verhindert, dass die Kapelle zu einem bloßen Architekturdenkmal wird. Der Ort bleibt Sakralraum, auch wenn ein Teil der heutigen Besucher in erster Linie wegen seiner architektonischen Qualität kommt.

Zum Wallfahrtsstatus

Die Lourdeskapelle Salgenreute wird von der Diözese Feldkirch unter den Wallfahrtsorten Vorarlbergs geführt. Eine historisch ausgeprägte Wallfahrt im engeren Sinn lässt sich aus den bislang zugänglichen Quellen jedoch nur eingeschränkt nachweisen.

Es fehlen insbesondere Hinweise auf ein als wundertätig verehrtes Gnadenbild, dokumentierte Heilungen, Mirakelberichte, einen größeren Votivbestand oder regelmäßig aus weiter entfernten Orten kommende historische Pilgergruppen.

Die nachweisbare religiöse Tradition ist wesentlich lokaler geprägt. Die Kapelle diente der Marienandacht der umliegenden Bevölkerung, wurde für Maiandachten genutzt und besaß durch das Wetterläuten eine wichtige Funktion innerhalb der bäuerlichen Lebenswelt.

Es erscheint deshalb angemessen, Salgenreute als lokalen Lourdes-Andachts- und Wallfahrtsort zu bezeichnen, dessen Wallfahrtscharakter wesentlich schwächer ausgeprägt ist als bei den klassischen historischen Wallfahrtskirchen Vorarlbergs.

Volkskundliche Bedeutung

Die Lourdeskapelle Salgenreute ist gerade wegen ihres bescheidenen historischen Wallfahrtscharakters ein aufschlussreicher Ort. Sie zeigt, wie ein internationaler Marienkult innerhalb kurzer Zeit selbst eine abgelegene bäuerliche Landschaft erreichen und dort in bestehende religiöse Praktiken aufgenommen werden konnte.

Die um 1880 errichtete Kapelle brachte die Lourdesverehrung zu den Höfen von Salgenreute, Au und Zwing. Für deren Bewohner war sie kein fernes Wallfahrtszentrum, sondern ein unmittelbar erreichbarer religiöser Ort für persönliche Andacht, gemeinschaftliche Maiandachten und den kirchlichen Jahreslauf.

Besonders charakteristisch ist die Verbindung mit dem Wetterläuten. Darin begegnen zwei unterschiedliche religiöse Traditionen: einerseits der moderne internationale Lourdeskult des 19. Jahrhunderts, andererseits ältere bäuerliche Vorstellungen von Glockenklang, Schutz und Wetterabwehr. Die Kapelle wurde damit nicht nur zu einem Ort der Marienverehrung, sondern zu einem Bestandteil der religiösen Bewältigung jener Naturgefahren, von denen die Lebensgrundlage der umliegenden Höfe unmittelbar abhängig war.

Der Neubau des 21. Jahrhunderts führt diese Geschichte in ungewöhnlicher Weise weiter. Marienfigur und Wetterglocke wurden aus dem alten Gebäude übernommen, während die örtliche Bevölkerung wiederum selbst wesentlich zur Errichtung des neuen Sakralraumes beitrug. Selbst die Forderung, auf den neuen Kirchenbänken weiterhin knien zu können, zeigt, wie traditionelle religiöse Praxis in die moderne Architektur hineinwirkte.

Salgenreute ist damit weniger als bedeutender historischer Wallfahrtsort interessant als vielmehr als Beispiel für die Kontinuität kleinräumiger religiöser Kultur. Private Stiftung, lokale Marienfrömmigkeit, Maiandacht, Wetterläuten, gemeinschaftlicher Neubau und moderne Sakralarchitektur verbinden sich hier über mehr als ein Jahrhundert zu einer bemerkenswert geschlossenen Geschichte.

• Literatur zur Wallfahrt:

- Aicher, Florian; Bereuter, Adolf: Kapelle Salgenreute. Bernardo Bader Architekten. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2016.

- Vorarlberger Architektur Institut / nextroom: Dokumentation der Kapelle Salgenreute in Krumbach, insbesondere zur Geschichte der alten Kapelle, zum Wetterläuten und zum gemeinschaftlichen Neubau.

- Pfarre Krumbach: Dokumentationen zur Lourdeskapelle Salgenreute und zur heutigen religiösen Nutzung.

- Diözese Feldkirch: Verzeichnis der Wallfahrtsorte Vorarlbergs.

- Marktgemeinde Krumbach: Informationen zur Kapelle Salgenreute und zum Zugang.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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