Götzis, Wallfahrtskirche St. Arbogast

Die etwas außerhalb des alten Götzner Siedlungsbereiches gelegene Wallfahrtskirche St. Arbogast gehört zu den traditionsreichsten Heiligenwallfahrtsorten Vorarlbergs. Ihre besondere Bedeutung beruht weniger auf einem einzelnen Gnadenbild als auf der über Jahrhunderte gewachsenen Verehrung des hl. Arbogast, die sich mit einem bemerkenswerten Bestand an Votivzeugnissen, einer seit dem 17. Jahrhundert bestehenden Bruderschaft, regelmäßigen Bittgängen und vor allem mit dem sogenannten Arbogaststein verbindet. Dieser Stein, dessen Vertiefungen nach der Legende von den Knien des betenden Heiligen herrühren, wurde insbesondere von Menschen mit Fuß- und Beinleiden aufgesucht; nach angenommener Heilung blieben Krücken und andere Dankzeichen bei der Kirche zurück. Daneben entwickelte sich Arbogast im Volksglauben zu einem Fürsprecher lediger Frauen, die sich von ihm Hilfe bei der Suche nach einem Ehemann erhofften.

Die historische Bedeutung der Wallfahrt ist außergewöhnlich gut dokumentiert. Bereits für das späte 16. und das 17. Jahrhundert sind konkrete Votivstiftungen und bildliche Zeugnisse überliefert, während seit 1661 eine eigene St.-Arbogast-Bruderschaft bestand. Regelmäßige Bittgänge nach St. Arbogast sind seit dem 18. Jahrhundert nachweisbar und haben sich, wenn auch in veränderter Form, bis in die Gegenwart erhalten. Damit gehört St. Arbogast zu jenen Vorarlberger Wallfahrtsorten, bei denen die ältere Wallfahrt nicht vollständig erloschen ist.

Frühe Geschichte der Kirche

Urkundlich erscheint die Kirche 1473 als "Sankt Arbogast in der Klaus". Im Stiftungsbrief des Götzner Frühmesserbenefiziums wurde festgelegt, dass dienstags und samstags in St. Arbogast Messe gefeiert werden sollte; 1475 begegnet ausdrücklich die Bezeichnung "Capellae S. Arbogasti in der Clauß".

Archäologische Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass der Sakralbau wesentlich älter sein dürfte. Unter dem gotischen Chor wurden Reste einer romanischen Rundapsis festgestellt, und wahrscheinlich geht auch das Langhaus in seinem Kern auf einen romanischen Vorgänger zurück. Damit ist zwar noch keine romanische Wallfahrt erwiesen, wohl aber ein deutlich älterer Kirchenstandort.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Gotteshaus mehrfach verändert. Besonders prägend war die barocke Erneuerung, bei der auch die Ausstattung wesentlich erweitert wurde. 1721 wurden vier Altäre geweiht. Im 19. Jahrhundert folgten weitere Restaurierungen und Veränderungen; 1896 erhielt der bis dahin niedrigere Kirchturm seine heutige erhöhte Gestalt.

Der hl. Arbogast

Arbogast war Bischof von Straßburg und gehört zu den bedeutenden frühmittelalterlichen Heiligen des oberrheinischen Raumes. Um seine historische Person bildete sich früh eine reiche Legendenüberlieferung, in der Einsiedlerleben, Wunderheilungen und seine Verbindung mit dem merowingischen König Dagobert eine wichtige Rolle spielen.

Die Götzner Überlieferung geht noch weiter und verlegt einen Teil seines Lebens unmittelbar nach Vorarlberg. Arbogast soll demnach im Gebiet der späteren Kirche als Einsiedler gelebt und gebetet haben. Nachdem er Bischof von Straßburg geworden sei, habe er den bei einer Jagd tödlich verunglückten Königssohn Sigisbert wieder zum Leben erweckt. Aus Dankbarkeit habe König Dagobert an der ehemaligen Einsiedlerstätte des Heiligen bei Götzis eine Kirche errichten lassen.

Historisch ist ein Aufenthalt Arbogasts in Götzis nicht nachweisbar. Die Erzählung gehört daher zur lokalen Legendenbildung und darf nicht als biographischer Bericht verstanden werden. Für die Geschichte der Wallfahrt ist sie dennoch von großer Bedeutung, weil sie den Heiligen körperlich und räumlich unmittelbar mit dem Ort verbindet: Arbogast soll nicht nur verehrt worden sein, sondern hier selbst gelebt, gebetet und seine Spuren hinterlassen haben.

Der Arbogaststein

Das eindrucksvollste materielle Zeugnis dieser Überlieferung ist der sogenannte Arbogaststein an der Südseite der Kirche. Der Stein besitzt auffällige Vertiefungen, die naturkundlich als Ergebnis geologischer beziehungsweise glazialer Prozesse erklärt werden können. Im Volksglauben wurden sie dagegen als Abdrücke der Knie des hl. Arbogast verstanden.

Nach der Legende habe der Heilige so lange und intensiv auf diesem Stein gebetet, dass sich seine Knie in das Gestein eingedrückt hätten. Gerade diese Vorstellung machte den Stein zu einem besonderen Wallfahrtsgegenstand, denn er galt als unmittelbare materielle Spur des Heiligen.

Menschen mit Erkrankungen oder Beschwerden an Füßen und Beinen knieten beziehungsweise stellten sich in die Vertiefungen des Steines und hofften auf die Fürsprache Arbogasts. Die religiöse Handlung beruhte auf einer sehr konkreten Kontaktvorstellung: Der Körper des Kranken wurde an jene Stelle gebracht, an der nach der Überlieferung der Körper des Heiligen selbst das Gestein berührt hatte. Dadurch sollte eine besonders unmittelbare Beziehung zwischen dem Hilfesuchenden und Arbogast entstehen.

Diese Form körperlicher Kontaktfrömmigkeit ist für die Wallfahrtsforschung besonders aufschlussreich, weil der Kult nicht auf das bloße Anschauen eines Bildes oder das Gebet vor einem Altar beschränkt blieb. Der Körper des Wallfahrers wurde selbst Teil des Rituals.

Krücken als Votivgaben

Die Wallfahrt zu St. Arbogast war stark mit Heilungserwartungen verbunden. Historische Berichte und bildliche Zeugnisse erwähnen Kranke und Gehbehinderte, die zur Kirche gebracht wurden und nach einer angenommenen Heilung ihre Krücken zurückließen.

Solche Krücken waren klassische Votivgaben. Sie erfüllten einerseits die Funktion eines persönlichen Dankzeichens, andererseits wirkten sie auf nachfolgende Wallfahrer als sichtbarer Beweis für die angenommene Wirksamkeit der Fürsprache des Heiligen. Ein Raum, in dem zahlreiche zurückgelassene Krücken sichtbar waren, stellte damit gewissermaßen eine materielle Sammlung von Gebetserhörungen dar.

Gerade bei Heilwallfahrten ist dieser öffentliche Charakter von Votivgaben wichtig. Die individuelle Erfahrung eines einzelnen Wallfahrers wurde durch das zurückgelassene Objekt Teil des kollektiven Gedächtnisses des Wallfahrtsortes.

Gabriel Bratz und die Votivstiftung von 1595

Ein besonders früher und gut fassbarer Beleg für die Verehrung Arbogasts stammt aus dem Jahr 1595. Ein italienischer Reisender namens Gabriel Bratz geriet nach der Überlieferung auf einer Reise in Lebensgefahr, als er von Räubern beziehungsweise Mördern überfallen wurde. In seiner Not rief er den hl. Arbogast an und schrieb seine Rettung dessen Fürsprache zu.

Aus Dankbarkeit stiftete Bratz einen Altar für die Kirche. Die ursprüngliche Stiftung wurde später erneuert; 1657 ließ sein Enkel Markus Bratz den Altar durch Lienhard Werder, den Hofmaler des Hohenemser Grafen Caspar, neu gestalten.

Dieser Vorgang entspricht in geradezu klassischer Weise der religiösen Struktur eines Votums: Gefahr, Anrufung des Heiligen, angenommene Rettung und anschließende Dankstiftung. Zugleich zeigt die Herkunft des Stifters, dass der Ruf des Heiligtums bereits im späten 16. Jahrhundert über den engeren Götzner Raum hinausreichen konnte.

Die Wallfahrtstafel von 1651

Von außergewöhnlichem volkskundlichem Wert ist eine bemalte Holztafel aus dem Jahr 1651. Sie zeigt den hl. Arbogast inmitten einer Gruppe von Männern und Frauen unterschiedlicher sozialer Herkunft und beschreibt zugleich die Menschen, die den Wallfahrtsort aufsuchten.

Genannt werden Reisende, "Krumbe und Lahme", Gebrechliche und andere Kranke. Besonders schwer Erkrankte beziehungsweise Gehbehinderte seien auf Karren und Wagen nach St. Arbogast gebracht worden. Nach der als wunderbare Hilfe verstandenen Genesung hätten manche ihre Krücken beim Heiligtum zurückgelassen.

Damit besitzen wir ein zeitnahes Zeugnis, das Funktion und Besucherstruktur der Wallfahrt ungewöhnlich deutlich erkennen lässt. Der Wallfahrtsort wurde vor allem von Menschen aufgesucht, die körperliche Heilung suchten, doch gehörten offenbar auch Reisende zu denjenigen, die Arbogast als Schutzheiligen anriefen.

Die älteste erhaltene eigentliche Votivtafel wird in das Jahr 1654 datiert. Zusammen mit der Tafel von 1651 entsteht damit ein außergewöhnlich dichter Quellenbestand zur frühneuzeitlichen Wallfahrtspraxis.

Die St.-Arbogast-Bruderschaft

Im Jahr 1661 erhielt die Verehrung des Heiligen eine feste organisatorische Form. Als Gründer der St.-Arbogast-Bruderschaft gilt der Götzner Pfarrer Bartholomäus Ehrni. Bereits am 27. Mai desselben Jahres gewährte Papst Alexander VII. der Bruderschaft Ablässe; 1663 bestätigte der Churer Fürstbischof Ulrich ihre Statuten.

Der Bruderschaft konnten Männer und Frauen angehören. Ihre Statuten regelten Gebete, Gottesdienstbesuche, die Teilnahme an Begräbnissen sowie die gegenseitige Unterstützung und das Totengedenken. Die Mitgliederzahl war begrenzt, wodurch die Bruderschaft zugleich eine klar umrissene religiöse Gemeinschaft innerhalb der Pfarre bildete.

Besondere Bedeutung besaß das Fest des hl. Arbogast. Die Mitglieder zogen am frühen Morgen von der Götzner Pfarrkirche zur Wallfahrtskirche und feierten dort gemeinsam Gottesdienst. Die Bruderschaft trug dadurch wesentlich dazu bei, die ältere Wallfahrt in einen festen jährlichen und gemeinschaftlichen Rhythmus einzubinden.

Im 18. Jahrhundert kam eine St.-Anna-Bruderschaft hinzu. Beide Traditionen blieben für das religiöse Leben von Götzis von Bedeutung.

Arbogast als Heiratsvermittler

Neben der Heilwallfahrt entwickelte sich eine zweite, volkskundlich besonders reizvolle Form der Arbogastverehrung. Ledige Frauen riefen den Heiligen an, wenn sie sich einen Ehemann wünschten.

Überliefert ist der volkstümliche Spruch:

"Heiliger Arbogast, gib mir, was du hast, ob mager oder feist, wenn es bloß Mändle heißt."

Solche Verse gehören zu einer weit verbreiteten Form volkstümlicher Heiligenverehrung, in der hochkirchliche Fürbitte und alltägliche Lebenswünsche auf humorvolle Weise miteinander verbunden werden. Der Heilige erscheint darin nicht als ferner theologischer Vermittler, sondern als unmittelbar ansprechbarer Helfer für ganz konkrete Anliegen.

Ob mit diesem Heiratswunsch ein genau festgelegtes Ritual am Arbogaststein verbunden war, lässt sich nicht sicher nachweisen. Die Überlieferung zeigt jedoch, dass derselbe Kultort unterschiedliche Bedürfnisse aufnehmen konnte: körperliche Heilung einerseits, Partnersuche und Familiengründung andererseits.

Die Samstags-Bittgänge

Seit 1767 sind regelmäßige Bittgänge nach St. Arbogast dokumentiert. Besonders während der wärmeren Jahreszeit zogen Gläubige samstags zur Wallfahrtskirche, um dort gemeinsam zu beten und Gottesdienst zu feiern.

Diese Tradition ist bemerkenswert, weil sie über politische Umbrüche, kirchliche Reformen und gesellschaftliche Veränderungen hinweg Bestand hatte. Die ältere Heilwallfahrt mit Krücken und Votivtafeln verlor zwar im Laufe der Zeit an Bedeutung, das gemeinschaftliche religiöse Gehen nach St. Arbogast blieb jedoch erhalten.

Damit gehört St. Arbogast zu den vergleichsweise wenigen Vorarlberger Wallfahrtsorten, bei denen sich eine historische Prozessions- beziehungsweise Bittgangstradition in erkennbarer Kontinuität bis in die Gegenwart verfolgen lässt.

Widerstand gegen die Sperre der Kirche

Die starke Bindung der Bevölkerung an St. Arbogast zeigte sich besonders deutlich während der josephinischen Kirchenreformen. Im Jahr 1789 wurde die Wallfahrtskirche gesperrt; zeitweise scheint sogar ihr Abbruch im Raum gestanden zu sein.

Die Götzner Bevölkerung akzeptierte diese Maßnahme nicht. Überliefert sind heftige Auseinandersetzungen mit jenen Beamten, welche die staatlichen Anordnungen durchsetzen sollten. Es kam zu Drohungen mit Steinwürfen und zu Handgreiflichkeiten, die versperrte Kirche wurde geöffnet, und Prozessionen wurden trotz des Verbotes weiterhin durchgeführt.

Bereits 1790 konnte St. Arbogast wieder religiös genutzt werden.

Diese Episode ist volkskundlich besonders aufschlussreich. Sie zeigt, dass die Kirche von der Bevölkerung nicht bloß als eine kirchliche Einrichtung unter vielen betrachtet wurde, sondern als eigener, identitätsstiftender religiöser Ort, dessen Verlust beziehungsweise staatlich verordnete Schließung als unmittelbarer Eingriff in die eigene religiöse Lebenswelt empfunden wurde.

Auch unter bayerischer Herrschaft kam es 1807 erneut zu Einschränkungen der Prozessionen. Erst mit der Rückkehr Vorarlbergs zu Österreich normalisierte sich die Situation wieder.

Prozessionen als öffentliches Bekenntnis

Auch im 20. Jahrhundert konnten Prozessionen nach St. Arbogast über ihre unmittelbar religiöse Funktion hinaus Bedeutung gewinnen. Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurden öffentliche kirchliche Veranstaltungen zunehmend eingeschränkt und zeitweise untersagt.

Eine starke Beteiligung an kirchlichen Prozessionen konnte unter diesen politischen Bedingungen zugleich als sichtbares Festhalten an der katholischen Gemeinschaft wahrgenommen werden. Die Wallfahrt erhielt damit neben ihrer traditionellen religiösen Bedeutung vorübergehend auch eine soziale und politische Dimension.

Die Arbogast-Legende in Bildern

Die Lebens- und Wunderlegende des hl. Arbogast prägt die künstlerische Ausstattung der Kirche in besonderer Weise. Im Chor haben sich Reste älterer Wandmalereien mit Szenen aus seiner Legende erhalten.

Eine besonders umfangreiche Bilderfolge schuf 1659 der Hohenemser Hofmaler Lienhard Werder. Zwölf Tafeln erzählen in einzelnen Szenen das Leben des Heiligen und machen die Legende für die Gläubigen anschaulich: Arbogasts Auszug aus seiner Heimat, sein Einsiedlerleben, Fasten und Gebet, die Austreibung von Dämonen, Krankenheilungen, die Begegnung mit König Dagobert, der Jagdtod des Königssohnes Sigisbert, dessen wundersame Wiedererweckung sowie Tod und Begräbnis des Heiligen.

Eine solche Bildfolge erfüllte innerhalb einer Wallfahrtskirche eine wichtige Funktion. Sie erklärte den Besuchern, wer der angerufene Heilige war, welche Wunder ihm zugeschrieben wurden und weshalb seine Fürsprache als besonders wirksam galt. Die Bilder waren damit zugleich Kunstwerk, Heiligenbiographie und visuelles Medium der Wallfahrtsfrömmigkeit.

Der Hochaltar

Der Hochaltar gehört zur barocken Ausstattung der Kirche. Im Altaraufbau erscheint wiederum die Legende von der Wiedererweckung des Königssohnes Sigisbert und damit eines der zentralen Wunder Arbogasts.

Eine Inschrift verweist zugleich auf die St.-Arbogast-Bruderschaft und ihre besondere Verbindung mit den samstäglichen Gottesdiensten. Der Altar war damit nicht nur künstlerisches Zentrum des Kirchenraumes, sondern zugleich sichtbarer Ausdruck der institutionell organisierten Arbogastverehrung.

Wallfahrt, Heilung und Körper

Aus volkskundlicher Sicht gehört der Arbogaststein zu den bemerkenswertesten Kultobjekten des Ortes. Die Vorstellung, dass der Körper eines Heiligen dauerhafte Spuren in einem natürlichen Material hinterlassen habe, begegnet in unterschiedlichen europäischen Wallfahrtskulturen. Solche Vertiefungen, Fußspuren, Knieabdrücke oder Liegestellen wurden als besonders unmittelbare Zeugnisse körperlicher Anwesenheit verstanden.

Der Wallfahrer konnte mit seinem eigenen Körper in diese Spur eintreten. Gerade bei Bein- und Fußleiden entstand dadurch eine symbolische Übereinstimmung: Das kranke Körperteil wurde mit jener Stelle in Berührung gebracht, die nach der Überlieferung bereits durch den Körper des Heiligen geprägt worden war.

Diese Vorstellung entspricht einem religiösen Denken, in dem Heiligkeit materiell übertragbar sein konnte. Nicht nur Reliquien, sondern auch Orte und Gegenstände, die mit einem Heiligen in Verbindung gebracht wurden, konnten Anteil an dessen besonderer Kraft erhalten.

Volkskundliche Bedeutung

St. Arbogast gehört zu den volkskundlich besonders ergiebigen Wallfahrtsorten Vorarlbergs, weil sich hier mehrere Ebenen religiöser Praxis über einen langen Zeitraum hinweg ungewöhnlich gut dokumentieren lassen. Am Anfang steht die Legende vom Einsiedler Arbogast, welche den historischen Straßburger Bischof unmittelbar mit der Götzner Landschaft verbindet. Der Arbogaststein konkretisiert diese Verbindung und macht sie materiell erfahrbar: Die vermeintlichen Knieabdrücke des Heiligen konnten vom Körper des Wallfahrers berührt und damit in die eigene Heilungshoffnung einbezogen werden.

Die zurückgelassenen Krücken, Votivtafeln und die Wallfahrtstafel von 1651 dokumentieren eine ausgeprägte Heilwallfahrt, die keineswegs nur auf einer späteren mündlichen Tradition beruht. Mit der St.-Arbogast-Bruderschaft von 1661 wurde die Verehrung institutionell gefestigt, während die seit dem 18. Jahrhundert belegten Samstags-Bittgänge die gemeinschaftliche Wallfahrt in einen regelmäßigen religiösen Rhythmus überführten.

Daneben zeigt die Anrufung Arbogasts durch heiratswillige Frauen, wie flexibel ein Heiligenkult auf unterschiedliche Lebenssituationen reagieren konnte. Der Heilige, der körperlich Kranken helfen sollte, wurde zugleich zum Fürsprecher bei Partnersuche und Familiengründung.

Besonders eindrucksvoll ist schließlich der Widerstand der Götzner Bevölkerung gegen die staatliche Sperre des Heiligtums am Ende des 18. Jahrhunderts. Er macht deutlich, wie tief St. Arbogast im lokalen religiösen Bewusstsein verankert war. Der Wallfahrtsort war nicht lediglich ein von kirchlichen Institutionen verwaltetes Heiligtum, sondern ein von der Bevölkerung als eigener religiöser Raum verstandener Ort.

St. Arbogast verbindet damit Heiligenlegende, Berührungsfrömmigkeit, Heilungswallfahrt, Votivwesen, Bruderschaft, Prozession und lokale Identität in einer außergewöhnlich dichten Form. Gerade die Verbindung zwischen dem natürlichen Stein, den ihm zugeschriebenen Körperabdrücken des Heiligen und den körperlichen Leiden der Wallfahrer macht den Ort zu einem besonders anschaulichen Beispiel historischer Volksfrömmigkeit.

Lage: Montfortstraße 81, 6840 Götzis.
Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Vorarlberg
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Götzis St. Ulrich
Geöffnet: täglich von 08:00 Uhr morgens bis 17:00 Uhr.
Der Stein des heiligen Arbogast:

Der Stein des heiligen Arbogst wurde mit in die Südmauer von St. Arbogast eingemauert. Urkundlich 1473 als St. Arbogat in der Klaus genannt, dennoch zur Gemeinde Götzis gehörig. Der Heilige betete so innig auf diesem Stein, dass der Stein weich wie Wachs wurde und seine Knie ihren Abdruck hinterließen. Fromme Beter begeben sich ebenso in diese Bethaltung; der heilige Arbogast wird bei Fußleiden angerufen und ledige Frauen bitten um einen Ehemann.

Der Stein des heiligen Arbogast, Götzis St. Arbogast

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

St. Arbogast:

Der Weg vom Dörflein Klaus im vorderen Walgau führt in sanfter Steigung durch schattigen Wald in heiterer Landschaft gen Götzis, wo auf einem Hügel, wenn auch gebrochen, stolz der Turm von Neu-Montfort sich erhebt. Darunter liegt eine liebliche Wiese, von Nußbäumchen umschattet, und auf ihr die ehrwürdige Kirche Sankt Arbogast. Sie hat, wie eine fromme Sage meldet, ihren Namen vom hl. Arbogast, einem Schottländer (nach andern war er aus Aquitanien gebürtig), der in dieser Einsamkeit als Einsiedler lebte. Nach einigen Jahren der Beschaulichkeit wandte er sich nach Straßburg, wo er zum Bischof gewählt wurde. Dort gewann er die große Huld des austrasischen Königs Dagobert, der nichts begehrte, als Arbogasts Reden und weisen Rat, gleichwie in späterer Zeit Kaiser Karl der Dicke den Schottländer St. Eusebius häufig zu Rate zog, der auch in unserer Gegend auf dem Viktorsberg als Einsiedler lebte.

Quelle: Die Sagen Vorarlbergs. Mit Beiträgen aus Liechtenstein, Franz Josef Vonbun, Nr. 78, Seite 89

Sankt Arbogast in der Klaus, Götzis

Bildquelle: SAGEN.at

Haben Sie weitere Fotos?
Foto von Wallfahrtskirche einsenden

Sollten Sie Fotos haben, können Sie sie hier hochladen!

Literatur zur Wallfahrt:

- Fehle, Walter (Hrsg.): Götzner Heimatbuch. Götzis 1988, insbesondere zur Geschichte der Kirche St. Arbogast und zu den Ereignissen der josephinischen Zeit.

- Müller, Armin: Wallfahrten in Vorarlberg mit Weihe- und Votivgaben. Volkskundliche und geschichtliche Betrachtung der bedeutenderen Wallfahrtsorte des Landes. Dissertation, Universität Innsbruck 1946.

- Barth, Médard: "Der heilige Arbogast, Bischof von Strassburg. Seine Persönlichkeit und sein Kult". In: Archiv für elsässische Kirchengeschichte, Bd. 14, 1939/40, S. 1–248.

- Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Vorarlberg. Wien, Götzis, St. Arbogast.

- St.-Arbogast- und St.-Anna-Bruderschaft Götzis: Historische Dokumentationen zur St.-Arbogast-Bruderschaft, zum Arbogaststein, zu den Votivtafeln und zur künstlerischen Ausstattung der Kirche.

- Pfarre Götzis: Dokumentationen zur Wallfahrtskirche St. Arbogast und zur Geschichte der Bittgänge.

- Marktgemeinde Götzis: Historische Informationen zur Wallfahrtskirche St. Arbogast.

Zurück zur Übersicht: Wallfahrt in Vorarlberg
Zurück zur Gesamtübersicht Wallfahrt
Wir bitten Sie um Ihre Mitarbeit mit Text- oder Bildzusendungen.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

© www.SAGEN.at