Götzis-Meschach, Kuratienkirche zum hl. Wolfgang

Schnellüberblick
Wallfahrt:Kleine historische Wolfgangswallfahrt mit vorwiegend lokalem beziehungsweise regionalem Charakter.
Status:Die ältere Wallfahrt ist heute nur mehr schwer als eigenständige Praxis erkennbar; die Kirche bleibt ein lebendiger Sakralort.
Kultzentrum:Verehrung des hl. Wolfgang als Kirchenpatron; ein bestimmtes Gnadenbild oder ein besonderer Heilbrauch ist nicht sicher nachweisbar.
Ort:Meschach, Götzis
Bezirk:Feldkirch
Bundesland:Vorarlberg
Lage und Besuch
Lage: Kuratienkirche zum hl. Wolfgang, Meschach 1, 6840 Götzis.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Vorarlberg
Ansicht in Street View
Web: Kuratie Meschach zum hl. Wolfgang
Öffnungszeiten: Meistens verschlossen. Besichtigung über die Kuratie Meschach.
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Die hoch über dem Rheintal gelegene Kirche zum hl. Wolfgang in Meschach gehört zu den kleineren Wallfahrtsorten Vorarlbergs und wird von der Diözese Feldkirch ausdrücklich in ihrem Verzeichnis der Wallfahrtsstätten geführt. Anders als bei der nahe gelegenen Wallfahrtskirche St. Arbogast lässt sich für Meschach jedoch keine ausgeprägte historische Heil- oder Gnadenbildwallfahrt mit Votivtafeln, Wunderberichten oder einem besonderen Kultgegenstand nachweisen. Die Verehrung galt dem Kirchenpatron, dem hl. Wolfgang von Regensburg, und dürfte vor allem lokalen beziehungsweise regionalen Charakter besessen haben. Ein bestimmtes Wolfgangs-Gnadenbild, Wolfgangsreliquien oder ein für Meschach eigentümlicher Heilbrauch sind nach der derzeit zugänglichen Quellenlage nicht sicher belegt.

Gerade deshalb ist Meschach volkskundlich interessant. Das kleine Bergkirchlein war über Jahrhunderte nicht allein Wallfahrtsziel, sondern Mittelpunkt einer weitgehend bäuerlich geprägten religiösen Lebenswelt, in der Gottesdienst, Wettersegen, Rosenkranz, Bittgänge, Kräuterweihe, Marienprozessionen und die Sorge um eine gute Ernte eng miteinander verbunden waren. Die Erinnerungen ehemaliger Bewohner ermöglichen dabei einen ungewöhnlich unmittelbaren Einblick in jene Formen alltäglicher Frömmigkeit, die in größeren Wallfahrtsorten häufig hinter der Geschichte berühmter Gnadenbilder zurücktreten.

Meschach – eine alte Bergsiedlung

Meschach liegt auf einer Bergterrasse oberhalb von Götzis und wird 1363 erstmals urkundlich genannt. Die kleine Siedlung war aufgrund ihrer Höhenlage über lange Zeit deutlich vom Talort getrennt; der Kirchweg hinunter nach Götzis war insbesondere im Winter beschwerlich. In der lokalen Geschichtsschreibung wird auch auf die Besiedlung durch Walser hingewiesen, die aus dem Bereich von Ebnit beziehungsweise über die umliegenden Höhen in diese Berglagen gelangten.

Bereits 1463 wurde in Meschach ein erstes Kirchlein errichtet. Dieses stand nicht genau an der Stelle des heutigen Gotteshauses, sondern im Bereich des heutigen Parkplatzes beim Friedhof. Dass eine zahlenmäßig kleine Bergbevölkerung schon im 15. Jahrhundert ein eigenes Gotteshaus erhielt, zeigt die Bedeutung eines wohnortnahen religiösen Mittelpunktes. Seit der Errichtung des Kirchleins war der Götzner Geistliche verpflichtet, in Meschach regelmäßig Gottesdienst zu feiern; nach der Stiftung eines Frühmesserbenefiziums in Götzis im Jahr 1473 gehörte auch die wöchentliche Messe in Meschach zu den Aufgaben des Frühmessers.

Die alte Wolfgangskirche

Das ältere Kirchlein war dem hl. Wolfgang geweiht. Im Jahr 1548 wurde es durch Luzius Iter, Bischof von Chur, kirchlich geweiht. Weshalb gerade Wolfgang zum Patron dieser kleinen Bergkirche gewählt wurde, lässt sich nicht mehr sicher feststellen.

Der hl. Wolfgang von Regensburg gehörte seit dem Mittelalter zu den besonders populären Heiligen des süddeutschen und österreichischen Raumes. Seine Verehrung wurde wesentlich durch die große Wallfahrt nach St. Wolfgang am Wolfgangsee verbreitet und erreichte weit über Oberösterreich und Bayern hinaus zahlreiche kleinere Kirchen und Kapellen. In Meschach ist jedoch weder eine persönliche Wolfgangslegende noch eine Erinnerung an einen Aufenthalt des Heiligen überliefert. Auch eine bestimmte Reliquie oder ein historisches Kultbild, das die Entstehung der Wallfahrt erklären könnte, lässt sich derzeit nicht nachweisen.

Der Wallfahrtscharakter dürfte daher vor allem mit der allgemeinen Verehrung des hl. Wolfgang und der Bedeutung des Meschacher Heiligtums innerhalb der näheren Region verbunden gewesen sein. Gerade bei kleineren ländlichen Wallfahrten muss nicht immer ein einzelnes Wunderereignis oder ein berühmtes Gnadenbild am Anfang stehen; auch ein besonders verehrter Kirchenpatron konnte Gläubige aus benachbarten Orten anziehen.

Der hl. Wolfgang

Wolfgang wurde um 924 geboren und war seit 972 Bischof von Regensburg. Er wirkte als Kirchenreformer und spielte eine bedeutende Rolle im kirchlichen Leben des ostfränkisch-deutschen Reiches. Nach seinem Tod 994 entwickelte sich rasch ein ausgeprägter Kult.

In der späteren Volksfrömmigkeit erhielt Wolfgang zahlreiche Patronate. Er wurde unter anderem bei Krankheiten, insbesondere bei Augenleiden, Gicht und Lähmungen, angerufen und galt regional auch als Schutzheiliger des Viehs. Zahlreiche Wolfgangskirchen, Wolfgangsbrunnen und sogenannte Wolfgangssteine zeigen die außerordentliche geographische Ausbreitung seiner Verehrung.

Solche allgemeinen Wolfgangstraditionen dürfen jedoch nicht ohne entsprechende Quellen auf Meschach übertragen werden. Für die dortige Kirche lässt sich bislang weder ein eigener heilkräftiger Stein noch ein Wolfgangsbrunnen oder ein vergleichbarer Kultgegenstand nachweisen. Die besondere Bedeutung Meschachs liegt vielmehr in der langjährigen Kontinuität des Patroziniums und in der religiösen Funktion der Kirche für die Bewohner der Bergsiedlung.

Von der Filialkirche zur eigenen Kuratie

Der Wunsch der Meschacher Bevölkerung nach einer stärkeren seelsorglichen Selbstständigkeit erfüllte sich im Jahr 1821, als Meschach zur Expositur beziehungsweise Kuratie erhoben wurde. Johann Georg Benzer trat Ende Dezember 1821 seinen Dienst als erster eigener Seelsorger an und feierte am 1. Jänner 1822 erstmals Gottesdienst als Expositus von Meschach.

Von 1821 bis 1956 wirkten insgesamt sechzehn Kuraten in der kleinen Berggemeinde. Damit veränderte sich zugleich die Funktion der Kirche. Sie war nun nicht mehr nur Filial- und Andachtskirche beziehungsweise Ziel einer lokalen Wolfgangsverehrung, sondern regulärer Mittelpunkt des religiösen Lebens der Bewohner. Eine ältere Wallfahrt konnte dadurch zunehmend in den normalen Gottesdienst- und Jahreslauf der Kuratie eingehen, weshalb sich ihre historischen Formen in jüngeren Quellen nur mehr schwer als eigenständige Wallfahrt erkennen lassen.

Die alte Kirche wird zu klein und feucht

Die mittelalterliche beziehungsweise frühneuzeitliche Kirche wurde mehrfach verändert. 1865/66 erfolgten eine umfassende Renovierung und eine Erweiterung; zugleich versuchte man, das Gebäude trockenzulegen. Die Probleme mit der Feuchtigkeit konnten jedoch nicht dauerhaft gelöst werden.

Schließlich entschloss sich die kleine Gemeinde zu einem vollständigen Neubau an einer günstigeren Stelle. Für eine Bergsiedlung mit nur wenigen hundert beziehungsweise zeitweise deutlich weniger Einwohnern stellte dies eine erhebliche gemeinschaftliche Leistung dar und zeigt, welchen Stellenwert die Kirche im örtlichen Leben besaß.

Die heutige Kirche

Die heutige Kuratienkirche wurde in den Jahren 1881 bis 1883 nach Plänen des Feldkircher Architekten Karl Holzhammer errichtet. Die Bauausführung lag bei Fidel Kröner aus Levis. Zum Zeitpunkt des Neubaus lebten rund 170 Menschen in Meschach. Die feierliche kirchliche Weihe erfolgte 1891.

Der Bau präsentiert sich als neugotische Landkirche und bildet mit seiner exponierten Lage einen weithin sichtbaren Mittelpunkt der kleinen Bergsiedlung. Die Ausstattung entstand weitgehend im Zusammenhang mit dem Neubau, wodurch der Innenraum ein vergleichsweise geschlossenes historistisches Erscheinungsbild bewahrt.

Der Hochaltar und die Wolfgangsdarstellung

Der neugotische Hochaltar wurde 1883 von Josef Bertsch geschaffen. Die beiden Seitenaltäre stammen von August Valentin aus Brixen. Auch die Glasfenster des Chores gehören zum Programm des Neubaus; sie wurden von einer Regensburger Glasmalereianstalt gefertigt und zeigen unter anderem den hl. Wolfgang zwischen Darstellungen des Herzens Jesu und des Herzens Mariens.

Damit steht der Kirchenpatron auch im Bildprogramm der neuen Kirche deutlich im Mittelpunkt. Die Wolfgangsdarstellungen dürfen jedoch nicht ohne weiteren Beleg als historische Gnadenbilder angesprochen werden. Ein bestimmtes, von Wallfahrern besonders verehrtes Wolfgangsbild ist für Meschach bislang nicht sicher dokumentiert.

Eine spätgotische Madonna aus Meschach

Aus der älteren Kirche stammt eine bedeutende Madonna mit Kind aus der Zeit um 1470, die sich heute in der neuen Pfarrkirche St. Ulrich in Götzis befindet. Ihre Entstehungszeit liegt ungefähr in jener Epoche, in der auch das erste Meschacher Kirchlein errichtet wurde, sodass sie wahrscheinlich zur mittelalterlichen Ausstattung gehört hat.

Die Figur ist kunsthistorisch von besonderem Interesse, doch lässt sich bisher kein Nachweis dafür erbringen, dass sie in Meschach als Gnadenbild verehrt wurde oder Mittelpunkt einer Marienwallfahrt war. Sie sollte daher als bedeutendes ehemaliges Ausstattungsstück der alten Kirche verstanden werden, nicht als nachträglich konstruiertes Wallfahrtsbild.

Die Meschacher Krippe

Zu den wertvollsten historischen Kunstwerken gehört die sogenannte Meschacher Krippe aus dem frühen 17. Jahrhundert, die mit dem bedeutenden Feldkircher Bildhauer Erasmus Kern beziehungsweise seinem künstlerischen Umfeld verbunden wird. Die Figuren werden traditionell in der Weihnachtszeit präsentiert und erinnern an die lange Geschichte des sakralen Kunstbestandes von Meschach.

Krippen waren nicht lediglich dekorative Weihnachtsausstattungen. Gerade in kleineren ländlichen Kirchen konnten sie einen wichtigen Bestandteil der jahreszeitlich wechselnden Frömmigkeit bilden. Die Heilsgeschichte wurde dadurch räumlich und anschaulich gegenwärtig gemacht und konnte von den Kirchenbesuchern nicht nur gehört, sondern bildlich betrachtet werden.

Der religiöse Alltag in Meschach

Für die volkskundliche Betrachtung besonders wertvoll sind die Erinnerungen von Christl Lampert, die in Meschach aufwuchs und zahlreiche Einzelheiten des religiösen Alltags der Bergsiedlung dokumentierte. Ihre Schilderungen zeigen eine Frömmigkeitswelt, in der der kirchliche Jahreslauf unmittelbar mit Landwirtschaft, Wetter, Familie und Dorfgemeinschaft verbunden war.

Am Samstagabend wurde in der Kirche Rosenkranz gebetet, unter anderem um geistliche Berufe. Während des Sommers spendete der Geistliche nach dem Gottesdienst regelmäßig den Wettersegen. Solche Wettersegen waren in bäuerlichen Gesellschaften von erheblicher Bedeutung, weil Hagel, längere Regenperioden oder Trockenheit innerhalb kurzer Zeit die Lebensgrundlage einer Familie gefährden konnten. Religiöse Bitte und landwirtschaftliche Erfahrung standen deshalb in einem engen Zusammenhang.

Nach längeren Regenperioden konnte der Kurat sogar erlauben, am Sonntag Heuarbeiten durchzuführen. Darin zeigt sich besonders anschaulich das Spannungsverhältnis zwischen der kirchlich gebotenen Sonntagsruhe und der praktischen Notwendigkeit, eine seltene Schönwetterperiode für die Sicherung der Ernte zu nutzen. Die geistliche Autorität vermittelte damit zwischen religiöser Norm und bäuerlicher Existenzsicherung.

Bittgänge nach St. Arbogast

Die religiöse Landschaft Meschachs endete nicht an der eigenen Kirchentür. Die Bewohner unternahmen ihrerseits Bittgänge zu anderen Heiligtümern, insbesondere zur nahe gelegenen Wallfahrtskirche St. Arbogast.

Christl Lampert erinnert sich an einen Bittgang am Annatag. Ihre Mutter habe von dort jeweils "an klenna Krom mit hoam brocht", also eine kleine Gabe oder ein kleines Andenken mit nach Hause genommen.

Diese Erinnerung ist volkskundlich besonders aufschlussreich, weil sie zeigt, wie kleine Sakralorte miteinander verbunden waren. Meschach konnte selbst Wallfahrtsort sein, während seine Bewohner gleichzeitig als Wallfahrer andere Heiligtümer aufsuchten. Religiöse Räume bestanden somit nicht isoliert nebeneinander, sondern wurden durch Prozessionen, Bittgänge und persönliche Wege miteinander verknüpft.

Kräuterweihe an Mariä Himmelfahrt

Zu den besonders anschaulich überlieferten Bräuchen gehörte die Kräuterweihe am 15. August, dem Fest Mariä Himmelfahrt, das im lokalen Sprachgebrauch als "Ougsta-hoaltag" bezeichnet wurde. Die Bewohner brachten gebundene Kräutersträuße zur Kirche, die während des Gottesdienstes gesegnet wurden.

Nach den Erinnerungen Christl Lamperts gehörten früher sogar eine kleine Zwiebel und eine Karotte in einen solchen Strauß. Diese Einbeziehung von Kulturpflanzen macht besonders deutlich, wie eng religiöse Segensvorstellungen mit Landwirtschaft und Nahrung verbunden waren.

Nach der Weihe wurde der Kräuterbuschen im Haus aufgehängt und sollte Segen und Schutz vermitteln. Bei schweren Gewittern verbrannten manche Bewohner Teile der geweihten Pflanzen. Der beim Verbrennen entstehende Rauch sollte Haus, Hof und Bewohner gegen drohendes Unwetter schützen.

Dieser Brauch gehört in einen weiten alpenländischen Zusammenhang, besitzt durch die konkret überlieferten Bestandteile des Meschacher Kräuterbuschens jedoch eine deutlich lokale Ausprägung.

Geweihte Kräuter und Wetterabwehr

Die Verwendung des Kräuterbuschens bei Gewittern zeigt eine für die traditionelle bäuerliche Frömmigkeit charakteristische Vorstellung. Der im Kirchenraum vollzogene Segen blieb nicht auf den Augenblick der Weihe beschränkt, sondern wurde in einem materiellen Gegenstand gespeichert und mit nach Hause genommen.

Das geweihte Pflanzenbündel verband damit Kirche und Haus. Im Augenblick einer Gefahr konnte auf diese sakrale Reserve zurückgegriffen werden, indem Teile des Buschens verbrannt wurden. Die Schutzwirkung wurde nicht allein abstrakt im Gebet erwartet, sondern an ein konkretes, zuvor gesegnetes Material gebunden.

In der religiösen Lebenswelt einer Bergsiedlung, deren Häuser und Ernten Gewittern, Hagel und anderen Naturgefahren besonders ausgesetzt waren, besaßen solche Handlungen eine unmittelbare existentielle Bedeutung.

Die Marienprozession

Auch marianische Frömmigkeitsformen gehörten zum religiösen Jahreslauf von Meschach. Nach den Erinnerungen Christl Lamperts fand früher am Fest Mariä Himmelfahrt eine Prozession statt, bei der vier größere Mädchen in weißen Kleidern eine Marienfigur um die Kirche trugen.

Damit wurde der sakrale Raum für die Dauer der Prozession aus dem Kircheninneren hinaus in die unmittelbare Umgebung erweitert. Die Marienfigur verließ ihren gewöhnlichen Standort und wurde durch die von den Bewohnern geprägte Landschaft getragen. Gerade in kleinen Gemeinden erhielten solche Prozessionen einen stark gemeinschaftsbildenden Charakter, weil ein erheblicher Teil der Bevölkerung unmittelbar an der Vorbereitung und Durchführung beteiligt war.

Rosenkranz, Wettersegen und Landwirtschaft

Die verschiedenen Bräuche zeigen, dass sich die religiöse Bedeutung Meschachs nicht allein durch eine historische Wolfgangswallfahrt erklären lässt. Das Kirchlein war Mittelpunkt eines ganzen Systems religiöser Handlungen, die den Jahreslauf begleiteten.

Der Rosenkranz strukturierte den Wochenrhythmus, der Wettersegen reagierte auf die Unsicherheit landwirtschaftlicher Produktion, Bittgänge verbanden Meschach mit benachbarten Heiligtümern, die Kräuterweihe brachte kirchlichen Segen in Haus und Stall, und Prozessionen machten die religiöse Gemeinschaft nach außen sichtbar.

Gerade diese alltäglichen und regelmäßig wiederkehrenden Praktiken sind volkskundlich von besonderem Wert. Sie zeigen eine Form religiöser Kultur, die weniger durch spektakuläre Wunder als durch die kontinuierliche Einbindung des Glaubens in Arbeit, Wetter, Ernte, Familie und Gemeinschaft geprägt war.

Der Leonhardiritt

In jüngerer Zeit entwickelte sich in Meschach zusätzlich die Tradition eines Leonhardirittes mit Pferdesegnung. Nach dem Gottesdienst werden dabei Pferde beziehungsweise Reiter auf der Kirchenwiese gesegnet.

Der Brauch ist wesentlich jüngeren Datums als die Kirche und darf daher nicht als Bestandteil einer historischen Wolfgangswallfahrt dargestellt werden. Dennoch fügt er sich in die religiöse Tradition einer ländlich geprägten Bergsiedlung ein und zeigt, dass alte Sakralorte auch in der Gegenwart neue Formen religiösen Brauchtums aufnehmen können.

Wallfahrtsstatus

Der historische Charakter dieser Wallfahrt bleibt in den bislang zugänglichen Quellen wesentlich undeutlicher als bei größeren Heiligtümern des Landes.

Es lässt sich kein bestimmtes Wolfgangs-Gnadenbild nachweisen, ebenso fehlen bislang konkrete historische Nachrichten über Wolfgangsvotive, eine Heilquelle oder einen für Meschach charakteristischen Heilbrauch. Auch ein regelmäßiger historischer Pilgerzug aus einer bestimmten Nachbargemeinde konnte bislang nicht eindeutig festgestellt werden.

Es erscheint deshalb angemessen, von einer kleineren lokalen beziehungsweise regionalen Wolfgangswallfahrt zu sprechen, deren Formen weitgehend in das religiöse Leben der Meschacher Gemeinde eingegangen sind. Eine darüber hinausgehende Rekonstruktion eines speziellen Wolfgangskultes wäre ohne weitere Quellen nicht gerechtfertigt.

Heutige Bedeutung

Meschach besitzt heute keinen ständig dort wohnenden eigenen Geistlichen mehr, doch wird die Kirche weiterhin regelmäßig genutzt. Die kleine Gemeinde organisiert Gottesdienste und lädt Priester zur Feier der Liturgie ein. Auch Besucher aus Götzis und den umliegenden Gemeinden nehmen daran teil.

Damit hat das Gotteshaus seine Funktion als religiöser Mittelpunkt nicht verloren. Die ältere Wallfahrt ist heute nur mehr schwer als eigenständige Praxis zu erkennen, doch die Kirche bleibt ein lebendiger Sakralort, an dem sich historische Wolfgangsverehrung, örtliche Identität und moderne Gemeindefrömmigkeit verbinden.

Volkskundliche Bedeutung

Meschach ist gerade deshalb interessant, weil die Quellen keine spektakuläre Wallfahrtslegende bieten. Der Ort zeigt eine andere Seite historischer Wallfahrtskultur: die kleine lokale Heiligenwallfahrt, eingebettet in die religiöse Lebenswelt einer Berggemeinde.

Der hl. Wolfgang gab dem Kirchlein über Jahrhunderte seine Identität, ohne dass sich ein bestimmtes Wunder oder Gnadenbild als Mittelpunkt der Verehrung nachweisen lässt. Gleichzeitig dokumentieren die Erinnerungen an Wettersegen, Rosenkranz, Bittgänge, Kräuterweihe und Marienprozessionen eine außerordentlich dichte religiöse Alltagspraxis.

Besonders aufschlussreich ist die enge Verbindung zwischen Glauben und Naturerfahrung. Wettersegen und geweihte Kräuter reagierten unmittelbar auf Gefahren, denen eine bäuerliche Bevölkerung ausgesetzt war; die Sonntagsarbeit beim Heuen konnte bei entsprechendem Wetter ausdrücklich erlaubt werden, weil der Erhalt der Ernte existentiell notwendig war. Religion stand damit nicht außerhalb der wirtschaftlichen Lebenswelt, sondern war eng mit ihr verwoben.

Auch die Wege zwischen den Heiligtümern gehören zu diesem Bild. Die Meschacher besuchten St. Arbogast, brachten kleine Andenken mit nach Hause und verbanden dadurch ihre eigene Kirche mit anderen Sakralorten des Götzner Raumes. Die religiöse Landschaft bestand aus einem Netzwerk von Kirchen, Kapellen, Bittwegen und persönlichen Erinnerungen.

Meschach zeigt damit beispielhaft, dass die Bedeutung eines kleinen Wallfahrtsortes nicht ausschließlich an der Zahl seiner Pilger oder an spektakulären Wunderberichten gemessen werden kann. Ebenso wichtig ist die Frage, wie ein Heiligtum in das tägliche Leben seiner Umgebung eingebunden war. Gerade darin liegt die besondere volkskundliche Aussagekraft der Wolfgangskirche: Sie war über Jahrhunderte geistlicher Mittelpunkt einer kleinen Bergsiedlung und Teil eines religiösen Jahreslaufes, der Wetter, Arbeit, Ernte, Krankheit, Familie und Gemeinschaft miteinander verband.

• Literatur zur Wallfahrt:

- Lampert, Christl: Leben in Meschach. Geschichte und Geschichten um den Ortsteil Meschach in Götzis, Vorarlberg. Bucher Verlag, Hohenems 2018.

- Fehle, Walter (Hrsg.): Götzner Heimatbuch. Götzis 1988.

- Rapp, Ludwig: Topographisch-historische Beschreibung des Generalvikariates Vorarlberg. Band I. Brixen 1894, insbesondere S. 477–484.

- Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Vorarlberg. Wien 1983, Götzis-Meschach, Kuratienkirche hl. Wolfgang, S. 231–232.

- Pfarre beziehungsweise Kuratie Meschach: Dokumentationen zur Geschichte der Kirche St. Wolfgang und zum religiösen Leben der Meschacher Gemeinde.

- Diözese Feldkirch: Verzeichnis der Wallfahrtsorte Vorarlbergs.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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